Markt­wirtschafts­lehre Teil A

A.1 Die Kapitalherstellung

A.1.1 Ware – Geld – Kapital

Elementarform des marktwirtschaftlichen Reichtums ist die Ware. Die Ware ist der einfachste Begriff des Gegenstandes der Marktwirtschaftslehre (MWL). Die Zerlegung dieser Elementarform in ihre Formelemente ist folglich der Anfang der Darstellung des Systems der Marktwirtschaft.

Jede Ware ist ein (wirtschaftliches) Gut G, das den Wert W hat. Die Güter Gr sind qualitativ so mannigfaltig wie die menschlichen Bedürfnisse, die sie befriedigen können, und sind auf ebenso mannigfache Art quantifizierbar. Hingegen können die Werte Wr (r=1,2,...,n) nur größer oder kleiner sein, weil sie alle ein und die selbe Qualität darstellen: das Gesellschaftliche an den Gütern, die Verkehrsform der Naturalformen.

Jede Ware (G,W) ist also ein Gut G von einer bestimmten Wertgröße W. Der Ursprung der Ware (G,W) ist eine Warenproduzierende Arbeit (K,A): sie ist eine ganz bestimmte Konkrete Arbeit K (die schneidert, schustert, tischlert, usw.) mit einer näher zu bestimmenden Größe der Abstrakten Arbeit A, die bei jeder Konkreten Arbeit von gleicher Qualität ist und daher nur Größenunterschiede kennt. Was eine Ware (G,W)1 als Produkt, als erreichtes Ziel, das ist ihre Warenproduzierende Arbeit (K,A)1 als Prozeß, als angestrebtes Ziel.

Die Warenproduktion (K,A) ⇒ (G,W) ist die Einheit von Arbeitsprozeß K → G und Wertbildungs­prozeß A → W, also ((K → G),(A → W)) oder:

Formel Warenproduktion

Die Abstrakte Arbeit A1 ist die selbe Größe in dynamischer Form wie der von ihr produzierte Wert W1 in substantieller Form. A1 haftet untrennbar an der Konkreten Arbeit K1 wie W1 am Gut G1. Die Abstrakte Arbeit A1 ist gesellschaftlich notwendige Zeit der Konkreten Arbeit K1, d.h. ihre Markt­notwendigkeit, und diese kann größer, kleiner oder gleich sein der tatsächlich aufgewandten Zeit Konkreter Arbeit t(K1). Auch Eigenwirtschaften kennen den Unterschied von tatsächlicher und not­wendiger Arbeitszeit, aber in der Eigenwirtschaft ist diese Notwendigkeit keine der Gesellschaft (d.h. des Marktes), sondern eine der Gemeinschaft (d.h. der jeweiligen eigenwirtschaftlichen Einheit). Die Abstrakte Arbeit ist also eine gesellschaftlich notwendige, die im Nachhinein am Markt feststellt, welche Arbeitszeit in einer Branche Durchschnittsarbeit ist und wie groß die benötigte Gesamt­arbeitszeit ist, also das Gesamtangebot einer Warenart, dem eine zahlungsfähige Gesamtnachfrage gegenübersteht:

  • A1 := tnot(K1)
  • gesellschaftlich notwendige Zeit konkreter Arbeit.

Durchschnittsarbeit ist (in Wirtschaftsgemeinschaft wie in Wirtschaftsgesellschaft) Arbeit mit jeweils vorherrschender Intensität (dem Arbeitseifer) I(K) und Produktivität (der Arbeitswirkung) P(K). Beide Größen sind ausdrückbar in der Anzahl der je Arbeitszeit produzierten Güter, wenn die je andere Variable konstant gesetzt wird; bei gleicher Bedingung kann die Abweichung einer einzelnen Intensität oder Produktivität von ihrem Durchschnitt als Verhältnis der tatsächlichen Einzelarbeitszeit zur gesellschaftlich notwendigen ausgedrückt werden, z.B.:

  • I(K1) := tnot(K1) / t(K1)
  • Arbeitswirkung konstant P(K1)=,
  • P(K1) := x(G1) / t(K1)
  • Arbeitseifer konstant I(K1)=.

Die Änderung der Produktivkraft (Produktivität oder Arbeitswirkung) ändert die Wertgröße der ein­zel­nen Ware, also ihre gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, in umgekehrter Richtung, der pro Ar­beits­tag geschaffene Gesamtwert bleibt unverändert, weil die veränderte Arbeitswirkung die auf­ge­botene Arbeitsmenge unverändert läßt. Die Änderung des Arbeitseifers (Intensität) berührt nicht den Wert der einzelnen Ware, der pro Arbeitstag geschaffene Gesamtwert variiert gleichgerichtet, weil die aufgewandte Arbeitsmenge sich ändert.

Die gesellschaftliche Sphäre der Waren ist der Markt. Dort begegnet jede einzelne Ware den übrigen Waren und somit der Warenwelt. Die einfachste Form der gesellschaftlichen Beziehung zwischen Waren ist die Schätzung der Wertgröße einer Ware, ausgedrückt in den Gütern, die als Waren im Markt vorhanden sind und als Tauschgüter in Frage kommen. Diese Wertgrößenschätzung einer Ware ist die ein- oder mehrseitige Definition der Wertgröße einer Ware in dem Gut oder der Güter­menge einer anderen Ware und heißt Wertform. Wertformen sind 1. einfach, als Definition einer Wertgröße in einem fremden Gut, 2. total, als Definition derselben Wertgrößen in vielen anderen Gütern und 3. allgemein, als Definition der Wertgrößen aller Waren außer einer im Markt in dem Gut dieser einen Ware:

  • (W1 := G2)
  • einfache Wertform,
  • (W1 := G2...n) oder (W1 := G2) & (W1 := G3) &...& (W1 := Gn)
  • totale Wertform,
  • (W1...n := G0) oder (W1 := G0) & (W2 := G0) &...& (Wn := G0)
  • allgemeine Wertform,
  • (W1 := G0)
  • Preisform (einfach-allgemeine Wertform).

Die Wert­form ist die grund­legende Ent­faltung der Elementar­form, also der Waren­form, die sich in der Wer­tform auf höherer Stufe her­gestellt hat, nämlich als Ein­heit des Gutes einer fremden und der Wert­größe der eigenen Ware. Dieses fremde Gut ist das Äquivalent bzw. bei einfach-allgemeiner Wert­form der Preis. Die Ware, die durch die all­gemeine Wert­form zum all­gemeinen Äquivalent G0und danach in der Preis­form zum Preis gemacht wird, ist all­gemeine Ware oder Geld (G,W)0. Daraus folgt, daß es Geld und Geld­preise ohne Waren­austausch geben kann und daß ein Preis niemals ein Wert, sondern immer ein Gut ist. Der Preis ist wertlos, aber er verkörpert einen Wert. Das nun gebil­dete Geld aber ist eine öffentliche, eine privilegierte Ware, der das Monopol an der einfachen und der totalen Wert­form bleibt.

In der Preis­form figuriert das Geld als Wert­maß, als Wert­maßvor­stellung, als Wert­vor­stellungs­­maß, als Wert­vorstellungs­maßvor­stellung und als Preismaßstab, der entweder als Münze (Wert­norm-Gut) oder als bloßes Wert­zeichen (Wertnorm-Fiktiv­gut) auftritt. Wert­zeichen sind wiederum zu unterscheiden in Papier­geld (Norm­träger­zeichen mit Zeichen­norm) und in Buchgeld (Zeichen­­norm auf be­lie­bigem Zeichen­träger). Die Funktionen des Geldes in der Preis­form sind also insgesamt diese:

  • (W1 := G0)
  • Wertmaß,
  • (W1 := iG0)
  • Wert­maß­vor­stellung,
  • (iW1 := G0)
  • Wert­vorstellungs­maß,
  • (iW1 := iG0)
  • Wert­vor­stellungs­maßvor­stellung,
  • (W1 := x(G0)=)
  • Prei­smaßstab (Münze),
  • (W1 := xi(G0)=)
  • Preis­maßstab (Wertzeichen),
  • (W1 := x (iG0)=)
  • Wert­zeichen (Papiergeld),
  • (W1 := (x)=i(G0)=)
  • Wert­zeichen (Buch­geld).

Der Warenaustausch vollzieht sich, wenn seine Bedingungen erfüllt sind:

  • zwei zusammengehörige Wertformen und
  • die Nichtidentität der beiden Güter G1 und G2 und
  • die Gleichheit der beiden Wertgrößen W1 und W2 sowie
  • der wirkliche Händewechsel der Güter G1 und G2 als ihr Realtausch:

[(G,W)1 = (G,W)2] → [(W1 := G2) & (W2 := G1) & (G1 ≢ G2) & (W1 = W2) & (G1 = G2)].

Geld muß seinen Aufgaben nach dreifach betrachtet werden:

  • Geld als Ware,
  • Geld als Geld und
  • Geld als Kapital.

Als Ware unterliegt das Geld allen Zwängen der Waren­pro­duktion, der Wert­bildung und der Waren­­welt, also des Marktes. Für alle Austausch­prozesse zwischen Geld- und Warenbesitzern gelten die Bedingungen des Waren­aus­tausches überhaupt. Als Geld ist das Geld eine privilegierte Ware, die öffent­liche Funktionen in der Wirtschafts­gesellschaft erfüllt. Als Kapital endlich hat sich das Geld von einem Mittel zum Zweck schlechthin emanzipiert.

Weil das Geld als Geld Maß aller Werte ist, dient es in seiner stofflichen Gestalt als Mittel der Wert­­auf­bewahrung, somit als Reserve- oder Schatz­bildungs­mittel . Neben der Schatz­bildungs­­funk­tion erfüllt das Geld als Geld die Auf­gaben des Zirkulations­mittels, indem es den Aus­tausch zweier Waren vermittelt, und des Zahlungs­mittels, als das es sich von sich selbst unterscheidet und sich in Zahlungs­ver­sprechen (0,0)0 und wirk­liches Zahlungs­mittel (G,W)0 verdoppelt:

  • (G,W)1 = (G,W)0 = (G,W)2
  • Zirkulationsmittel,
  • (G,W)1 = (0,0)0 = (G,W)0
  • Zahlungsmittel.

Kapital C entsteht durch Umkehrung der Zir­kulations­mittel­funktion des Geldes,

C := ((G,W)0 = (G,W)1 = '(G,W)0) ,

ist also der doppelte Aus­tausch von Geld gegen Ware und von Ware gegen mehr Geld, wobei so­wohl die allgemeine Aus­tausch­bedingung

W0 = W1 = 'W0

gilt, als auch die speziellen Aus­tausch­bedingungen des Geldes als Kapital,

W0 < 'W0 und G0 < 'G0

so daß die Ungleichheit von W1 mit sich selber folgt. Ein mit sich selbst ungleicher Wert ist aber keine statische Größe, sondern ein Wert­bildungs­prozeß, oder, bei einem schon gebildeten Wert, dessen Verwertungs­prozeß.

Erwerb und produktive Konsumtion der Ware Arbeits­kraft (G,W)v ermöglicht die Erfüllung aller Aus­tausch­bedingungen des Geldes als Kapital C:

Kapital C als Prozeß - Bild 1

Die Differenz aus Arbeitskraftwert Wv und Produktwert W1 ist der Mehrwert Wm. Der Preis dieses Mehrwerts ist das Mehrgeld G0.m = 'G0 — G0.


A.1.2 Mehrwert und Mehrwertwachstum

Kapital C teilt sich normalerweise in Humankapital Cv (variables Kapital) und in Sachkapital Cc (kon­stantes Kapital), weil die Arbeit der Mittel, Gegen­stände und Hilfs­stoffe bedarf. Der Wert des Sach­kapitals wird durch die Konkrete Arbeit K1 auf das Produkt (G,W)1 übertragen, und den Neuwert (= Arbeits­kraft­wert Wv + Mehrwert Wm) bildet die Abstrakte Arbeit A1. Der Teil des Geldes, der als Sach­kapital eingesetzt wird, verwandelt sich in Produktions­mittel (Herstel­lungs­mittel) (G,W)c, deren Wert sich insoweit und insofern als übertragener Wert Wc im Produkt­wert W1 wie­der­findet, als von den Herstellungs­mitteln ein gesellschaftlich not­wendiger Ge­brauch in der Kon­kre­ten Arbeit K1 gemacht wurde:

C := (G,W)0 = (G,W)v+c &
A1 Wv+m & W1 = Wv+m+c
G v := Wc
K1 Gc G1
& (G,W)1 = ‘(G,W)0 & W0  ‘W0.

Das Verhältnis des Mehrwerts zum Arbeitskraftwert ist die Mehrwertrate Wm /Wv oder Wm/v oder m/v. Die Mehrwertrate ist der Ausbeutungsgrad der Arbeitskraft. Multipliziert mit dem Human­ka­pi­tal ergibt die Mehrwertrate die Mehrwertmasse CvWm/Wv. Sie ist die Ausbeute des Kapitalisten als Er­werber und Anwender der Arbeitskraft.

Der Kapitalist muß auf Mehrwertwachstum bedacht sein. Dies kann als absolutes und als rela­ti­ves Mehrwertwachstum sich vollziehen. Absolut ist es, wenn der Mehrwert durch Verlängerung des Ar­­­beitstages T und damit Erhöhung des täglichen Produktwertes W bei gleichbleibendem Arbeits­kraft­wert Wv (und des entsprechenden Teilarbeitstages Tv) wächst; relativ ist das Mehrwert­wachs­tum, wenn der Arbeitstag T und damit der tägliche Gesamtproduktwert W gleichbleibt und der Mehr­­wert auf Kosten des Arbeitskraftwertes Wv>und damit des entsprechenden Teilarbeitstages Tv steigt.

(Wm)< = (Wv)= + W< absolutes Mehrwertwachstum

(Wm)< = (Wv)> + W= relatives Mehrwertwachstum

Der Kapitalist sucht den Arbeitstag zwecks absolutem Mehrwertwachstum soweit wie möglich aus­zu­dehnen, der Arbeiter hingegen will ihn auf den notwendigen Arbeitstag, der den bloßen Wert seiner Arbeitskraft hervorbringt, verkürzen. Daraus folgt der Kampf um den Normalarbeitstag als Form des Klassenkampfes innerhalb des Kapital-Prozesses zwischen Geldverkäufern und Kraft­ver­käu­fern. Ist der Normalarbeitstag traifvertraglich oder gesetzlich fixiert, bleibt dem Kapitalisten nur die Methode des relativen Mehrwertwachstums. Dessen erste Erscheinung ist die Lohnsenkung, die aber bald an historisch-moralische und sogar an biologische Schranken stößt. Die zweite Erscheiung der relativen Steigerung des Mehrwerts ist die Erhöhung der Arbeitswirkung (Produktiv­kraft­stei­gerung), durch die der Arbeitskraftwert ebenfalls sinkt, aber die Gütermenge dieses sinkenden Wert­teils (also das Güterbündel, aus dem der Arbeiter seinen und seiner Familie Lebensunterhalt bestrei­tet) gleichbleiben oder sogar steigen kann. Ein wachsender Güter-Wohlstand der Arbeiter ist also am leich­testen durch eine rasche Wert-Verelendung zu erreichen.

Zwischen den Einzelkapitalen C1...n (Unternehmen), die innerhalb einer Branche die Warenart (G,W)1 herstellen, entsteht ein Wettlauf (Konkurrenz) um ein relatives Mehrwertwachstum. Wenn der Marktführer C1 die Produktivität seines Unternehmens über diejenige seiner Konkurrenten C2...n steigert, dann steigt sein Warenausstoß und derjenige der Restbranche bleibt gleich, das Gesamtan­ge­bot der Warenart steigt dank des Marktführers ebenfalls. Bei stabilem Geldwert sinkt dann der Wert der Einzelware und ihre Preise sinken, die Preissumme steigt beim Marktführer und sinkt bei der Rest­branche. Der Marktführer hat einen Teil seines Produktivitätsfortschritts an die Kunden als Preis­­senkung weitergegeben, einen anderen Teil aber als Extra-Mehrwert preislich realisiert, so daß sein Mehrwert größer ist als im Durchschnitt der Branche. Dies veranlaßt die Restbranche, den Pro­duk­tivitätsfortschritt des Marktführers einzuholen, wodurch dessen Extra-Mehrwert verschwindet und ein neuer Branchenführer als Schrittmacher in der Erhöhung der Arbeitswirkung auftreten kann.

Prduktivitätsfortschritt

Weitere Methoden, relativen Extra-Mehrwert durch höhere Arbeitswirkung zu erzielen, sind Koop­eration (Gemeinschaftsarbeit), Arbeitsteilung, Manufaktur und Fabrik (große Industrie). Betriebs­ge­meinschaftsarbeit Kcoop wird möglich, wenn mehrere Arbeitskräfte von einem Kapitalisten angeheuert und gemeinschaftlich verwendet werden. Die Gemeinschaftsarbeit der betrieblichenArbeiter­gemein­schaft qK (Arbeiter q = 1,2,...,n ) hat vier Wirkungen. Es entsteht Massenproduktivkraft, Massen­in­ten­sität, Sacheinsparung und Leitungsarbeit:

Wenn qK dann
P(Kcoop) & Massenproduktivkraft
I(Kcoop) & Massenintensität
(Wc/1)> & Sacheinsparung
K1.F Leitungsarbeit der Gesamtarbeit K1

Eine Wirkung der Gemeinschaftsarbeit (Kooperation) ist die betriebliche Arbeitsteilung in der Manu­faktur, deren Teilvorgänge nebeneinander als Bündel und nacheinander als Zug angeordnet sein können:

Arbeitsteilung

Die Sach- oder Herstellungsmittel Gc unterscheiden sich in Arbeitsmittel Gc.fix und Arbeits­gegen­stände G c.zir:

Sachmittel

Das Arbeitsersatzmittel c.K (Maschine) besteht aus Antriebsmaschine c.K1, Übertragungsmaschine c.K2 und Werkzeugmaschine c.K3. Die Konkrete Arbeit K endet an der Maschine, die der Mensch nur bedient. Der Maschinenprozeß ist folgender:

Maschinenprozeß

Die Manufaktur ist eine Werkstatt, deren Elementarvorgänge aus zerlegten und neu zusam­men­ge­setzten Arbeitsprozessen bestehen. Die Fabrik ist eine Werkstatt, deren Elementarvorgänge von ana­ly­sierten und neu synthetisierten Naturprozessen, also von Maschinen oder Arbeitsersatzmittel voll­bracht werden. Die einfachste Fabrik beruht auf der mechanischen Maschine, in der ein Hand­hab­ungsgerät das Arbeitsmittel (Werkzeug) an einen Arbeitsgegenstand heranführt und ihn verändert. Die mechanische Fabrik vervollkommnet sich in den elektromechanischen, den elektronischen, den wellen- und den quantenmechanischen Maschinen. Mit der Stoffbildungsmaschine

K'→G(c.zir↔c.zir)→G'

entsteht die chemische Fabrik, in der der Arbeitsgegenstand als Rohstoff zum führenden Moment wird. In der biologischen Fabrik wirken Lebensprozesse auf andere Lebensprozesse, um neue Le­bens­prozesse hervorzubringen; der sich selbst erhaltende Prozeß (Leben) ist das souveräne Moment dieses Maschinentyps. In philosophischen Fabriken endlich wird die Vernunft, die Frage nach dem Ziel aller Natur-, Arbeits- und angeeigneten Naturprozesse (Teleologie), zur Aufgabenstellung ihrer spe­ziellen Maschinenbauer, weshalb sie einerseits Denkfabriken und andererseits Bildungsfabriken sind. In Denkfabriken sind die Denkersatzmittel die Theorien, an denen mittel- oder unmittelbare Gedanken als Begriffe (Denkmittel) oder als Ideen (begriffene Begriffe oder Tatgedanken) oder als Ge­dankensysteme (Theorien) produziert werden können. In Bildungsfabriken wird den Arbeits­kräf­ten die Bedienung von Maschinen oder Theorien durch den Betrieb derselben beigebracht; das Ar­beits- oder Denkersatzmittel wird hier wieder zum einfachen Werkzeug, nämlich zum Bildungsmittel, und die Bildungsfabrik wird wieder zur Bildungsstätte, also zur pädagogischen Werkstatt, in der die Arbeitskraft geschaffen wird, die als ersetzbare die Lebensgrundlage der Ersatzmittel ist.

Die Wertübertragung der Maschine auf eine von ihr erzeugte Ware ist das Multiplikationsprodukt aus Maschinenwert, Herstellungszeit dieser Ware und Veraltungsfaktor, geteilt durch die Lebens­dauer der Maschine. Marktwirtschaftlich anwendbar sind Maschinen in Herstellungsprozessen dann, wenn sie gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit einsparen, also der Neuwert größer ist als der Ma­schinenwert. Weil unter kapitalistischen Verhältnissen nicht der Neuwert, sondern nur der Anteil, den der Arbeitskraftwert an ihm hat, gezahlt werden muß, verschärft sich das Kriterium der Wirt­schaftlichkeit: Maschinerie ist erst dann kapitalrationell einzusetzen, wenn der Maschinenwert kleiner als der ersetzte Arbeitskraftwert ist.

Die Maschinenabschreibung folgt der Formel:

W(c.K)t(G1)d/t(c.K),
wobei (d≤1, Veraltensfaktor, „moralischer Verschleiß“).

Das Wachstum des Mehrwerts hängt mit dem Arbeitskraftwert zusammen und vom Arbeitstag, der Arbeitswirkung und dem Arbeitseifer ab. Mehrere Fälle sind zu unterscheiden:

1) Steigt die Arbeitswirkung (Arbeitstag und -eifer gleichbleibend), dann produziert ein konstanter Arbeitstag eine konstante Wertgröße, die aus sinkendem Arbeitskraftwert und steigendem Mehrwert besteht; die Warenmenge steigt, und der Wert des Einzelgutes sinkt.

2) Sinkt die Arbeitswirkung (Arbeitstag und -eifer gleichbleibend), dann produziert ein konstanter Arbeitstag eine konstante Wertgröße, die aus steigendem Arbeitskraftwert und sinkendem Mehrwert besteht; die Warenmenge sinkt, und der Wert des Einzelgutes steigt.

3) Steigt der Arbeitseifer (Arbeitstag und -wirkung gleichbleibend), dann steigt die produzierte Warenmenge; der Wert pro Arbeitstag steigt, und der Wert des Einzelgutes bleibt gleich.

4) Sinkt der Arbeitseifer (Arbeitstag und -wirkung gleichbleibend), dann sinkt die produzierte Warenmenge; der Wert pro Arbeitstag sinkt, und der Wert des Einzelgutes bleibt gleich.

5) Bei sich verkürzendem Arbeitstag (Arbeitseifer und -wirkung gleichbleibend) sinkt die Wertgröße, die aus gleichbleibendem Arbeitskraftwert und sinkendem Mehrwert besteht.

6) Bei sich verlängerndem Arbeitstag (Arbeitseifer und -wirkung gleichbleibend) steigt die Wertgröße, die aus gleichbleibendem Arbeitskraftwert und steigendem Mehrwert besteht.

Mehrwertwachstum nach Arbeitstag T, Arbeitswirkung (Produktivität) P(K) und Arbeitseifer (Intensität) I(K):

T= & I(K1)= & P(K1)< → ((W/T)= = ((Wv/T)> + (Wm/T)<)) & W>(G1)

T= & I(K1)= & P(K1)> → ((W/T)= = ((Wv/T)< + (Wm/T)>)) & W<(G1)

T= & I(K1)< & P(K1)= → (x<(G,W)1/T) & (W/T)< & W =(G1)

T= & I(K1)> & P(K1)= → (x>
(G,W)1/T) & (W/T)> & W =(G1)

T> & I(K1)= & P(K1)= → ((W/T)> = ((Wv/T)= + (Wm /T)>))

T< & I(K1)= & P(K1)= → ((W/T)< = ((Wv/T)= + (Wm /T)<)).


A.1.3 Arbeitslohn, Kapitalwachstum und Kolonisation

Die Wa­re Ar­beits­kraft wird stun­den-, ta­ge-, wo­chen- und mo­nats­wei­se ver­mie­tet. Die Na­tu­ral­form der Ar­beits­kraft wird quan­ti­fi­ziert nach ih­ren Nut­zungs­pe­ri­oden, und so er­scheint der Preis der Ar­beits­kraft als Preis der Ar­beit und da­mit als Ar­beits­lohn. Auf die­se Wei­se ent­steht der un­ei­gen­t­­li­che Ar­beits­lohn L der Ar­beit­neh­mer, und der Ver­tei­lungs­kampf zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­­neh­mer er­scheint als Ge­gen­satz von Ka­pi­tal und Ar­beit. Die­ser Schein ver­kehrt das We­sen, weil die un­­­be­zahl­te Mehr­ar­beit, die im Mehr­wert steckt, aus dem Blick ver­schwin­det und al­le Ar­beit als be­­zahlt er­scheint.

Grundform des Arbeitslohnes ist der Zeitlohn und seine Derivate sind Stücklohn, Prämienlohn und Laufbahnlohn. Grundform dieser Mystifikationen sind die Arbeitswerte (K,W):

x(Gv) →Gv/t
= K/t & W(x(Gv)) = W(K/t) → (K,W)/t Zeitlohn
= K/G1 → (K,W)/G1 Stücklohn
= K/G1.r → (K,W)/G1.r Prämienlohn
= K/T → (K,W)/T Laufbahnlohn
wobei T = Lebensarbeitszeit.

Kapital muß wachsen, um zu überleben. Kapitalwachstum C< (Akkumulation, Konzentration) findet statt, wenn der Mehrwert m teilweise in Zusatzkapital m.C verwandelt wird und zum Verzehr des Kapitalisten nur eine Revenue m.R bleibt, so daß jeder Mehrwert in m = m.C + m.R aufgeteilt wird. Das Verhältnis von Zusatzkapital zum Mehrwert ist dann die Akkumulationsrate m.C/m. Bei ge­ge­be­­ner Ak­ku­mu­la­ti­ons­ra­te wach­sen grö­ße­re Ka­pi­ta­le schnel­ler als klei­ne­re. Al­so Kon­zen­tra­ti­on hei­ßt Ka­pi­tal­wachs­tum, Zen­tra­li­sa­ti­on hin­ge­gen be­deu­tet Fu­si­on, die Zu­sam­men­fas­sung meh­re­rer Ka­pi­ta­le zu ei­nem Ka­pi­tal.

Jedes Kapital besteht aus Sach- und Humankapital. Das Teilkapitalverhältnis c/v heißt Kapital­zu­sam­mensetzung, die als technische und als Wertzusammensetzung betrachtet werden kann. Spiegelt die Wertzusammensetzung die Änderungen der technischen wider, heißt sie organische Kapitalzu­sam­men­setzung:

C(Gc/v)< →C(Wc/v)< = C((G,W)c/v)<.

Kapitalwachstum (Akkumulation) C<, Löhne L bzw. (Wv := x(G0)=) und Beschäftigungsrate p(K/G v) hängen in einer Volkswirtschaft wie folgt zusammen: Steigt das Gesamtkapital durch Akkumulation, dann steigt auch sein variabler Teil, der eine erhöhte Zahl von Arbeitskräften nachfragt, und die Löhne, d.h. die Preise der Arbeitskräfte, steigen. Damit steigt auch die Wertsumme eines Teils der durch Maschinerie ersetzbaren Arbeitskräfte über die Wertsumme der sie ersetzenden Maschinerie. Das führt mit erhöhter Maschine-Mensch-Relation zu steigender organischer Zusammensetzung des Kapitals, zur Steigerung der Produktivkraft P(K) und zur Senkung der Beschäftigungsrate p(K/Gv) und also auch zur Erhöhung der Arbeitslosigkeit (Arbeitskraftreserve) p(Gv-K), was insgesamt einen Lohnrückgang L> und eine Erhöhung der Mehrwertrate (Ausbeutungsgrad) bewirkt und den Weg zu erneutem Kapitalwachstum freimacht:

C< → (Cv)< → (Wv := x<(G0)=) → ((Wv)< > Wc.K) → C((G,W)c/v)< → P(K)<p(K/Gv)>p(G v-K)< → (Wv := x>(G0)=) → (Wm/v)< → C<
usw.

Ar­beits­lo­sig­keit ist Fol­ge und Vor­aus­set­zung der Ak­ku­mu­la­ti­on. Die kon­so­li­dier­te Ar­beits­lo­sig­keit (in­dus­tri­el­le Re­ser­ve­ar­mee) ist um so grö­ßer, je um­fang­rei­cher das ge­sell­schaft­li­che Ge­samt­ka­pi­tal und sein mög­li­ches Wachs­tum sind.

Kolonisation ist die Ver­wand­lung von Pro­le­ta­ri­ern in Mit­tel­ständ­ler. Der Pro­le­ta­ri­er ist ei­ne freie Per­son oh­ne die zur Selbst­er­hal­tung sei­ner Fa­mi­lie nö­ti­gen Her­stel­lungs­mit­tel. Pro­le­ta­ri­er sind Pro­­­duk­­ti­ons­mit­tel­lo­se, sei­en sie nun Ar­bei­ter (sog. Ar­beits­platz­be­sit­zer) oder Ar­beits­lo­se; im Ex­trem­fall sind sie Ei­gen­tü­mer oh­ne Ei­gen­tum als äu­ße­rer Sphä­re der Frei­heit ih­rer Per­son. Die Grund­la­ge ei­ner dau­er­haf­ten Ko­lo­ni­sa­ti­on (sei sie aus­wär­ti­ge Land­nah­me oder in­ne­re Ko­lo­ni­sa­ti­on durch Pfle­ge ei­ner Kul­tur der Selb­stän­dig­keit) ist die Aus­stat­tung mit Grund­rech­ten, al­so un­ver­äu­ßer­li­chen Min­des­t­grun­d­­stü­cken, als Le­bens- und Her­stel­lungs­räu­men.




Konjunkturen und Krisen

  1. Es gibt Konjunkturen und Krisen a) des Kapitals und b) des kapitalistischen Systems. Das gegenwärtige Niederbrechen der Marktwirtschaft ist eine Krise des kapitalistischen Systems insgesamt und nicht bloß eine der periodischen Krisen des Kapitals. Diese Einsicht ist jetzt selbst bei den Ideologen des Systems angelangt, aber gleichwohl unternehmen die politischen Funktionäre des Systems den eitlen Versuch, mit finanziellen Anreizprogrammen der Krise Einhalt und der Konjunktur einen Ansprung zu bieten.
  2. Konjunkturprogramme mitten in der Krise sind grober Unfug. Falls sie überhaupt etwas bewirken sind sie nur geeignet, jene Krankheit chronisch werden zu lassen, die zur Krise geführt hat. Diese Krankheit ist aber der akute Fall der Profitrate des Kapitals.
  3. Gegen diese gefährliche (und in historisch letzter Instanz unheilbare) Krankheit des Kapitals gibt es vorerst (bis zur nächsten Krise) nur ein einziges Heilmittel: die Kapitalvernichtung, die nicht früher aufhören darf, als die gesellschaftlich gegebene Profitmasse wieder zu einer steigenden Profitrate des überlebenden Gesamtkapitals führt. Kapitalvernichtung heißt zwar auch Verschrottung von Sachkapital einerseits und Kurzarbeit und Entlassung von Humankapital andererseits, ist in erster Linie aber ein plötzlich einsetzender Wertgrößenverfall des noch fungierenden Kapitals. Dieses allein ist die Heilung der Krankheit, die im akuten Fall der Profitrate offen ausbricht. Ihre eigentlichen Ursachen hat diese Krankheit in den Produktivkraftsteigerungen der Arbeit, der dazu relativen Unterkonsumtion der breiten Massen und der sich so ergebenden Überproduktion in Bezug auf die zahlungsfähigen Bedürfnisse.
  4. Aus den Produktivitätssteigerungen der Arbeit folgt der Wertverfall der Arbeitsprodukte, und dieser ist auch einer der objektiven Gründe für den Wertverfall der Arbeitskräfte und ihrer relativen Verelendung. Diese beschleunigt sich schließlich zu einer absoluten Verelendung durch den Import ausländischer Arbeitskräfte, der bewirkt, daß Arbeitskraft billig wie Dreck wird, und das läßt ihren Konsumgüterkorb schrumpfen. Diese erzwungene Unterkonsumtion der breiten Masse, die voller Bedürfnisse, aber ohne ausreichende Zahlungsfähigkeit ist, stößt in der Krise auf die relative Überproduktion. Dies muß zu Absatzeinbrüchen und Produktionsstillstand führen.
  5. Parlamentarismus ist das heute im Westblock vorherrschende totalitäre System, das die Regierung aus der Parlamentsmehrheit bildet. Weil im totalitären Parlament die bürgerliche Gesellschaft die Regierung stellt, kann in der Krise das besitzbürgerliche Sonderinteresse, das sich mit dem kompetenzbürgerlichen Sonderinteresse (bezüglich des Erhalts der Arbeitsplätze) verbündet, unmittelbar in die Staatskasse greifen. Das führt zu einer Inflation staatlicher Konjunkturstützungsmaßnahmen und entsprechend erhöhter Staatsverschuldung.
  6. Die Staatsverschuldung wird wieder beseitigt werden durch Geldinflation, hervorgerufen durch Gelddrucken. Die Konjunkturstützungsmaßnahmen bezahlen also die breiten Massen mit der Entwertung ihrer Geldersparnisse. Von der Inflation des Geldes profitiert aber nicht nur der Staat, der seine Schulden abwirft, sondern ebenso der hochverschuldete Sachkapitalbesitzer. Selbst bei einer förmlichen Währungsreform, bei der jeder wieder mit vierzig Mark begänne, haben Proletariat, Subproletariat und Prekariat nichts als diese in der Hand, die Kapitalbesitzer hingegen die beleihbaren Produktionsmittel. Die Ungleichheit und die Ungerechtigkeit bliebe dieselbe wie zuvor.
  7. In der Weltwirtschaftskrise von 1929-33 hat man den Staatshaushalt in Deutschland wohlweislich ausgeglichen gehalten, denn die Erfahrung der Inflation lag erst wenige Jahre (1923) zurück. Bei dem bisherigen Verlauf der Globalwirtschaftskrise ist ein aus Preisverfall, Produktionseinbruch, Massenarbeitslosigkeit, Geldinflation und staatlichen Zwangsmaßnahmen verklumptes Gesamtrisiko entstanden, wie es die Geschichte des kapitalistischen Systems zuvor noch nicht gesehen hat. Die Maßnahmen staatlicher Zwangsgewalt werden vermehrt und entwertet: Staatsinflation.
  8. Was dem Kapital der Mehrwert ist der Herrschaft der Machtzuwachs und der Ideologie der Sinn. Den politischen Bannerträgern der Kapitalherrschaft wird in einer derart unsteuerbaren Krise zunehmend die Gefolgschaft verweigert. Ihr durch relativen materiellen Reichtum gerechtfertigter Demokratismus und Bürokratismus werden zuerst durch Korruption, „No-Go-Areas“, demokratiebefreite Zonen, Vetternpolitik, Autoritätsmißachtung, Steuerstreik, Unruhen oder Autonomieerklärungen zersetzt, später durch starke Gemeinschaftsführer vollends zerschlagen. Bereits vorher kann die herrschende Ideologie in eine Sinnkrise geraten sein, weil weder traditionelle Denkmuster noch eifriger Humanismus den Glauben an das bisherige System stützen konnten. Die bürgerliche Gesellschaft wird schwermütig, ihre generelle Handlungsunfähigkeit ihren Beteiligten zunehmend bewußt.
  9. Wirtschaftskrise, Machtverfall und Depression ergeben eine Systemkrise von gewaltigen Ausmaßen, für die eine ebensolche Revolutionskonjunktur zu erwarten ist. Aber sicher ist natürlich nichts, denn die Konterrevolution schläft nicht und die Revolution reibt sich noch verwundert die Augen, ganz überrascht von ihren neuen Aussichten.

* * *




Die Wertrevolution des Kapitals

  1. Das kapitalistische System ist von Beginn an ein Revolutionssystem. Jede Revolution ist die Umkehrung wesentlicher Verhältnisse im Gemeinwesen derart, daß neue und höherstehende Verhältnisse wesensbestimmend werden. Führt die Umkehrung zu alten und tieferstehenden sozialen Verhältnissen, dann liegt eine Konterrevolution vor. Es geschieht aber auch, daß Kräfte, die sich als Revolutionäre verstehen und versuchen, eine Revolution zustande zu bringen, aufgrund der ideologischen Verkürzungen ihrer Theorie und der Primitivität der vorhandenen materiellen Bedingungen nur eine Konterrevolution bewerkstelligen. Dies passierte den russischen Bolschewisten.
  2. Revolutionen im Kapitalismus betreffen die naturale oder die soziable Seite des Gemeinwesens, sie sind technischer oder sozialer Natur. Die ganze reelle Unterordnung der Produktion unter das Kapitalverhältnis besteht aus einer Reihe von technischen Revolutionen der Produktionsprozesse – ausgehend von einfacher Kooperation angeheuerter Massen von Arbeitern über deren Formen von Arbeitsteilung (heterogene und organische), Ausdifferenzierung der Werkzeuge, deren Kombination in der Werkzeugmaschine, die Weiterentwicklung der Werkzeugmaschine zur Kraft- und zur Kraftübertragungsmaschine, eine Geschichte technischer Revolutionen, die gegenwärtig bei der vollautomatisierten (arbeitsersetzenden) Fabrik als Normalform der Produktion angelangt ist und in die Robotik (den Arbeiterersatz) und in die Miniaturisierung bis zur Nanotechnik weiterläuft. Alle diese Prozeßinnovationen waren von Produktneuerungen begleitet, viele davon sog. Killerapplikationen, die sozialstrukturelle Umwälzungen zur Folge hatten und ganze Industrien verschwinden ließen. Diese sozialen Umkehrungen als Folge von technischen Revolutionen waren Revolutionen im Kapitalismus, aber keine Revolution gegen den Kapitalismus und über ihn hinaus.
  3. Auch die Verwertungskrisen des Kapitals, die periodisch auftreten und insgesamt zu Wertrevolutionen von Waren, Geldern und Kapitalien führen, sind Krisen im Kapitalismus und keine gegen ihn. Sie wirken wie Verjüngungskuren des Kapitals: ein großes gesellschaftliches Gesamtkapital wird mehr oder weniger stark verkleinert. Diese Verkleinerung ist dann zugleich eine Verjüngung, wenn die Profitmasse innerhalb gewisser Toleranzen gleich bleibt. Folglich fällt die konstante gesellschaftliche Masse des Gesamtprofits auf ein verkleinertes Gesamtkapital mit der Folge einer vergrößerten Rate des Profits. Das gesellschaftliche Gesamtkapital ist nicht nur verkleinert worden, sondern findet sich wahrhaft verjüngt wieder, weil es auch profitabler wurde und am Markt ein jugendliches Verhalten zeigt, lebhafter und unternehmungslustiger agiert.
  4. Für seine wiedergewonnene Wertabschöpfungskraft muß das gesellschaftliche Gesamtkapital den Preis einer teilweisen Selbstvernichtung entrichten. Dieses war in der Weltwirtschaftskrise von 1929-33 so und ist in der Globalwirtschaftskrise von 2008 ff. nicht anders. Der Unterschied ist nur, daß es damals noch mehr Welthaltigkeit und weniger Globalität gab. Der unmittelbare Auslöser der Wertrevolution des Kapitals ist selbstverständlich der Fall der allgemeinen Profitrate, der aus einer immer vorhandenen Tendenz zu einer akuten Realität wird. Diese Verwertungskrise des Kapitals ist die Eröffnungsphase seiner Wertrevolution. Zu den unmittelbarsten Folgen des Krisenbeginns gehört die sog. Deflation, also der Wertverfall und damit die Preissenkung der Waren und Dienstleistungen. Dies entfernt eine Reihe von Produzenten aus dem Markt und das führt zur sog. Inflation, also erneuten Preissteigerungen, die um so dramatischer ausfallen, je rabiater der Schnitt am gesellschaftlichen Gesamtkapital war. Der Konkurrenzkampf der Kapitalien in der Krise wird in erster Linie darum geführt, welche Einzelkapitalien mit der Vernichtung ihrer Existenz die Verkleinerung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals bewirken müssen.
  5. Ein Unterschied der Weltwirtschaftskrise 1929 von der Globalwirtschaftskrise 2008 besteht in Hinsicht auf die Modalabteilungen des Gesamtkapitals darin, daß die Krise damals als Börsenkrise, also im Handel mit Aktien, mit Anteilen an Realkapitalien, begann, diesmal aber mit dem Zusammenbruch oder der Verstaatlichung von Immobilienbanken eröffnete, die mit Fiktivkapitalien, also mit den bloß vorgestellten Marktwerten von Grundstücken, handeln. Darin spiegelt sich der Geist der Globalisierung als totalitäre Zerstörung der Welt und des Weltmarktes wider und von der technischen Seite her die Virtualität, auf die das globalisierende Wirtschaften als totalitäre Verabsolutierung der Freihandelsdoktrin sich stützt.
  6. Der ununterbrochene Strom der Einwanderung von Arbeitskräften war die Grundbedingung für die riesige Immobilien-Spekulationsblase, deren schließliches Platzen die gegenwärtige Globalkrise ausgelöst hat. Ein aggressiver Immigrationismus der Herrschenden, der jede Fremdenfeindlichkeit der Einheimischen streng unterdrückt hat, um als Folge der Einwanderung die permanenten Steigerungen der Immobilienpreise aufrechtzuerhalten, bildete die Grundlage der ganzen Kreditaufblähung. Die ging so weit, daß sie selbst Konsumkredite für eigenkapitallose amerikanische Hauserwerber einschloß. Alle Staaten, die zu den Gewinnern der Globalisierung gehören wollten, stützten ihre Konjunkturförderung auf das Fiktivkapital der ständig steigenden Immobilienpreise. Deren Kehrseite ist aber
    • der nachhaltige Kaufkraft- und Wohlstandsverlust für die proletarischen und subproletarischen Schichten einschließlich der mittleren Einkommensschichten dank steigender Wohnungsmieten und Hauspreise und
    • die Lohnsenkungen an den Immigrations-Arbeitsmärkten wegen ständig steigendem Arbeitskräfte-Angebot.

    Beide Folgen der durch Fiktivkapital gestützten Kreditüberdehnung beschleunigen die Tendenz zur Verelendung im Kapitalismus ungemein. Das Spekulantentum, die Wechselreiterei und der altbekannt Leibhaftige, der schachert und wuchert bis zum Pogrom, machen die kapitalistische Produktionsweise elend und schießen sie sturmreif. Zusammen verstärken sie die grundlegende Ursache aller kapitalistischen Krisen, nämlich den Gegensatz zwischen der gewachsenen Produktivkraft und der Konsumbeschränkung der Massen. Das Produktionsverhältnis wird von seinen irregulären Zirkulationsverhältnissen zunehmend gedrosselt und irgendwann auch erdrosselt.

  7. Es gibt kein Marktversagen. Die Krise ist der Beweis, daß der Markt funktioniert. Gleichwohl gibt es ein großes Verbrechen der Marktideologen, die Wirtschaft überhaupt als Marktwirtschaft zu bestimmen oder deren vollständige Durchsetzung in der sozialen Wirklichkeit zu verlangen, denn das ist die Aufforderung zum Selbstmord der Völker. Völker an sich sind schon immer eine Eigenwirtschaft und werden es bleiben. Den Markt, so sehr er sich auch marktschreierisch in den Vordergrund drängen mag, brauchen die Völker und ihre Eigenwirtschaften nur zur Ausgleichung von Überschüssen und Unterschüssen. Der Kern jeder Wirtschaft ist Eigenwirtschaft, die eine Marktwirtschaft als Hülle oder Rand oder Spielbein betreibt. Die gegenwärtige Globalwirtschaftskrise ist auch eine globale Ideologiekrise, die die falschen Begriffe der liberalistischen Vulgärökonomen zum Vorschein bringt.
  8. Der Finanzsektor ist keine Finanzindustrie, denn er produziert nichts. Daher kann es auch keine Finanzprodukte geben. Eine allgemeine Verteuerung der Waren und Dienstleistungen ist keine Inflation und ein Nachgeben der Preise auf breiter Front keine Deflation. Inflation ist die Vermehrung einer nicht goldgedeckten Währung bei gleichbleibendem Umfang der marktwirtschaftlichen Produktionen und Zirkulationen, Deflation ihre Verminderung. Eine Kapitalsammelstelle ist keine Investmentbank, weil keine Bank. Ein Bankkapital ist die Vereinigung von Geldhandlungskapital mit zinstragendem Kapital, seine Kernoperation die Verwandlung von zur Aufbewahrung eingesammeltem Geld in ausleihbares Kapital. Vereinigt sich diese Metamorphose von Geld in Kapital mit industriellem Kapital, kann man von Finanzkapital sprechen. Die Verschmelzung von Finanzkapital mit dem fiktiven Immobilkapital oder dem ebenso fiktiven Kapital, das im Preis von Staatsschuldpapieren steckt, bringt ein echtes Monopolkapital hervor, das auch im großen Stil Krieg führen kann, z.B. in Afghanistan oder im Irak.
  9. Die Globalwirtschaftskrise wird sich zur globalen Politik- und Ideologiekrise ausweiten. In deren Gefolge wird es den Völkern als den Subjekten der Geschichte und insbesondere der Revolutionen hoffentlich gelingen, den Kapitalismus und alle anderen Ausbeutungssysteme zu überwinden. Wünschenswert wäre die rasche vollständige Zerschlagung der totalitären Ideologie der Globalisierung und die Rückkehr zur Welthaltigkeit der sozialen Systeme. Die Weltwirtschaft ist das organische System der Nationalökonomien aller Völker.
  10. Es gibt im Gange der ökonomischen Gesellschaftsformationen keine plötzliche Gesamtbeseitigung der veralteten Gestalt durch die neue, sondern nur die schubweise Marginalisierung der antiquierten Form. Die Wertrevolutionen des Kapitals sind nicht die endgültige Weltrevolution gegen das Kapital. Letztere ist bei ihrem ersten unreifen Versuch von 1933-45 der vereinigten militärischen Konterrevolution der kapitalistischen und kommunistischen Mächte zum Opfer gefallen. Aber solch grundstürzende Revolution muß wiederholt werden, damit die Menschheit nicht den falschen Eindruck behält, dies sei bloß ein historischer Zufall gewesen.




Kapitalismus und Sozialdemokratie

Hätte vor 60 Jahren die vereinigte Konterrevolution aus ka­pi­ta­lis­ti­schen und kom­mu­nis­ti­schen Mäch­ten nicht über die deutsche an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Re­vo­lu­ti­on von 1933 (nach ei­nem ge­wal­ti­gen, zwölf­jäh­ri­gen Rin­gen) gesiegt, wäre es jetzt nicht nötig, dem deutschen Publikum den Zusammen­hang von Kapitalismus und Sozial­demokratie zu erklären. Denn die Sozial­demokratie, die im Dritten Reich ebenso aufgelöst war wie die anderen Parteien des kapitalistischen Verteilungsschemas, insbesondere Liberaldemokratie und Konservativdemokratie, wurde im westlichen Beritt der vereinigten Konterrevolution von den historisch Toten wiederauferweckt. Die Sozialdemokratie ist wie Liberalismus und Konservativismus unverzichtbarer Teil des Klassenkampfschemas der zur Klassengesellschaft kapitalistisch entarteten bürgerlichen Gesellschaft, die an sich nur der besondere Stand einer jeden gut in Stand gehaltenen staatlichen Gemeinschaft.

Der Mensch kommt mit Lebensgeschrei zur Welt und verschwindet aus ihr mit Todesgestöhn; die Sozialdemokratie hingegen beginnt und endet ihr historisches Dasein mit ein und derselben systemimmanenten Kapitalis­muskritik. Wer gegen das „raffende“ Kapital, ist immer noch für das „schaffende“, wer gegen die jüdischen Kapitalnomaden, gegen „abgrasende“ Heuschreckenschwärme und Überfälle der globalen Finanzindustrie wettert, ist immer noch versöhnt mit dem deutsch-bodenständigen Kapital, das bieder-nachhaltig deutsche Arbeitskräfte regulär ausbeutet. Gewerkschaften und Sozialdemokratie sind nicht gegen die kapitalistische Ausbeutung, denn ihr Geschäft im System ist die wirtschaftliche und politische Vertretung der Ausgebeuteten im Kapitalismus, der ihre Existenzbedingung und Geschäftsgrundlage bleibt. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sind vergemeinschaftet im Verblendungszusammenhang der kapitalistischen Marktwirtschaft; sie setzen diese mit Wirtschaft überhaupt gleich. Je konsequenter diese Verblendung verwirklicht werden soll, desto rascher greift die Verelendung um sich, – bis hin zum Endstadium, der absoluten Verelendung in der demographischen Katastrophe.

Die wachsende wirtschaftliche Inkompetenz des kapitalistischen Systems erscheint schlagend im Wunsch nach Wachstum. Das Bruttoinlandsprodukt als jährliche Wertsumme des realisierten Warenkapitals, also die Preissumme verkaufter Waren und Dienstleistungen, sind die bloßen Marktkosten, die in die eigentliche Produktion einer Nationalökonomie, die Herstellung der Volksarbeitskraft der Gesamtnation, eingehen. Entscheidend für die Qualität der Volksarbeitskraft ist jedoch die eigenwirtschaftliche Arbeit der Familien und überhaupt rangiert die Eigenwirtschaft vor der randständigen Marktwirtschaft. Marktwirtschaftliches Wachstum ist Kostensteigerung in der pädagogischen Produktion, der Herstellung der nationalen Gesamtarbeitskraft oder Reproduktion des Lebens des Volkes. Marktwirtschaftliches Wachstum bei gegebener (oder, wie gegenwärtig, sich gar verschlechternder) Volksbeschaffenheit ist eine Schädigung am Leben des Volkes. Unschädliches Wachstum ist Vergrößerung der Volksarbeitskraft bei gegebener Qualifikation oder Qualifikationsvermehrung bei gegebener Größe der Volksarbeitskraft. Vergrößerung oder Verbesserung der nationalen Gesamtarbeitskraft ist Selbst- und Endzweck alles menschlichen Wirtschaftens; und die beständige Absenkung des markt- und kapitalwirtschaftlichen Anteils zugunsten des eigenwirtschaftlichen verringert den Grad der Entfremdung, der in einer Nationalökonomie herrscht.

Dem Aufstieg des Kapitalismus folgte jener der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften, im Niedergang gehen sie dem Kapitalismus voraus. Import von Fremdarbeitskraft, Export von Arbeitskraftnachfrage und vor allem die Automatisierung der noch im Inland verbleibenden Produktion hat das Proletariat zur Minderheit im Deutschen Volke gemacht; das Subproletariat ist, wie vom Dutschkismus schon vor vierzig Jahren angekündigt, zur Mehrheitsklasse innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft geworden. Die Voraussetzungen für den zweiten Anlauf der nationalen Revolution gegen das kapitalistische Globalsystem, dessen weltführender Volksgeist der jüdische ist, sind allem Anscheine nach herangereift.

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Verurteilung des Freihandels

  1. Seit dem Ende des sowjetischen Macht­blocks triumphiert weltweit unter dem Banner der Globalisierung die anti-nationale Ökonomie des Frei­handels über die alten National­ökonomien West­europas wie über die ehemals „geschloßnen Handels­staaten“ (Fichte, 1800) Osteuropas, die allesamt zu bloßen Stand­orten des Kapitals und zu Segmenten des globalen Einheits­marktes herab­gedrückt worden sind. Resultat ist die Anhäufung von Reich­tum auf der Seite der Wenigen und von Arbeits­losigkeit, Lohn­senkung und Sozial­abbau auf Seiten der Vielen. Die Ver­elend­ungs­theorie von Marx und Engels erfährt seit 1989 ihre größten praktischen Beweise. Die Tendenz zur Ver­elendung im Kapital­ismus setzt sich immer dann durch, wenn der Markt zum Maß­stab und zur letzten Ent­scheidungs­instanz für alle Arten wirtschaftlichen Tuns nicht nur erklärt, sondern auch wirklich gemacht wird. Einziger Lehr­satz der Frei­handels­doktrin ist, daß jede Ware zollfrei dort gekauft werden soll, wo sie gegenwärtig am billigsten ist. Die moralische Ebene dieser Lehre entspricht ungefähr der Lebens­maxime, jederzeit den leichtesten Weg zu gehen und das Billigste des Augen­blicks zu wählen. Das intellektuelle Niveau der Freihandels­doktrin ist das einer Milch­mädchen­rechnung, die von der Wirtschaft nur die äußerlichste Grenze sieht und sie mit dem Einkauf gleichsetzt. Moralisch, intellektuell und ökonomisch führt die Frei­handels­lehre in den Ruin all jener, die sich nach ihr richten und nicht zu den absolut Stärksten am Global­markt gehören. Das aber sind mindestens 90 Prozent aller Wirtschafts­subjekte.
  2. Unter dem Titel der Globalisierung hat der Frei­handel seinen Absolutismus , die End­stufe einer jeden historischen Entwicklung, erreicht. Sein ökonomisches Denkmodell kennt nur zwei Voraussetzungen: Individuum und Mensch­heit. Beide sind die unpolitischen Enden der politischen Ökonomie. Denn wenn es nur Individuen einerseits und Menschheit andererseits gibt, dann ist entweder jeder Subjekt ein und der selben Gesellschaft und somit der Hobbessche Naturrechtszustand erreicht, also der Einzelne zwar souverän, aber auch arm, elend und furchtsam, weil er wirklich umfassend für sich selbst zu sorgen hat. Oder aber es leben alle in ein und der selben bürgerlichen Gesellschaft, die dann den Weltstaat als ihren Landesherrn erzwingt, der keine außenpolitische Relativierung mehr zu fürchten hätte und im Innern zu einer Despotie der reinen Sozialtechnik entarten würde, zwar ohne Zentral­verwaltungs­wirtschaft, dafür aber mit ungebremster Herr­schaft der Gesetze und ihrer Derivate, die ihrer Natur nach un­politisch, un­persönlich und recht­los sind. Nur Nationalökonomien sind politische Ökonomien. Die Wahn­haftigkeit der unpolitischen Ökonomie des Frei­handels dürfte ebenso offen­sichtl­ich sein wie der destruktive Parasitismus jener, denen der frei­händlerische Ab­solutismus, also die Globali­sierung, gegen­wärtig nützt.
  3. Der Frei­handel ist ein wirtschaft­liches Kräfte­messen, worin der Stärkere dem Schwächeren seinen Willen aufzwingt und ihn vom Schlacht­feld des Marktes verdrängt und zum Schluß seine Existenz vernichtet, ganz ebenso, wie im Krieg ein militärisches Kräftemessen stattfindet. Freihandel ist Wirtschaftskrieg. Globaler Freihandel ist globaler Wirtschaftskrieg, der nur von souveränen Nationen durch Schutzzölle beendet werden kann.
  4. Die Propaganda und Erzwingung des Freihandels ist eine ideale wirtschaftspolitische Angriffswaffe für den wirtschaftlichen Riesen, der selber durch Protektionismus groß und unangreifbar gemacht wurde. Die Nationalökonomien müssen so verschieden sein wie die Nationen, denen sie angepaßt werden. Schwache Nationen müssen sich erst politisch so stark machen, damit sie die Rüstung des Protektionismus überhaupt anlegen und tragen können. Die Nationalökonomien aller europäischen Völker müssen wieder unabhängig werden, um ihren hauptsächlichen Trumpf, die Intelligenz und Vielfältigkeit ihrer Produktionen bis hin zur Fähigkeit der Autarkie, spielen zu können. Die amerikanische Ökonomie dagegen sucht zu beherrschen und europäische Spitzentechnologien wie europäische Hochqualifikationskräfte billig abzusaugen. Nur die souveränen Willen freier Nationen können ihre wirtschaftlichen Kräfte an der Zerstreuung in alle Welt hindern und sie zur Betätigung im jeweiligen nationalen Eigensinn bündeln.
  5. Nur Nationalökonomien sind politische Ökonomien. Bevölkerungen, Kapitalien und Techniken an sich sind vorpolitisch; es ist ihre Natur, sich von sich aus gleichmäßig über den Erdball zu verteilen, wenn sie nicht zurückgehalten werden. Sie gehen dorthin, wo sie sich betätigen können und wo sich ihre Betätigung lohnt und erfüllen in diesem Naturzustand das freihändlerische Ideal, welches der Untergang jeder Staatlichkeit und der Tod der Nationen ist. Wie in der Politik so ist auch in der Ökonomie das herrschende Bewußtsein das Bewußtsein der Herrschenden. Also sind dies jene, die den Nutzen aus der freihändlerischen Doktrin ziehen. Daß die Geschädigten des globalen Freihandels, die Nationen und ihre Staaten, sich gegenwärtig auch kein anderes Wirtschafts­modell vorstellen können, ist exakter Ausdruck ihres Unterworfenseins unter die Herrschenden. Die Haupt­schuld an dieser frei­händlerischen Primitivisierung des wirtschaft­lichen Denkens trägt die Ver­kehrung der Rang­ordnung zwischen übergeordneter Eigenwirtschaft und nachgeordneter Marktwirtschaft. Erhält die Marktwirtschaft den Vorrang, führt das notwendigerweise zu Weltmarktwirtschaftskrisen wie 1929-1933 und zur noch schlimmeren Globalmarktkrise von heute, die nur durch erneute Unter­werfung der Märkte unter die Eigen­wirtschaften der Völker überwunden werden kann. – Die anti­kapitalistische Revolution der Völker wird ihren zweiten An­lauf nehmen und diesmal end­gültig siegen!

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Das Reich der Freiheit

Der Kapitalismus geht seinem Ende entgegen. Sein endgültiger Tod wird das Reich der Freiheit sein. In den vielen Verwertungskrisen des Kapitals, die alle noch nicht die Endkrise des Kapitalismus waren, sind zahllose Kapitalien untergegangen und ist gesellschaftliche Kapitalmasse vernichtet worden. Das Kapital ist verkleinert und verjüngt wiederauferstanden, um auf der Grundlage entwerteter Kapitalien und gekräftigter Profitrate einen neuen Zyklus von Kapitalwachstum (Akkumulation) zu eröffnen. Kapital ist der Prozeß des sich selbst verwertenden Wertes. Der Wert aller Waren – ob ihrer Naturalform nach nun Arbeitskräfte, Produktionsmittel oder Konsumtionsmittel – ist die in ihnen vergegenständlichte Zeit gesellschaftlich notwendiger Arbeit. Verschwindet die Arbeit aus der Produktion, dann geht der Wert der Waren gegen Null und das Kapital verdampft, weil der Verwertungsprozeß mangels Wertmasse bedeutungslos wird.

Ein Fabrikant für Rechnerprogramme beschreibt diesen Vorgang gesprächsweise wie folgt: “Der Wert des eigentlichen Herstellungsprozesses eines Produktes geht immer weiter gegen Null. Wertvoll sind einzig Ideen und Know-how. Diese Entwicklung beginnt jetzt erst, ihre Auswirkungen werden dramatisch sein.” (Spiegel 1/98,139) – Natürlich wird die Arbeit und damit der Wert nicht nur aus der materiellen Herstellung sondern ebenso aus der Ideenproduktion verschwinden. Die Aufsteiger und Gewinner des industriegeschichlichen Augenblicks werden die Verlierer von morgen sein, wenn die Ideenproduktion automatisiert ist und damit weitgehend arbeitsfrei und wertlos geworden sein wird.

Als Resultat der industriellen Entwicklung unter kapitalistischer Form ergibt sich ein zunehmender Widerspruch zwischen Reichtum und Wert. Ersterer wächst und letzterer schwindet. Karl Marx schrieb schon 1858 dazu in den Grundrissen: “Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch dadurch, daß es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren stört, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt. Es vermindert die Arbeitszeit daher in der Form der notwendigen” (lohnproduzierenden), “um sie zu vermehren in der Form der überflüssigen” (profitproduzierenden); “setzt daher die überflüssige in wachsendem Maß als Bedingung … für die notwendige. Nach der einen Seite ruft es also alle Mächte der Wissenschaft und der Natur, wie der gesellschaftlichen Kombination und des gesellschaftlichen Verkehrs ins Leben, um die Schöpfung des Reichtums unabhängig (relativ) zu machen von der auf sie angewandten Arbeitszeit. Nach der andren Seite will es diese so geschaffnen riesigen Gesellschaftskräfte messen an der Arbeitszeit, und sie einbannen in die Grenzen, die erheischt sind, um den schon geschaffnen Wert als Wert zu erhalten.” (593)

Nachdem die technische Anwendung der Naturwissenschaften die arbeitsreiche Produktion in eine arbeitslose verwandelt und ihren Wert gegen Null hat schrumpfen lassen, ist der Mensch vom Arbeiter in der Produktion zu ihrem Danebensteher geworden. “In dieser Umwandlung ist es weder die unmittelbare Arbeit, die der Mensch selbst verrichtet, noch die Zeit, die er arbeitet, sondern die Aneignung seiner eignen allgemeinen Produktivkraft, sein Verständnis der Natur und die Beherrschung derselben durch sein Dasein als Gesellschaftskörper – in einem Wort die Entwicklung des gesellschaftlichen Individuums, die als der große Grundpfeiler der Produktion und des Reichtums erscheint.” (aaO)

Der Einzelne und sein Sonderinteresse, das sich als Subjekt der bürgerlichen Gesellschaft begreift, wie die Gemeinschaft in ihrem Allgemein- und Gesamtbelang, die sich als Körper in der Gesellschaft aller anderen Gemeinschaften (Völker) weiß und folglich als Gemeinwesen handelt, – diese sozialwissenschaftliche Einsicht in das Einzelne, das Besondere und das Allgemeine und deren Gesamtheit wird zur produktiven Hauptbedingung, daß die Gemeinwesen als aktionsfähige Gemeinschaften wie als Gesellschaften der Transaktionsfähigkeit den naturwissenschaftlichen Produktionsapparat sich aneignen und entwickeln können. Bedingung dieser produktiven Aneignung der Naturwissenschaften ist das sozialwissenschaftliche Selbstbewußtsein des Gemeinwesens in den Sparten Gemeinschaftskunde, Gesellschafts- wissenschaft und Gemeinwesenlehre. Das System der Sozialwissenschaften wird somit Hauptbedingung der produktiven Handhabung des angeeigneten Naturprozesses, also der in Systemen vollautomatischer Fabriken verdinglichten Naturwissenschaft.

“Sobald die Arbeit”, fährt Marx fort, “in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein, hört und muß aufhören die Arbeitszeit sein Maß zu sein…. Die Surplusarbeit der Masse hat aufgehört Bedingung für die Entwicklung des allgemeinen Reichtums zu sein, ebenso wie die Nichtarbeit der Wenigen für die Entwicklung der allgemeinen Mächte des menschlichen Kopfes. Damit bricht die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion zusammen….” (aaO) Selbst der unmittelbare materielle Produktionsprozeß verliere jetzt seinen notwendig-notdürftigen Charakter. Ihn zu minimieren werde zur Bedingung der freien und allseitigen Entwicklung der Individuen, um für ihre künstlerische und wissenschaftliche Ausbildung Zeit und Mittel zu gewinnen.

Dieser nachkapitalistischen Perspektive ist das Reich der Freiheit keine Drohung, sondern eine Verheißung. In ihr ist nicht mehr Arbeit und Wert und nicht mehr die Akkumulation von Mehrarbeit und Mehrwert im kapitalistischen Verwertungsprozeß das eindimensionale Ziel, sondern die multidimensionale Entwicklung von Fähigkeiten der menschlichen Arbeitskraft – als individueller wie als kollektiver – als Zweck gesetzt. Damit haben sich die Kräfte des Gemeinwesens als echter Selbstzweck und somit als das Leben bestimmt. Gemeinschaftliches, gesellschaftliches und gemeinwesentliches (die beiden ersteren reflektierendes) Leben machen danach die menschliche Daseinsweise im Reiche der Freiheit aus.

“Das Reich der Freiheit”, so führt der späte Marx im dritten Band des Kapitals aus, “beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.” (MEW 25,828) Die materielle Produktion ist nicht auf Naturnotwendigkeit beschränkt, sondern ein Reich geschichtlich gebildeter und erweiterter technischer Notwendigkeiten. “Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, daß…die assoziierten Produzenten diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle” (die Marx auch als Vergesellschaftung tituliert) “bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühn kann. Die Verkürzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung.” (aaO)

Die Freizeit des Arbeiters, die aus der Verkürzung des Arbeitstages folgt, steht am Anfang und am Ende der kapitalistischen Epoche. Der Normalarbeitstag des zünftigen Handwerkers im Hochmittelalter war acht Stunden, ansonsten gab es den blauen Montag und zahlreiche arbeitsfreie Kirchenfeiertage. Weil es viel Freizeit gab, konnte die mittelalterliche Hochkultur entstehen. Nur weil der Gesamtarbeitstag des Handwerkers (und als Voraussetzung auch der des Bauern) über seinem notwendigen Arbeitstag lag, worin er seinen Lohn erarbeitete, konnte eine Mehrarbeit geleistet werden, sich in einem Mehrprodukt vergegenständlichen und einen Mehrwert am Markt preislich realisieren, was die Grundlage der hochkulturellen Bedürfnisse und somit Nachfrage nach halb- und vollkünstlerischer Handwerksarbeit schuf. Aber die mögliche Mehrarbeit konnte ebenso als Freizeit, als eigentliches Luxusgut, konsumiert werden. Und das wurde sie auch.

Geraten die Handwerker in die Abhängigkeit vom Kapital, dann wird ihre Freizeit wieder zur Arbeitszeit und zur Grundlage des Profits. Und wenn das Kapital in seinem Drange, die Mehrarbeit als unbezahlte Arbeit, die eigentlich zur Arbeitszeit umdefinierte Freizeit ist, immer mehr auf Kosten der notwendigen Arbeit, worin der Lohn erarbeitet wird, auszudehnen, die ganze industrielle arbeitsersetzende Entwicklung bis zu dem logischen Ende der arbeitslosen Produktion in der vollautomatischen Fabrik vorantreibt, bricht der Kapitalismus als Selbstverwertung des Wertes zusammen, weil der Wert von Arbeitskräften, Produktionsmitteln und Produkten gegen Null geht und ihre Warenform sich auflöst. Damit hat der Kapitalismus sich selbst getötet und die an den Verwertungsprozeß gefesselte Produktion ist befreit.

Die zunehmende Abwürgung der Produktion durch die schrumpfende Wertschöpfung (oder mit Marx gesprochen: die Fesselung der Produktivkräfte durch obsolete Produktionsverhältnisse) ist statistisch aufweisbar, wenn das Produktivitätswachstum der Arbeit nicht mehr im vollen Umfang als Steigerung des Produktausstoßes erscheint. An dem raschen Anstieg der Produktion (wie nach 1933 in Deutschland) erkennt man eine Revolution gegen das Kapital, im Verfall der Produktion (wie nach 1917 in Rußland) verrät sich eine (asiatische) Konterrevolution gegen das Kapital. Die Revolution konnte nur besiegt werden durch eine auf Vernichtung gerichtete Kriegsallianz des Kapitals mit der asiatischen Konterrevolution. Siegestrophäe dieser bemerkenswerten Allianz aus kapitalistischer Plutokratie und kommunistischer Despotie war – aus systematischen und nicht bloß aus historischen Gründen – die Demontage der Produktion bis hin zu der Vertreibung der Produzenten vom Grund und Boden ihrer Produktion und sogar der millionenfachen Massakrierung der Produzenten selber (wie in Deutschland 1945). Der Zerfall des konterrevolutionären Bündnisses in seine beiden Hälften, die kapitalistische und die antikapitalistische, ermöglicht dann aus Gründen der weltgeschichtlichen Rivalität eine begrenzte Entwicklung der Produktion (in Deutschland ab 1948). Der Wegfall der Rivalität führte in der vereinigten Besatzungszone BRDDR allein 1993-97 zu einer Schrumpfung der Produktion von 4,2 Prozent. Die Fesseln, die der Wert dem Reichtum anlegt, sind wieder schmerzhaft spürbar geworden.

Richard Wagner, der 1848er Kampfgenosse des Karl Marx, trägt in seinem musikdramatischen Werk eine andere Fassung der Sage von dem Reiche der Freiheit vor: Die Gralserzählung. Der Gral ist ein Kelch oder heiliges Gefäß, das eine unversiegbare himmliche Kraft enthält, aus der die Gralsritter ihre irdische Interventionsmacht periodisch speisen. Der Inhalt des Grals ist also ein ganz besonderes Gut, das unverbrauchlich gebrauchbar ist. Was die Gralsritter zu sich nehmen ist ein Schluck aus der Pulle der Vollkommenheit, sie trinken von dem Geiste Gottes selber. Dieser Rohstoff ergibt aber, menschlicher Denkarbeit unterworfen, die Gedanken, welche ihrerseits als Denkmittel oder Begriffe, als Denkgegenstände oder Probleme, als Ideen oder Tatgedanken dienen oder zu denkersetzenden Gedankensystemen, Theorien also, zusammengesetzt werden können. Die Theorien vollbringen die Wunder, und der Kelch, worin sie ausgegoren werden, ist die Hirnschale des Menschen. Dieser Kelch geht nur an wenigen nicht vorüber. Vor 30 Jahren trug Krahl den Gral.

“Alle Mythologie”, schreibt Marx in den Grundrissen, “überwindet und beherrscht und gestaltet die Naturkräfte in der Einbildung und durch die Einbildung; verschwindet also mit der wirklichen Herrschaft über dieselben.” (30) Die Volksphantasie bearbeitet aber nicht nur die Natural-, sondern auch die Verkehrsformen, und tat sie dies bei den Griechen vorwiegend als unbewußte Kunstvorstellung, so arbeitet die Volksphantasie bei den germanischen Völkern als bewußte Wissenschaftsfiktion. Mit deren Verwirklichung als Natur- und Sozialwissenschaft verschwindet nur ein alter Mythos, aber nicht der Mythos überhaupt. Der Mythos ist vorgestellte Technik und imaginierte Gemeinschaft, und die reale Technik und verwirklichte Gemeinschaft ist nachgestellter Mythos. Ohne den Neuen Mythos wird es weder die Neue Technik noch die Neue Genossenschaft, also eine erneuerte Volksgemeinschaft, geben.

Das Reich der Notwendigkeit ist in jeder Nation der von dem selbstbewußten Volk zielsicher geführte und mit minimiertem Arbeitsaufwand in Gang gehaltene Produktionsprozeß der materiellen Güter. Jede Nation, die als Volksgemeinschaft zusammenhält, als Gesellschaftssubjekt sicher transagiert und als Gemeinwesen, in sich reflektiert, in Erscheinung tritt, wird auf der Grundlage solch eines Reiches der Notwendigkeit ein Reich der Freiheit erobern. Dies kann aber auch der Raum des Lasters und damit neuer Sklaverei der Triebe werden, in Freizeit und Spiel verplempert. Dann fällt der Mensch in seiner freien Zeit aus seinem Wesen, der Arbeit, heraus, und wenn er die Arbeit verliert, fällt er auch aus der Erkenntnis. Nur wenn die Arbeit das erste Lebensbedürfnis aller Menschen wird (was sie bei den Deutschen schon immer war), gereicht die Fülle der freien Zeit ihnen zum Segen. Die Arbeit kann nur Spaß machen, wenn sie kein Spaß ist, und nur als Werkverwirklichung bringt sie den Menschen individuelle und kollektive Selbstverwirklichung. “Wirklich freie Arbeiten, z.B. Komponieren ist grade zugleich verdammtester Ernst, intensivste Anstrengung.” (Grundrisse, 505)

Längst nicht alle Arbeit im Reiche der Freiheit muß freie Arbeit des Einzelnen sein. Als solche gilt dem Herkommen nach das Kunstschaffen (wohlweislich aber nicht das Kunstdarstellen), das religiöse Tun und das Philosophieren, also die drei Hauptäußerungen des absoluten Geistes. Zu den einzelfreien Arbeiten sollte man noch die Taten der weltgeschichtlichen Individuen im Bereich des objektiven Geistes hinzuzählen, also neben den Staatsdenkern und sonstigen geistigen Führern auch die schöpferischen Staatslenker und die gesellschaftspolitischen Führer. Die freie Arbeit dieser Wenigen, die schon immer ihr Eigenreich der Schaffensfreiheit sich erobert haben, wird auch im kommenden Reiche der Freiheit keine Schwierigkeit bereiten, sondern die Organisation des Reiches der Freiheit für die Vielen ist die Herausforderung an das Gemeinwesen der Zukunft.

Ist die notwendige Arbeit für die Vielen minimiert, muß ausreichend freie Arbeit für sie organisiert werden, damit alle am Reiche der Freiheit teilhaben können. Solche gewaltig-freien Volksgemeinschaftsaufgaben waren in der Vergangenheit z.B. die kirchlich-ritterliche Hochkultur im Alten Reich auf Basis der feudalen Mehrarbeit der deutschen Bauern; die bürgerlich-städtische Hochkultur auf Grundlage kommunaler Mehrarbeit der Handwerker, freien Arbeiter und Kaufleute; die wilhelminische Hochkultur dank Mehrarbeit und Erfindungsreichtum von Industriearbeitern, technisch-wissenschaftlicher Intelligenz und Mittelstand, die praktisch bis 1945 Deutschland beherrschte und im westzonalen Wirtschaftswunder eine Nachblüte erlebte.

Nach dem Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschaft und ihrer Staaten in Deutschland wird durch Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Reiches die Einrichtung einer Volkswirtschaft unter gemeinschaftlicher Kontrolle aller Deutschen möglich. Sie wird – nach Minimierung des Arbeitsaufwandes in der materiellen Produktion und folglich der Gesundschrumpfung des Reiches der Notwendigkeit – das Reich der Freiheit um Großvorhaben herum organisieren, die kulturelle Anliegen aller Deutschen sind. So liegt es z.B nahe, Wiederaufforstung von Industrie- und Verkehrsbrachen zu betreiben; die Standkraft der Landesverteidigung auf die Höhe der Unüberwindbarkeit zu bringen; die zahlreichen deutschen Altstädte als Zeugen der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hochkultur, die durch den angelsächsischen Bombenterror und den modernistischen Aufbau zerstört worden sind, zu rekonstruieren; die deutsche Wissenschaft wieder zu idealisieren und ihr die Spitzenstellung in der Welt, die sie im Wilhelminismus innehatte, zurückzuerobern; die deutsche Volksschule zu poetisieren. Vieles andere erscheint denkbar und kann organisiert werden, sobald Arbeitskräfte und Herstellungsmittel wieder freigesetzt sind.

Unter der Vorherrschaft des Reiches der Freiheit wird auch seine Grundlage, die notwendige materielle Produktion, eine freiere und unauffälligere Gestalt annehmen als jene der großen Industrien. Alle Familien, Sippen und Gemeinden werden bestrebt sein, einen Anteil am Reich der Notwendigkeit in ihren miniaturisierten und mikroisierten Hausindustrien und Eigenwirtschaften zu nehmen und Volk, Staat und bürgerliche Gesellschaft mit dem Nötigen zu versorgen. Nur das mit Waffen versorgte und mit automatischen Produktionsmitteln in allen seinen Gemeinschaften bewaffnete Volk hat seine produktiven und destruktiven Instrumente sowohl vergemeinschaftet als auch vergesellschaftet.

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Deutschlands Zukunft

Dem deutschen Volke sollte es bald gelingen, die uneingeschränkte Hausherrengewalt in seinem Lande wiederzugewinnen, damit Deutschland Zukunft hat. Und es sollte dem deutschen Volke sehr bald gelingen, die ausländischen Eroberer hinaus und ihre inländischen Toröffner ins Gefängnis zu werfen, damit Deutschland und das deutsche Volk Zukunft haben. Ansonsten werden wir untergehen und unsere Enkel in Bitternis und unter Tränen das trockene Brot der internationalen Knechtschaft essen, mit Orientalen und Negern als Aufsehern über sich.

Läuft die de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lung so wei­ter wie bis­her, dann wer­den im Jah­re 2030 nur noch die Hälf­te der Ein­woh­ner hier­zu­lan­de Deut­sche sein. Es ge­hört al­so kei­ne Pro­phe­ten­ga­be da­zu, Ras­sen­kämp­fe ame­ri­ka­ni­schen Mus­ters und Volks­tums­krie­ge bal­ka­ni­scher Mach­art für Deutsch­land vor­aus­zu­sa­gen. Soll­te es aber kei­ne Kämp­fe ge­ben, weil aus den ger­ma­ni­schen Stäm­men Eu­ro­pas kein neu­er Karl Mar­tell er­steht und die eu­ro­päi­schen Völ­ker nicht auf­ste­hen, dann be­deu­tet das eben ei­nen kampf­lo­sen Sieg nicht­eu­ro­päi­scher Ras­sen über ei­nen Geg­ner, der zu kei­ner ernst­haf­ten Ge­gen­wehr fä­hig ist. Und wer be­reit sein soll­te, die­se Ent­wick­lung not­falls mit ei­nem Bür­ger­krieg zu stop­pen, der muß nun all­mäh­lich sei­ne Pro­skrip­ti­ons­lis­ten er­stel­len und ab­ar­bei­ten. Aber auch nach ei­nem für uns sieg­rei­chen Ras­sen­kampf kommt dann im­mer noch der Klas­sen­kampf. Die­ser Kampf geht ge­gen die Dik­ta­tur des glo­bal no­ma­di­sie­ren­den Fi­nanz­ka­pi­tals, er geht für die Ein­ord­nung al­ler Klas­sen, auch der deut­schen Ka­pi­ta­lis­ten­klas­se und der deut­schen Ar­bei­ter­klas­se, in die bür­ger­li­che Ge­sell­schaft und die Un­ter­ord­nung der deut­schen Ge­sell­schaft un­ter den deut­schen Staat, wo­durch die deut­sche Ge­sell­schaft erst wie­der bür­ger­lich und da­mit an­stän­dig wird. Denn an­stän­dig lebt nur, wer sich ei­nem Stan­de an­ge­schlos­sen und sich selbst al­so in Stand ge­setzt hat. Die heu­te so ge­rühm­ten „glo­bal play­er­s“ sind ran­da­lie­ren­de Au­to­no­me im Welt­maß­stab. Sie wird man nach und nach aus den meis­ten Staa­ten aus­schlie­ßen und mit De­mons­tra­ti­ons­ver­bot be­le­gen in dem Ma­ße, wie die re­el­len Na­tio­nen ih­re volks­wirt­schaft­li­che Sou­ve­rä­ni­tät zu­rück­er­obern.

Trotz drängender Gefahr wollen wir uns nun etwas Zeit nehmen, um über Zukunft im allgemeinen und Deutschlands Zukunft im besonderen zu philosophieren unter der optimistischen Annahme, Deutschland und die Deutschen hätten eine Zukunft. Für den denkerischen Hausgebrauch seien mehrere Zukünfte unterschieden, erstens die unmittelbare, zweitens die mittelbare und drittens die langmittelbare Zukunft. Ich nenne diese drei Zukünfte 1. Anwart, 2. Zuwart und 3. Kunft.

Die Anwart ist die unmittelbar auf die Gegenwart einprasselnde Zukunft, die sich sozusagen ständig vergegenwärtigende Zukunft. Die Anwart ist die unmittelbare Zukunft als das Ankommende. Die Zuwart ist die mittelbar bevorstehende Zukunft, die erwartete Ankunft des Neuen, das aber noch nicht gegenwärtig als unverarbeitetes Neues, noch nicht schon als Anwartschaft ständig in unserer Gegenwart ankommt und worauf wir also noch warten. Diese Zuwart als mittelbare (oder mittelfristige) Zukunft ist uns vor allem als die neuen Mittel, die noch zu gewärtigen sind, gegenwärtig, aber, anders als die Anwart, ist die Zuwart ein Noch-nicht-Ankommendes. Die Zuwart ist das Warten auf das bald Kommende. Die Kunft schlußendlich ist ein futuristischer Zeitmodus, der voraussichtlich eintritt, sobald die jetzige Anwart sich in völlige Gegenwart und die Zuwart sich in die Anwart verwandelt hat. Dann ist aus der jetzt ferneren Zukunft die Ankunft geworden, die sich zur Kunft vollendet hat: das Hier und Jetzt einer untergegangenen und vergangenen, weil eingetretenen Zukunft. Und diese Kunft der heute noch ferneren Zukunft wird sich dann wieder unterscheiden wie heute schon alles Gegenwärtige in die Abkunft, die Herkunft und die Einkunft des künftig-gegenwärtigen, des kunftwärtigen Zustandes Deutschlands.

Ich will daher die Lageanalyse der deutschen Zukunft – vorausgesetzt, wir haben sie uns erkämpft – unter dem Gesichtspunkt dieser drei Zukunftsarten betrachten und zum Schluß einen Zukunftswegweiser für die Deutsche Nationalbewegung zur Diskussion stellen.

I.

Was gegenwärtig an Zukunft auf Deutschland einprasselt, ist zweierlei. Erstens die Vollendung der Kapitalherrschaft einschließlich dazugehöriger Vollendungskrisen, die die Reste aller überlieferten Werte und Sitten zerstören, wogegen es auch Widerstand gibt, der aber notwendiges Moment des Überwundenwerdens und folglich Ausdruck der Vollendung des Kapitals ist. Zweitens wird die Kapitalherrschaft in ihrer Vollendung absolut. Alle staatlichen Regeln, Normen und Einschränkungen der Kapital-Freiheit, insofern sie aus der unvollkommenen Jugend und dem noch mangelnden Selbstbewußtsein unreiferer Epochen der Kapital-Geschichte herstammen, werden jetzt beiseite geräumt. Die Freihandelsdoktrin ist herrschende Lehre geworden und mit der These von der Gobalisierung der Märkte und Herstellungsräume wird die Unterordnung des Staates unter das Kapital verlangt.

Solange das Kapital sich noch schwach fühlte, forderte und erhielt es den Schutz der Nation vor der internationalen Konkurrenz. Jetzt, auf der Höhe seiner Macht, will es – wie einst der Kommunismus in seiner hochgemuten Jugend – den Staat absterben lassen und die Nation erscheint dem Kapital als borniert, als Reststörfaktor bei der Globalisierung der Produktionsprozesse und der Märkte.

Ein sicheres Zeichen, daß die Kapitalherrschaft auf ihrem Gipfel steht, ist die Kapitalisierung der Infrastruktur, also der allgemeinen Produktionsbedingungen wie Verkehr, Nachrichtenwesen usw., sowie des öffentlichen Dienstes. Betreffs Infrastruktur schrieb Karl Marx schon 1858: „Die höchste Entwicklung des Kapitals ist, wenn die allgemeinen Bedingungen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses nicht aus dem Abzug der gesellschaftlichen Revenu hergestellt werden, den Staatssteuern …, sondern aus dem Kapital als Kapital.“ (Grundrisse S. 431) Die Produktion der allgemeinen Produktionsbedingung aller Kapitale ist also besondere Anlagesphäre großer Kapitalgesellschaften geworden. Auf diesen Triumph des Kapitals würde die geforderte Privatisierung der Staatsdienste (Polizei, Justiz, Armee usw.) die Krone aufsetzen, es wäre die offizielle Übertragung der Souveränität vom Volk auf das Kapital. In der akademischen Diskussion ist das schon etabliert, wir brauchen nicht mehr lange zuzuwarten, bis es Versuche seiner praktischen Verwirklichung geben wird.

II.

Steht anwärtig die Privatisierung der Infrastruktur im Vordergrund des deutschen Erwartungshorizontes, so ist die Privatisierung des Staates ein zuwärtiger Hintergrund. Die Subventionierung technischer Großprojekte (AKW, Airbus, Transrapid usw.) läßt dem Steuerstaat keinen finanziellen Spielraum mehr. Bislang noch tobte der Kampf um den Staatshaushalt zwischen sozialer und kapitaler Subsidie. Erstere soll nun weitgehend abgebaut werden, um letztere fortsetzen zu können. Also: Die hochtechnischen Kapitalgesellschaften verletzen am schlagendsten ihre freihändlerische Ideologie vom schlanken, subventionsfreien Staat, der, anders als bei den Liberalen des 19. Jahrhunderts, nicht einmal mehr Nachtwächterstaat sein darf, denn der Nachtwächter soll jetzt auch nicht mehr Beamter sein, sondern Unternehmer werden.

Die mittelbare Zukunft Deutschlands – seine Zuwart – ist also die Krönung der Kapitalherrschaft im Kapital-Absolutismus durch Privatisierung des Staatsapparates, nachdem die zentralen Infrastrukturbetriebe Post und Bahn in Kapitalgesellschaften verwandelt sind. Natürlich steht jeder geschichtliche Vorgang unter dem Vorbehalt der Kontingenz: Es kann so kommen, aber auch anders, z.B. durch einen Aufstand des deutschen Volkes, falls es sich nicht auch noch die letzten Reste von Staatlichkeit nehmen lassen will und das verschleuderte Volksvermögen wieder unter seine Kontrolle bringt. Geht hingegen alles weiter seinen kapitalistischen Gang, dann wird der Kapitalismus das Opfer seines eigenen Triumphes, der sich weltwirtschaftlich in der absoluten Konkurrenz und im puren Freihandel wie in der globalen Herstellungsfreiheit manifestiert. Nicht mehr nationale Industrien produzieren in innervölkischer gesellschaftlicher Arbeitsteilung für einen aus verschiedenen Volkswirtschaften bestehenden Weltmarkt, sondern ein Globalbetrieb in globalbetrieblicher Arbeitsteilung für einen weltlos gewordenen Globaleinheitsmarkt, also für den Marktkommunismus.

Die Kapitalisierung der Infrastruktur ist also die Anwart, die Privatisierung des Staatsapparates aber die Zuwart Deutschlands, seine mittelbare Zukunft.

III.

Die Kunft, die langmittelbare fernere Zukunft also, die Deutschland und der übrigen kapitalistischen Welt zu künden ist, lautet: Wer den Gipfel seiner Lebensgeschichte erreicht hat, kann im weiteren Fortgang seines Daseins nur noch absteigen. Der werdende Kapitalismus suchte den Schutz der Nation aus Jugendschwäche, der souveräne Kapitalismus wirft ihn im vollen Bewußtsein seiner Stärke ab, der absteigende Kapitalismus hingegen denkt an Altersrente und Pflegeversicherung. Und während wir gegenwärtig in den leitenden Wirtschaftsartikeln uns noch an der reinen Lehre des Freihandels und der globalen Faktormobilität erfreuen können, lesen wir in den politischen Schlagzeilen schon den unerhörten Begriff „Importverbot“, den es nach der reinen Lehre gar nicht mehr geben dürfte.

Marx drückt diesen Sachverhalt so aus: „Solange das Kapital schwach ist, sucht es selbst noch nach den Krücken vergangner oder mit seinem Erscheinen vergehnder Produktionsweisen. Sobald es sich stark fühlt, wirft es die Krücken weg, und bewegt sich seinen eignen Gesetzen gemäß. Sobald es anfängt sich selbst als Schranke der Entwicklung zu fühlen und gewußt zu werden, nimmt es zu Formen Zuflucht, die, indem sie die Herrschaft des Kapitals zu vollenden scheinen, durch Züglung der freien Konkurrenz, zugleich die Ankündiger seiner Auflösung und der Auflösung der auf ihm beruhenden Produktionsweise sind.“ (Grundrisse S.544f.) Noch gilt nur das Land als frei, das sich der freien Konkurrenz des Weltmarktes öffnet und jedes Wirtschaftssubjekt auf jedes andere losläßt, aber schon schwankt der Glaube an die alleinseligmachende Kraft des globalen Wettbewerbs. „Sobald übrigens“, schreibt Marx dazu, „die Illusion über die Konkurrenz als die angebliche absolute Form der freien Individualität verschwindet, ist dies ein Beweis, daß die Bedingungen der Konkurrenz, d.h. der auf das Kapital gegründeten Produktion, schon als Schranken gefühlt und gedacht werden, und es daher schon sind und mehr und mehr werden.“ (Grundrisse S.545) Und daß die Ideologen der Konkurrenz diese als „das Ende der Weltgeschichte“ (ibd.) ansehen würden, hat Marx auch schon prophezeiht.

Warum der Kapitalismus in Deutschland keine große Zukunft, sondern nur noch eine Kunft hat, an der vor allem die Niederkunft mit einer nachkapitalistischen Wirtschaftsweise von Belang ist, möchte ich nun mit einigen Erinnerungen an das Wesen des Kapitals, seine Krisen und ihre Zyklen, erläutern.

IV.

Das Kapital verändert durch seinen Trieb nach mehr Mehrwert, also nach Mehrwertwachstum, seine innere Zusammensetzung: Der Anteil des Sachkapitals steigt im Verhältnis zum Humankapital. Dies Verhältnis ist die organische Zusammensetzung des Kapitals, ihr Steigen bewirkt die Tendenz zum Fall der Allgemeinen Profitrate. Dem tendenziellen Fall der Profitrate wirken die Steigerung der Mehrwerts und die Senkung der Löhne und der Produktionsmittelpreise entgegen. Setzt die Tendenz zum Fall der Profitrate sich plötzlich durch, tritt die Krise ein. (Die Schwerkraft bewirkt eine Tendenz zum Fall der Flugzeuge auf die Erde. Die Auftriebskräfte an den Flügeln wirken dieser Tendenz entgegen. Setzt die Tendenz der Gravitation sich plötzlich durch, erfolgt Absturz.)

Wird also die Tendenz zum Fall der Profitrate akut, tritt die Krise ein. Sie ist die Anpassung des Gesamtvorganges der kapitalistischen Produktion an die gestiegene Produktivität. Krisenursache ist hierbei der Widerspruch zwischen der Ausdehnbarkeit der Produktion und der Konsumbeschränkung der Massen, d.h. zwischen Produktionsbedingung und Realisierungsschranke des Mehrwerts. Die Krise selber ist der akute Fall der Profitrate. Die Krisenwirkung zeigt sich in der Entwertung des konstanten und variablen Kapitals, also in der Kapitalvernichtung, die wieder Platz geschaffen hat für neues Kapitalwachstum.

Oder genauer: Steigende Maschine-Mensch-Relation steigert die Arbeitswirkung und bringt den gesellschaftlichen Grundumsatz ins Ungleichgewicht, was zum Wertverfall des Jahresprodukts, zum tatsächlichen Fall der Allgemeinen Profitrate, zur Rückverwandlung von Kapital in Geld (Schatzbildung), zum Rückgang der Produktion, zur Senkung der Beschäftigungsrate und zum Wertverfall von Produktionsmitteln und Arbeitskräften führt (Vernichtung konstanten und variablen Kapitals); letzteres läßt die Allgemeine Profitrate wieder steigen, Geld sich wieder in Kapital verwandeln, führt zur Fusion von Unternehmen und zur Erhöhung des Mindestkapitaleinsatzes; nach dem Abklingen der Krisenwirkungen können die Krisenursachen wieder wirken.

Der Kapitalismus lebt von seinen Krisen. In ihnen verjüngt er sich durch Kapitalvernichtung. Eine kapitalistische Krise ist der Absturz der Masse und der Aufschwung der Profitabilität des Kapitals. Von diesem allgemeinen Krisenkreislauf des Kapitals überhaupt sind zu unterscheiden Weltwirtschaftskrisen, die in einem Weltsystem mehrerer funktionierender Nationalökonomien ausbrechen, die, anders als eine Globalökonomie, miteinander Welthandel treiben können und folglich statt eines globalen Einheitsmarktes einen wirklichen Weltmarkt begründen. Eine Krise der Weltwirtschaftsmärkte bricht aus, wenn die globalen Erträge und Erlöse nachhaltig fallen. Die Weltkrise zeigt ihre Wirkung im Rückgang des Welthandels und im Schrumpfen der Faktorumsätze in den nationalen Verteilungsschemata. Die Faktorgüter strömen jetzt vorwiegend aus dem Verteilungsschema in die Ausgleichsfonds, d.h. in den Staatshaushalt und in die Vermögen der Privaten.

Die Weltmarktwirtschaftskrise reduziert die weltgesellschaftliche Arbeitsteilung. In der Krise der Weltmarktwirtschaft findet generell Importsubstitution (Einfuhrersatz) statt: eine Verringerung der gesellschaftlichen und weltgesellschaftlichen zu Gunsten der betrieblichen und binnenwirtschaftlichen Arbeitsteilung. Die Marktwirtschaft schrumpft, und die Eigenwirtschaft wächst. Der komparative Kostenvorteil des auswärtigen wie des Binnenhandels nimmt ab. Eigenfaktoren wachsen auf Kosten der Verteilungsfaktoren. Die Krise der Weltmärkte ist daher keine Wirtschaftskrise, sondern eine Krise der Marktwirtschaft und eine Blüte der Eigenwirtschaft, eine Wiederaneignung der umfassenden Fähigkeit der Gesamtarbeitskraft eines jeden Volkes und die Wiedergewinnung seiner nationalökonomischen Souveränität.

Resultat einer Krise der Weltmarktwirtschaft ist die Vertiefung und Verfeinerung der binnen- und eigenwirtschaftlichen Struktur der Nationalökonomien und ihrer Wirtschaftssubjekte. Die Weltmarktkrise faßt die globalen Faktorströme zu periodischen Bewegungen zusammen. Krise heißt Konjunktur des Privatvermögens, Konjunktur heißt Krise des Privatvermögens. Die Konjunktur spart an den Eigenfaktoren und legt in den Verteilungsfaktoren an, das Umgekehrte tut die Krise. Der Krisenzyklus ist somit ein An- und Abschwellen der Faktorströme in den nationalen Verteilungsschemata und zwischen ihnen.

Nach der Krise der Weltmarktwirtschaft haben sich mit der Neuformierung der Binnen- und Eigenwirtschaften die Ausgangsbedingungen für die weltgesellschaftliche Arbeitsteilung neu formiert. Auch die neuen Produkte der Wachstumsbranchen haben in der Regel einen krisenbedingten Entwicklungssprung getan: die Produktzyklen sind weitergerückt, der neue Faktorströmungszyklus ist auch ein Strom technischer Neuerungen.

Die erste Ursache der Weltmarktwirtschaftskrise ist nicht welt-, sondern allgemeinökonomischer Natur: akuter Fall der durchschnittlichen Profitrate. Die besonderen weltökonomischen Erscheinungsformen der Krise sind Folgen aus der Mobilität der Faktoren: des Kapitals, der Arbeitskraft, des Immobilfaktors und des Produktfaktors. Neben den Kapital- und Produktströmen verursacht besonders die globale Mobilität der Immobilien Migrantenströme von Immobilienkonsumenten, die die Umwelt schwer belasten. Produktströme in unvorbereitete Volkswirtschaften sprengen deren Infrastruktur, Arbeitsmigranten zerstören die Sozialstruktur und die nationalen Soziotope, die globalen Kapitalströme vernichten die letzten Biotope und verwandeln sie in Kapitalertragsressourcen. Die Konjunktur der Weltwirtschaftsmärkte ist die Hauptursache der ökologischen Krise wie ihres Kerns, der ethnischen Krise. Die geregelten Klassen- und Verbändekämpfe innerhalb der nationalen Verteilungsschemata entarten zu völkischen und rassischen Kämpfen, nachdem der Arbeitskräfteimport, verstärkt durch eine immigrationistische Propaganda kapitalistischer Ideologen, zum Zerfall der nationalen Arbeiterklasse und ihres Klassenbewußtseins geführt hat.

Emigration der Immigration und Remigration der Emigration, Kapitalrückfluß des Kapitalabflusses und Kapitalausfluß des Kapitaleinflusses sowie Exporterübrigung durch Importsubstitution sind eigenwirtschaftliche Heilungsmethoden der Weltkrise der Marktwirtschaft. Ebenso dienen Reparaturen an der nationalen Sozialstruktur, am vaterländischen Biotop und am völkischen Soziotop, die markt- und weltmarktwirtschaftlichen Zerstörungen der Volkswirtschaften zu beseitigen. Die Erfahrung mehrerer Weltkrisen wird die klugen Völker lehren, sich zunehmend aus internationalen Abhängigkeiten zu befreien und die Marktwirtschaft strenger Hegung zu unterwerfen, so daß sie volks- und eigenwirtschaftlichen Belangen dienstbar bleibt. Die gehegte und den Volkswirtschaften untergeordnete Marktwirtschaft wird künftig mehr als wirtschaftliches Züchtigungsmittel gegen die Trägheit allzu gemütlich-traulicher Ordnungen der Volkswirtschaften dienen, auch als gesellschaftliche Immunisierungstechnik der Nationalkulturen gegen die Weltzivilisation. Die Weltzivilisation ist die Barbarei. Die Aufrichtung nationaler Hochkulturen ist der Königsweg zur Kultivierung der Weltzivilisation. Dann erst ist die Höllenfahrt der Wirtschaftsgesellschaft beendet.

V.

Nicht nur eine gewöhnliche, zyklisch wiederkehrende kapitalistische Wirtschaftskrise, sondern eine Krise der Kapitalwirtschaft, die als Weltkrise der Marktwirtschaft überhaupt erschien, haben wir in Deutschland 1929-33 erlebt und gemeistert: Das kapitalistisch-liberalistische System wurde durch eine nachkapitalistische Ordnung ersetzt und damit die Vorhersage von Marx und Engels eingelöst, wonach das industriell und sozial höchstentwickelte Land als erstes den Kapitalismus überwinden würde. Diese nachkapitalistische Ordnung war zur Hauptsache eine Volksgemeinschaftswirtschaft mit gebändigter bürgerlicher Gesellschaft, allerdings um den Preis einer diktierenden Demokratie, womit auch die Vorhersage der Diktatur des Proletariats sich in gewissen Teilen erfüllt hat. Die zweite antikapitalistische Revolution in Deutschland, die mit dem Sieg eines nationalrevolutionären Befreiungskampfes einhergehen muß, wird sich mit einer geringeren Dosis zur Remedur des deutschen Gemeinwesens begnügen können. Es wird reichen, die deutsche Volkswirtschaft wiederherzustellen dergestalt, daß die Gesellschaft durch ihre Bürgerlichkeit und diese durch den parteifreien und klassenlosen Staat gesichert ist, welches die Diktatur erübrigen wird.

Der künftige deutsche Staat muß klassenlos sein, damit die Klassen der bürgerlichen Gesellschaft den Raum und die Sicherheit haben, ihre Kämpfe auszutragen. Mit der doppelten Entartung der Parlamente – Vertretungen der bürgerlichen Gesellschaft – zum Parlamentarismus (= parlamentarische Regierungsbildung) und zum Parteienstaat (= politische Klasse) verlieren die bürgerlichen Gesellschaftsklassen ihre Vertretung im Parlament und es entsteht die entbürgerlichte klassenlose Gesellschaft gegenüber dem Klassenstaat, der zum Kollektivbesitz der politischen Klasse verstümmelt wurde.

Die Durchsetzung des globalen Einheitsmarktes wird ein globales Einheitselend erzeugen, demgegenüber die Lage der arbeitenden Klasse im englischen Frühkapitalismus ziemlich behaglich war. Wenn die Globalisierung durchgesetzt ist, wird die erste allgemeinkapitalistische Krise gleich eine Globalkrise sein, die nicht mehr die Reaktionsmöglichkeiten funktionierender Volkswirtschaften in der Weltwirtschaftskrise als Auswege bereithält. Folge wird sein der Wirtschaftskannibalismus, den wir bei der Plattmachung der DDR-Industrie erlebt haben und der sich jetzt auch in der sprungweisen Entindustrialisierung der Westzone zeigt. Die politische Höllenfahrt hat begonnen, das Interregnum ist eröffnet. Vom BRD-System gehen seine Randfiguren, die nationalen Parteien, als erste zugrunde. Die ehemaligen linken und grünen Feinde des Systems glänzen heute als seine feurigsten Verteidiger. Pazifisten sind in globalinterventionistische Bellizisten umgeschlagen. Und jener kleine Trupp in der Deutschen Nationalbewegung, der tatsächlich die Systemfrage stellt und die Neuordnung der deutschen Volkswirtschaft unter deutscher Volksherrschaft als Alternative zum abgestumpften Systemfunktionalismus entwickelt hat, tritt auch nicht mit revolutionären Aktionen hervor. Denn die Aufgabe der Revolutionäre ist es nicht, eine Revolution anzufachen oder auch nur das System zu stürzen, sondern den revolutionären historischen Prozeß, der durch die Unfähigkeit des Systems allmählich in Gang kommt, zu begreifen, zu beschreiben und dann durch Errichtung der neuen Ordnung zu beenden, wenn er sich entfaltet und ausgereizt hat. Die Revolutionäre treten zum Schluß auf und beenden die Revolution.

Weil dies so ist, hat die nationale Revolution viel Zeit im Verhältnis zum antinationalen System, für das – weil unreformierbar – alles zu spät ist. Das nationale Lager und insbesondere sein rechter Flügel und seine zur Denkträgheit neigende konservative Masse hat daher sowohl die Zeit als auch die Pflicht, zu lernen, was eine Revolution im allgemeinen und was die nationale Revolution der Deutschen im besonderen bedeutet. Das nationale Lager muß jetzt lernen, lernen und nochmals lernen: Metaphysik, Erkenntnistheorie, Zeichenphilosophie, Geschichtsphilosophie, Nationalgeschichte, National­ökonomie, Nationalpolitik, Nationalpsychologie, Gesellschaftswissenschaft, Gemeinschaftskunde. Wer die Macht ergreifen will, um durch die Neuordnung der deutschen Nation ein Beispiel zu geben für ein reelles Völkerrechtssubjekt, der muß sich durch seine Wortergreifung qualifizieren. Das Wort ergreift, wer glaubt, etwas sagen zu müssen. Und eine Wortergreifung führt nur dann zum Erfolg, zur Erhörung durch den Souverän, wenn sie beachtenswert Neues zu Gehör bringt. Von der erfolgreichen Wortergreifung zur wirklichen Machtergreifung ist der Weg nicht mehr weit. Unerreichbar weit aber ist der Weg bis zur Wortergreifung für eine Nationalbewegung, die ungeschult bleibt. Wer ungeschulte Leute in den politischen Kampf schickt, der handelt nicht bloß verantwortungslos, sondern kriminell, – vergleichbar einem General, der Rekruten ohne Grundausbildung in die Schlacht kommandierte. Wer ungeschult ist, wer nicht über ein logisch-zwingendes, abgerundetes nationales Weltbild verfügt, an dem geht die historische Chance der Wort- und Machtergreifung vorüber. Andere Kräfte werden die Gelegenheit nutzen.

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Gebt mir einige Hundertschaften idealistischer deutscher Feuerköpfe zur Schulung – ich werde mit ihnen die BRD aus den Angeln heben!