Karl Marx und die deutsche Philosophie

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Die in der Aula geführte Debatte über Karl Marx zwischen den Standpunkten der Autoren Löw/Romig (5/97), Girtler (9/97) und Golowitsch (12/97) hat sich auf die Persönlichkeit Marxens kapriziert und völlig vermieden, das Haupt­werk des Theoretikers Marx auch nur zu berühren. Damit hat man sich selber vom Verständnis des Grundes der gegen­wärtigen Marx-Renaissance abgeschnitten, die sich allein auf Das Kapital stützen kann.

Außer­dem hat die Debatte den Sozial-Anti­semitismus des Juden Marx gegen ihn selber als zu er­he­ben­den oder zu ent­kräftenden Vor­wurf instrumentiert und daher die gegen­wärtig herr­schen­den Denk­tabus und Kritik­schablonen verstärkt, anstatt sich über sie souverän hinwegzusetzen. Weil es heut­zutage keine öffentlichen Juden­feinde geben darf, gibt es in Wahr­heit auch keine Juden­freunde. Wer den Haß verbietet, der hat die Frei­heit nicht weniger unterdrückt, als wer die Liebe ächtet.

Selbst­redend war Marx ein kultur­deutscher Anti­semit, aber eben auch ein Bluts­jude, der alt­testamentarisch hassen konnte und z.B. Öster­reich ganz besonders üble Finanzjuden an den Hals gewünscht hat. Die Menschen allgemein sind wider­sprüchliche Wesen, und Marx war es in außer­gewöhnlichem Maße: Als systematischer Theoretiker war er ein deutscher Phi­losoph, als Prak­tiker und Pro­grammatiker dagegen ein jüdischer Gewalt- und Macht­ideologe der besonders staats­feindlichen und anti­politischen Art. Der Marxismus als jüdische Gewalt­ideologie ist in Rußland und ganz Ost­europa blamabel gescheitert, und zwar zuguter­letzt an der mittel­deutschen Einigungs­bewegung von 1989; der Marxismus als deutsch-systematische Theorie des Kapitalismus hingegen ist durch den Triumph der ka­pi­ta­lis­tischen Pluto­kratie des Westens über die kommunis­tische Des­potie in Ost­europa glänzend bestätigt worden.

Der deutsche Marx hat recht behalten, der Kapitalismus war die Welt­revolution, die alle vorkapitalistischen und reaktionär-anti­kapitalistischen Gesellschafts­formen hinweggefegt hat. Dieser Erfolg als Theoretiker war Marx beschieden, weil er sich zur deutschen Philosophie und ganz besonders zum Deutschen Idealismus streng epigonal verhielt und sich jede originär jüdische Gedanken­zutat (außer dem Aus­rutscher der „Ex­pro­pri­ation der Ex­pro­priateure“ im 23. Kapitel des ersten Kapital-Bandes) verkniff. Die Sieben gegen Theben waren zwar originell, aber erst ihre Epigonen auch erfolg­reich.

Karl Marx war ein jüdischer Ver­brecher und ein deutsches Genie. Dem Genie ist die deutsche Treue zu halten, die literarischen Verbrechen des jüdischen Ideologen aber sind verjährt. Die konservativen Schätzungen der russischen Regierung über die Zahl der Menschen­opfer, die in An­wendung der jüdisch-marxistischen Gewalt­ideologie in der Sowjetunion gebracht wurden, belaufen sich auf sechzig Millionen. Dieses Ver­brechen übertrifft noch das des Mongolen­sturms und ist damit singulär in der Welt­geschichte überhaupt. Es hätte ohne die willige Hilfe des ganzen Welt­juden­tums nicht ausgeführt werden können.

Als deutsches Genie hat Karl Marx den ganzen Deutschen Idealismus beerbt und mit dem Kapital, seinem Haupt­werk, den letzten und ausgereiftesten System­entwurf der idealistischen Bewegung vorgelegt. Schon seinen system­begründenden Begriff der Ware als Ein­heit eines Ge­brauchs­wertes (oder -gegenstandes) mit seinem Tausch­wert hat er getreulich aus Hegels Rechts­philosophie (1821) abge­kupfert, wo in § 40 das Recht als Ein­heit eines Besitzes mit seinem Eigen­tum bestimmt wird. Weil jedes Recht auch eine Ware und jede Ware auch ein Recht ist, hat Marx eine grund­legende Über­setzungs­arbeit des juridischen in den polit­ökonomischen Grund­begriff geleistet, aus dessen Selbst­bewegungen er sein System aufbaut und in seiner reflexions­logischen Wert­formen­lehre über Hegel hinaus­führende Re­sul­tate in Ge­stalt einer exakten Geld­deduktion erhält, die ihm die genaue Unterscheidung zwischen Wesen und Funktion (Erscheinung) des Geldes gestattet und das Kapital als selbstbezügliche Geld­funktion demonstriert.

Implizit hat Marx mit seiner Geld­deduktion aus der Waren­welt auch die Ab­leitung des öffentlichen Rechts aus der Welt der Rechte und die Staats­deduktion aus der Welt der juristischen Personen geliefert, obwohl er keine Staats­theorie verfaßt hat. Von Hegel hat Marx auch die Theorie der Ver­elendung in der bürgerlichen Gesell­schaft übernommen, nicht aber das Konzept des Staates als Wirk­lichkeit der sitt­lichen Idee, als Dasein Gottes auf Erden.

Die Autoren Löw/Romig meinen, Marxens ökonomische Theorie ließe sich mit einem legeren Verweis auf die herr­schen­de Meinung der Uni­ver­si­täts­öko­no­mie erledigen. Die Qua­lität der schul­ökonomischen Marx-Rezeption ist aber unter aller Kritik. So etwa kann man fol­genden Voll­unfug lesen: „Die Ware Arbeit ist nun nach Marx die einzige, bei der Gebrauchs- und Tausch­wert voneinander abweichen können, und zwar übersteigt der Gebrauchs­wert den Tausch­wert der Arbeit.“ (Klassiker des öko­no­mi­schen Denkens. II. Von Marx bis Keynes, ed. Starbatty, München 1989) Das bedeutet, daß die Uni­ver­si­täts­öko­no­mie noch nicht einmal das erste Kapitel des Kapitals versteht. Sie kann es nicht verstehen, weil ihr die phi­lo­so­phische All­ge­mein­bil­dung mangelt, die sie erkennen ließe, daß Das Kapital steht und fällt mit dem Begriffs­konzept des Deutschen Idealismus im besonderen und dem kraft­theo­re­ti­schen Den­ken der deutschen Phi­lo­sophie im all­ge­mei­nen.

Den einzigen Schwach­punkt in Marxens System hat die Universitäts­ökonomie natürlich auch nicht entdeckt. Er besteht darin, daß beim Wert der Arbeits­kraft nicht die Arbeits­wert­theorie angewandt, sondern der Preis der Kon­sumtions­mittel als Wert­bestimmer unterstellt worden ist. In Korrektur dieser In­konsequenz habe ich den dritten, arbeits­kraft­pro­duzierenden Sektor in die Kritik der politischen Ökonomie eingeführt und die darin mögliche Mehr­arbeit, deren pä­da­gogisches Mehr­produkt unter Um­ständen auch als Lohn­zuwachs re­alisierbar ist, als Konsumtions­rente, die nicht mit Alfred Marshalls Kon­sumenten­rente zu verwechseln ist, postuliert (Das Gesetz des Gesamt­nutzens, 1981).

Kants General­frage lautet: „Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?“ (KdrV,B19) Man urteilt Begriffe ana­ly­tisch, wenn le­dig­lich die mit ihnen schon gegebenen Be­stand­teile auf­gedeckt werden, und man ur­teilt den Be­griff synthetisch, wenn mehr als das mit ihm Gegebene heraus­kommt, also ein Mehr­wissen ent­steht. Bei aposteriorisch-synthetischen Ur­teilen unterstellt Kant die Herkunft dieses Mehr­wissens aus der Er­fahrung, bei apriorisch-synthetischen Urteilen aber komme das Mehr­wissen – das geistige Mehr­produkt des Er­kenntnis­prozesses – aus dem Er­kenntnis­vermögen. Das Erkenntnis­vermögen als geistige Arbeits­kraft ist dem Er­kennen, der geistigen Arbeit, trans­zendental, aber nicht transzendent, also nicht jen­seits von Raum und Zeit.

Das Mehr­wissen oder der Erkenntnis­zuwachs aus Er­kenntnis­prozessen, die zu synthetischen Urteilen a priori führen, hat bei Kant also seine Quelle im Er­kenntnis­vermögen. Marx ver­all­gemeinert das Trans­zendental­apriori aus Kants Kritik der reinen Vernunft in seiner Kritik der politischen Ökonomie auf alle Arbeits­prozesse und die in ihnen mögliche Mehr­arbeit, die sich in einem Mehr­produkt mit einem Mehr­wert ver­gegen­ständlicht, der sich am Markt als Geld­preis realisieren muß. Das Trans­zendental­apriori der Marxschen Ökonomie ist die menschliche Arbeits­kraft überhaupt. Wer die Marxsche Mehrwert­theorie angreifen will, der muß Kants synthetische Ur­teile a priori aushebeln, oder uns zumindest vorführen, wie er das Ding-an-sich erkennt.

Fichte wollte Kantianer ohne das Ding-an-sich sein, hat sich den Atheismus-Vorwurf zugezogen und war ein bein­harter Sozialist, Nationalist und Ar­beits­theoretiker, der Ei­gen­tum nur als Ar­beits­mo­nopol, nicht aber als Besitz­monopol, anerkannte. Von Schelling hat Marx die Natur­theorie und von Hegel auch noch die Dialektik übernommen. Wer sich theoretisch mit dem Kapital anlegt, steht nicht nur gegen den ganzen Deutschen Idealismus, sondern mindestens noch gegen die Leibnizsche Monadologie.

Kapitalismus heute funktioniert wie im Kapital dargestellt. Die Alte Linke, in Deutsch­land 1933 besiegt, hatte die Ar­beiter in der großen Industrie für das revolutionäre Sub­jekt gehalten. Die Neue Linke, die 1968 in Er­scheinung trat, ging in ihrer Stra­tegie von der arbeitslosen Produktion in der vollautomatischen Fabrik, also vom Ende der Wert­schöpfung und der ka­pi­ta­lis­ti­schen Waren­pro­duktion aus und setzte ihre Hoffnung in jene Massen, die von den Herr­schenden ernährt werden müssen. Bei fünf Millionen offiziellen und acht Millionen reellen Arbeits­losen allein in der ver­einigten Besatzungs­zone Deutsch­lands kein unrealistischer Ansatz.

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