Der Begriff des Krieges

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Der Krieg ist die wechselseitige Anwendung von Gewaltmitteln durch Gewalttäter zur Durchsetzung einander ausschließender Zwecke. „Der Krieg“, schreibt Carl von Clausewitz, „ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“ Bei den Zwecken kann es sich sowohl um reine Naturalien als auch um soziable Naturalien handeln. Der Zweck des Krieges kann also ein naturaler oder ein politischer sein, auch wenn er als Wirtschaftskrieg oder als geistiger Krieg geführt wird, wobei der Marktwirtschaftskrieg und der Meinungskampf dem politischen Krieg im militärischen Bereich entsprechen, ihre kategoriale Form ist die der Politik und des Rechts. Die dem Zwecke untergeordneten Gewaltziele der wechselseitig angewandten Gewaltmittel sind die gegnerischen Gewalttäter und ihre Mittel. Aber auch der Krieg als ganzer muß als Mittel, als ein und das selbe Mittel zweier Subjekte zur Verfolgung entgegengesetzter Zwecke betrachtet werden.

Krieg ist die Fortsetzung der Bildung unter Einmischung antipädagogischer Mittel. Antipädagogische Mittel sind alle Gewaltmittel, die nicht auf die Erzeugung menschlicher Handlungs- und Arbeitskraft abzielen, sondern auf ihre teilweise oder gänzliche Vernichtung. Bildung ist also Produktion der menschlichen Arbeitskraft, Tatkraft oder Kompetenz, Krieg aber ihre wechselseitige Destruktion. Nicht das Gewaltverhältnis an sich zwischen tatkräftigen Menschen oder Gemeinschaften ist antipädagogisch, sondern sein kraftzerstörendes Ziel. Nicht das Mittel, sondern das Ziel bestimmt das Wesen des Vorganges. 

Im Pädagogismus, in der Sphäre ihrer Produktion, erwartet die Arbeitskraft Schutz, Förderung und Langeweile; im Bellizismus, ihrer Destruktionssphäre hingegen, findet die zur Streitkraft vollendete Arbeitskraft Gefahr, Zerstörung und äußerste Erregung, weil Sieg oder Niederlage. Deswegen sind die Schulen häufig die Ödnis der Nation, ist die Armee ihre eigentliche Schule und der Krieg den Völkern eine wahre Lehre.

Das absolute Mittel ist jenes, welches niemals Ziel werden kann, also die Gewalt schlechthin. Sie ist immer reine Gewalttat, unerachtet der Gewaltmittel, die der Gewalttäter zwischen sich, seine Tat und deren Gegenstand gegebenenfalls einfügt. Ist der Gegenstand der mittel- oder unmittelbaren Gewalttat eine andere und gegnerische Gewalttat, heißen beide Gewalttaten zusammen ein Kampf, die darin verwendeten Mittel seine Waffen.

Die Waf­fen ei­nes Kamp­fes sind die Werk­zeu­ge der wech­sel­sei­ti­gen De­struk­ti­on und grund­sätz­lich nicht an­de­rer Na­tur als die Ar­beits­mit­tel der ein­sei­ti­gen Pro­duk­ti­on. Al­ler­dings ist die durch das Kämp­fen ge­won­ne­ne Welt­er­kennt­nis ge­sell­schafts­nä­her und al­so wirk­lich­keits­hal­ti­ger als die durch Ar­beit er­wor­be­ne. Des­we­gen gilt: Der Krieg ist die Kro­ne der mensch­li­chen Er­kennt­nis. Dis­zi­plin, Ar­beit, Me­cha­nik, Che­mie, Bio­lo­gie, Gü­ter, Geist und Bil­dung hin­ge­gen sind die­nen­de Zu­rüs­tun­gen und Er­kennt­nis­wei­sen der Men­schen als Kämp­fer. „Die Ge­walt rüs­tet sich mit den Er­fin­dun­gen der Küns­te und Wis­sen­schaf­ten aus, um der Ge­walt zu be­geg­nen.“ (Carl von Clau­se­witz) Der Be­griff des Krie­ges ist uni­ver­sell. So ist der Krieg der Wor­te die wirk­li­che An­wen­dung von Wort­ge­walt durch Wort­ge­wal­ti­ge (oder auch durch Worter­grei­fer) zur Durch­set­zung ein­an­der aus­schlie­ßen­der Zwe­cke der Wor­te, d.h. ih­rer Be­dürf­nis­be­zeich­nun­gen. Der re­gu­lä­re Krieg der Wor­te voll­zieht sich zwi­schen Wort­ge­wal­ti­gen oder Wort­ge­walt­ha­bern, der ir­re­gu­lä­re Krieg ist ein An­griffs­krieg der zu­nächst wort­lo­sen Worter­grei­fer ge­gen die Wort­ge­wal­ti­gen, um die­se zu ent­wor­ten und um sel­ber wort­mäch­tig zu wer­den. Ist der Zweck die­ses Krie­ges ein po­li­ti­scher, dann ha­ben die Wor­te au­ßer ih­rem na­tu­ra­len noch ei­nen abs­trak­ten Wert und zu dem Ge­gen­stand oder Be­dürf­nis, das die Wor­te be­zeich­nen, tritt ei­ne ge­sell­schaft­li­che Be­deu­tung und gar ein Sinn als Be­deu­tungs­zu­wachs hin­zu, so daß die um­kämpf­ten Wor­te zu Mei­nun­gen wer­den, al­so zu Ge­sin­nungs­rech­ten. Die Ge­walt­mit­tel im Wort­ge­fecht sind sich kreu­zen­de Be­dürf­nis­be­zeich­nun­gen, die Ge­walt­tat, die das Ge­walt­mit­tel als Wort­waf­fe führt, er­eig­net sich in der Deu­tung und Neu­deu­tung der Wor­te als Be­griffs­zei­chen, um den geg­ne­ri­schen Wort­waf­fen­füh­rer zu ent­wor­ten und al­so zu ent­waff­nen, zu­min­dest sei­ne Wort­streit­macht zu schwä­chen oder ihn gleich tot­zu­re­den, al­so sprach­los und mund­tot zu ma­chen.

Eines jeden Krieges Kern ist der Kampf. Jede Art von Krieg ist ein Kräftemessen, ein Ringen. In der militärischen Art des Krieges wirken die körperlichen Kräfte unmittelbar, die geistig-seelischen Kräfte aber mittelbar – durch die körperlichen – auf die gegnerischen Kräfte ein. Im geistigen Krieg wirken umgekehrt die körperlichen Kräfte nur mittelbar, nur durch die geistigen Kräfte. Der Kampf, ob unmittelbar körperlich oder unmittelbar geistig, ist als elementares Kräftemessen immer ein Ringen. Der körperliche Ringkampf ist der Urbegriff des Kampfes schlechthin. Der Gegner selber wird ergriffen und bei Überwindung seines Widerstandes und seiner Gegengriffe und Gegenwürfe auf den Rücken geworfen, wird wehrlos gemacht und durch Niederwerfung in die Niederlage gebracht. Dies geschieht unter Aufbietung des gesamten Gewichtes des Körpers und der ganzen Kraft aller seiner Gliedmaßen.

Ist das Ringen der Inbegriff des reinen, mittellosen Kampfes als des körperlichen Kräftemessens, so beginnt im Faustkampf die Instrumentalisierung von Körperteilen, die an sich schon innerhalb der Kraft jedes Kämpfers gegeben ist, denn im körperlichen Kampf war die Körperkraft ausführendes Werkzeug der geistigen Kraft, und im geistigen Kampf entfaltet sich die Körperkraft nur mittelbar, nur durch die Geisteskraft. Eine erfolgreiche Wortergreifung ist auch nur ein mittelbares Ereignis für eine physische Machtergreifung, der einfachste Soldat bedarf einer gewissen Geisteskraft, um nennenswerte physische Kampfkraft zu entfalten.

Der Naturalismus des Krieges ist die spezifische Disziplin des Kämpfers, die seinen natürlichen Fluchtinstinkt hemmt, den Totstellreflex der bedrängten Kreatur aufhebt und durch die verschiedenen Arten der Selbstbeherrschung den Aktionismus der besonderen Kampfhandlungen begründet. Benutzen die Kämpfenden bestimmte Instrumente als Waffen, beginnt mit deren wechselseitigen Wirkungen der bellizistische Mechanismus.

Der Faustkampf erzeugt mit der Faust, dem leeren Griff der Hand, eine erste, noch körpereigene Schlag- und Stoßwaffe. Wird die Faust mit dem Griff einer körperfremden Hieb- oder Stichwaffe gefüllt, ist der Übergang vom Aktionismus des Kampfes zu seinem Mechanismus vollzogen, aus Schlag und Stoß ist Hieb und Stich geworden und das weite Feld der physikalischen Kriegführung eröffnet. 

Auf dem Gebiet der mechanischen Kriegführung entwickelt sich zunächst das Handgefecht und die lange Kette der Spezialisierung der Handwaffen, deren wichtigste Unterscheidung die von Angriffs- und Verteidigungswaffen (Schwert und Schild) ist und sich zu entsprechenden Waffengattungen (Schwert- und Schildstreitkräfte) entfaltet. 

Schon im Altertum traten neben die Handwaffen die Kriegsmaschinen in Gestalt des schweren Belagerungsgerätes. Dessen unmittelbarer Nachfolger ist die Artillerie. Mit der Durchsetzung des Feuergefechts und der Feuerwaffen vollzog sich in der Gefechtsführung der Übergang vom Mechanismus zum Chemismus. Die chemische Waffe kann nämlich als Gift oder Propaganda direkt gegen die physische oder geistig-seelische Kraft des Gegners gewendet werden, oder aber indirekt wie bei der Handfeuerwaffe als chemischer Antrieb der Stoßkraft des Geschosses und obendrein des Lade- und Schußauslösungsvorganges verwendet werden. Nicht erst das Maschinengewehr, sondern auch schon der Vorderlader ist eine Kriegsmaschine, und zwar eine Stoß- oder Stechmaschine mit chemischem Antrieb und mechanischer Geschoßführung. Deswegen unterscheidet Clausewitz richtig das Handgefecht vom Feuergefecht.

Der Biologismus ist der Kriegführung von jeher angemessen, denn die biologische Waffe ist ein Organismus, der geeignet ist, die als Organismus daseiende Kraft des Feindes auf der Höhe dieser Daseinsform zu vernichten, weswegen diese Waffe schon in der ersten Natur, in der vor-instrumentellen Daseinsweise des Naturalismus gegenwärtig war und in Gestalt von Seuchen gewaltige Zerstörungskraft entwickelt hat. Früh schon sind Krankheitserreger auch als Kampfinstrumente eingesetzt worden, aber ebenso gehören die Wanderungswaffe, die Rassenwaffe, die Vergewaltigungskampagne und der Abtreibungsfeldzug zur biologischen Kriegführung. Der bellizistische Finalismus endlich ist die Bewaffnung mit dem Ziel des Waffenganges, wobei sowohl das eigene wie das gegnerische Kriegsziel als vorwiegend moralische Waffen dienen können. Am einfachsten ist die Anwendung der finalistischen Waffen beim Landesverteidigungskrieg eines friedfertigen Volkes, weil das Kriegsziel des Verteidigers wie dasjenige des Angreifers gleichermaßen vom Verteidiger als geistige Rüstungs- und Kraftmaximierungsmittel gebraucht werden können, wohingegen der Offensivfeldzug gegen Aggressionsvölker diese schnell demoralisiert (Polen 1939, Frankreich 1940). 

Wenn die Ziele der Feldzüge und der Zweck des ganzen Krieges zum Rüstungsgut desselben und also zur moralischen Hauptwaffe geworden sind, müssen sie auch vollständig eingesetzt werden. Hat dies zum Sieg und zum gewünschten Erfolg geführt, dann ist das eigene Kriegsziel erreicht und das des Gegners vereitelt durch geglückte Finalisierung beider Ziele. Der Finalismus hat dem gedient, der ihn aus subjektiven wie aus objektiven Gründen richtig einzusetzen wußte, er hat sein Finale erreicht. Damit ist der Finalismus verbraucht, der Sieger sollte Frieden schließen, zur Festigung seiner Lage zum Infinitismus übergehen und sich mit unverbrauchlich gebrauchbaren Waffen rüsten, also mit Geist. 

Geistige Güter sind unendlich und ewig. Als Resultate des Denkens sind sie Gedanken, die in Tatgedanken (Ideen) und Denkgedanken, letztere noch in Denkgegenstände (Probleme) und Denkwerkzeuge (Begriffe) zu unterscheiden sind. Anders als materielle Güter sind geistige Güter unmittelbar, ohne jede Formänderung, als Waffen verwendbar. Als rein geistiger Vorgang ist das Gefecht zweier Begriffe, die gleichsam als Klingen gekreuzt werden, sofort entschieden, weil je nach Problemlage entweder der umfassendere Begriff den beschränkteren sich einverleibt und also erobert oder umgekehrt der speziellere Begriff den abstrakteren in viele besondere Teile zerspringen läßt. Begrifflosigkeit bedeutet im geistigen Kampf stets Wehrlosigkeit. Der Sieger des geistigen Kampfes behauptet das Gefechtsfeld des Begreiflichen, der Verlierer zieht sich in das Hinterland des Handgreiflichen zurück. 

Im Reiche des Gottes Mars, in den Kriegen der körperlichen Kräfte, sind die geistigen Waffen den moralisch-seelischen, die aus der Erfassung des Kriegszieles munitioniert werden, bei ansonsten gleichgroßen Kräften immer überlegen. So ist es möglich gewesen, daß an Zahl kleine und finalistisch benachteiligte Eroberer, die aber geistig überlegen waren und damit auch technisch, taktisch und strategisch in der Vorhand, ganze Welten erobert haben. Gegen solche Siege des Infinitismus hilft der bellizistische Pädagogismus, der den Geist in erster Linie nicht in Kriegstechnik, sondern in Krieger investiert, in ihnen den Geist massenhaft lebendig macht und zu entscheidungsfähigen Kämpfern mit Auftragstaktik ausbildet. Dies ergab die gebildeten Massenheere europäischer Kulturvölker. Der reine Bellizismus unterwirft diese Völker dann den strengsten Prüfungen, erteilt ihnen die höchsten Lehren und führt sie durch das Gegenextrem des Pazifismus hindurch zum politischen Begriff des Krieges als konfligierender Rechtserzwingungen und damit zur Friedensfähigkeit, dem Begriffe des Rechts, und zum politischen Frieden als unstrittigem Rechtszustand.
 
 

Die Arbeit ist die bestimmte Negation der Natur. Die Mechanik wiederum negiert die Arbeit bestimmt, sie stellt das Arbeitsmittel in den Mittelpunkt ihrer Entwicklung von der klassischen bis zur Quantenmechanik. Die Chemie negiert die ganze Mechanik oder Physik auf ihre ganz bestimmte Weise, indem sie das Arbeitsmittel zur Randbedingung herabsetzt und den Arbeitsgegenstand in das Zentrum rückt, der als chemischer Prozeß immer ein Reaktionsautomat ist. Die Biologie verwirft alle Momente des Arbeitsprozesses durch ihren speziellen Betrachtungsgegenstand, den Prozeß als ganzen oder das Leben selber, einen Gestaltenkreislauf, worein menschliche Arbeit nur als Bestellung und Ernte eingreift. Die Frage nach der Ernte, nach ihrem endlichen Was und Wozu, negiert bestimmt das biologistische Prozeßdenken zugunsten der philosophischen Resultatsfrage im Stile einer aristotelischen Metaphysik der Güter. Diese wird gekrönt und überwunden vom Ideal des theoretischen Lebens, von der Metaphysik der Gedanken als der unverbrauchlich gebrauchbaren Güter, und in der Tat ist der Gedanke die gänzlich bestimmte Negation aller materiellen Güter. Der unendliche und ewige Gedanke wird als Lehrinhalt wieder herabgesetzt zum bloßen Bildungsmittel der endlichen und sterblichen Arbeitskraft, dies ist die didaktische Negation der geistigen Produktion oder des Infinitismus. Lehrinhalte sind der Gehalt aller erkenntnistheoretischen Stufen bis hin zum Pädagogismus selber und über ihn hinaus zum Anti-Pädagogismus, dem Bellizismus, der alle Erkenntnisstufen aus Lehrinhalten in Waffengattungen verwandelt. Die Lehrinhalte als Arbeitsmittel der Arbeitskraftproduktion (Qualifikation) werden zu Waffengattungen als den Mitteln der Arbeitskraftdestruktion (Dequalifikation) bestimmt negiert.

„Der Tod“, schreibt Hegel 1806 in Jena unter dem Eindruck der nahen Schlacht, „ist das Furchtbarste, und das Tote festzuhalten, das, was die größte Kraft erfordert. Die kraftlose Schönheit haßt den Verstand, weil er ihr dies zumutet, was sie nicht vermag. Aber nicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut und von der Verwüstung rein bewahrt, sondern das ihn erträgt und in ihm sich erhält, ist das Leben des Geistes.“ Der Krieg ist das verständige Mittel der Gemeinschaften, ihre Kraft zur Gewalttat zum Äußersten anzuspannen und im Kampf mit fremden Gemeinschaften Gewaltkraft aufzuopfern und der Zerstörung anheimzugeben, um sich zu erhalten, zu stählen und zu entfalten. 

Die Clausewitzschen Bestimmungen des Krieges hinsichtlich seines praktisch-friktionellen und nichtideellen Charakters und der überragenden Bedeutung der Kriegsgewohnheit des Heeres im wirklichen Kriege der militärischen Art bedarf keiner philosophischen Aktualisierung: „Gewohnheit stärkt den Körper in großen Anstrengungen, die Seele in großen Gefahren, das Urteil gegen den ersten Eindruck.“ 

Den Begriff des Politischen hat Clausewitz mit der Gegebenheit kriegführender Staaten vorausgesetzt, aber nicht abgeleitet, weshalb er keine Rechtsanalyse liefern und also den Unterschied von naturalen und soziablen Kriegszielen nicht fassen konnte. Dies haben wir oben nachgeliefert, ebenso die Einfügung der Philosophie der Waffengattungen in die reine Kriegstheorie als Selbstentfaltung des Kriegsbegriffes durch Zuweisung eines epistemologischen Ortes. Darzustellen bleiben jetzt außer einem formalen Resümee der Clausewitzschen Axiome des Kampfes und seiner Gesetze des Krieges noch eine spezielle Methodik desselben, die durch unsere Epistemologie der Waffengattungen, bei der es sich gleichsam um die Didaktik der Anti-Pädagogik handelt, erforderlich wird. Jetzt schon aber ist deutlich, was es heißt, von der Ebene des Bellizismus auf die des Pädagogismus hinuntergestoßen und zum Objekt einer Pädagogik der Sieger (Umerziehung) zu werden. Die Zerstörung der Kriegsfähigkeit ist die denkbar größte Dequalifizierung eines Volkes, ist ein unvergleichlich schlimmerer Kraftverlust als alle Kriegsverluste zusammen. 

Die Prämissen des Kampfes sind die folgenden:

  1. Arbeit, Tat, Handlung ist die Selbstvernichtung von Arbeitskraft, Tatkraft, Handlungskraft. 
  2. Arbeit, Tat, Handlung ist in der Regel mit Sachvernichtung und Güterverbrauch verbunden.
  3. Arbeit, die fremde Arbeitskraft verbraucht, ist Kraftvernichtung.
  4. Vernichtungsarbeit ist die Einheit von Sach- und Kraftvernichtung. 
  5. Streitkraft ist zur Vernichtungsarbeit befähigte Menschenkraft. 

Unter diesen Voraussetzungen gelten (frei nach Clausewitz) die Axiome des Kampfes:

  1. Gewalttat ist die Vernichtung von Streitkraft.
  2. Gewalttat ist Einheit von Angriff und Verteidigung.
  3. Kampf ist die polare Einheit der Gewalttaten zweier Gewalttäter.
  4. Die Kämpfenden sind in Polarität, weil jeder die Niederlage fürchtet und den Sieg will.
  5. Kampfvoraussetzung ist der Angriff, Kampfbeginn die Verteidigung. 
  6. Jeder Krieg ist in seinem Wesen ein großer Kampf.
  7. Kriege werden von den Verteidigern begonnen, sie tragen immer die Kriegsschuld.1

Der Angreifer will keinen Krieg. Er will noch nicht einmal ein Gefecht oder sonst einen Kampf, und er will schon garnicht, daß auf Gewalt mit Gewalt geantwortet wird und die Gewalttaten sich aufschaukeln. Der Angreifer ist friedliebend. Der Angegriffene hat es in der Hand, den Krieg zu verhindern. Die sicherste Kriegsverhinderung ist die Unterwerfung. Wird in Friedensdiktaten die Feststellung getroffen, daß der Besiegte die Schuld am Kriege trage, dann wird gesagt, daß der Verlierer der Verteidiger war.

Hat der Krieg trotzdem begonnen, gelten die folgenden Gesetze des Krieges:

  1. Der Krieg hat eine Ausdehnung in Raum und Zeit, hat Schauplatz und Dauer.
  2. Der Krieg ist konfligierende Gesetzgebung, die Kämpfenden geben sich gegenseitig das Gesetz ihres Handelns und das Maß ihrer Maßnahmen, die bei laufendem Kampf sich durchkreuzen.
  3. Bei entschiedenem Kampf ist der Sieg die Eroberung des Kampfplatzes, die Niederlage seine Räumung. (Gleiches gilt für die größeren Kämpfe eines Krieges, für Gefechte, Treffen, Schlachten und Feldzüge.)
  4. Der Erfolg (Gewinn) eines Sieges außerhalb des Kampfplatzes oder Gefechtsfeldes erhält sein Maß durch den Preis, den der Sieger mit eigener Streitkraft gezahlt hat.
  5. Der Krieg hat verschiedene Größen: den Schauplatz oder das Kriegstheater und seine Beschaffenheiten, die Streitkräfte der kriegführenden Parteien, die Dauer, die Destruktivkräfte der fechtenden Gewaltakte und ihre Intensitäten, d.h. die Verausgabung von Streitkraft in einer gegebenen Streitzeit. 
  6. Sind alle Größen gleich, gehört der Sieg dem Verteidiger und die Niederlage dem Angreifer, weil die Kampfstärke der Verteidigung größer ist als die des Angriffs.
  7. Der Angriffssieg erfordert das Übergewicht des Angreifers in den Größen.
  8. Die Zielstärke des Angriffs ist absolut, weil er allein ein positives Ziel hat, die Verteidigung aber bloß ein negatives in der Vereitelung des Angriffs. 
  9. Extremismus ist das Prinzip des Krieges, weil in ihm jede Größe durch eine größere Gegengröße besiegt werden muß und positive Ziele nur zu erreichen sind durch viel größere Größen, die den Kampfstärkenvorteil der Verteidigung überwinden können; deshalb führt dem Begriffe des Krieges nach die Anwendung der Gewalt zum Äußersten, zum Extrem. 
  10. Taktik lehrt den Gebrauch der Mittel im Gefecht (Treffen, Schlacht, Feldzug), Strategie lehrt den Gebrauch der Gefechte zum Ziel des Krieges, dem Sieg, und der Kriegsplan entwirft den Gebrauch des Krieges als Mittel zu seinem Zwecke, der Rechtserzwingung und des politischen Friedens oder der Besitzerzwingung und des naturalen Friedens.
  11. Das Lager ist die schlachtfertige Aufstellung einer Streitkraft oder die bewegungsbereite Lagerung einer politischen Bewegung usw. und als solches eine taktische Maßnahme, der Marsch einer Bewegung oder Armee ist eine strategische Handlung, eine Anordnung von einzunehmende Lagern und auszuführenden Gefechten. In geschichtlich bewegten Zeiten befindet ein wehrhaftes Volk sich auf dem politischen Marsch oder im Lager.
  12. Quartiere dienen der Erholung der Streitkraft, sie sind „der Lage und Ausdehnung nach strategische, der auf die Gefechtsbereitschaft gerichteten inneren Einrichtung nach taktische Gegenstände“ (Clausewitz). Einem verteidigungsbereiten Volk ist in geschichtlich beruhigten Zeiten sein Land das Quartier, es ist Gegenstand und Maßnahme seiner Deckung. 

Die Er­zeu­gung ei­ner Streit­kraft ist von ih­rem Ge­brau­che, ih­re ein­sei­ti­ge Pro­duk­ti­on so­wie ih­re lau­fen­de Un­ter­hal­tung in Krieg und Frie­den von ih­rer wech­sel­sei­ti­gen De­struk­ti­on im Ge­fecht zu un­ter­schei­den, wes­we­gen Lo­gis­tik we­der zum Krieg noch zum Han­del im ge­nau­en Sin­ne, we­der zur Lo­gik noch zur Phi­lo­so­phie ge­hört. Die Aus­rüs­tung und Aus­bil­dung von Streit­kräf­ten fällt un­ter ma­te­ri­el­le, geis­ti­ge und päd­ago­gi­sche Pro­duk­ti­on, nicht un­ter kämp­fe­ri­sche De­struk­ti­on und Er­kennt­nis­krö­nung im Bel­li­zis­mus. Als Bil­dung hat sie Na­tur­be­din­gun­gen (Be­ga­bungs­vor­aus­set­zun­gen) und Ar­beits­re­sul­ta­te (Lern- und Übungs­er­geb­nis­se), sie kennt ei­ne Di­dak­tik der Waf­fen­gat­tun­gen und ei­ne Me­tho­dik des Waf­fen­ge­brauchs. Die Tak­tik im ge­nau­en Sin­ne, als Ge­brauch vor­aus­ge­setz­ter Mit­tel im Ge­fecht, ist bel­li­zis­ti­sche Me­tho­dik; sie lehrt, wie ver­schie­de­ne Hand­ha­bun­gen des Mit­tels des­sen Zer­stö­rungs­kraft (als Ge­walt­de­struk­ti­vi­tät wie als Ge­walt­in­ten­si­tät) an den ihr be­stimm­ten Ge­gen­stand, die le­ben­di­ge Kraft des Geg­ners und er­satz­wei­se des­sen Waf­fen, zu brin­gen ver­mö­gen.

Rekrutierungs- wie Kriegsformen sind abhängig von der Verfassung des Gemeinwesens. Regime des Freihandels führen Kriege in Freifeuerzonen, um die Grenzen, die freie Völker und eigensinnige Staaten ziehen, zu zerstören. Raumgerechte Volkswirtschaften reeller Nationen hingegen werden immer eine Raumdeckende Verteidigung aufbauen und das Land selber zur hochdifferenzierten Waffe aller seiner Leute entwickeln. Im Gegensatz zu den Kriegen, in die ganze Völker involviert sind, haben die hochbewaffneten Pazifizierungsinvasionen der liberalistischen Regime eine schnell schrumpfende Basis, ihr Kriegsgeist erstirbt allmählich zur bloß militärischen Demonstration. Seit dem Vietnamkrieg wird die neo-absolutistische Kriegsmaschinerie immer häufiger von nationalen Befreiungskämpfern gedemütigt.

Der Kriegsgeist der Staaten steht heute weltweit auf derart niedrigem Niveau, daß praktisch nur noch globale Polizeiaktionen, aber keine klassischen Staatenkriege und schon gar kein Weltkrieg mehr vorstellbar erscheinen. Das läßt nicht auf das Ende der Kriege hoffen, sondern macht lediglich den baldigen Abgang des globalen Kapitalabsolutismus wahrscheinlich. Stoßen erst die souveränen und bewaffneten Völker aneinander, werden klassischer Duellkrieg und die kriegerischen Volksgeister rasch wiederauferstehen. Der Kriegsgeist der Völker wie der militärische Genius ihrer großen Feldherren bildet sich sehr schnell, weil der Krieg nur in der Wirklichkeit dank ständiger Friktionen so schwer ist, in seiner Theorie aber äußerst einfach. 

Solange der Kriegsgeist und die Souveränität der Völker nicht wiederhergestellt sind und ihre Majestät ungestraft beleidigt werden kann, müssen sie ständig Belehrungen über sich ergehen lassen, was sie gefälligst zu tun und wie sie ihre Länder einzurichten, wen sie bei sich zu dulden haben, wollen sie nicht wirtschaftliche oder militärische Sanktionen auf sich ziehen. Subjekten von Ehre Belehrungen zu erteilen, zieht unter edlen Männern ein Duell nach sich und ist unter freien Völkern eigentlich ein Kriegsgrund. Nicht die Weltkriege, sondern die Umerziehungen – totalitär in kapitalistischer und partikulär in kommunistischer Variante – waren der Schrecken des 20. Jahrhunderts. 

Mit Clausewitzens Werk „Vom Kriege“ (1832) ist der Deutsche Idealismus in der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Militärischen angekommen. In diesem Werk ist auch schon ausgesprochen, daß der Krieg es mit der Ökonomie der Kräfte und der Zeit zu tun und mit dem Handel die größte Ähnlichkeit hat. Folglich durchdrang das nächste große Werk des Deutschen Idealismus die gesellschaftliche Wirklichkeit des Ökonomischen; es erschien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und trug den Titel „Das Kapital“. Beiden Werken ist gemeinsam eine völlig unverbrauchte Jugendfrische, beide haben auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts nichts von ihrer Wahrheit eingebüßt. Es hat sich gezeigt, daß die Grundbegriffe beider Werke systematisch miteinander verknüpft werden können. Aber auch jeder Grundbegriff für sich ist weiterer Entfaltung und Präzisierung fähig, was hier am Kriegsbegriff zu demonstrieren war. Freilich sind der Krieg und die Erkenntnisstufe des Bellizismus nicht das letzte Wort der Völker, sondern die Geschichte, der Gang Gottes auf Erden, und der Historismus als Erkenntnisweise relativieren zuguterletzt alles.

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  1. Die absurde Konsequenz, daß der Verteidiger immer die Kriegsschuld trägt, folgt zwingend aus der Verknüpfung der Begriffe Krieg und Schuld. Völkerrechtssubjekte haben sowohl das Recht zum Kriege (weil die Pflicht zur außenpolitischen Rechtserzwingung) als auch Rechte im Kriege. Die Verbindung von Krieg mit rechtlicher Schuld ist also sinnwidrig, nicht aber die mit naturaler Schuld verstanden als Wirkursache.
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