Markt­wirtschafts­lehre Teil A

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A.1.2 Mehrwert und Mehrwertwachstum
Kapital C teilt sich normalerweise in Humankapital Cv (variables Kapital) und in Sachkapital Cc (kon­stantes Kapital), weil die Arbeit der Mittel, Gegen­stände und Hilfs­stoffe bedarf. Der Wert des Sach­kapitals wird durch die Konkrete Arbeit K1 auf das Produkt (G,W)1 übertragen, und den Neuwert (= Arbeits­kraft­wert Wv + Mehrwert Wm) bildet die Abstrakte Arbeit A1. Der Teil des Geldes, der als Sach­kapital eingesetzt wird, verwandelt sich in Produktions­mittel (Herstel­lungs­mittel) (G,W)c, deren Wert sich insoweit und insofern als übertragener Wert Wc im Produkt­wert W1 wie­der­findet, als von den Herstellungs­mitteln ein gesellschaftlich not­wendiger Ge­brauch in der Kon­kre­ten Arbeit K1 gemacht wurde:

C := (G,W)0 = (G,W)v+c &
A1 Wv+m & W1 = Wv+m+c
G v := Wc
K1 Gc G1
& (G,W)1 = ‘(G,W)0 & W0  ‘W0.

Das Verhältnis des Mehrwerts zum Arbeitskraftwert ist die Mehrwertrate Wm /Wv oder Wm/v oder m/v. Die Mehrwertrate ist der Ausbeutungsgrad der Arbeitskraft. Multipliziert mit dem Human­ka­pi­tal ergibt die Mehrwertrate die Mehrwertmasse CvWm/Wv. Sie ist die Ausbeute des Kapitalisten als Er­werber und Anwender der Arbeitskraft.

Der Kapitalist muß auf Mehrwertwachstum bedacht sein. Dies kann als absolutes und als rela­ti­ves Mehrwertwachstum sich vollziehen. Absolut ist es, wenn der Mehrwert durch Verlängerung des Ar­­­beitstages T und damit Erhöhung des täglichen Produktwertes W bei gleichbleibendem Arbeits­kraft­wert Wv (und des entsprechenden Teilarbeitstages Tv) wächst; relativ ist das Mehrwert­wachs­tum, wenn der Arbeitstag T und damit der tägliche Gesamtproduktwert W gleichbleibt und der Mehr­­wert auf Kosten des Arbeitskraftwertes Wv>und damit des entsprechenden Teilarbeitstages Tv steigt.

(Wm)< = (Wv)= + W< absolutes Mehrwertwachstum

(Wm)< = (Wv)> + W= relatives Mehrwertwachstum

Der Kapitalist sucht den Arbeitstag zwecks absolutem Mehrwertwachstum soweit wie möglich aus­zu­dehnen, der Arbeiter hingegen will ihn auf den notwendigen Arbeitstag, der den bloßen Wert seiner Arbeitskraft hervorbringt, verkürzen. Daraus folgt der Kampf um den Normalarbeitstag als Form des Klassenkampfes innerhalb des Kapital-Prozesses zwischen Geldverkäufern und Kraft­ver­käu­fern. Ist der Normalarbeitstag traifvertraglich oder gesetzlich fixiert, bleibt dem Kapitalisten nur die Methode des relativen Mehrwertwachstums. Dessen erste Erscheinung ist die Lohnsenkung, die aber bald an historisch-moralische und sogar an biologische Schranken stößt. Die zweite Erscheiung der relativen Steigerung des Mehrwerts ist die Erhöhung der Arbeitswirkung (Produktiv­kraft­stei­gerung), durch die der Arbeitskraftwert ebenfalls sinkt, aber die Gütermenge dieses sinkenden Wert­teils (also das Güterbündel, aus dem der Arbeiter seinen und seiner Familie Lebensunterhalt bestrei­tet) gleichbleiben oder sogar steigen kann. Ein wachsender Güter-Wohlstand der Arbeiter ist also am leich­testen durch eine rasche Wert-Verelendung zu erreichen.

Zwischen den Einzelkapitalen C1...n (Unternehmen), die innerhalb einer Branche die Warenart (G,W)1 herstellen, entsteht ein Wettlauf (Konkurrenz) um ein relatives Mehrwertwachstum. Wenn der Marktführer C1 die Produktivität seines Unternehmens über diejenige seiner Konkurrenten C2...n steigert, dann steigt sein Warenausstoß und derjenige der Restbranche bleibt gleich, das Gesamtan­ge­bot der Warenart steigt dank des Marktführers ebenfalls. Bei stabilem Geldwert sinkt dann der Wert der Einzelware und ihre Preise sinken, die Preissumme steigt beim Marktführer und sinkt bei der Rest­branche. Der Marktführer hat einen Teil seines Produktivitätsfortschritts an die Kunden als Preis­­senkung weitergegeben, einen anderen Teil aber als Extra-Mehrwert preislich realisiert, so daß sein Mehrwert größer ist als im Durchschnitt der Branche. Dies veranlaßt die Restbranche, den Pro­duk­tivitätsfortschritt des Marktführers einzuholen, wodurch dessen Extra-Mehrwert verschwindet und ein neuer Branchenführer als Schrittmacher in der Erhöhung der Arbeitswirkung auftreten kann.

Prduktivitätsfortschritt

Weitere Methoden, relativen Extra-Mehrwert durch höhere Arbeitswirkung zu erzielen, sind Koop­eration (Gemeinschaftsarbeit), Arbeitsteilung, Manufaktur und Fabrik (große Industrie). Betriebs­ge­meinschaftsarbeit Kcoop wird möglich, wenn mehrere Arbeitskräfte von einem Kapitalisten angeheuert und gemeinschaftlich verwendet werden. Die Gemeinschaftsarbeit der betrieblichenArbeiter­gemein­schaft qK (Arbeiter q = 1,2,...,n ) hat vier Wirkungen. Es entsteht Massenproduktivkraft, Massen­in­ten­sität, Sacheinsparung und Leitungsarbeit:

Wenn qK dann
P(Kcoop) & Massenproduktivkraft
I(Kcoop) & Massenintensität
(Wc/1)> & Sacheinsparung
K1.F Leitungsarbeit der Gesamtarbeit K1

Eine Wirkung der Gemeinschaftsarbeit (Kooperation) ist die betriebliche Arbeitsteilung in der Manu­faktur, deren Teilvorgänge nebeneinander als Bündel und nacheinander als Zug angeordnet sein können:

Arbeitsteilung

Die Sach- oder Herstellungsmittel Gc unterscheiden sich in Arbeitsmittel Gc.fix und Arbeits­gegen­stände G c.zir:

Sachmittel

Das Arbeitsersatzmittel c.K (Maschine) besteht aus Antriebsmaschine c.K1, Übertragungsmaschine c.K2 und Werkzeugmaschine c.K3. Die Konkrete Arbeit K endet an der Maschine, die der Mensch nur bedient. Der Maschinenprozeß ist folgender:

Maschinenprozeß

Die Manufaktur ist eine Werkstatt, deren Elementarvorgänge aus zerlegten und neu zusam­men­ge­setzten Arbeitsprozessen bestehen. Die Fabrik ist eine Werkstatt, deren Elementarvorgänge von ana­ly­sierten und neu synthetisierten Naturprozessen, also von Maschinen oder Arbeitsersatzmittel voll­bracht werden. Die einfachste Fabrik beruht auf der mechanischen Maschine, in der ein Hand­hab­ungsgerät das Arbeitsmittel (Werkzeug) an einen Arbeitsgegenstand heranführt und ihn verändert. Die mechanische Fabrik vervollkommnet sich in den elektromechanischen, den elektronischen, den wellen- und den quantenmechanischen Maschinen. Mit der Stoffbildungsmaschine

K'→G(c.zir↔c.zir)→G'

entsteht die chemische Fabrik, in der der Arbeitsgegenstand als Rohstoff zum führenden Moment wird. In der biologischen Fabrik wirken Lebensprozesse auf andere Lebensprozesse, um neue Le­bens­prozesse hervorzubringen; der sich selbst erhaltende Prozeß (Leben) ist das souveräne Moment dieses Maschinentyps. In philosophischen Fabriken endlich wird die Vernunft, die Frage nach dem Ziel aller Natur-, Arbeits- und angeeigneten Naturprozesse (Teleologie), zur Aufgabenstellung ihrer spe­ziellen Maschinenbauer, weshalb sie einerseits Denkfabriken und andererseits Bildungsfabriken sind. In Denkfabriken sind die Denkersatzmittel die Theorien, an denen mittel- oder unmittelbare Gedanken als Begriffe (Denkmittel) oder als Ideen (begriffene Begriffe oder Tatgedanken) oder als Ge­dankensysteme (Theorien) produziert werden können. In Bildungsfabriken wird den Arbeits­kräf­ten die Bedienung von Maschinen oder Theorien durch den Betrieb derselben beigebracht; das Ar­beits- oder Denkersatzmittel wird hier wieder zum einfachen Werkzeug, nämlich zum Bildungsmittel, und die Bildungsfabrik wird wieder zur Bildungsstätte, also zur pädagogischen Werkstatt, in der die Arbeitskraft geschaffen wird, die als ersetzbare die Lebensgrundlage der Ersatzmittel ist.

Die Wertübertragung der Maschine auf eine von ihr erzeugte Ware ist das Multiplikationsprodukt aus Maschinenwert, Herstellungszeit dieser Ware und Veraltungsfaktor, geteilt durch die Lebens­dauer der Maschine. Marktwirtschaftlich anwendbar sind Maschinen in Herstellungsprozessen dann, wenn sie gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit einsparen, also der Neuwert größer ist als der Ma­schinenwert. Weil unter kapitalistischen Verhältnissen nicht der Neuwert, sondern nur der Anteil, den der Arbeitskraftwert an ihm hat, gezahlt werden muß, verschärft sich das Kriterium der Wirt­schaftlichkeit: Maschinerie ist erst dann kapitalrationell einzusetzen, wenn der Maschinenwert kleiner als der ersetzte Arbeitskraftwert ist.

Die Maschinenabschreibung folgt der Formel:

W(c.K)t(G1)d/t(c.K),
wobei (d≤1, Veraltensfaktor, „moralischer Verschleiß“).

Das Wachstum des Mehrwerts hängt mit dem Arbeitskraftwert zusammen und vom Arbeitstag, der Arbeitswirkung und dem Arbeitseifer ab. Mehrere Fälle sind zu unterscheiden:

1) Steigt die Arbeitswirkung (Arbeitstag und -eifer gleichbleibend), dann produziert ein konstanter Arbeitstag eine konstante Wertgröße, die aus sinkendem Arbeitskraftwert und steigendem Mehrwert besteht; die Warenmenge steigt, und der Wert des Einzelgutes sinkt.

2) Sinkt die Arbeitswirkung (Arbeitstag und -eifer gleichbleibend), dann produziert ein konstanter Arbeitstag eine konstante Wertgröße, die aus steigendem Arbeitskraftwert und sinkendem Mehrwert besteht; die Warenmenge sinkt, und der Wert des Einzelgutes steigt.

3) Steigt der Arbeitseifer (Arbeitstag und -wirkung gleichbleibend), dann steigt die produzierte Warenmenge; der Wert pro Arbeitstag steigt, und der Wert des Einzelgutes bleibt gleich.

4) Sinkt der Arbeitseifer (Arbeitstag und -wirkung gleichbleibend), dann sinkt die produzierte Warenmenge; der Wert pro Arbeitstag sinkt, und der Wert des Einzelgutes bleibt gleich.

5) Bei sich verkürzendem Arbeitstag (Arbeitseifer und -wirkung gleichbleibend) sinkt die Wertgröße, die aus gleichbleibendem Arbeitskraftwert und sinkendem Mehrwert besteht.

6) Bei sich verlängerndem Arbeitstag (Arbeitseifer und -wirkung gleichbleibend) steigt die Wertgröße, die aus gleichbleibendem Arbeitskraftwert und steigendem Mehrwert besteht.

Mehrwertwachstum nach Arbeitstag T, Arbeitswirkung (Produktivität) P(K) und Arbeitseifer (Intensität) I(K):

T= & I(K1)= & P(K1)< → ((W/T)= = ((Wv/T)> + (Wm/T)<)) & W>(G1)

T= & I(K1)= & P(K1)> → ((W/T)= = ((Wv/T)< + (Wm/T)>)) & W<(G1)

T= & I(K1)< & P(K1)= → (x<(G,W)1/T) & (W/T)< & W =(G1)

T= & I(K1)> & P(K1)= → (x>
(G,W)1/T) & (W/T)> & W =(G1)

T> & I(K1)= & P(K1)= → ((W/T)> = ((Wv/T)= + (Wm /T)>))

T< & I(K1)= & P(K1)= → ((W/T)< = ((Wv/T)= + (Wm /T)<)).

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