Grundkurs Ökonomie

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II.Die Haupt­ka­te­go­ri­en ei­ner na­tio­na­len Markt­öko­no­mie, al­so ei­ner Volks­markt­wirt­schaft, sind die na­tio­na­len Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren Volks­bo­den, Volks­ka­pi­tal und Volks­ar­beits­kraft. Die­se müs­sen im Ver­tei­lungs­sche­ma ei­nes Na­tio­nal­mark­tes so auf­ge­teilt wer­den, daß die Pro­du­zen­ten den Pro­dukt­fak­tor pro­du­zie­ren und an­tei­lig an die Be­sit­zer der Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren ver­äu­ßern kön­nen der­ge­stalt, daß die ver­aus­gab­ten Ar­beits­kräf­te sich re­pro­du­zie­ren und die Be­sit­zer von Bo­den und Ka­pi­tal sich er­hal­ten, al­so kon­su­mie­ren kön­nen. Die Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren wie an­schlie­ßend der Pro­dukt­fak­tor wer­den in je drei Tei­le zer­legt, von de­nen ei­ner als Ei­gen­fak­tor in den Ver­mö­gens­fond geht und die je bei­den an­de­ren Fak­tor­tei­le – die Ver­tei­lungs­fak­to­ren – in das Ver­tei­lungs­sche­ma flie­ßen. Das Ver­tei­lungs­sche­ma hat zwei Ab­schnit­te: im ers­ten wer­den die Pro­duk­ti­ons­ver­tei­lungs­fak­to­ren ver­teilt, im zwei­ten Ab­schnitt die Pro­dukt­ver­tei­lungs­fak­to­ren. Die­sen bei­den Ab­schnit­ten des Ver­tei­lungs­sche­mas ei­ner Volks­markt­wirt­schaft ent­spre­chen zwei Ver­brauchs­sche­ma­ta: das Sche­ma der pro­duk­ti­ven Kon­sum­ti­on und das Sche­ma der kon­sum­ti­ven Pro­duk­ti­on. In ers­te­rem wer­den Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren ver­braucht und der ge­sam­te Pro­dukt­fak­tor her­ge­stellt, in letz­te­rem wer­den Pro­dukt­fak­to­ren un­ter Hin­zu­zie­hung der Ei­gen­pro­duk­ti­ons­fak­to­ren ver­braucht und die Wirt­schafts­sub­jek­te der Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren re­pro­du­ziert, wo­bei die Wie­der­her­stel­lung der Klas­sen der Grund- und der Geld­be­sit­zer Pri­vat­kon­sum (kon­sum­ti­ve Pri­va­ti­on) ist, die Wie­der­her­stel­lung der Klas­se der Ar­beits­kraft­be­sit­zer hin­ge­gen kon­sum­ti­ve Pro­duk­ti­on, weil sie den Pro­duk­ti­ons­fak­tor Ar­beits­kraft pro­du­ziert.

Der Staat steuert seine Volkswirtschaft durch sein Transfersystem, das aus den Instrumenten Steuer und Negativsteuer (Beisteuer, Subvention), Sparen und Anlegen (Negativsparen) einerseits sowie aus Export und Import, aus Zoll und Negativzoll (Außenhandelshilfe) andererseits besteht. Den privaten Außenhandel steuert der Staat zudem durch tarifäre und nichttarifäre Eingriffe, ferner kann bei den Außenhandelswaren an den Mengen, den Gütern selber und ihren Wertgrößen be-, bei- und gesteuert werden. Mengen- und Gütersteuerungen sind nichttarifär, Wertgrößensteuerungen sind tarifär. Die Gütersteuerung überwacht auch die Übertragung von Techniken ins Ausland und geht bis zu Exportverboten und zu Zwangsimporten bei Industriespionage durch staatliche Geheimdienste. Die öffentlichen Behörden der staatlichen Volkswirtschaftspolizei sind die Zollämter. Der neuzeitliche Staat ist an und für sich mittellos und lebt von seinem Transferrecht; durch dessen Wahrnehmung steuert der Staat die Volkswirtschaft auch dann, wenn er, wie bei Anwendung der reinen Freihandelslehre, weder eine Steuerungsabsicht noch ein Steuerungsziel damit verfolgt. Eine triumphierende Freihandelsdoktrin muß daher letztendlich wegen dieser ungewollten Steuerungswirkungen den Staat zum Minimalstaat reduzieren oder ihn ganz zum Verschwinden bringen. Dies ist die kapitalistische Tendenz zum Absterben des Staates.

In einer Volkswirtschaft, in der sich die kapitalistische Produktionsweise durchgesetzt hat, besteht eine Tendenz zum Fall der Allgemeinen Profitrate des Kapitals und damit zur Krise. Der kapitalistischeKrisenzyklus ist in Kürze folgender: Der ständig erhöhte Sachgehalt des Kapitals bei gleichbleibendem oder schrumpfenden Humananteil steigert die Produktivität (Arbeitswirkung) und führt zu unverkäuflichen Gütern und damit zum Wertverfall des Jahresprodukts. Folglich stagniert die Mehrwertmasse und bei weiter wachsendem Sachkapital kommt es zum tatsächlichen Fall der Allgemeinen Profitrate und zum Rückzug von Geld aus der Kapitalfunktion. Dann schrumpfen Produktion, Beschäftigungsrate, Produktionsmittelpreise und Löhne, also wird Kapital vernichtet. Bei gesellschaftlich gegebener Mehrwertmasse führt das zum Wiederanstieg der Allgemeinen Profitrate: Der Absturz der Masse des gesellschaftlichen Kapitals ist der Aufschwung seiner Profitabilität. Jetzt wird Geld wieder als Kapital angelegt, Unternehmen fusionieren und die Mindestkapitaleinsätze sind gestiegen. Nach den Krisenwirkungen wirken wieder die Krisenursachen.

Der Weltmarkt ist ein Ausweg aus einer allgemeinkapitalistischen Krise im Inland, was zu einem Weltmarktwirtschaftssystem aus mehreren Nationalökonomien führt. Eine Krise des Weltmarktes aufgrund fallender Renditen läßt den Weltmarkt schrumpfen und die Binnen- und Eigenwirtschaften wachsen (Importsubstitution und Exporterübrigung), weil eine Weltkrise der Marktwirtschaft keine Wirtschaftskrise sein muß. Die Weltmarktkrise von 1929-33 wurde in Deutschland durch eine sozialökonomische Revolution und die (noch unvollkommene) Errichtung einer nachkapitalistischen Ordnung überwunden, – gemäß der Vorhersage, daß dies zuerst im höchstentwickelten Land geschehen würde. Dadurch wurde Deutschland – das beinahe die nationalsozialistische Weltrevolution ausgelöst hätte – das Opfer einer Weltkonterrevolution.

Der gegenwärtige Triumph des global nomadisierenden Finanz- und Monopolkapitals endet in der Tyrannisierung aller anderen, mehr oder weniger national und industriell gebundener Kapitalfraktionen und in der Beseitigung ihrer Reservate, der Nationalökonomien mit ihren geschützten Binnenmärkten. Nachdem also der Weltmarkt im Globalmarkt untergegangen ist, wird die erste allgemeinkapitalistische Krise gleich zur Globalkrise führen, mit einer Globalverelendung im Gefolge.

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