Aufstand der Prätorianer

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Ja, so mußte es wohl kommen: Die autonome Prätorianergarde des Bonner Systems warf die ersten Steine auf dessen Oberhaupt Richard von Weizsäcker, den Höchsten der Antifaschisten, den Niedersten der Deserteure und den Glücklichsten der Befreiten von 1945.

Am 8. November demonstrierte die regierende Klasse der BRD ohne ihre Bayern im Berliner Lustgarten für die Ausländer und gegen die bösen Deutschen, die Deutschland den Deutschen reservieren wollen. 300000 bessere Deutsche folgten ihren Regierungen, die sich zwar nicht als Staatsführer hervorgetan hatten, es jetzt aber immerhin als Demonstrationsführer versuchten.

Bisher hatten nur jakobinische und bolschewistische Regierungen demonstriert, deren politische Mythologie die revolutionäre Demonstration als Machtgründungsakt kennt. In der deutschen Geschichte war immer nur gegen Regierungen demonstriert worden, folglich wurde die erste Regierungsdemonstration eine Regierungsblamage dank jener 300 Autonomen, die man im Sinne der antifaschistisch-internationalistischen BRD-Räson als die allerbesten Deutschen, als wahre Moral-Elite, anzuerkennen hat. Sie bewarfen Herrn von Weizsäcker nämlich nicht nur mit Steinen, sondern schleuderten ihm in lauten Sprechchören ihr Verdikt entgegen: HEUCHLER!

Und damit hatten die Autonomen völlig recht, denn wer Art. 1 GG lobpreist und dann nicht auch die Grenzen offenhält für alle Menschen dieser Erde, die sich in ihrer Menschenwürde irgendwie angetastet fühlen, ist wirklich ein Heuchler! Keineswegs steht im Art. 1GG, daß die Existenz des bundesdeutschen Staates nicht berührt werden dürfe, sondern daß die Würde des Menschen – und damit aller Menschen – unantastbar sei. Dazu gab es in Weizsäckers Rede (Frankfurter Rundschau, 9.11.92) eine schöne Erläuterung: „Deutschland den Deutschen. Mit solchen Parolen ziehen Extremisten durch die Straßen. Was soll das heißen? Eine neue Verfassung? Nein! In unserem Artikel 1 steht ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar’. Dabei bleibt es.“ Basta! Und weiter: „Wir haben die Trennung überwunden, nun wollen wir keine neuen Grenzen.“ Weil aber Weizsäcker geordnete Einwanderung fordert, zieht er neue Grenzen und ist also ein Heuchler.

Weizsäcker zeigte sich im Lustgarten aber tatsächlich als großer Erneuerer unserer Verfassung, und wie jeder wahre Revolutionär läßt er eine neue Zeitrechnung beginnen: „In zwei Stunden wird es dunkel. …Damit beginnt nach den Regeln des Alten Testaments der neue Tag. Es ist der 9. November, ein deutsches Schicksalsdatum.“ Und der Präsident beendet seinen Marsch auf die Feldherrnhalle siegreich, indem er jüdische Einrichtungen in den Rang von Verfassungsorganen erhebt: „Die Organe des Staates haben… die Pflicht, bedrohte jüdische Friedhöfe nicht schlechter zu beschützen als Verfassungsorgane.“ – Ja wozu, fragt der Präsident dann noch rhetorisch., haben wir denn „durch Übung gelernt und in einer friedlichen Demonstration bewiesen, Demokraten zu sein?“ Nun eben, dafür!

Die DDR ging unter, weil sie ihre Inländer nicht mehr an der Ausreise hindern konnte; die BRD geht unter, weil sie die Ausländer nicht an der Einreise hindern und auch nicht zur Ausreise bewegen kann. Beide scheitern an ihrem Grenzregime.

Die Autonomen wie auch andere Nachkommen der 68er Bewegung in den Grünen und der SPD-Linken sind echte Systemfeinde, weil sie die ideologiekritische Metho-de anwenden. Konsequente Ideologiekritik an einem System führt zum Systemzusammenbruch durch die ideologische Resonanzkatastrophe: die Angreifer stellen sich auf die ideologische Grundlage des Systems und verstärken seine ideologische Eigenschwingung, indem sie bei jeder Sachfrage die Verwirklichung der Ideologie fordern und mit direkter Aktion erzwingen. Die Abwehr des Systems ist dann schon halbseitig gelähmt, weil es sich nur gegen die gewaltsamen Methoden, nicht aber gegen sein eigenes Ziel wenden kann.

Das nationale Lager sollte in Ruhe abwarten, bis die Autonomen die BRD ruiniert haben, mit ihnen das Bündnis suchen und ihnen eine autonom-autarke Wirtschaftszone im 4. Reich versprechen.

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