Offenkundigkeiten

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  1. Offenkundig ist, daß jedwedes Offenkundige keiner Vorschrift bedarf, die be­stimmt, daß ein Jeweiliges als offenkundig zu gelten habe. Denn dann wäre es ge­rade keine offene Kunde, sondern eine geschlossene Kunde und also eine amtliche Kundgabe. Kundgegeben muß aber nur werden, was nicht schon offenkundig ist. Es ist dann eine Verkündigung, aber deswegen eben keine Offenkundigkeit.
  2. Kunde, die vorgeschrieben ist und deren Bezweiflung mit Strafe bedroht wird, kann offenkundig keine Offenkundigkeit sein, sondern nur ein gesetzlich geschütz­tes Dogma der Staatsreligion.
  3. Dieser Staatsglaube ist durchaus veränderlich. War es in den 50er Jahren noch übereinstimmende Lehre in Ost und West (und damit wirkliche Weltreligion), daß in Auschwitz sechs Millionen Juden vergast worden seien und galt vom Ende der 60er bis zum Ende der 80er Jahre die (lexikalische) Doktrin von den vier Millionen Ver­gasten, so werden heute nur noch etwa eine Million Vergasungen gelehrt. Der Fran­zose Pressac, ein vom historischen Revisionismus der Weltkirche zurückgewonnener Renegat, darf auch ungestraft bloße 850.000 Vergasungen behaupten und dabei sogar noch offenlassen, ob es sich sämtlich um glaubensrelevante Judenvergasun­gen handelte und wie groß der Anteil der Profanvergasungen in dieser Gesamtzahl sei.
  4. Die Deflation der Gaszahlen ist dem Auschwitzglauben offenbar nicht abträglich, weil die an dogmatischer Bedeutung zunehmende Unvergleichlichkeitsdoktrin ihn stützt. Die Unvergleichlichkeit jener immer weniger werdenden auserwählten Ver­gasten nähert sich der absoluten Unvergleichlichkeit jenes einzigen Gekreuzigten auf Golgatha, deren historisch-kritische Revision zu gewissen Zeiten in Europa den Tod auf dem Scheiterhaufen nach sich zog.
  5. Der Auschwitzglaube ist die erste wirkliche, den Globus umspannende Weltreligi­on. Er hat die herkömmlichen Weltkirchen zur offenen Unterwerfung durch öffentli­che Anerkennung seiner Glaubensartikel gezwungen. Alle Religion ist immer Heils­geschichte und Unheilsgeschichte gleichermaßen, geschichtsphilosophisch betrach­tet aber der Kampf eines religiösen Volksgeistes um die Weltherrschaft; ist sein Kampf siegreich, wird dieser Volksgeist regierender Weltgeist. Die Epoche von 1789 bis 1989 stellt sich dem jüdischen Weltgeist als Heils-­ und Emanzipationsgeschichte dar; die zahlreichen Märtyrerlegenden, die aus Judenverfolgungen produziert wur­den, lassen diese Heilsgeschichte nur um so heller strahlen. Zur unangenehmen Überraschung vieler Deutscher erleben wir seit 1989 den Auschwitzglauben samt dazugehörigem Antigermanismus als ecclesia triumphans. – Offensichtlich hat die Unheilsgeschichte dieser Weltreligion begonnen.
  6. Der Niedergang einer Weltreligion beginnt mit ihrer konfessionellen Spaltung. Die theologischen Feinheiten, die im Auschwitzglauben die Holokaust­-Konfession von der Shoa­-Konfession trennen, sind dem Uneingeweihten so schleierhaft wie dem Unchristen Luthers Zank mit den Papisten.
  7. Der Untergang einer Weltreligion ist kein dramatischer Zusammenbruch, sondern ein bloßes Aufhören der entsprechenden Weltsicht: Die Epoche sinkt in ihren Ur­sprung zurück, die religiöse Sicht fällt zurück in die Tränke, aus der sie aufgespritzt war. Alte Selbstverständlichkeiten werden erkennbar und die zwanglose Offenkun­digkeit kehrt wieder.
  8. Dann wird man wieder sehen, was es bedeutete, daß die Westmächte am 24. Januar 1943 in Casablanca die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches als Kriegsziel verkündeten und ausdrücklich jede Art von Verhandlungen auch mit einer Nach-­Hitler­-Regierung ausschlossen: Es war die Mordabsichtserklärung am Deutschen Reich. Offenkundig wird dann wieder sein, daß, wer um sein Leben kämpft, so viele seiner Mörder wie nur möglich mit in den Tod nimmt, daß ein Völ­kerrechtssubjekt, gegen das ein Vernichtungskrieg geführt wird, berechtigt ist, alle feindlichen Geiseln und Gefangenen, die in seiner Gewalt sind, zu töten.
  9. Und offen sei verkündet, daß jene Völkerrechtssubjekte, die das Mordkomplott gegen das Deutsche Reich geschmiedet und ausgeführt haben, vor dem Weltgericht der Weltgeschichte zum Tode verurteilt sind. Und daß an dem Mordgesellen Sow­jetunion diese Strafe bereits vollstreckt wurde, ist ja nun wirklich offenkundig.
  10. Früher oder später bricht das Weltgericht über uns alle herein: Spätestens am Jüngsten Tag, wenn die Zeit rastet und der Raum rast, wird alles über alle offen­kundig sein. In der Zeitrast des Jüngsten Tages sind alle Toten auferstanden. Ihre Taten, Untaten und Unterlassungen liegen offen zu Tage. Diese Offenkundigkeit ist Himmel und Hölle, ist Heil und Verdammnis eines Jedweden in der ausgebreiteten Vollständigkeit des rasenden Raumes.

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