Verurteilung des Freihandels

DK Erklärungen Kommentiere

  1. Seit dem Ende des sowjetischen Macht­blocks triumphiert weltweit unter dem Banner der Globalisierung die anti-nationale Ökonomie des Frei­handels über die alten National­ökonomien West­europas wie über die ehemals „geschloßnen Handels­staaten“ (Fichte, 1800) Osteuropas, die allesamt zu bloßen Stand­orten des Kapitals und zu Segmenten des globalen Einheits­marktes herab­gedrückt worden sind. Resultat ist die Anhäufung von Reich­tum auf der Seite der Wenigen und von Arbeits­losigkeit, Lohn­senkung und Sozial­abbau auf Seiten der Vielen. Die Ver­elend­ungs­theorie von Marx und Engels erfährt seit 1989 ihre größten praktischen Beweise. Die Tendenz zur Ver­elendung im Kapital­ismus setzt sich immer dann durch, wenn der Markt zum Maß­stab und zur letzten Ent­scheidungs­instanz für alle Arten wirtschaftlichen Tuns nicht nur erklärt, sondern auch wirklich gemacht wird. Einziger Lehr­satz der Frei­handels­doktrin ist, daß jede Ware zollfrei dort gekauft werden soll, wo sie gegenwärtig am billigsten ist. Die moralische Ebene dieser Lehre entspricht ungefähr der Lebens­maxime, jederzeit den leichtesten Weg zu gehen und das Billigste des Augen­blicks zu wählen. Das intellektuelle Niveau der Freihandels­doktrin ist das einer Milch­mädchen­rechnung, die von der Wirtschaft nur die äußerlichste Grenze sieht und sie mit dem Einkauf gleichsetzt. Moralisch, intellektuell und ökonomisch führt die Frei­handels­lehre in den Ruin all jener, die sich nach ihr richten und nicht zu den absolut Stärksten am Global­markt gehören. Das aber sind mindestens 90 Prozent aller Wirtschafts­subjekte.
  2. Unter dem Titel der Globalisierung hat der Frei­handel seinen Absolutismus , die End­stufe einer jeden historischen Entwicklung, erreicht. Sein ökonomisches Denkmodell kennt nur zwei Voraussetzungen: Individuum und Mensch­heit. Beide sind die unpolitischen Enden der politischen Ökonomie. Denn wenn es nur Individuen einerseits und Menschheit andererseits gibt, dann ist entweder jeder Subjekt ein und der selben Gesellschaft und somit der Hobbessche Naturrechtszustand erreicht, also der Einzelne zwar souverän, aber auch arm, elend und furchtsam, weil er wirklich umfassend für sich selbst zu sorgen hat. Oder aber es leben alle in ein und der selben bürgerlichen Gesellschaft, die dann den Weltstaat als ihren Landesherrn erzwingt, der keine außenpolitische Relativierung mehr zu fürchten hätte und im Innern zu einer Despotie der reinen Sozialtechnik entarten würde, zwar ohne Zentral­verwaltungs­wirtschaft, dafür aber mit ungebremster Herr­schaft der Gesetze und ihrer Derivate, die ihrer Natur nach un­politisch, un­persönlich und recht­los sind. Nur Nationalökonomien sind politische Ökonomien. Die Wahn­haftigkeit der unpolitischen Ökonomie des Frei­handels dürfte ebenso offen­sichtl­ich sein wie der destruktive Parasitismus jener, denen der frei­händlerische Ab­solutismus, also die Globali­sierung, gegen­wärtig nützt.
  3. Der Frei­handel ist ein wirtschaft­liches Kräfte­messen, worin der Stärkere dem Schwächeren seinen Willen aufzwingt und ihn vom Schlacht­feld des Marktes verdrängt und zum Schluß seine Existenz vernichtet, ganz ebenso, wie im Krieg ein militärisches Kräftemessen stattfindet. Freihandel ist Wirtschaftskrieg. Globaler Freihandel ist globaler Wirtschaftskrieg, der nur von souveränen Nationen durch Schutzzölle beendet werden kann.
  4. Die Propaganda und Erzwingung des Freihandels ist eine ideale wirtschaftspolitische Angriffswaffe für den wirtschaftlichen Riesen, der selber durch Protektionismus groß und unangreifbar gemacht wurde. Die Nationalökonomien müssen so verschieden sein wie die Nationen, denen sie angepaßt werden. Schwache Nationen müssen sich erst politisch so stark machen, damit sie die Rüstung des Protektionismus überhaupt anlegen und tragen können. Die Nationalökonomien aller europäischen Völker müssen wieder unabhängig werden, um ihren hauptsächlichen Trumpf, die Intelligenz und Vielfältigkeit ihrer Produktionen bis hin zur Fähigkeit der Autarkie, spielen zu können. Die amerikanische Ökonomie dagegen sucht zu beherrschen und europäische Spitzentechnologien wie europäische Hochqualifikationskräfte billig abzusaugen. Nur die souveränen Willen freier Nationen können ihre wirtschaftlichen Kräfte an der Zerstreuung in alle Welt hindern und sie zur Betätigung im jeweiligen nationalen Eigensinn bündeln.
  5. Nur Nationalökonomien sind politische Ökonomien. Bevölkerungen, Kapitalien und Techniken an sich sind vorpolitisch; es ist ihre Natur, sich von sich aus gleichmäßig über den Erdball zu verteilen, wenn sie nicht zurückgehalten werden. Sie gehen dorthin, wo sie sich betätigen können und wo sich ihre Betätigung lohnt und erfüllen in diesem Naturzustand das freihändlerische Ideal, welches der Untergang jeder Staatlichkeit und der Tod der Nationen ist. Wie in der Politik so ist auch in der Ökonomie das herrschende Bewußtsein das Bewußtsein der Herrschenden. Also sind dies jene, die den Nutzen aus der freihändlerischen Doktrin ziehen. Daß die Geschädigten des globalen Freihandels, die Nationen und ihre Staaten, sich gegenwärtig auch kein anderes Wirtschafts­modell vorstellen können, ist exakter Ausdruck ihres Unterworfenseins unter die Herrschenden. Die Haupt­schuld an dieser frei­händlerischen Primitivisierung des wirtschaft­lichen Denkens trägt die Ver­kehrung der Rang­ordnung zwischen übergeordneter Eigenwirtschaft und nachgeordneter Marktwirtschaft. Erhält die Marktwirtschaft den Vorrang, führt das notwendigerweise zu Weltmarktwirtschaftskrisen wie 1929-1933 und zur noch schlimmeren Globalmarktkrise von heute, die nur durch erneute Unter­werfung der Märkte unter die Eigen­wirtschaften der Völker überwunden werden kann. – Die anti­kapitalistische Revolution der Völker wird ihren zweiten An­lauf nehmen und diesmal end­gültig siegen!

* * *
image_pdfimage_print
FavoriteLoadingZur Leseliste hinzufügen