Die verkehrte Emanzipation

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Wäh­rend die BRD-Ver­wal­tung über wei­te­re tief­grei­fen­de Ein­grif­fe in die Ge­mein­schaf­ten mit­tels Kin­der­zwangs­auf­ent­halt in Be­wahr­an­stal­ten und be­zahl­ter Ent­vä­ter­li­chung de­bat­tier­t1, ent­larvt die Ta­ges­schau­spre­che­rin Eva Her­man die neu­zeit­li­che Eman­zi­pa­ti­on als „fa­ta­len Irr­tum” und Zer­stö­rungs­werk2.

Tatsächlich hat sich die Bedeutung des Wortes Emanzipation umgekehrt. Aus der Entlassung des Sklaven oder Sohnes in die Eigenständigkeit3 ist die Selbstbefreiung geworden, aus einem Gnadenakt wurde so ein Rechtsbruch. Denn jede Entpflichtung verletzt das Recht eines anderen – die der emanzipierten Frau das der Ehe und Familie. Der Verrat an der eigenen substantiellen Bestimmung aber ist nur um den Preis eben jener festgestellten Selbstzerstörung zu haben.

Der Mann hat … sein wirk­li­ches sub­stan­ti­el­les Le­ben im Staa­te, der Wis­sen­schaft und der­glei­chen, und sonst im Kamp­fe und der Ar­beit mit der Au­ßen­welt und mit sich selbst, so daß er nur aus sei­ner Ent­zwei­ung die selb­stän­di­ge Ei­nig­keit mit sich er­kämpft, de­ren ru­hi­ge An­schau­ung und die emp­fin­den­de sub­jek­ti­ve Sitt­lich­keit er in der Fa­mi­lie hat, in wel­cher die Frau ih­re sub­stan­ti­el­le Be­stim­mung und in die­ser Pie­tät ih­re sitt­li­che Ge­sin­nung hat.Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, § 166

Die im „Kommunistischen Manifest“ geforderte Auflösung der bürgerlichen Familie, einst das antikommunistische Schreckensbild schlechthin, vollzieht sich im entwickelten Kapitalismus selbst. Die Frauenemanzipation ist Bannerträger der Vergesellschaftung von Gemeinschaft, ihre Maximalforderung ist die der Anerkennung der Haushalts- als Lohnarbeit, mit der der eigene Mann als Ausbeuter erscheint. Die Emanzipation verendet in der absoluten Verelendung, in der die ungezogenen Kinder zuerst unbrauchbare Arbeitskäfte und schlechte Eltern abgeben und mit den ungeborenen Kindern der letzteren die Arbeitskräfte schließlich ganz verschwinden.

Die natürliche Auflösung der Familie dagegen, wenn die Kinder flügge, entläßt diese als Freie in die bürgerliche Gesellschaft, in der sie Kinder des Staates bleiben. Mit dem Übergang der natürlich-substantiellen Sittlichkeit der Familien in die reflektierte der bürgerlichen Gesellschaft und schließlich in den Staat als Wirklichkeit der sittlichen Idee ist der positiv unendliche Prozeß des Lebens in der Sphäre des objektiven Geistes erfüllt. Dem Vernünftigen und damit der eigenen Bestimmung ist Genüge getan. Die Gewißheit aber, das Vernünftige getan zu haben, ist die Glückseligkeit.

Die wachsende Automation der Haushalte leistete dem Zerfall der Familie scheinbar Vorschub, denn die freigewordene häusliche Arbeitskraft stand nun der von der Demokratie idealisierten Vermietung am Markt und der Zerstreuung4 zur Verfügung. Aber dem Selbstzweck der Familie geweiht, verheißt die häusliche Technik für die Zukunft, den um unserer selbst willen notwendigen Kindersegen bestens zu fördern.

Nicht die Eröffnung weiterer Kinderbewahr- und Pflegeanstalten steht also auf der Tagesordnung, sondern das Gegenteil: die Heimholung der Kinder und der Alten. Nicht die Stützung der Lohnarbeit von Frauen löst ein Problem des arbeitslosen und fehlernährten Landes, sondern deren Gegenteil: Vorwärts an den verwaisten Herd. Nicht die verkehrte Emanzipation ist das große Abenteuer des Lebens, sondern deren Gegenteil: Die Remanzipation, die Aushändigung und Überantwortung an einen anderen, in dem ich mein wirkliches sittliches Selbst erkenne und als ein anderer wiederkehre.

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