Das Königreich Sachsen

Wappen des Königreichs Sachsen
Die monarchische Verfassung ist die Verfas­sung der entwickelten Vernunft; alle anderen Verfassungen gehören niedri­geren Stufen der Vernunft an.G.W.F. Hegel

  1. Wir Sachsen verurteilen die geschichtlichen Gewaltakte der Feind­mächte des Deutschen Reiches, die am 9. November 1918 den sächsischen König gestürzt und Sachsen zum Freistaat degradiert haben.
  2. Wir bitten den sächsischen Thronfolger aus dem Hause Wettin, die Macht in Dresden wieder zu ergreifen, seinen Stamm aus der BRD zu befreien und das Königreich Sachsen solange wieder als unabhängigen Staat zu führen, bis in Berlin der König von Preußen das Wort und die Macht ergriffen und als Deutscher Kaiser das Deutsche Reich wieder handlungsfähig gemacht hat. Dann erst soll Dresden die Gefolgschaft zu Berlin wiederherstellen.
  3. Bis dahin möge das Königreich Sachsen sich mit Wien, Budapest, Preßburg, Prag und Moskau verbünden, um die amerikanische Fremdherrschaft aus Mitteleuropa hinauszudrängen.




Soll die RAF die BRD-Terroristen begnadigen?

I

Aller Krieg ist Schrecken, auch der Krieg der Gedanken. Der gedankliche Krieg kann ignoriert werden, der physische Krieg nicht. Der Schrecken ist das vernichtende Hereinbrechen der Wahrheit in die menschliche Existenz und erscheint als Tat und Tatsache erst dann, nachdem er als Gedanke andauernd ignoriert wurde. Es gibt den kleinen Schrecken, den größeren Schrecken und den größten Schrecken; dieser ist der wahre Terror . Es ist immer die Gewalt, die terrorisiert, die den Schrecken verbreitet. Den größten Schrecken verbreitet der Inhaber des Monopols der Gewalt, der den Mechanismus des Staates steuert: er ist der absolute Terrorist, er verbreitet den Schrecken, der von vornherein als überwältigend erfahren und daher zumeist als unbedingter Zwang hingenommen wird.

Wer in öffentlicher Absicht dieses Gewaltmonopol bricht und einen kleinen Schrecken gegen den größten verbreitet, ist ein gewöhnlicher Terrorist, also ein relativer. Hat der Staat als absoluter Terrorist die relativen Terroristen niedergekämpft und die Überlebenden langjährig eingekerkert, kann er sich dann eines Tages, zwecks Krönung seines Sieges, die Frage stellen, ob er denn gegenüber dem Rest seiner geschlagenen Feinde Gnade walten lassen und dadurch Souveränität zeigen wolle. So kam es zu der ziemlich unwichtigen Frage, ob die BRD die RAF-Terroristen begnadigen soll.

Gnade steht über dem Recht . Sie steht auch über der Gewalt und der Macht . Das gilt sogar für die reichszerteilenden Unrechtsregimes in Österreich und im Altreich, die im Dienste der Fremdherrschaft das Deutsche Volk niederhalten und schrittweise zerstören. Wenn Gnade walten soll, muß zuvor der Gnädige denjenigen, demgegenüber er Gnade erweisen will, auf irgendeine Art, sei es durch militärische oder strafgesetzliche Verfolgung, in seine Gewalt gebracht haben. Da die Rote Armee-Fraktion (RAF) die BRD-Terroristen nicht in ihre Gewalt zu bringen vermocht hatte, sondern geschlagen wurde und am 20. April (!) 1998 ihre Auflösung bekanntgab, kam sie erst gar nicht in die Lage, die BRD-Terroristen begnadigen zu können, auch wenn sie es hätte sollen.

II

Die alte RAF erlebte ihren Höhepunkt im Herbst 1977 und war, ganz im Gegensatz zum SDS der 68er Bewegung, der im Herbst 1967 kulminierte, eine ausgesprochen westdeutsche Erscheinung. Der SDS war in seiner Offensivphase mitteldeutsch geführt gewesen und wurde nach dem Attentat auf Dutschke im April 68 von westdeutschen Funktionären im Handstreich aufgelöst, so daß mit der Radikalisierung der Kerntruppe nach dem Ende der Studentenbewegung zwei Nachfolgeorganisationen anstanden: ein Theorie-SDS und ein Waffen-SDS. Der Stratege der nachmaligen ersten Generation der RAF fuhr Anfang 1970 zu Rudi Dutschke nach London, um dessen politische Zustimmung zur Eröffnung des bewaffneten Kampfes einzuholen. Dutschke war zwar für die Aufstellung bewaffneter Gruppen des nationalrevolutionären Lagers, aber gegen den Beginn des bewaffneten Kampfes in Mitteleuropa und verweigerte also seine Zustimmung zum kleinen Terror. Daß der Stratege nicht auf den angeschossenen Führer der abgelaufenen Studentenbewegung hörte, besiegelte von Anfang an das Scheitern der alten RAF und kostete viele Menschen das Leben.

Die Entstehungsgeschichte der alten RAF ist nur zu verstehen, wenn man den Symmetriebruch zwischen den Nachfolgeorganisationen des SDS beachtet. Während in den Formationen des Theorie-SDS die Denkungsart der mitteldeutschen Revolutionäre und damit die gesamtdeutsche Perspektive bestimmend blieb, verengte sich die Sicht im Waffen-SDS, der dann bald als RAF bekanntgeworden ist, auf westdeutsche Erfahrungen. Bestimmt wurde diese Sichtweise von der Nazi-Kinder-Fraktion aus den gehobenen Kreisen der BRD, die an wichtigen Einflußstellen in Wirtschaft und Politik mit der westlichen Besatzungsmacht kollaborierten. Die RAF war der bewaffnete Aufstand der Kinder der westdeutschen Kollaborateure gegen ihre Väter. Diese Kinder wurden geschüttelt vom Ekel vor der nationalen Ehrlosigkeit ihrer Väter, von der Abscheu vor der kapitalistischen Restauration, vom Entsetzen vor der moralischen Blindheit, die mit geheuchelter Einsicht in nationalsozialistische Verbrechen sich zu willfährigen Komplizen viel größerer, amerikanischer Verbrecher herabwürdigte, anstatt, wie es die vietnamesischen Kommunisten vormachten, den nationalen Befreiungs- und Wiedervereinigungskrieg gegen Amerika zu führen. Zur tragischen Symbolfigur dieser ganzen Gefühlslage wurde der sehr bedauernswerte Hans-Martin Schleyer, ein zum westdeutschen Arbeitgeberpräsidenten herabgekommener führender SS-Mann.

Die allein mögliche Schlußfolgerung aus dieser speziell westdeutschen Entstehungsgeschichte der alten RAF in der alten BRD ist also diese: Die Rote Armee-Fraktion war der einzige nationalrevolutionäre Befreiungsversuch von Westdeutschen in der ganzen bisherigen Nachkriegsgeschichte, der auch der speziell westdeutschen Geisteslage entsprang. Die Mitteldeutschen dagegen haben eine viel längere Liste von Aufstandsversuchen gegen die Fremdherrschaft vorzuweisen:
– den 17. Juni 1953,
– die Massenfluchtbewegung, die zur Systembankrotterklärung des Mauerbaues am 13. August 1961 führte,
– die 68er Bewegung in Westberlin und Westdeutschland, die die Konzeption einer Neuen Linken (NL) mit sich brachte, die gleichermaßen antikapitalistisch wie antikommunistisch und ebenso scharf antiproletarisch ausgelegt war und der dutschkistischen (von der vollautomatischen Produktion und entsprechender Massenarbeitslosigkeit ausgehenden) Strategie folgte,
– die 89er Abschüttelung der russischen Fremdherrschaft.

Die Erfolge der mitteldeutschen Altreicher wurden nur von denen der bergdeutschen Österreicher übertroffen, die bereits 1955 von allen vier offiziellen Besatzungsmächten sich befreien konnten. Nicht zuletzt lag das auch daran, daß die österreichischen Politiker nicht in dem Ausmaße und mit der Schamlosigkeit unerlaubte politische Kollaboration mit den Besatzungsmächten getrieben haben wie die altreichischen Politiker in West- und Mitteldeutschland.

III

Die RAF als der einzige Punkt geschichtlicher Ehrenhaftigkeit im ganzen bisherigen Bestehen der BRD ist unter allen deutschen Befreiungsbewegungen dadurch berühmt geworden, daß sie sich des bewaffneten Kampfes bediente, während die anderen Bewegungen politischer, ökonomischer, sozialer und ideologischer Natur waren. Die alte RAF hat hochrangige Landesverräter und Kollaborateure liquidiert und auch Besatzungssoldaten direkt angegriffen; darin folgte sie dem völkerrechtlich legitimen Verfahren des bewaffneten Kampfes einer jeden nationalen Befreiungsfront. Die RAF war hoch elitär, die anderen Bewegungen gingen von breiteren Schichten aus. Die RAF hatte auch einen massenfeindlichen Zug, sie wollte ihre Bomben in das rückständige Bewußtsein des Volkes werfen.

Anfang der 90er Jahre versuchten interessierte Geheimdienstkreise in der angeschlossenen Ex-DDR eine Braune Armee-Fraktion (BAF) herbeizureden, um mit dieser Inszenierung des Kampfes gegen einen Rechtsterrorismus auch der Neuen Deutschen Nationalbewegung (NDNB) das Rückgrat zu brechen. Aber so dumm, darauf hereinzufallen, waren weder die Nationalsozialisten noch die Nationalliberalen, Nationalkonservativen oder Nationalmarxisten. Da es also gottlob nach der RAF mit keiner BAF weiterging, blieb den Deutschen bislang ein Bruderkrieg erspart.

IV

Die Neue Deutsche Nationalbewegung von heute hat eine andere Verlaufsform als die Neue Linke von einst. Diese breitete sich schnell aber oberflächlich aus, jene wächst langsam und radikalisiert sich gründlich. Wie die NL damals sofort nationalrevolutionär, antikapitalistisch, antizionistisch und amerikafeindlich war, so wurde es die NDNB ganz allmählich. Die große Koalition der 60er Jahre wirkte jugendfrisch im Vergleich zur großen Koalition von heute. Daß tatsächlich das kapitalistische Globalsystem Rassenkämpfe herbeiführen würde, um von seinem Klassenkampf abzulenken und gewissermaßen Hitler historisch zu rechtfertigen, konnte sich in den 60er Jahren selbst die lebhafteste politische Phantasie nicht ausmalen. Andrerseits sind heute die Gedankenkriege des weltweiten Lagers der nationalen Revolution gegen die herrschende Macht der antinationalen Konterrevolution, die von der Anti-Nation geführt wird, unter deutscher Federführung siegreich geschlagen. Aber, wie Machiavelli schrieb, siegt in der theorielosen Wirklichkeit nur der bewaffnete Prophet, der unbewaffnete wird scheitern.

Die Macht ist nur mit Waffengewalt zu erobern. Man kann dabei fremde Truppen, gemietete Söldner oder eigene Kampfverbände benutzen. Schon in der alten RAF hatten arabische Kleinterroristen als Söldnertruppe für deutsche Kämpfe fungiert, der islamische Terror von heute wirkt im Kampf gegen das judäo-amerikanische Imperium wie eine Hilfe durch fremde Waffen. Der innere und der äußere Feind sind militärisch beschäftigt, ohne daß die nationale Revolution bisher zu den Waffen greifen mußte. Zwar tut sie klug daran, sich in dieser Frage vorläufig noch zurückzuhalten, weil die Zeit zu ihren Gunsten arbeitet, aber letztlich braucht, wer die Macht erobern will, eigene Truppen. Deshalb wird sich über lang die Frage einer neuen RAF für das nationale Lager stellen, die als Reichs-Armee-Fraktion agiert.

Das in die Handlungsunfähigkeit geschlagene Deutsche Reich wird durch umfassenden und absoluten Terror der Siegermächte und ihrer Kollaborateure niedergehalten. Das Deutsche Reich existiert nur in den Reichsdeutschen. Jeder einzelne von ihnen hat das Recht, sich in ein militärisches, gerichtliches oder sonstiges Reichsorgan auszudifferenzieren und in dessen Besonderheit souverän zu handeln. Folglich darf auch jederzeit eine Reichsarmeefraktion, also eine neue RAF, entstehen. Es wäre völlig rechtmäßig. Niemand kann den Reichsdeutschen oder ihren Schutzgenossen verbieten, solches zu tun, weil es eben kein Reichsorgan gibt, das über ihnen steht. Jeder einzelne Reichsdeutsche verfügt über alle Souveränität des Reiches. Daß eine neue RAF jetzt noch militärisch verfrüht und auch politisch zumindest ein Fehler wäre, steht auf einem ganz anderen Blatt.

V

Der Krieg, lehrt Clausewitz, ist eine Form des gesellschaftlichen Verkehrs, in der gesellschaftliche und also auch politische Zwecke gegen widerständigen Willen erzwungen werden. Die Taktik ist die Anwendung der Mittel (Waffen) im Gefecht, die Strategie die Verwendung der Gefechte zum Ziel des Krieges, dem Sieg, also der Durchsetzung der gesellschaftlichen Zwecke gegen den Willen des Feindes. Wird im symmetrischen Krieg jede Seite versuchen, die Strategie aus einer Folge von Gefechtssiegen aufzubauen, so tut der asymmetrische oder Partisanenkrieg das Gegenteil, er sucht den strategischen Sieg mit einer langanhaltenden Reihe von Gefechtsniederlagen zu erringen. Die Niederlage im Gefecht ist die Räumung des Kampffeldes, der Sieg seine Behauptung. Kann der Sieger im Gefecht den Partisanen, der einen Schlag geführt und dann weggelaufen ist, in der Verfolgung nicht stellen und vernichten, hat der Sieger nur einen Verlust. Fügt das von der kommenden Reichsarmeefraktion gegebenenfalls anzugreifende Reichszerteilungsregime sich durch weltweite Militäreinsätze solche Verluste selber zu, sollte man mit dem Krieg des kleinen Terrors gegen den absoluten Terror, den das Dasein der BRD darstellt, noch warten. Sind die BRD-Terroristen dann eines Tages dingfest gemacht, kann man sich überlegen, ob sie auf dem Rechtswege ihren Kopf verlieren oder auf dem Gnadenwege ihn behalten sollen.




Dresden


Urteil

Die Rede vom „Bombenholokaust” verharmlost den auf Dauer gestellten Angriff auf das Leben des Deutschen Volkes, der sich 1945 in Dresden ein grausiges Symbol setzte.

Scharf zurückzuweisen ist daneben die Gleichsetzung mit dem seit den Siebzigern öffentlichkeitswirksamen Kult um die Totalaustreibung der Juden aus Europa.

Begründung

Holokaust (deutsch: Gesamt-Brandopfer) bezeichnet zutreffend eine Art des Bombenkrieges gegen Zivilpersonen, die zur totalen oder teilweisen Kremierung der Opfer ohne Umweg über Gaskammern oder ähnliche Hilfsmittel führt. Dieser Vorgang wurde von seinen zahlreichen Erfindern penibel geplant und mittels der in der Anwendung gewonnenen technischen Erfahrung perfektioniert. Die am Ende (Pforzheim 23.02.) erzielte Effizienz, anzugeben in Toten pro Zeiteinheit und Aufwand, übertrifft die der bezeugten Massenvergasungen in provisorischen Hinrichtungskammern. Die Methode des Bombardierens entlastet schließlich den Prozeßdurchführenden von Anschauung und Folgenbeseitigung seines Tuns. Diese halbautomatische Leichenproduktion verdient am ehesten das Beiwort industriell.

Dem Schlag gegen die deutsche Kampf-, Arbeits- und Lebenskraft war die Zerstörung der stein-, bild- und schriftgewordenen Kultur des europäischen Kernvolkes zwingend beigeordnet (Zerbst 16.04.). Das war die Barbarei, für die im Holokaustbegriff kein Platz ist.

Letzteres gilt auch für den andauernden nomadischen Generalangriff auf die Seßhaftigkeit. Er spitzte sich, bereits lange vorher als Verjagen der Deutschen aus den Ostgebieten geplant, zum Pulverisieren und Braten bereits Entwurzelter zu (Swinemünde 12.03.).

Die Wüste, der Lebensraum des Nomaden, war 1945 bereitet, die Deutschen zusammengedrängt und verherdet. Befriedigt stellte der in Deutschland kultivierte Jude Adorno am 01. Mai 1945 fest: „Alles ist eingetreten, was man sich jahrelang gewünscht hat, das Land vermüllt, Millionen von Hansjürgens und Utes tot.“ Der anschließend geführte Hauptschlag gegen den Deutschen Geist, einhergehend mit einer als Modernisierung getarnten Kultur- und Gemeinschaftszerstörung, übertrifft die unmittelbaren Kriegsfolgen um ein Vielfaches. Er brach erst die Herzen, denen stürzende Mauern bis 1945 nichts anhaben konnten.

Das von 1941 bis 1945 durchgeführte Gesamtpogrom gegen das Judentum im Machtbereich des Dritten Reiches unterscheidet sich dagegen qualitativ nicht von vorherigen Totalaustreibungen. Dank der Zerstörung Kerneuropas konnten die jüdisch-nomadischen Triumphe von 1945 und 1948 sich in ihre heutige Welthirtschaft steigern.

Schluß

Dresden 1945 steht für die tragische Selbstverstümmelung Europas im 20. Jahrhundert. Von raumfremden Mächten aufgehetzt und zu Hilfsvölkern der nomadischen Welteroberung aus Ost und West herabgesetzt, zwangen die reichsfeindlichen Staaten das europäische Kernvolk mit schrankenloser Grobheit auf Dauer in den Staub. Der Preis für dieses Verbrechen ist mit dem bereits fühlbaren Untergang des Abendlandes angesetzt.

Die Wiedererrichtung des Deutschen Reiches ist deshalb eine gesamteuropäische Schuld gegenüber der Geschichte und allein geeignet, den Opfergang des Deutschen Volkes für die Idee der Volksgemeinschaft aufzuwiegen.

* * *




Rassen- und Klassenkampf im Sommerloch

  1. Das Sommerloch 2004 wird zum Schwarzen Loch, in dem alle hergebrachten ideologischen Materien des demokratisch-kapitalistischen Westblocks auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Des Westblocks judäo-ameri­kanischer Leithammel zeigt im besetzten Irak sich einmal mehr als der perverse Folterer, der er von Beginn an war. Also im Westen nichts Neues.
  2. Im Osten setzte der russische Präsident einen der als Oligarchen bezeichneten jüdischen Raubkapitalisten nicht nur auf eine gewöhnliche Anklagebank, sondern auf eine Bank im Gitterkäfig, womit Putin das Wort vom Raubtierkapitalismus, der selbstverständlich in den Käfig gehört, schlagend veranschaulichte. Also im Osten sehr wohl etwas Neues. Hier geht nicht nur die Sonne der Zukunft auf, hier zeigt sich auch die Einheit von Rassen- und Klassenkampf und das Ziel beider: Die Macht im Staate.
  3. Im Süden nimmt der Rassenkampf kontinentale Ausmaße an. In vielen Staaten Afrikas ist die schwarze Rasse in der Offensive gegen die weiße Rasse. Nur im Sudan vertreiben die Araber, also Angehörige der semitischen Rasse, die in die Westprovinz eingesickerten Neger. Jene Neger, die das Humanisten-Schiff „Cap Anamur“ im Mittelmeer auffischte, behaupteten prompt, arme Flüchtlinge aus dem Sudan zu sein, waren aber Teil der schwarzafrikanischen Offensive gegen Europa. Die italienischen Behörden legten das Humanisten-Schiff zwecks Verschrottung an die Kette, sperrten die deutschen Gutmenschen-Kapitäne ins Gefängnis und expedierten die Neger wieder nach Afrika – vor fünf Jahren alles noch undenkbar! Damit nicht genug, forderte Otto Schily zusammen mit Bayern europäische Asylbewerberlager in Afrika, dessen Rekolonialisierung sich schon länger ankündigt.
  4. In der Mitte Europas okkupieren Neger und andere Fremdrassige bereits jene Billig-Jobs, in die nach „Hartz IV“ ab 2005 die deutschen Stellungslosen, die ein Jahr lang keine Anstellung gefunden haben, hineingezwungen werden sollen. Dieser Zwang greift aber nur dann, wenn der deutsche Arbeitsmarkt entausländert, von fremdrassischen Arbeitskräften entlastet wird. Damit aber würde das Arbeitskräfteangebot wieder knapp, teuer und ausschließlich deutsch, oder zumindest weißrassisch. Noch aber läuft, mit der Rückkehr zu 40 und mehr Wochenarbeitsstunden, die sprunghafte Entwertung der deutschen Arbeitskraft auf das Niveau der fremdrassischen Drittwelt. Rassen- und Klassenkämpfe sind unterscheidbar, aber nicht trennbar. Der soziale, der nationale und der kontinentale Befreiungskampf bilden eine Einheit.
  5. Das Deutsche Kolleg sieht in allen diesen Bemühungen des BRD-Regimes zur Bewältigung seiner Daseinskrise den hilflosen und zum Scheitern verurteilten Vorgriff auf die Sozial- und Arbeitspolitik des Vierten Reiches.
  6. Alle Reichszerteilungsregime sind noch Drittes Reich, allerdings dessen Wachkoma. Denn: In ihm ist Adolf Hitler so unentbehrlich wie in der Phase der Handlungsfähigkeit von 1933-45: damals als Gesandter der göttlichen Vorsehung, heute als der Leibhaftige. Im Wachkoma seit 1945 kann von den Reichszerteilungsregimen nur das genaue Gegenteil dessen getan werden, was Hitler in vergleichbarer Lage tat. Der bewußte Übergang in das Vierte Reich als Ausgang aus dem Dritten Reich und Befreiung von seiner Antinomie von Vergötterung und Verteufelung Adolf Hitlers ist also Voraussetzung zur Wiedergewinnung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Volkes, mit der es seine Existenzkrise meistern und die kapitalistische Fremdherrschaft abschütteln wird.
  7. Ein Sozial- und Wirtschaftssystem, das keine 2,2 Millionen längerfristig Stellungslosen aus- und unterhalten kann, schafft das mit 22 Millionen Rentnern auf Dauer erst recht nicht. Auch das Vierte Reich wird sich solch gigantische Produktivkraftvernichtung nicht leisten wollen. Das Vierte Reich kann das Recht auf Berufsausbildung und das Recht auf Arbeit im eigenen Beruf für alle deutschen Arbeitskräfte garantieren, weil es die reelle deutsche Volkswirtschaft mit dem Primat der Eigenwirtschaft vor der Markt­wirtschaft wiederhergestellt haben wird. Deswegen sind auch jugend- oder altersschwache Arbeitskräfte, die am Arbeitsmarkt nicht konkurrieren können, im Staats­­arbeitsdienst, dem national organisierten Teil der Eigenwirtschaft, einsetzbar. Die jetzigen Regime auf Reichsboden werden die Möglichkeiten, kommunale Arbeitsdienste zu organisieren, die nach dem bisherigen Sozialhilferecht auch schon bestanden, sowenig nutzen können wie bisher, weil der historische Wille, sich vom Dritten Reich durch Errichtung des Vierten Reiches zu emanzipieren, noch fehlt. Aber die Grundidee, daß Sozialgeld nur Arbeitsunfähige bekommen und alle Arbeitsfähigen für das Gemeinwesen in der Eigenwirtschaft tätig werden und nur im Bedürftigkeitsfalle Stütze gezahlt wird, ist natürlich richtig.

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Zum 70. Jahrestag der Deutschen Revolution

  1. In diesen Tagen jährt sich zum 70ten Male der Tag der Erhebung des Deutschen Volkes gegen die Willkür der Sieger des I. Weltkrieges für eine Regierung der nationalen Würde.
  2. Die Diktatur Adolf Hitlers war der revolutionäre Wille des Deutschen Volkes und nicht das Werk einer Partei, und erst recht nicht der Erfolg einer Verschwörung gegen die Volksfreiheit.
  3. Im Streit liegen der vergehende Individualismus, dessen Wahrheit der soziale Atomismus ist, und der heraufziehende Personalismus, dessen Wahrheit die selbstbewußte Volksgemeinschaft ist.
  4. Deutschland verkörpert in diesem Ringen das Prinzip der Volksgemeinschaft und wird als Geistesmacht siegen (Nachum Goldmann).
  5. Für das Deutsche Reich war das 20. Jahrhundert das Jahrhundert des Triumphes des Willens zur Macht und der militärischen Niederlage. Beides gehört zusammen. Geistige Führerschaft, wie sie der Judenführer Nachum Goldmann als die Mission des Deutschen Geistes richtig erkannt hat, kann nur auf geistigem Boden wachsen und gedeihen. Sie kann niemals aus einem mit militärischen Mitteln erfochtenen Sieg hervorgehen, denn gegen ihn bäumt sich der Geist der besiegten Völker auf.
  6. Die äußeren Bedingungen der notwendigen Niederlage des Deutschen Reiches sind unwesentlich und ohne Bedeutung. Von Interesse sind sie nur solange, wie das Deutsche Volk noch nicht aus dem Schatten seiner Niederlage herausgetreten ist und diese verstehen will. Es kommt aber darauf an, sie zu begreifen.
  7. Die Geschichte ist der Gang Gottes durch die Welt zu sich selbst. Die Völkerschicksale sind die Darstellung des göttlichen Werdegangs. Dieser ist der moralischen Beurteilung entzogen – denn wer wollte Gott – nach welchem Maß – richten? So sind die geschichtlich handelnden Völker gerechtfertigt und ohne Schuld.
  8. Der geschichtliche Beruf der Französischen Aufklärung, des Manchester-Kapitalismus und des Judäo-Amerikanischen Mammonismus war die Vereinzelung des subjektiven Geistes und die Ermöglichung der menschlichen Existenz als Individuum. Die Berufung des Deutschen Geistes ist die Rückbindung (religio) des vereinzelten Einzelnen (des elenden Sozialatoms) in seine geistige Substanz, in die selbstbewußte Volksgemeinschaft, der dadurch sich zur Person (personare:= hindurchklingen des Volksgeistes) erweitert.
  9. Der Nationalsozialismus war die (erste) Negation des sozialen Atomismus, als solche keine Abirrung von dem Willen des Weltgeistes, sondern ein notwendiger Schritt auf dem Wege zur Freiheit.
  10. Die Schwäche des nationalen und sozialen Aufstandes der Deutschen von 1933 war die parlamentarische Form, in der er sich vollzog. Diese verdunkelte das Wesen der Revolution, die eine anti-liberalkapitalistische war. Die von Adolf Hitler nachträglich vollzogene Beseitigung des parlamentarischen Parteiensystems als des politischen Ausdrucks der Kapitalherrschaft konnte von der feindlichen Propaganda als Usurpation der Staatsmacht durch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) – also als Unrecht – dargestellt werden. Die innere Versöhnung des in der Systemzeit durch Klassenkämpfe zerklüfteten Deutschen Volkes blieb deshalb unvollendet. Die Folge war das Konzentrationslagersystem.
  11. Die Angst, die dieses verbreitete, zersetzte allmählich den Gemeinschaftsgeist. Der Terror erwies sich – anders als die Schreckensherrschaft der Jakobiner – als der Sündenfall der Revolution, dessen unablässige Vergegenwärtigung und propagandistische Überhöhung durch die Siegermächte schließlich das Selbstbewußtsein und den Stolz der Deutschen gebrochen haben.
  12. Die von den westeuropäischen Völkern gemeinsam gewollte Abwehr der bolschewistischen Subversion und Aggression hat später zur Bildung der ersten – wirklich schlagkräftigen – europäischen Armee, der Waffen-SS, geführt, aber zugleich – wegen seiner Nähe zum kommunistischen Internationalismus – dem Gedanken an einen Kreuzzug des Deutschen Reiches zur Befreiung der Arbeiterklasse in Frankreich und Großbritannien die Willensenergie entzogen.
  13. Die Beschränkung der Nationalsozialistischen Revolution auf das Deutsche Reich war die äußere Bedingung für den Erfolg der von den USA angeführten Konterrevolution.
  14. Die Spaltung Europas ermöglichte den Aufstieg der USA zur Hypermacht, die sich nach dem militärischen Sieg von 1945 zunächst die mittel- und westeuropäischen Nationen unterwarf und zu tributpflichtigen Vasallen der US-Ostküste herabdrückte.
  15. Der Verlust des Stolzes auf die erfolgreiche Verteidigung Europas gegen den Bolschewismus, die den Sprengsatz zur Zerstörung des Sowjetreiches legte, erklärt die katastrophale Verkrüppelung der Seele der Deutschen durch die fortgesetzte psychologische Kriegsführung (als „Umerziehung” falschbezeichnet).
  16. Der jetzt anhebende Amoklauf des Judäo-Amerikanischen Imperiums erschöpft die geistigen Energien des Individualismus und desorganisiert den globalen liberal-kapitalistischen Produktions- und Verteilungsprozeß. Der Zerfall treibt den zweiten und endgültigen Anlauf zur Durchsetzung der selbstbewußten Volksgemeinschaft hervor, die jetzt erst als zweite Negation des Individualismus (Negation der Negation = Affirmation) dauerhaft sein kann.
  17. Wir gedenken derjenigen, die in diesem gewaltigen Ringen des Weltgeistes mit sich selbst einen gewaltsamen Tod erlitten. Wir ehren das Andenken der Kämpfer für die Verwirklichung der selbstbewußten Volksgemeinschaft. Wir bekennen uns zu unserer Schuldigkeit, den Weg, den als Erste unsere Väter und Großväter betreten haben, weiterzugehen – der Volksfreiheit entgegen.

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Das Reich der Freiheit

Der Kapitalismus geht seinem Ende entgegen. Sein endgültiger Tod wird das Reich der Freiheit sein. In den vielen Verwertungskrisen des Kapitals, die alle noch nicht die Endkrise des Kapitalismus waren, sind zahllose Kapitalien untergegangen und ist gesellschaftliche Kapitalmasse vernichtet worden. Das Kapital ist verkleinert und verjüngt wiederauferstanden, um auf der Grundlage entwerteter Kapitalien und gekräftigter Profitrate einen neuen Zyklus von Kapitalwachstum (Akkumulation) zu eröffnen. Kapital ist der Prozeß des sich selbst verwertenden Wertes. Der Wert aller Waren – ob ihrer Naturalform nach nun Arbeitskräfte, Produktionsmittel oder Konsumtionsmittel – ist die in ihnen vergegenständlichte Zeit gesellschaftlich notwendiger Arbeit. Verschwindet die Arbeit aus der Produktion, dann geht der Wert der Waren gegen Null und das Kapital verdampft, weil der Verwertungsprozeß mangels Wertmasse bedeutungslos wird.

Ein Fabrikant für Rechnerprogramme beschreibt diesen Vorgang gesprächsweise wie folgt: “Der Wert des eigentlichen Herstellungsprozesses eines Produktes geht immer weiter gegen Null. Wertvoll sind einzig Ideen und Know-how. Diese Entwicklung beginnt jetzt erst, ihre Auswirkungen werden dramatisch sein.” (Spiegel 1/98,139) – Natürlich wird die Arbeit und damit der Wert nicht nur aus der materiellen Herstellung sondern ebenso aus der Ideenproduktion verschwinden. Die Aufsteiger und Gewinner des industriegeschichlichen Augenblicks werden die Verlierer von morgen sein, wenn die Ideenproduktion automatisiert ist und damit weitgehend arbeitsfrei und wertlos geworden sein wird.

Als Resultat der industriellen Entwicklung unter kapitalistischer Form ergibt sich ein zunehmender Widerspruch zwischen Reichtum und Wert. Ersterer wächst und letzterer schwindet. Karl Marx schrieb schon 1858 dazu in den Grundrissen: “Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch dadurch, daß es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren stört, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt. Es vermindert die Arbeitszeit daher in der Form der notwendigen” (lohnproduzierenden), “um sie zu vermehren in der Form der überflüssigen” (profitproduzierenden); “setzt daher die überflüssige in wachsendem Maß als Bedingung … für die notwendige. Nach der einen Seite ruft es also alle Mächte der Wissenschaft und der Natur, wie der gesellschaftlichen Kombination und des gesellschaftlichen Verkehrs ins Leben, um die Schöpfung des Reichtums unabhängig (relativ) zu machen von der auf sie angewandten Arbeitszeit. Nach der andren Seite will es diese so geschaffnen riesigen Gesellschaftskräfte messen an der Arbeitszeit, und sie einbannen in die Grenzen, die erheischt sind, um den schon geschaffnen Wert als Wert zu erhalten.” (593)

Nachdem die technische Anwendung der Naturwissenschaften die arbeitsreiche Produktion in eine arbeitslose verwandelt und ihren Wert gegen Null hat schrumpfen lassen, ist der Mensch vom Arbeiter in der Produktion zu ihrem Danebensteher geworden. “In dieser Umwandlung ist es weder die unmittelbare Arbeit, die der Mensch selbst verrichtet, noch die Zeit, die er arbeitet, sondern die Aneignung seiner eignen allgemeinen Produktivkraft, sein Verständnis der Natur und die Beherrschung derselben durch sein Dasein als Gesellschaftskörper – in einem Wort die Entwicklung des gesellschaftlichen Individuums, die als der große Grundpfeiler der Produktion und des Reichtums erscheint.” (aaO)

Der Einzelne und sein Sonderinteresse, das sich als Subjekt der bürgerlichen Gesellschaft begreift, wie die Gemeinschaft in ihrem Allgemein- und Gesamtbelang, die sich als Körper in der Gesellschaft aller anderen Gemeinschaften (Völker) weiß und folglich als Gemeinwesen handelt, – diese sozialwissenschaftliche Einsicht in das Einzelne, das Besondere und das Allgemeine und deren Gesamtheit wird zur produktiven Hauptbedingung, daß die Gemeinwesen als aktionsfähige Gemeinschaften wie als Gesellschaften der Transaktionsfähigkeit den naturwissenschaftlichen Produktionsapparat sich aneignen und entwickeln können. Bedingung dieser produktiven Aneignung der Naturwissenschaften ist das sozialwissenschaftliche Selbstbewußtsein des Gemeinwesens in den Sparten Gemeinschaftskunde, Gesellschafts- wissenschaft und Gemeinwesenlehre. Das System der Sozialwissenschaften wird somit Hauptbedingung der produktiven Handhabung des angeeigneten Naturprozesses, also der in Systemen vollautomatischer Fabriken verdinglichten Naturwissenschaft.

“Sobald die Arbeit”, fährt Marx fort, “in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein, hört und muß aufhören die Arbeitszeit sein Maß zu sein…. Die Surplusarbeit der Masse hat aufgehört Bedingung für die Entwicklung des allgemeinen Reichtums zu sein, ebenso wie die Nichtarbeit der Wenigen für die Entwicklung der allgemeinen Mächte des menschlichen Kopfes. Damit bricht die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion zusammen….” (aaO) Selbst der unmittelbare materielle Produktionsprozeß verliere jetzt seinen notwendig-notdürftigen Charakter. Ihn zu minimieren werde zur Bedingung der freien und allseitigen Entwicklung der Individuen, um für ihre künstlerische und wissenschaftliche Ausbildung Zeit und Mittel zu gewinnen.

Dieser nachkapitalistischen Perspektive ist das Reich der Freiheit keine Drohung, sondern eine Verheißung. In ihr ist nicht mehr Arbeit und Wert und nicht mehr die Akkumulation von Mehrarbeit und Mehrwert im kapitalistischen Verwertungsprozeß das eindimensionale Ziel, sondern die multidimensionale Entwicklung von Fähigkeiten der menschlichen Arbeitskraft – als individueller wie als kollektiver – als Zweck gesetzt. Damit haben sich die Kräfte des Gemeinwesens als echter Selbstzweck und somit als das Leben bestimmt. Gemeinschaftliches, gesellschaftliches und gemeinwesentliches (die beiden ersteren reflektierendes) Leben machen danach die menschliche Daseinsweise im Reiche der Freiheit aus.

“Das Reich der Freiheit”, so führt der späte Marx im dritten Band des Kapitals aus, “beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.” (MEW 25,828) Die materielle Produktion ist nicht auf Naturnotwendigkeit beschränkt, sondern ein Reich geschichtlich gebildeter und erweiterter technischer Notwendigkeiten. “Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, daß…die assoziierten Produzenten diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle” (die Marx auch als Vergesellschaftung tituliert) “bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühn kann. Die Verkürzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung.” (aaO)

Die Freizeit des Arbeiters, die aus der Verkürzung des Arbeitstages folgt, steht am Anfang und am Ende der kapitalistischen Epoche. Der Normalarbeitstag des zünftigen Handwerkers im Hochmittelalter war acht Stunden, ansonsten gab es den blauen Montag und zahlreiche arbeitsfreie Kirchenfeiertage. Weil es viel Freizeit gab, konnte die mittelalterliche Hochkultur entstehen. Nur weil der Gesamtarbeitstag des Handwerkers (und als Voraussetzung auch der des Bauern) über seinem notwendigen Arbeitstag lag, worin er seinen Lohn erarbeitete, konnte eine Mehrarbeit geleistet werden, sich in einem Mehrprodukt vergegenständlichen und einen Mehrwert am Markt preislich realisieren, was die Grundlage der hochkulturellen Bedürfnisse und somit Nachfrage nach halb- und vollkünstlerischer Handwerksarbeit schuf. Aber die mögliche Mehrarbeit konnte ebenso als Freizeit, als eigentliches Luxusgut, konsumiert werden. Und das wurde sie auch.

Geraten die Handwerker in die Abhängigkeit vom Kapital, dann wird ihre Freizeit wieder zur Arbeitszeit und zur Grundlage des Profits. Und wenn das Kapital in seinem Drange, die Mehrarbeit als unbezahlte Arbeit, die eigentlich zur Arbeitszeit umdefinierte Freizeit ist, immer mehr auf Kosten der notwendigen Arbeit, worin der Lohn erarbeitet wird, auszudehnen, die ganze industrielle arbeitsersetzende Entwicklung bis zu dem logischen Ende der arbeitslosen Produktion in der vollautomatischen Fabrik vorantreibt, bricht der Kapitalismus als Selbstverwertung des Wertes zusammen, weil der Wert von Arbeitskräften, Produktionsmitteln und Produkten gegen Null geht und ihre Warenform sich auflöst. Damit hat der Kapitalismus sich selbst getötet und die an den Verwertungsprozeß gefesselte Produktion ist befreit.

Die zunehmende Abwürgung der Produktion durch die schrumpfende Wertschöpfung (oder mit Marx gesprochen: die Fesselung der Produktivkräfte durch obsolete Produktionsverhältnisse) ist statistisch aufweisbar, wenn das Produktivitätswachstum der Arbeit nicht mehr im vollen Umfang als Steigerung des Produktausstoßes erscheint. An dem raschen Anstieg der Produktion (wie nach 1933 in Deutschland) erkennt man eine Revolution gegen das Kapital, im Verfall der Produktion (wie nach 1917 in Rußland) verrät sich eine (asiatische) Konterrevolution gegen das Kapital. Die Revolution konnte nur besiegt werden durch eine auf Vernichtung gerichtete Kriegsallianz des Kapitals mit der asiatischen Konterrevolution. Siegestrophäe dieser bemerkenswerten Allianz aus kapitalistischer Plutokratie und kommunistischer Despotie war – aus systematischen und nicht bloß aus historischen Gründen – die Demontage der Produktion bis hin zu der Vertreibung der Produzenten vom Grund und Boden ihrer Produktion und sogar der millionenfachen Massakrierung der Produzenten selber (wie in Deutschland 1945). Der Zerfall des konterrevolutionären Bündnisses in seine beiden Hälften, die kapitalistische und die antikapitalistische, ermöglicht dann aus Gründen der weltgeschichtlichen Rivalität eine begrenzte Entwicklung der Produktion (in Deutschland ab 1948). Der Wegfall der Rivalität führte in der vereinigten Besatzungszone BRDDR allein 1993-97 zu einer Schrumpfung der Produktion von 4,2 Prozent. Die Fesseln, die der Wert dem Reichtum anlegt, sind wieder schmerzhaft spürbar geworden.

Richard Wagner, der 1848er Kampfgenosse des Karl Marx, trägt in seinem musikdramatischen Werk eine andere Fassung der Sage von dem Reiche der Freiheit vor: Die Gralserzählung. Der Gral ist ein Kelch oder heiliges Gefäß, das eine unversiegbare himmliche Kraft enthält, aus der die Gralsritter ihre irdische Interventionsmacht periodisch speisen. Der Inhalt des Grals ist also ein ganz besonderes Gut, das unverbrauchlich gebrauchbar ist. Was die Gralsritter zu sich nehmen ist ein Schluck aus der Pulle der Vollkommenheit, sie trinken von dem Geiste Gottes selber. Dieser Rohstoff ergibt aber, menschlicher Denkarbeit unterworfen, die Gedanken, welche ihrerseits als Denkmittel oder Begriffe, als Denkgegenstände oder Probleme, als Ideen oder Tatgedanken dienen oder zu denkersetzenden Gedankensystemen, Theorien also, zusammengesetzt werden können. Die Theorien vollbringen die Wunder, und der Kelch, worin sie ausgegoren werden, ist die Hirnschale des Menschen. Dieser Kelch geht nur an wenigen nicht vorüber. Vor 30 Jahren trug Krahl den Gral.

“Alle Mythologie”, schreibt Marx in den Grundrissen, “überwindet und beherrscht und gestaltet die Naturkräfte in der Einbildung und durch die Einbildung; verschwindet also mit der wirklichen Herrschaft über dieselben.” (30) Die Volksphantasie bearbeitet aber nicht nur die Natural-, sondern auch die Verkehrsformen, und tat sie dies bei den Griechen vorwiegend als unbewußte Kunstvorstellung, so arbeitet die Volksphantasie bei den germanischen Völkern als bewußte Wissenschaftsfiktion. Mit deren Verwirklichung als Natur- und Sozialwissenschaft verschwindet nur ein alter Mythos, aber nicht der Mythos überhaupt. Der Mythos ist vorgestellte Technik und imaginierte Gemeinschaft, und die reale Technik und verwirklichte Gemeinschaft ist nachgestellter Mythos. Ohne den Neuen Mythos wird es weder die Neue Technik noch die Neue Genossenschaft, also eine erneuerte Volksgemeinschaft, geben.

Das Reich der Notwendigkeit ist in jeder Nation der von dem selbstbewußten Volk zielsicher geführte und mit minimiertem Arbeitsaufwand in Gang gehaltene Produktionsprozeß der materiellen Güter. Jede Nation, die als Volksgemeinschaft zusammenhält, als Gesellschaftssubjekt sicher transagiert und als Gemeinwesen, in sich reflektiert, in Erscheinung tritt, wird auf der Grundlage solch eines Reiches der Notwendigkeit ein Reich der Freiheit erobern. Dies kann aber auch der Raum des Lasters und damit neuer Sklaverei der Triebe werden, in Freizeit und Spiel verplempert. Dann fällt der Mensch in seiner freien Zeit aus seinem Wesen, der Arbeit, heraus, und wenn er die Arbeit verliert, fällt er auch aus der Erkenntnis. Nur wenn die Arbeit das erste Lebensbedürfnis aller Menschen wird (was sie bei den Deutschen schon immer war), gereicht die Fülle der freien Zeit ihnen zum Segen. Die Arbeit kann nur Spaß machen, wenn sie kein Spaß ist, und nur als Werkverwirklichung bringt sie den Menschen individuelle und kollektive Selbstverwirklichung. “Wirklich freie Arbeiten, z.B. Komponieren ist grade zugleich verdammtester Ernst, intensivste Anstrengung.” (Grundrisse, 505)

Längst nicht alle Arbeit im Reiche der Freiheit muß freie Arbeit des Einzelnen sein. Als solche gilt dem Herkommen nach das Kunstschaffen (wohlweislich aber nicht das Kunstdarstellen), das religiöse Tun und das Philosophieren, also die drei Hauptäußerungen des absoluten Geistes. Zu den einzelfreien Arbeiten sollte man noch die Taten der weltgeschichtlichen Individuen im Bereich des objektiven Geistes hinzuzählen, also neben den Staatsdenkern und sonstigen geistigen Führern auch die schöpferischen Staatslenker und die gesellschaftspolitischen Führer. Die freie Arbeit dieser Wenigen, die schon immer ihr Eigenreich der Schaffensfreiheit sich erobert haben, wird auch im kommenden Reiche der Freiheit keine Schwierigkeit bereiten, sondern die Organisation des Reiches der Freiheit für die Vielen ist die Herausforderung an das Gemeinwesen der Zukunft.

Ist die notwendige Arbeit für die Vielen minimiert, muß ausreichend freie Arbeit für sie organisiert werden, damit alle am Reiche der Freiheit teilhaben können. Solche gewaltig-freien Volksgemeinschaftsaufgaben waren in der Vergangenheit z.B. die kirchlich-ritterliche Hochkultur im Alten Reich auf Basis der feudalen Mehrarbeit der deutschen Bauern; die bürgerlich-städtische Hochkultur auf Grundlage kommunaler Mehrarbeit der Handwerker, freien Arbeiter und Kaufleute; die wilhelminische Hochkultur dank Mehrarbeit und Erfindungsreichtum von Industriearbeitern, technisch-wissenschaftlicher Intelligenz und Mittelstand, die praktisch bis 1945 Deutschland beherrschte und im westzonalen Wirtschaftswunder eine Nachblüte erlebte.

Nach dem Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschaft und ihrer Staaten in Deutschland wird durch Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Reiches die Einrichtung einer Volkswirtschaft unter gemeinschaftlicher Kontrolle aller Deutschen möglich. Sie wird – nach Minimierung des Arbeitsaufwandes in der materiellen Produktion und folglich der Gesundschrumpfung des Reiches der Notwendigkeit – das Reich der Freiheit um Großvorhaben herum organisieren, die kulturelle Anliegen aller Deutschen sind. So liegt es z.B nahe, Wiederaufforstung von Industrie- und Verkehrsbrachen zu betreiben; die Standkraft der Landesverteidigung auf die Höhe der Unüberwindbarkeit zu bringen; die zahlreichen deutschen Altstädte als Zeugen der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hochkultur, die durch den angelsächsischen Bombenterror und den modernistischen Aufbau zerstört worden sind, zu rekonstruieren; die deutsche Wissenschaft wieder zu idealisieren und ihr die Spitzenstellung in der Welt, die sie im Wilhelminismus innehatte, zurückzuerobern; die deutsche Volksschule zu poetisieren. Vieles andere erscheint denkbar und kann organisiert werden, sobald Arbeitskräfte und Herstellungsmittel wieder freigesetzt sind.

Unter der Vorherrschaft des Reiches der Freiheit wird auch seine Grundlage, die notwendige materielle Produktion, eine freiere und unauffälligere Gestalt annehmen als jene der großen Industrien. Alle Familien, Sippen und Gemeinden werden bestrebt sein, einen Anteil am Reich der Notwendigkeit in ihren miniaturisierten und mikroisierten Hausindustrien und Eigenwirtschaften zu nehmen und Volk, Staat und bürgerliche Gesellschaft mit dem Nötigen zu versorgen. Nur das mit Waffen versorgte und mit automatischen Produktionsmitteln in allen seinen Gemeinschaften bewaffnete Volk hat seine produktiven und destruktiven Instrumente sowohl vergemeinschaftet als auch vergesellschaftet.

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Demokratie und Patriotenverfolgung

Den Pa­trio­tis­mus der La­tei­ner ha­ben die Deut­schen in die Va­ter­lands­lie­be, den Na­tio­na­lis­mus in die Lie­be zum Volk ver­wan­delt. Na­tio­na­lis­mus weist zu­rück auf na­tus, na­ta, den ge­bo­re­nen Sohn, die ge­bo­re­ne Toch­ter, und die­se ver­wei­sen auf die Na­tur über­haupt, das Ge­bo­re­ne schlecht­hin. Na­tio­na­lis­mus als Welt­ord­nungs­prin­zip ist die ge­wach­se­ne, die na­tür­li­che po­li­ti­sche Ord­nung aus Ge­mein­schaf­ten der Ge­bo­re­nen ei­ner je sel­bi­gen Art.

Na­tio­na­lis­mus ist al­so Volks­lie­be, oder ge­nau­er ge­sagt: völ­ki­sche Ei­gen­lie­be. Den Na­tio­na­lis­mus kom­plet­tiert der Pa­trio­tis­mus und so tritt der völ­ki­schen Ei­gen­lie­be die Va­ter­lands­lie­be zur Sei­te. Wird die Ge­burt der Na­tio­nen eher mit den Müt­tern, den Völ­kern und den Mut­ter­spra­chen ver­bun­den, so der Pa­trio­tis­mus mit dem le­gi­ti­men Land der Vä­ter, ih­rem völ­ker­recht­li­chen Be­sitz und Ei­gen­tum, al­so ih­ren Ge­biets­ho­hei­ten und Ge­biets­sou­ve­rä­ni­tä­ten. Das Land der Vä­ter mei­nes Vol­kes, mein Va­ter­land, reicht von der Maas bis an die Me­mel, von der Etsch bis an den Belt. Die Hei­mat hin­ge­gen ist wie­der ein eher weib­li­ches We­sen. Die Hei­mat ist je­ne Land­schaft, in der wir un­se­re Kind­heit ver­brach­ten und in der wir die Welt zu se­hen und die Spra­che der Na­tur und der Men­schen zu ver­ste­hen lern­ten. Die Hei­mat lehr­te uns die Lie­be zum Länd­le und sei­nen Leut­chen und be­fä­hig­te uns spä­ter auch zum Ein­hau­sen in an­de­re Ge­gen­den des Va­ter­lan­des. Hei­mat­lie­be, Va­ter­lands­lie­be (Pa­trio­tis­mus) und Volks­lie­be (Na­tio­na­lis­mus), – das ist die auf­stei­gen­de Li­nie der Er­schei­nun­gen des Got­tes der Lie­be im Da­sein der Völ­ker.

Pa­trio­tis­mus oder Va­ter­lands­lie­be blüh­ten in Deutsch­land lan­ge vor Na­tio­na­lis­mus oder Volks­lie­be. Der Pa­trio­tis­mus ent­fal­te­te im 19. Jahr­hun­dert im Wind­schat­ten des vor­an­stür­men­den Na­tio­na­lis­mus sei­ne schöns­ten Blü­ten. Der Na­tio­na­lis­mus aber ist Volks­lie­be, und sie ist die Mut­ter der ei­gen­stän­di­gen de­mo­kra­ti­schen Be­we­gung in Deutsch­land, die im Be­frei­ungs­krieg von 1813, im na­tio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren Ei­ni­gungs­ver­such von 1848 und in der Reichs­grün­dung von 1871 ih­re ge­schicht­li­chen Hö­he­punk­te er­leb­te.

Das Gro­ße der Bis­marck­schen Reichs­ver­fas­sung ist, daß in ihr de­mo­kra­ti­sche und mon­ar­chi­sche Über­lie­fe­run­gen ver­eint sind und der ewi­ge Bund der deut­schen Fürs­ten zum Woh­le des deut­schen Vol­kes ge­schmie­det ist. Ein Volk oh­ne Ei­gen­lie­be kann nicht über sich herr­schen und ist so­mit de­mo­kra­tie­un­fä­hig. Als die West­mäch­te Deutsch­land nach der Nie­der­la­ge im 1. Welt­krieg zwan­gen, die Mon­ar­chie ab­zu­schaf­fen und ein par­la­men­ta­ri­sches Re­gime zu er­rich­ten, tru­gen sie den Haß in das deut­sche Volk hin­ein und mach­ten die De­mo­kra­tie un­mög­lich. Denn weil zu­min­dest der Kai­ser aus dem Volks­be­griff der Wei­ma­rer Li­zenz­de­mo­kra­ten aus­ge­schlos­sen wur­de, war man in den vor­de­mo­kra­ti­schen Volks­be­griff zu­rück­ge­fal­len, der nur die Un­te­ren und nicht auch die Obe­ren mein­te. Na­tio­na­lis­mus und De­mo­kra­tis­mus wa­ren in Deutsch­land plötz­lich nicht mehr engs­te Freun­de, son­dern schärfs­te Fein­de. Die ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung von Wei­mar war die Voll­stre­cke­rin des Sie­ger­wil­lens und eta­blier­te das par­la­men­ta­ri­sche Sys­tem mit dem Par­tei­en­staat als sei­ner schnell fau­len­den Frucht.

Der Pa­trio­tis­mus wur­de in den po­li­ti­schen Bür­ger­krieg zwi­schen Par­tei­en­staat und völ­ki­scher Ei­gen­lie­be, die jetzt sel­ber als an­ti­par­la­men­ta­ri­sche Par­tei an­tre­ten mu­ß­te, hin­ein­ge­zo­gen. Denn der Pa­trio­tis­mus steht hin­ter dem Na­tio­na­lis­mus. Die Va­ter­lands­lie­be ist buch­stäb­lich der Bo­den, auf dem die völ­ki­sche Ei­gen­lie­be ge­deiht. Als nach dem 8. Mai 1945 die Zer­stö­rung des deut­schen Va­ter­lan­des durch die raum­frem­den Sie­ger­mäch­te ge­schicht­lich ein­ma­li­ge Aus­ma­ße er­reich­te, setz­te auch prompt ei­ne Zer­stö­rung des deut­schen Vol­kes von bis­lang noch un­ge­klär­tem Um­fang ein (min­des­tens sechs Mil­lio­nen To­te nach dem Waf­fen­still­stand). Mit der Grün­dung zwei­er Tei­lungs­staa­ten wur­de 1949 ver­sucht, ei­nen Teil­ge­biet­spa­trio­tis­mus zu be­grün­den, der sich im Fal­le von BRD und DDR an­fangs auf das Ge­biet die­ser zwei Tei­lungs­staa­ten be­zog, nur je­weils vom Öko­no­mie-Sys­tem der un­mit­tel­ba­ren Be­sat­zungs­macht her be­trach­tet. Spä­ter dann be­schränk­te sich der Tei­lungs­pa­trio­tis­mus auf das ei­ge­ne Teil­ge­biet des deut­schen Va­ter­lan­des, was beim ös­ter­rei­chi­schen Staats­ver­trag von 1955 die Tei­lungs­ge­winn­ler von vorn­her­ein so kon­zi­piert hat­ten. Aber die Ge­schich­te hat mit der mit­tel­deut­schen Ei­ni­gungs­be­we­gung von 1989 und dem An­schluß der DDR an die BRD ei­nen ers­ten Strich durch die se­pa­ra­tis­ti­sche Rech­nung ge­macht, und sie wird mit dem An­schluß der BRD an die BRÖ ei­nen zwei­ten Strich ma­chen und mit dem An­schluß Gro­ßös­ter­reichs an die deut­sche Schweiz ei­nen drit­ten Strich.

In der of­fe­nen Pa­trio­ten­ver­fol­gung der Ge­gen­wart ist die Po­lit­pa­tho­lo­gie der Zer­tei­lungs­staa­ten des Deut­schen Rei­ches zur scham­lo­sen Of­fen­kun­dig­keit ge­die­hen. Va­ter­lands­ver­rä­te­rei und Volks­zer­stö­rung war aber von An­fang an das Dasein­s­prin­zip der von den Be­sat­zungs­mäch­ten un­ter Bruch al­ler zwin­gen­den Nor­men des all­ge­mei­nen Völ­ker­rechts ein­ge­rich­te­ten Tei­lungs­staa­ten. Da­her stellt die Ver­fol­gung der Pa­trio­ten und die Ver­teu­fe­lung der Na­tio­na­lis­ten in Deutsch­land (Ös­ter­reich und Alt­reich ein­schlie­ß­lich Ver­trei­bungs- und An­nek­ti­ons­ge­bie­ten) ei­ne Selbstof­fen­ba­rung des in­ne­ren We­sens der Nach-45er-Staa­ten dar. Und die Aus­deh­nung die­ser Ver­fol­gung auf die Schweiz, auf die ita­lie­ni­sche und die fran­zö­si­sche Re­pu­blik, auf die skan­di­na­vi­schen und die Be­ne­lux-Län­der zeigt, daß es – un­ab­hän­gig von Staats­gren­zen – um die Zer­stö­rung des deut­schen Vol­kes als gan­zem und wohl auch um die Zer­set­zung des ger­ma­ni­schen Men­schen­schla­ges über­haupt geht.

Wer Pa­trio­tis­mus und Na­tio­na­lis­mus un­ter­drückt und die Trä­ger und Ver­brei­ter die­ser Ge­sin­nung ver­folgt, hat von vorn­her­ein den Bo­den zu­be­to­niert, auf dem De­mo­kra­tie im ur­sprüng­li­chen Sin­ne – als Selbst­be­herr­schung ei­nes Vol­kes – erst wach­sen könn­te. Die meis­ten der sog. west­li­chen De­mo­kra­ti­en wa­ren aber nie­mals De­mo­kra­ti­en im ge­nann­ten ur­sprüng­li­chen Sin­ne und konn­ten es auch nie­mals sein, weil ih­re Staats­ge­bie­te nicht nach dem Prin­zip Ein-Volk-ein-Staat zu­ge­schnit­ten sind. Ih­nen man­gelt al­so die Vor­aus­set­zung der De­mo­kra­tie: ein Volk. Statt­des­sen ha­ben sie blo­ße Be­völ­ke­run­gen aus un­ter­schied­li­chen Völ­ker­schaf­ten oder gar Ras­sen, – oder sind so­wie­so alt und brü­chig ge­wor­de­ne Völ­ker­ge­fäng­nis­se wie z.B. Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en.

Un­ter den ver­schie­de­nen De­mo­kra­tie-Theo­ri­en wie in an­de­ren so­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen auch zeigt es sich aber, daß nicht das na­iv-ur­sprüng­li­che Ver­ständ­nis die Wirk­lich­keit rich­tig be­schreibt, son­dern das zy­nisch-ab­ge­brüh­te. De­mo­kra­tie heu­te ist po­li­ti­scher Ka­pi­ta­lis­mus, und sonst nichts. De­mo­kra­tie als po­li­ti­scher Ka­pi­ta­lis­mus ge­horcht fol­gen­der for­ma­len De­fi­ni­ti­on: Herr­schaft über al­ler­lei Volks mit des­sen ver­trag­li­cher Zu­stim­mung. Die­se Herr­schafts­form er­zeugt den Ge­gen­satz von De­mo­kra­ten und De­mo­kra­ti­sier­ten. Das al­ler­lei Volks – Ar­beits-, Dienst-, Kriegs-, Ver­wal­tungs- oder Un­ter­hal­tungs­volk – kann welt­weit und aus be­lie­bi­gen Völ­kern re­kru­tiert wer­den. Soll­te das al­ler­lei Volks zur in­ter­na­tio­na­len So­li­da­ri­tät der De­mo­kra­ti­sier­ten auf­ru­fen und ge­gen die De­mo­kra­ten, po­li­ti­sche wie öko­no­mi­sche Ka­pi­ta­lis­ten, Front ma­chen, kann die ge­fähr­de­te De­mo­kra­tie der zy­ni­schen Art im­mer noch völ­ki­sche oder ras­si­sche Kämp­fe un­ter dem de­mo­kra­ti­sier­ten Volks (oder: Volx) ent­fa­chen und dann die Ras­sis­mus-Keu­le schwin­gen und bis zur Pa­trio­ten­ver­fol­gung stei­gern. Es ist leicht vor­her­zu­sa­gen, daß die Pa­trio­ten­ver­fol­gung sich welt­weit ge­gen al­le na­tür­li­chen Völ­ker aus­deh­nen wird, wenn der Spuk der Zy­ni­ker-De­mo­kra­ten, die im­mer auch Por­no­kra­ten sind, nicht bald be­sei­tigt wird. Die­ser He­xen­sab­bat fin­det erst dann sein En­de, wenn die vor Ekel und Ent­set­zen ge­lähm­ten Völ­ker ih­re je ei­ge­ne Sou­ve­rä­ni­tät im Geis­ti­gen, Po­li­ti­schen und Wirt­schaft­li­chen wie­der­her­stel­len und die Klas­sen­dik­ta­tur des glo­bal no­ma­di­sie­ren­den Fi­nanz­ka­pi­tals zer­bre­chen.

Wo le­ben wir ei­gent­lich? Gibt es die BRD wirk­lich? Oder ist sie nur ein bö­ser Traum? War nicht bis vor kur­zem ein Ge­bil­de na­mens DDR ei­ne von den ganz be­son­ders rea­len Rea­li­tä­ten in Deutsch­land?! – In den teil­pa­trio­ti­schen An­fangs­zei­ten ließ die BRD ver­lau­ten, sie sei nur die Rechts­ver­tre­tung des Deut­schen Rei­ches, so­lan­ge das noch hand­lungs­un­fä­hig ist. Al­so war das Reich nicht tot, aber auch nicht le­ben­dig; es war rechts­fä­hig, aber nicht ge­schäfts­fä­hig. Of­fen­sicht­lich war das Deut­sche Reich ent­we­der in der Ir­ren­an­stalt der Ge­schich­te ge­lan­det, oder es lag auf der In­ten­siv­sta­ti­on des his­to­ri­schen Spi­tals im Ko­ma! War der „Bund“ der Wie­der­gän­ger des Rei­ches? Die BRD ist das Wach­ko­ma des Drit­ten Rei­ches. Die be­rühm­tes­ten zwölf Jah­re der deut­schen Ge­schich­te sind nur die Zeit der Hand­lungs­fä­hig­keit des Drit­ten Rei­ches, die Epo­che da­nach ist sein Ko­ma, sei­ne Hand­lungs­un­fä­hig­keit. Die ge­sam­te BRD-Po­li­tik, ex­em­pla­risch für al­le Tei­lungs­staa­ten, ist ge­prägt durch ein Ko­ma der Po­li­tik und durch ei­ne Po­li­tik des Ko­mas, al­so sei­ner Er­hal­tung. Je­des Ko­ma ist ein Zu­stand tie­fer und an­hal­ten­der Be­wu­ßt­lo­sig­keit, ein blo­ßes Exis­tie­ren zwi­schen Le­ben und Tod, ein Halt vor dem end­gül­ti­gen Über­tritt ins Schat­ten­reich. In des Ko­mas to­des­ähn­li­chem Schla­fe er­starrt die ge­schicht­li­che Zeit; Ge­gen­ge­schich­te ver­schlägt den Deut­schen ihr Dich­ten und Den­ken, und es ver­gi­ßt das Volk sei­ne Hel­den, schämt sich der Ta­ten der Ah­nen und Blö­dig­keit schlägt sei­nen Blick auf des Rei­ches ver­gan­ge­ne Herr­lich­keit, auf des Rei­ches le­ben­di­gen Ruhm. Die Ko­ma-Deut­schen von heu­te sind ver­stört und mü­de, ih­nen hängt der Kopf ih­rer ver­gan­ge­nen Hoch­kul­tur von den Schul­tern, zu schwer für den ge­schwäch­ten Volks­kör­per.

Die BRD muß un­ter­ge­hen, da­mit das Drit­te Reich end­lich ster­ben und vom Vier­ten Reich kon­struk­tiv über­wun­den wer­den kann. Dann erst er­löst das Reich der Deut­schen die Welt zu neu­er Ent­fal­tung, die ge­hemmt ist, die Stu­fe des Drit­ten Rei­ches über­haupt erst zu er­klim­men, weil da­hin­ter bis­lang der ab­so­lu­te Ab­grund zu gäh­nen scheint, in den die Deut­schen ge­stürzt wor­den sind. Auf dem Weg in den Un­ter­gang der Tei­lungs­staa­ten und zur Wie­der­her­stel­lung der Hand­lungs­fä­hig­keit des Deut­schen Rei­ches mö­ge dem deut­schen Vol­ke neu­es Blut­ver­gie­ßen er­spart blei­ben. Da­her ist der Wen­de­hals ein­mal mehr der Hoff­nungs­vo­gel der na­hen­den Wen­de­zeit. Nach dem An­schluß der BRD an Ös­ter­reich wird es viel­leicht auch ei­ne straf­recht­li­che Ab­wick­lung des BRD-Re­gimes ge­ben, wie die BRD sel­ber es in der DDR-Ab­wick­lung vor­ge­macht hat. Un­ter An­wen­dung des BRD-Rech­tes auf die BRD-Ver­ant­wort­li­chen kä­me dann der Art. 25 GG zum Tra­gen, nach dem die Nor­men des all­ge­mei­nen Völ­ker­rechts un­mit­tel­bar gel­ten­des BRD-Recht sind, und die glaub­haf­ten ver­trag­li­chen (aber nich­ti­gen) Ver­su­che, Reichs­ge­biet an Sie­ger- und Ver­trei­ber­staa­ten ab­zu­tre­ten, gel­ten dann in der ei­gen­tüm­li­chen Ter­mi­no­lo­gie des ame­ri­ka­ni­sier­ten Völ­ker­rechts als un­ver­jähr­ba­re Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit, auf die ent­we­der ein Strang in Nürn­berg oder doch Le­bens­läng­lich steht. Ein wei­te­res Ver­bre­chen die­ser Art ist die jahr­zehn­te­lan­ge Ver­let­zung des Rech­tes auf Ar­beit und des Rech­tes auf Woh­nung ge­mäß ein­schlä­gi­ger Ar­ti­kel der UNO-Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, die in der BRD nach Art. 25 GG un­mit­tel­bar gel­ten­des Recht sind.

Nach der straf­recht­li­chen Ab­wick­lung der BRD ge­mäß BRD-Nor­men und der Wie­der­her­stel­lung der Hand­lungs­fä­hig­keit des Deut­schen Rei­ches kä­men die Haupt­ver­ant­wort­li­chen vor das or­dent­li­che Reichs­ge­richt in Leip­zig und wür­den nach dem Straf­ge­setz­buch des Zwei­ten Rei­ches we­gen ih­rer Mit­ver­ant­wor­tung für die Exis­tenz von Tei­lungs­staa­ten mit Si­cher­heit we­gen schwe­rem Lan­des- und Hoch­ver­rat zum To­de ver­ur­teilt wer­den und auf dem Scha­fott en­den, wenn sie nicht recht­zei­tig tä­ti­ge Reue ge­zeigt und ei­ne un­blu­ti­ge Ab­wick­lung der Tei­lungs­staa­ten er­mög­licht hät­ten. – Aber es kommt wohl im­mer an­ders, als man denkt.

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Zerlegung der Lage

Alles beginnt mit der Lage, alles endet in der Lage, und alles unterbricht die Niederlage. Wir Deutschen, die Besiegten von 1945, sind die Vermißten der Geschichte. Ohnmächtig in der Niederlage liegend müssen wir aufstehen, wieder auf die Beine kommen. Wir müssen uns erheben. Aufstand ist geboten.

Alles beginnt in einer Lage, und jeder wird aus einer Lage in das Sein geworfen: kopfüber oder hintenunter, und die Glücklichen fallen gleich auf die Füße, sie werden in den Stand geboren, in den andere sich erst setzen müssen. Die Lage kann bequem oder ungemütlich sein, vornedran oder weitab vom Schuß. Aber keine Lage währet ewiglich. Wer aus seiner Lage sich nicht selbst erhebt, sich nicht in Stand setzt, den wirft sein Feind oder das Sein aus einer Lage in die andere.

Im Anfang war die Lage. Wer aus ihr sich zu erheben vermochte und auf die Beine kam, suchte Halt, fand den Standpunkt und strebte zu dem Stand, von dem aus er im Stande war, selber in Gang zu kommen und in den Gang der Welt, wo möglich, einzugreifen. Die Niederlage macht dem ein Ende.

Die totale Nieder-Lage unterbricht den Gang der eigenen Angelegenheiten, wirft uns aus dem Stand, raubt uns den Standpunkt und entreißt uns den Halt, woran wir uns mühsam aufgerichtet hatten. Das Standhalten der Standhaften war vergeblich, keine errungene und ausgebaute Stellung war mehr zu halten gewesen, die einst eigenen Angelegenheiten lagen uns plötzlich fern, sie wurden die Gelegenheiten der Fremden, die Beute der Sieger. Die Lage der Deutschen ist eine festgezurrte Niederlage. Zerlegung dieser Lage ist ihrer theoretischen Seite nach Lageanalyse, ihrer praktischen Seite nach die Erhebung aus der Lage. War diese Lage eine totale Niederlage, so stellt sich deren praktische Zerlegung dar als Total-Erhebung, als absoluter Aufstand. Er ist die Erlösung, die Selbsterhebung zur Absolution.

Wo ein Lagebegriff des Politischen, dort ist sein Sitzbegriff nicht fern, und als nächstliegende Form des politischen Kampfes erscheint das Aussitzen. Da man in dieser niederen Form des Politischen aber sowieso schon viel auszustehen hat, ständig irgendwelche Kräfte einem an den Beinen der politischen Sitzgelegenheit sägen, stellt sich bald die Frage nach der Zerlegung des Sitzbegriffes des Politischen durch seinen Standbegriff. Aus Sitz und Stimme sollen Stand und Ansehen werden. Seine Vorbedingung ist der Überblick, der aus der Lage kaum zu gewinnen ist und aus dem Sitz nur dann, wenn er thronartig hochsteht. Aus einem ansehnlichen Standbegriff des Politischen kommt man in Gang, und aus dem Gang und aus dem Eingriff in den Gang ist der Gangbegriff und der Eingreifbegriff des Politischen zu gewinnen.

Alle Fragen nach Lage, Sitz, Stand und Gang des Politischen fließen aus dem topographischen[1. die räumlichen Bedingungen betrachtend] Politikverständnis, das wesentlich griffiger ist als das doxographische[2. die überlieferten Tatsachen und Grundsätze betrachtend]. Diese örtliche Auffassungsweise des politischen Handelns betrachtet die Gelegenheit des eigenen wie des gegnerischen Lagers, aus der die Drohungs- wie die Bedrohungslage unmittelbar entspringt. Spitzt sich solche Lage zur Belagerung zu, steht am Ort des Geschehens die Frage zur Entscheidung, ob der Besitzer standhalten kann oder entsetzt werden muß, oder ob er dem Belagerer zu weichen und ihn als Besetzer zu dulden hat.

Wie Lage und Sitz leicht zur Belagerung und zur Besitzung führt, so gleitet der Blick ganz zwanglos hinüber zum möglichen Besitz. Der mögliche Besitz (wußte schon Thomas Hobbes), das ist die Macht. Die Macht ist keine blinde, böse und zerstörende Besitzgier, sondern als möglicher Besitz die Absehung vom tatsächlichen Besitz, die Befreiung vom Zwang zur jederzeitigen Tathaft. Besitz als solcher steht unter der Notwendigkeit der besetzenden Tat und ihrer besitzenden, bestehenden und innehabenden Dauer. Diese Notwendigkeit löst die Macht durch ihre Möglich-keit, was die machteigene Wirklichkeit erzeugt. Die bloße Notwendigkeit dieser Machtwirklichkeit ist der Wille und die bloße Möglichkeit der Macht ist die Gewalt. Die Gewalt ist das reine Mittel und damit tathafte Möglichkeit zur Verwirklichung der Notwendigkeit, zur Durchsetzung des Willens als Macht. Gewalt also ist Ermöglichung der Verwirklichung der Notwendigkeit. Durch die Gewalt wird der notwendige Wille mögliche Macht, die den mit Notwendigkeit gesetzten Willen durchsetzt und als wirkliche Macht durchgesetzt hat. Als durchgesetzter Wille kommt die Macht mit Notwendigkeit zu neuen Setzungen des Willens und muß zu demgemäßen Durchsetzungen mittels Gewalt schreiten, um im Machtzuwachs sich zu verwirklichen.

Ohne Macht und ohne Besitz gibt es keine Politik. Aber die Macht ist nur eine notwendige und keine hinreichende Bedingung für die Gegebenheit des Politischen. Jeder wahre Unterscheid von Freund und Feind, von Sicherung und Bedrohung, von Besitz und Nichtbesitz, von Stand und Ausstand, von Macht und Ohnmacht bezeichnet gewiß höchst wesentliche Unterschiede, politische Unterscheidungen aber sind es nicht. Freund und Feind sind so vorpolitisch wie die Lageanalyse oder das Gesetz; sie sind allesamt Gewalten, in denen die Naturaldifferenz waltet. Macht und Besitz sind Rohstoff der Politik, die selber erst beginnt, wo der Besitz mögliches Eigentum und damit ein Recht, also auch der mögliche Besitz mögliches Eigentum und daher ein Rechtsanspruch wird. Die unpolitische Macht wird mit dem Rechtsanspruch zur politischen Macht und daher zur Rechtsmacht. Politik beginnt also beim Recht und seinem Anspruch. Sie setzt sich fort bei der Person und ihren Möglichkeiten. Die Person ist der Besitzer, welcher Eigentümer ist: der Mensch als Rechts- und Politiksubjekt. Das politische Subjekt mitsamt seinen Fiktionen ist das Rechtssubjekt in seinem subjektiven Recht, welches das Recht verinnerlicht hat und es als Moralität abstrahlt. Im Reiche dieser Moralität werden aus Rechtsansprüchen Ansprüche der Persönlichkeit; aus dem politischen Kampf als dem Kampf gleicher Rechte, zwischen denen die materiale Gewalt entscheidet, wird der Kampf gleichberechtigter Personen, zwischen denen die moralische Gewalttätigkeit, Schlag um Schlag, den Ausschlag gibt.

Der Begriff der Lage koexistiert mit dem Begriff des Politischen. Die Zerlegung des Lagebegriffs führt zum Elementarbegriff der Niederlage, die durch Erhebung aufgehoben, aber nicht weiter zerlegt werden kann. Die bloße Niederlage ist so unpolitisch wie die reine Ohnmacht, die absolute Macht und der totale Sieg. Letzterer behält den Makel der Unvollkommenheit, wenn er sich nicht als Recht rechtfertigen kann. Daher wird der totale Sieg und alle aus ihm geschöpfte Rechtlosigkeit vom Sieger verrechtlicht. Resultat des Vernichtungskrieges war die bedingungslose Kapitulation. Deren Verrechtlichung durch ewige Verfassungsgrundsätze, UNO-Feindstaatenklausel, NATO, Atomwaffensperrvertrag und EG wird aber zum Ansatzpunkt jeder erfolgreichen deutschen Revisionspolitik, die als Wiederherstellung der unbeschränkten Souveränität, also mit der vollen Völkerrechtssubjektivität der Besiegten von 1945 enden muß. Weil der Sieger seinen Sieg durch Verrechtlichung zu verewigen sucht, verwandelt er selbst die totale Niederlage des Besiegten aus einer bloßen Elendslage in eine politische Lage, die auf politische Weise verändert werden kann. Jede politische Lage, auch die schlechteste, ist aber eine menschliche Lage.

Die Subjekte des europäischen Völkerrechts hatten totale Siege und totale Niederlagen vermieden. Deren Rechtlichkeit wäre kaum begründbar gewesen. „Jedes Volk sei Rechtssubjekt und anerkenne das feindliche Volk als ein Rechtssubjekt!“ ist oberstes Gebot des völkerrechtlichen Zustandes. Ohne Verletzung dieses Gebotes kann keine bedingungslose Kapitulation verlangt und erzwungen werden. Ist sie einmal erzwungen worden, gibt es keinen Halt mehr: Der Sieger kann die Regierung des besiegten Landes verhaften, dessen Kriegsgefangene zu entwaffneten Feinden erklären und dem Hungertod preisgeben, beliebig in die allgemeine Rechtsordnung des besiegten Landes eingreifen und die Zivilbevölkerung ganzer Provinzen vertreiben und um Millionen dezimieren. All dies folgt der Logik des Vernichtungskrieges, der kein Rechtserzwingungsmittel mehr ist, sondern das Mittel der Liquidation des feindlichen Völkerrechtssubjekts. Der Krieg hört auf, ein Clausewitzscher Krieg zu sein; es geht nicht mehr um die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern um eine Beendigung der Politik mittels militärischer Gewalt und moralischer Gewalttätigkeit. Dem Gegner soll kein fremder Wille aufgezwungen, er soll vom eigenen Willen endgültig befreit werden. Dieser Krieg wird dadurch in der Tat die absolute Befreiung der Besiegten; er wird der Krieg zur Abschaffung aller Kriege, weshalb er der Einführung einer Neuen-Welt-Ordnung dient und – solange noch mögliche Störer dieser Neuweltlichkeit vorhanden sind – auch nicht aufhören kann und schon garnicht durch Friedensvertrag zu beenden ist. Der unter der Losung „Krieg dem Kriege“ geführte Krieg darf nie enden.

Wie die mittelalterliche Fehde ist der Krieg in der europäischen Geschichte ein Rechtserzwingungsmittel. Dieser Krieg wagt das Leben der Menschen und Völker, um ihre Person zu wahren. Die Person ist die Ebenbildlichkeit Gottes am Menschen, sie ist die Charaktermaske der göttlichen Abstammung der Völker, durch die ihre Stimme hindurchtönt. Nur die Anerkennung des Krieges läßt die Völker den Frieden wiedergewinnen. Der Frieden aber ist ein Geschenk, das die Götter nur jenen Nachkommen gewähren, die ihnen Heimstätten bieten. Diese Heimstätten wollen aber geschützt sein vor den Verwüstungen des eifernden Wüstengottes, der sein Ich nur bestätigen kann in der Vernichtung der anderen Götter, in der Entgötterung der Welt. Vertreibung der Götter und der Menschen, Liquidierung der Staaten und der Kulte, Verwüstung der Welt: das ist ein und der selbe Vorgang.

Der Krieg gegen den Krieg ist Vernichtungskrieg im naturalen wie im formalen Sinne: Hungerblockade, Bombenkrieg und Nukleardrohung der Naturalform der Gewaltanwendung nach, Liquidation unterlegener Völkerrechtssubjekte der Verkehrsform nach. Der Krieg gegen den Krieg und für die neue Weltordnung muß natural- wie verkehrsförmiger Vernichtungslrrieg sein, weil die Kriegsführungsfähigkeit materialiter, als Volk in seinen Wohnungen und Werkstätten, verringert und im Idealfalle zur bloßen Bevölkerung vernichtet werden muß, als Subjekt des Völkerrechts aber liquidiert gehört, weil der Krieg aufhört, wenn keiner mehr oder nur noch einer dazu berechtigt ist. Je weniger Staaten, desto weniger Kriegsführungsberechtigte gibt es, Polizisten und Verbrecher bleiben übrig. Die Stunde der Weltinnenpolitik schlägt, dem Menschen als zoon politikón hat das letzte Stündlein geschlagen und übrig bleibt ein unpolitisches Tier (animal sociale) mit überflüssiger Großhirnwucherung.

Die Gegenbewegung zum Vernichtungskrieg ist der nationale Befreiungskrieg: Er vermehrt die Anzahl der Völkerrechtssubjekte und damit die möglichen Kriegsparteien. Der Triumph vieler Unabhängigkeitskriege und -bewegungen beendet das Zeitalter des Weltfriedens, das eine Zeit andauernden Weltpolizeieinsatzes war. Das Polizeiliche ist die Unschädlichmachung des Politischen, die Entpolitisierung der Völker, es ist die Entmenschung des Völkerrechts und die Verbrecherung der Welt, die insgesarnt unschädlich zu machen war. Dies schien nur in der Zweiten Systemzeit, die vom 8. Mai 1945 bis zum 9. November 1989 währte, vorübergehend zu gelingen, weil das Polizeiliche einen Weltmachtwillen ausdrückte, der als solcher die völkerrechtliche Weltordnung unterdrücken mußte. Während des sog. Ost-West-Konflikts hatte der Versuch, Weltpolitik durch Weltpolizei zu ersetzen, noch eine gewisse Folgerichtigkeit, weil der Weltpolizist ein Weltgefängnis hinter sich hatte. Ohne diese Rückendeckung ist der Weltpolizist eine schwache Figur. Absehbar ist, daß der US-Marshall dem SU-Gulag in den Orkus der Gegengeschichte nachfolgen wird. Die Götter Germaniens kehren zurück, sobald ihre Kränkung gesühnt und ihre Heimstatt entwüstet und wiedererrichtet ist.

Die Besiegten von 1945 sind also in Wahrheit die völlig Befreiten. Sie sind Schopenhauersche Idealexistenzen geworden, die aus der Knechtschaft des eigenen Willens Erlösten. Ihre Welt ist nicht mehr Wille und Vorstellung, sondern nur noch Vorstellung. Sie sind von der Notwendigkeit befreit, die als Zwang zum Willen alle Macht und Gewalt bewacht. Sie müssen nicht wollen und sie wollen auch nicht mehr müssen. Nun hat der Mensch zwar die Freiheit des Willens wie der Willenlosigkeit, aber der Willen hat nicht die Freiheit der Notwendigkeit, denn er ist die Notwendigkeit selber und als solche das Tor zu aller Möglichkeit und Wirklichkeit der Welt des Menschen. Die von der Notwendigkeit des Willens Befreiten geben der Not Kredit, ohne die Not zu wenden, weder als Wendigkeit noch als Abwendung. Die Leidenschaft der Willensbefreiten ist die Selbstemanzipation: das Sich-selbst-aus-der-Hand-Geben. Mit sich selber geben sie die Notwendigkeit des Willens wie den Willen der Notwendigkeit auf. Nichts wird mehr gewendet und schon gar nicht die Not. Die Not häuft sich an und man schenkt ihr ein anscheinend unbegrenztes Vertrauen. Die Not selber ist eine unantastbare Würde. Weil die Not nicht gewendet, sondern beschworen wird, hat sie eines Tages eine solche Macht, daß sie autonom wird, eigenen Willen setzen und mit Gewalt durchsetzen kann. Der Autonome ist die personifizierte Not der zur Notwendigkeit unfähigen Befreit-Besiegten von 1945.

Die Unterscheidung von Freund und Feind ist dann und nur dann ein politischer Unterschied, wenn der Freund meinen Anspruch als Anrecht anerkennt und der Feind denselben Anspruch als Unrecht kennt und als Anrecht verwirft. Die Lage ist nur dann eine politische Lage, wenn sie eine Rechtslage ist, die Lageanalyse nur dann eine politische Analyse, wenn sie eine Rechtslage zerlegt. Die Zerlegung der Lage ist die Vernichtung der Lage, nicht des Gelagerten. Liegt dieser in absoluter Nieder-Lage darnieder, kann Zerlegung seiner Lage nur Erhebung aus der Lage, nur Lageaufhebung sein. Die rechtliche Verankerung und politische Fesselung in der Niederlage macht diese politisch und öffnet dem Besiegten die Möglichkeiten der politischen Entfesselung. Verhindern kann das der Sieger bei für ihn sich verschlechternden Relationen der Naturalmacht nur durch rechtzeitige physische Vernichtung des Besiegten, was aber auch die gänzliche Entrechtung und Entpolitisierung nicht nur der Lage des Besiegten, sondern vor allem auch der Lage des Siegers bedeutet. Der Sieger ist dann so rechtlos und unpolitisch wie der Besiegte. Will der Sieger vermeiden, in diese Lage, die von Dritten ausbeutbar ist, zu kommen, muß er versuchen, die einzelnen Schritte der politischen Selbstentfesselung des Besiegten sich als Zugeständnis abkaufen zu lassen. Das Angebot der USA von „partnership in leadership“ an ihren Vasallen BRD war solch ein Versuch.

Der Begriff des Politischen ist das Recht, der Begriff der politischen Lage aber ist die Unterscheidung von Freund und Feind meines Rechts. Und auch die Geographie kann mir freundlich oder feindlich sein. Der allgemeine Begriff des Politischen ist substantiell und indifferent gegenüber dem Schicksal der Völker wie der Einzelnen, der besondere Begriff des Politischen der Lage ist topographisch und schicksalhaft, meint immer das eigene Geschick von Rechtssubjekten in der Beziehung zu anderen Subjekten an einem bestimmten Ort und in einer gewissen Zeit.

Im Lagebegriff des Politischen ist die Substanz das Subjekt.

Wie zerlegt man die deutsche Lage? Wie verwandelt man die deutsche Niederlage des 20. Jahrhunderts an dessen Ende in einen deutschen Sieg? Mit welchem geschichtlichen Zug kann das Deutsche Volk das 21. Jahrhundert eröffnen?

Die beiden Weltkriege waren Präventivkriege gegen den Reichsgedanken zum Schutze der imperialistischen Systeme in West und Ost. Hatte schon Bismarck bei der Gründung des Zweiten Reiches den sog. Kulturkampf gegen die katholisch-maßvollen Anhänger des Wüstengottes zu führen, so Hitler seit der Gründung des Dritten Reiches den sog. Rassenkampf gegen die judaistisch-maßlosen Auserwählten des Wüstengottes. Der Investiturstreit mit dem Papst, der Kulturkampf mit dem rheinisch-polnischen Katholizismus und der Rassen-Klassen-Kampf mit dem jüdischen Weltzentralrat bezeichnen Angriffe auf die ersten drei Reiche der Deutschen, deren fundamentale Herausforderung für die Diesseitigkeitsgötzen aller Systemzeiten im Abendland die theologische Transzendenz der deutschen Staatsidee war: Das Reich als Schwert Gottes, als Katechont und Wahrer der kosmischen Ordnung in Europa und auf dem Erdenrund. Von den Sternenmänteln der deutschen Kaiser bis zum gestirnten Himmel über Kants Königsberg war der deutsche Glaube immer kosmozentrisch und damit Haßobjekt aller anthropozentrischen Kulte einschließlich des Christentums. Nicht nur bezüglich der weltpolitischen Großlage verbessern sich ständig die Bedingungen der Wiedergeburt des Deutschen Reiches, sondern auch wegen des schnell wachsenden Verzweiflungsgrades aller diesseitigen und anthropozentrischen Religionen.

Wortergreifung ist immer die Vorbedingung der Machtergreifung. Aber keine Wortergreifung kann zur Machtergreifung führen, die nicht Machtbegreifung ist. Nur das Begreifen der Macht rechtfertigt das Ergreifen des Wortes. Alles wird darauf ankommen, daß unser Wille, unsere Gewalt und unsere Macht im gottgefälligen Raume des Rechts sich bewegen; dadurch werden sie politisch und folglich menschlich. Der rechtsetzende Wille ist der politische Wille, die rechtdurchsetzende Gewalt ist die politische Gewalt und die rechtswaltende Macht ist die politische Macht, also durchgesetzter politischer Wille.

* * *




Der Gang der Geschichte

Der Gang der Weltgeschichte führt, Hegel zufolge, von China über Indien, Persien, Griechenland und Rom nach Deutschland. Seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts scheint die Geschichte über England nach Amerika fortgelaufen und über den Pazifik hin wieder auf den chinesischen Kulturraum gestoßen zu sein. An der Schwelle zum dritten Jahrtausend kann man aber den Eindruck gewinnen, daß das amerikanisch bestimmte 20. Jahrhundert nur eine Warteschleife im Gang der Weltgeschichte war, bevor sie sich von Deutschland aus auf den Weg nach Rußland macht und über die mongolischen Steppen zurück nach China kehrt.

Die Weltgeschichte ist der Gang des Geistes durch die Welt, die er durch Absehung seiner von sich selbst geschaffen hat. In dieser Welt sucht der Geist sich selbst, er sucht sich in Gestalten, die ihm entfremdet, weil entvollkommnet sind. Hier ist er also nicht absoluter Geist, sondern Weltgeist. Wird der Geist als Person gedacht und anerkannt, so ist der Gang der Geschichte der Gang Gottes durch die Welt, sein irdisches Dasein und seine Selbstauslegung in der Zeit. Zunächst (I) wollen wir uns das Wesen und den Gang der Geschichte vergegenwärtigen, wie ihn Hegel, der deutsche Aristoteles, gesehen hat. Anschließend (II) sei die geschichtsphilosophische Betrachtungsweise des Deutschen Idealismus auf die nachklassische Zeit Deutschlands angewandt und endlich (III) die künftige Ordnung Europas aus dem Geist seiner Völker entworfen.

I

Die Geschichte ist die Selbstauslegung des Geistes in der Zeit. Die Auslegung ist dem Ausgelegten gegenüber nachrangig. Das Selbst des Geistes ist er als absoluter Geist, die Zeitauslegung des Geistes ist er als Geschichte. Die Natur dagegen ist die Selbstauslegung des Geistes im Raum. Indem der Geist in Natur und Geschichte diese Arbeit der Selbstauslegung leistet, schöpft er zunehmend Gestalten, die ärmer an Eigensinn und reicher an geistigem Sinn, also geistreicher sind. Die Betrachtung des Ganges der Weltgeschichte ist ihre Vergeistigung und daher letztlich eine Theodizee, eine Rechtfertigung Gottes. In der Weltgeschichte selber liegt schon eine starke Aufforderung, sich mit ihr zu versöhnen, indem wir ihren Sinn erkennen und den darin manifestierten Geist erfassen.

Der Endzweck der Welt ist die Freiheit und in der Welt selber zu verwirklichen. Die Weltgeschichte geht auf geistigem Boden vor, die Entwicklung des Geistes ist ihre Substanz. Die Natur ist in der Geschichte nicht handelnd, sondern nur eine fremde Auslegung des Geistes, die in seine Zeitauslegung bisweilen einbricht oder auch auf sie überzugreifen scheint, aber wie ein Unwetter wieder verschwindet und geistig-substantiell folgenlos bleibt.

Ist das Wesen der Materie die Schwere, so das Wesen des Geistes die Freiheit; ist die Materie schwer, weil sie nach einem Mittelpunkt außer ihrer selbst drängt, also außereinander besteht und daher zusammengesetzt ist, so hat der Geist dagegen seinen Mittelpunkt in sich, hat die Einheit nicht außer sich, sondern er hat sie in sich gefunden. Der Geist ist in sich selbst und bei sich selbst. Die Materie hat ihre Substanz außer ihr; der Geist ist das Bei-sich-selbst-Sein. Dies eben ist die Freiheit. Dieses Beisichselbstsein des Geistes ist Selbstbewußtsein. Der Geist ist das Beurteilen seiner eigenen Natur. Die Weltgeschichte ist die Darstellung des Geistes, wie er sich das Wissen dessen, was er an sich ist, erarbeitet. Erst die germanischen Nationen sind im Christentum zu dem Bewußtsein gekommen, daß der Mensch als Mensch frei ist, die Freiheit seine eigene Natur ausmacht. Dieses Prinzip auch in das weltliche Gemeinwesen einzubilden, das war eine schwere, lange Arbeit. Religion ist das Prinzip, also der bloße Anfang der Freiheit. Anwendung des zunächst religiösen Prinzips auf die Weltlichkeit ist der Verlauf der Geschichte. Sie ist Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit, die zu ihrer Wirklichkeit wird.

Der Geist ist das Vollkommene und kann darum nichts als sich selbst, seinen eigenen Willen wollen. Der Geist als Einer, als ein Handelnder betrachtet, ist in sich vollkommener Besitzer seiner selbst, und als rechtmäßiger Besitzer ist der Geist Eigentümer seiner selbst und daher Gott. Gott regiert die Welt, der Inhalt seiner Regierung, die Vollführung seines Plans, ist die Weltgeschichte. Nur das aus Gottes Plan Vollführte hat Wirklichkeit, das ihm Ungemäße ist nur faule Existenz. Es geht ums Erkennen der göttlichen Idee und um die Rechtfertigung der Wirklichkeit, wobei das Recht des Weltgeistes über alle besonderen Berechtigungen hinweggeht.

Die Leidenschaft ist das Betätigende, die Idee ist das Innere, der Staat ist das wirkliche sittliche Leben. In der Weltgeschichte kann nur von Völkern die Rede sein, die einen Staat bilden. Der Staat ist das Wahre, die Einheit des allgemeinen und subjektiven Willens. Der Staat ist die göttliche Idee, wie sie auf Erden vorhanden ist. Er ist so der näher bestimmte Gegenstand der Weltgeschichte überhaupt.

Der Geist der Familie ist ebenso ein substantielles Wesen als der Geist eines Volkes im Staate. Durch die Familiensittlichkeit (die Pietät) hat der Staat solche Individuen als Staatsangehörige, die schon für sich sittlich sind, denn als Personen sind sie dies nicht. Sie haben gelernt, sich als eins mit einem Ganzen zu empfinden. Aus patriarchalischen Verhältnissen entspringt die Theokratie, denn auf dieser Stufe ist die Familie noch nicht von der bürgerlichen Gesellschaft und vom Staate geschieden, so daß das Oberhaupt auch sein Priester ist.

Die Verfassung eines Volkes bildet mit seiner Religion, seiner Kunst und Philosophie eine Substanz, einen Geist. Der Staat ist eine individuelle Totalität. Die erste Produktion eines Staates ist herrisch und instinktartig. Aber auch Gehorsam und Gewalt, Furcht gegen einen Herrscher ist schon ein Zusammenhang des Willens. Schon in rohen Staaten muß auf die Partikularität Verzicht getan werden und ist der allgemeine Wille das Wesentliche. Ein Staat beginnt mit einem Königtum. Darauf tut das Besondere und Einzelne sich hervor in Aristokratie und Demokratie. Den Schluß macht die Unterwerfung dieser Besonderheit unter eine Macht, welche nur die monarchische sein kann. Es ist so ein erstes und ein zweites Königtum zu unterscheiden. Welche Verfassung eintritt, ist nicht Sache der Wahl; nur diejenige kann eintreten, die gerade dem Geiste des Volkes angemessen ist.

Der Staat ist die geistige Idee in der Äußerlichkeit des menschlichen Willens und seiner Freiheit. Das System der Freiheit ist die freie Entwicklung ihrer Momente als organischer Glieder, es ist ein gotischer Dombau. Das Sittliche ist die Einheit des subjektiven und allgemeinen Willens.

Das Wahre gelangt nicht nur zur Vorstellung und zum Gefühl, wie in der Religion, und zur Anschauung, wie in der Kunst, sondern auch zum denkenden Geist. Die Prinzipien des Staates müssen als an und für sich geltend betrachtet werden, und sie werden dies nur, insofern sie als Bestimmungen der göttlichen Natur selbst gewußt sind. Wie daher die Religion beschaffen ist, so der Staat und seine Verfas-sung; er ist wirklich aus der Religion hervorgegangen, und zwar so, daß der athenische, der römische Staat nur in dem spezifischen Heidentum dieser Völker möglich war, wie eben ein katholischer Staat einen anderen Geist und eine andere Verfassung hat als ein protestantischer.

Die geschichtlichen Taten und ihre Erzählung erscheinen zu gleicher Zeit. Die Entwicklung einer Sprache gehört aber noch nicht zur Geschichte der Völker, die sie sprechen. Die Sprache ist voreilig, sie treibt die Völker vorwärts und auseinander, bis sie entweder mit Staaten in Berührung kommen oder selber die Staatsbildung beginnen, so daß sie geschichtlich werden. Dabei ist jedes geschichtliche Volk von einem eigenen Prinzip – seinem besonderen Volksgeist – bestimmt. Dieser hat eine logische und eine empirische Seite. Das Logische dieses eigentümlichen Prinzips eines Volkes erscheint als seine bestimmte Besonderheit, die auf geschichtliche Weise zu zeigen, also zu erweisen ist. Die historische Nachweisbarkeit hängt jedoch vom logischen Vorweis ab. Das Prinzip eines Volkes ist sein Anfang; mit ihm hat es den Fang seiner Geschichte gemacht, ihre herstellungslogische Prozeßidee: den Vorausgang. Die Geschichte selber ist dann der Durchgang des ganzen Vorganges vom Vorausgang bis zum Ausgang. Das Prinzip, der Anfang eben, ist es, der den Durchgang der Geschichte bis zu ihrem Ausgang bestimmt. Der Gang ist das Prinzipielle, der Verlauf das Empirische an der Geschichte eines Volkes.

Der konkrete Volksgeist ist das zu Erkennende, das als Geist nur geistig, also durch Gedanken gefaßt werden kann. Der Volksgeist will sich selbst vollenden, also nicht nur sich zur Anschauung bringen, sondern zum expliziten Gedanken seiner selbst. Seine Vollendung ist sein Ende und der Anfang eines neuen Volksgeistes. Damit beginnt eine andere Epoche der Weltgeschichte.

Die Veränderung überhaupt ist Untergang und Aufgang, also beständiges Hervorgehen. Die geschichtlichen Veränderungen aber sind nicht bloß Verjüngungen, nicht bloß Rückgänge zu derselben Gestalt, sondern Verarbeitungen des Geistes, der durch jedes Erzeugnis seinen Stoff vervielfältigt. Der Geist schafft sich so eine unerschöpfliche Menge von Arbeitsaufgaben und Bearbeitungsstoffen.

Der Geist eines Volkes erfaßt sein Prinzip und erbaut aus diesem Anfang sich seine eigene Welt als Religion, Kultur, Gebräuche, Verfassung, Gesetze, alle sonstigen Einrichtungen und Taten. Der Einzelne inkorporiert sich dieser bereits fertigen und festen Welt seines Volkes. Ein Volk ist von sittlicher und kräftiger Natur, solange es sein Prinzip verwirklichen und die ihm gemäße Welt hervorbringen kann. Ist das Werk vollbracht, verschwindet aus dem ferneren Tun dieses Volkes das Interesse des Weltgeistes. Das Volk genießt sein Werk als seine Welt, die ihm zur Gewohnheit wird und aus der das höchste Interesse, der schöpferische Gegensatz, verschwunden ist. Sein Dasein wird langweilig, greisenhaft und weltgeschichtlich bedeutungslos. Dieses Schicksal des Volkes kann sich wenden, wenn es etwas Neues will, das von weltgeschichtlichem Interesse ist. Jenes Volk, das etwas wirklich Neues und damit in die weltgeschichtliche Arena zurückkehren will, muß sein Selbst, seine ganze bisherige Geschichte zum Opfer bringen. Das Opfer ist der Beginn des neuen Gemeinwesens, es gründet die geschichtlichen Subjekte. Das Opfer, das ein Volk darbringt, räumt ihm die Zeit seiner neuen Geschichte ein und zeitigt ihren Raum.

II

Das deutsche Volk hat nach der Auflösung des Ersten Reiches solch ein Neues gewollt und mit dem Zweiten Reich das protestantische Kaisertum geschaffen, das einen zweiten dreißigjährigen Krieg auf sich zog und damit seine weltgeschichtliche Bedeutung bewies. Die Entthronung des protestantischen Kaisers und die Verstümmelung seines Reiches haben die Märtyrer geschaffen, welche die legendären Grundlagen der neuen Ordnung eines Europas der freien Nationen bilden werden.

Das protestantische Kaisertum der Hohenzollern war in Deutschland aber nur als abstrakte Idee vorhanden, war wirklich nur im Prinzip, nur als Anfang. Die Bedingungen seines Entstehens, die geschichtliche Altlast des zugrundegegangenen Millenniums der deutschen Geschichte schwächte den Neuanfang. Österreich und damit das geschichtliche Denkmal des alten, katholischen Kaisertums war nicht überwunden und daher auch vom Zweiten Reich ausgeschlossen worden. Ebenso wurde kein Versuch gemacht, die Sezessionsstaaten des Alten Reiches – die Schweiz und die Beneluxländer – aufzunehmen. Es blieb somit nicht nur die Idee der Nation, sondern auch die des Reiches unverwirklicht, was sich zusammenfaßt im Nichtvorhandensein eines deutschen Königs. Weil nur Preußen, Sachsen usw. Königreiche waren, nicht aber der geschlossene Siedlungsraum des deutschen Volkes in Mitteleuropa zum Königreich Deutschland vereinigt wurde, mußte der Kaiser seinen Titel und die deutsche Nation ihre Reichsbildungspflicht gegenüber den Nachbarnationen verfehlen. Die Hohenzollern waren nicht Könige von Deutschland, also konnten sie nicht Kaiser von Europa werden.

An der Schwelle zum dritten Jahrtausend stellen sich Millenniumsfragen. Welchen Charakter soll das dritte Jahrtausend deutscher Geschichte haben? Was kennzeichnete die vergangenen zwei Jahrtausende? – Betrachten wir die Geschichte Deutschlands vom Jahre 9 bis zum Jahre 1990, so sehen wir sie in zwei Jahrtausende unterschieden. Die Zeit von der Schlacht im Teutoburger Wald bis zum ersten Sachsenkaiser (919) ist dem Entstehen der deutschen Großstämme, der Herausbildung des Althochdeutschen als neuer gemeingermanischer Sprache und insgesamt der Volkwerdung der Deutschen gewidmet. Das Gemeinsame aller Germanen, ihr Gemeinschaftsunternehmen der südlich gerichteten Landnahme und des jahrhundertelangen Kampfes gegen Rom, besondert sich in den Frontstämmen am mittleren Abschnitt, was zur dauerhaften Verortung der allgemeinen Aufgabe in Mitteleuropa führt. Deutschland ist bis heute der Ort der germanischen Allgemeinheit, so daß Deutschfeindlichkeit und Antigermanismus zusammenfallen. Die Zeit vom ersten Sachsenkaiser bis zum letzten deutschen Kaiser (919-1919) umfaßt dann die Staatsgeschichte und damit die Nationwerdung des deutschen Volkes, die auch von Ludwig dem Deutschen (843) bis zu Adolf dem Österreicher (1945) datiert werden könnte. Das charakteristische Prinzip des Ersten Reiches tritt schon im Jahre 800 mit der vom Papst usurpierten Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom hervor, wo die deutsche Staatsgeschichte als Geschichte der Übergriffe der geistlichen Gewalt gegen die weltliche begann und erst 1806 endete. Vom Deutschen Idealismus ausgehend, beginnt die Geschichte der neuen Reichsidee, die in Bismarcks Gründung eines protestantischen Kaisertums ihren ersten Realisierungsversuch erlebte, der in einer Leidens- und Märtyrerzeit endete, einer weltweiten Deutschenverfolgung, die von 1914 bis 1990[1. Das erwies sich leider als eine viel zu optimistische Einschätzung.] dauerte.

III

Wie soll jetzt die deutsche Geschichte weitergehen und wie die europäische? Wie soll sich die geistige Macht entwickeln und wie die weltliche Macht?

Die deutsche Geschichte kann nur als Politik der schrittweisen Wiedervereinigungen aller Teile Deutschlands fortgesetzt werden. Die derzeitigen Regierungen in Deutschland allerdings wollen das Gegenteil, nämlich die Beendigungen der deutschen Geschichte und ihre Ersetzung durch EG-Geschichte. Sollte es gelingen, mit dem Einheitsmarkt und der EG als politischer Union ein neues Einheitsreich des karolingischen Typs auf die Beine zu stellen, ist dessen baldiger, von schweren sozialen Erschütterungen begleiteter Zerfall ebenso unausweichlich wie die Teilung des Reiches Karls des Großen es gewesen war.

Kern und Voraussetzung jeder echten Einigung Europas ist die Wiedervereinigung aller deutschen Stämme und Landschaften zu einem Königreich Deutschland. Die Wiedervereinigung des westlichen und mittleren Teiles begann, als die mitteldeutschen Flüchtlinge über Ungarn kamen und in Österreich wieder deutschen Boden betraten – eine Tatsache von höchster symbolischer Bedeutung. Die Wiedervereinigung sollte fortgesetzt werden durch eine Vereinigung Österreichs mit der Schweiz zu Bergdeutschland, dann mit den Beneluxländern und dem erweiterten Bundesdeutschland zum Königreich Deutschland. Dieses kann dann mit anderen europäischen Nationen je nach innerem Verwandtschaftsgrad Reichsbildungen der verschiedenen Formen eingehen. Entscheidend wird sein, daß die europäische Reichsbildung eine organische Völkerrechtsordnung darstellt und den Völkern Europas keine Einheitsgesellschaft aufzwingt, die ihre Souveränität zerstört.

Die künftigen deutschen Wiedervereinigungen sollen kein Anschluß und auch kein Beitritt sein, sondern wirkliche innere Vereinigungen der jeweiligen Landschaftsräson zu einem neuen Gesamtverstand Deutschlands. Deutschösterreich bewahrt nicht nur die Insignien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, vor seinen Grenzen warten auch die südosteuropäischen Nationen, die dem Reich wieder angehören möchten – um ihres eigenen Wohles willen. Österreich bewahrt also das erste Jahrtausend deutscher Staatlichkeit, es überliefert die alte Reichsidee des katholischen Kaisertums durch sein bloßes Dasein. Die Schweiz dagegen hat Idee und Wirklichkeit der urgermanischen Landsgemeinde, die Einheit von Wehr- und Rechtsfähigkeit bewahrt, zudem Reste der burgundischen und norditalienischen Reichsangehörigkeiten. Ein einiges Bergdeutschland wird es nicht geben ohne die Wiederaneignung dieses partikularisierten deutschen Erbes. Die Österreichisierung der Schweiz ist ohne gleichzeitige Tellisierung Österreichs undenkbar.

Der Gegenbegriff zu Bergdeutschland ist Taldeutschland, dessen tiefste Gegend die Niederlande sind. Mit den Niederlanden ist Deutschland die Seemacht und die maritime Sichtweise insgesamt entfremdet worden, wodurch es Opfer des globalen Interventionismus maritimer Weltmächte werden konnte. Ferner ist die niederländische Sprache ein Alternativdeutsch, ein Platthochdeutsch, also ein Hochdeutsch, das nicht aus der mitteldeutschen Mundartengruppe entwickelt wurde, sondern aus der niederdeutschen. Die holländisch-flämische Sprache ist somit als gesamtdeutsches Kulturgut anzueignen, das von vornherein die mögliche Entwicklung einer hochdeutschen Sprache aus dem oberdeutschen Dialektkreis austariert.

Die Wiedervereinigung Berg- und Taldeutschlands vollzieht sich zuallererst auf geistigem Grunde, ist eine wechselseitige Anerkennung, Aneignung und anverwandelnde Verallgemeinerung der partikularen Prinzipien deutscher Siedlungsräume. Ihr spiritueller Kern kann nur die germanische Glaubensgemeinde in einer deutschen Reichskirche sein. Das Luthertum war nur die erste, christlich-traditionelle Fassung dieser germanisierten Kirche, deren philosophische Fassung der Deutsche Idealismus ist. Er bringt das geschichtliche Prinzip der Germanen – Freiheit und Treue – auf den Begriff.

Die künftigen Religionen der Deutschen mögen schwarzer Katholizismus, roter Protestantismus, grüne Naturfrömmigkeit und blasser Wissenschaftsglaube sein, – entscheidend ist ihre gemeinsame Verfassung als germanische Gemeinde. Jede künftige deutsche Glaubensgemeinde muß immer eine Landsgemeinde geistlicher Privateigentümer sein, also eine Versammlung solcher, die auf ihre Facon selig werden und also einen Glauben haben, der der ihrige ist. Dagegen hatten im Altertum die Menschen den Staatsgöttern zu opfern, wie sie dem Staat zu gehorchen hatten. Über die Götter selber konnte man sich lustig machen. In der germanischen Religiosität ist der Glaube des Einzelnen sakrosankt wie sein weltliches Privateigentum. Eine Pflicht zum öffentlichen Kultus gibt es nicht, aber Gotteslästerung ist ein Straftatbestand, der das geistige Privateigentum jedes Einzelnen ebenso beleidigt, wie der Satz vom Eigentum als Diebstahl jedes weltliche Privateigentum angreift.

Das künftige deutsche Reichskirchengesetz muß also ein germanisches Geistesverfassungsrecht sein, das zuvörderst den Glauben der Gläubigen, ihr geistliches Privateigentum, schützt. Jede Gemeinde ist dann freie Glaubensgemeinde und jedes weltliche Gemeinwesen ein Verein freier Menschen und keine Zwangsgemeinde. Damit erst ist die geistige Herrschaft der Antike beendet und jede Form des spirituellen Cäsarismus auch innerhalb des katholischen Glaubens überwunden und der Konzilsbewegung zum Sieg verholfen.

Die europäische Ordnungsaufgabe des wiedervereinigten deutschen Volkes besteht lediglich darin, daß Deutschland ein vorbildliches germanisches Gemeinwesen wird, also zu sich selbst kommt. Die anderen germanischen Nationen werden sich zu diesem geistigen, politischen und wirtschaftlichen Ordnungskern Europas in eine engere Beziehung setzen, die slawischen und romanischen Nationen in eine weitere oder nur andersartige Beziehung und dadurch ein völkerrechtliches Ordnungsgefüge herstellen, das sich fähig zeigt, gegen raumfremde Mächte ein Interventionsverbot durchzusetzen. Das Europäische Reich entsteht durch freiwillige Zuordnung der europäischen Nationen zum Kernvolk Europas, das aber selber erst wieder kernig werden und eine ganz neue innere Festigkeit gewinnen muß.

Instrumente dieser europäischen Völkerrechtsordnung wären die Freihandelszone (EFTA), die Verteidigungsgemeinschaft (EVG), die europäische Außenpolitik (EAP) und für die germanischen Nationen außerdem noch der Währungsverbund sowie die sozial- und wirtschaftspolitische Union. Europas künftige Ordnung soll als Einheit des Mannigfaltigen, als Bau eines gotischen Domes ausgeführt sein und nicht als Tempel des Mammons.

Ein derart neugeordnetes Europa wird wieder Machtzentrum der Welt sein. Solch ein kommendes Machtzentrum kann aber ganz leicht Angriffsziel der ganzen Welt werden, wenn von ihm nicht rechtzeitig überzeugende Ideen der Weltordnung ausgehen. Als europäisches Weltordnungskonzept schlage ich daher eine Neuordnung der Welt nach Reichsprinzipien vor, die völkerrechtlich zu normieren sind und zugleich als Kategorien einer Sicherheitsordnung gelten. Grundidee dieser Neuordnung als Sicherheitsordnung ist die Einziehung globalstrategischer Wände in unseren Erdraum und ihre völkerrechtliche Normierung als tragende Teile des Bauwerks der Weltsicherheit.

Die globalstrategische Wand als völkerrechtliche Leitnorm der neuen Weltordnung ist aus mehreren Ordnungsbegriffen aufgebaut, die als völkerrechtliche Folgenormen zu fixieren sind: die Sicherheitszone, der Gestaltungsraum, der Subkontinent, die Einflußsphäre und der Konfliktraum von Mächten.

Unter Mächten seien verstanden Staaten, Nationalstaaten und Reiche. Fassen wir als Staat im äußeren Sinne jedes Rechtssubjekt, das das Recht zum Kriege hat, also von anderen Subjekten des Völkerrechts als ihresgleichen anerkannt ist, somit als formelles Völkerrechtssubjekt, so folgt, daß ein Nationalstaat ein reelles Völkerrechtssubjekt ist, dessen Naturalform oder Subjektsubstanz wirklich ein Volk ist, also die prozessierende Gemeinschaft von Abstammung, Sprache und Schicksal. Reiche hingegen sind Mächte, die aus einem reichsbildenden Volk und aus reichsangehörigen Völkern bestehen und also von einer Völkergemeinschaft bewohnt werden.

Reiche sind unterscheidbar nach der inneren Verfaßtheit ihrer Völkergemeinschaft. Besteht bloß der tatsächliche Unterschied von unterworfenen reichsangehörigen Völkern zum unterwerfenden reichsbildenden Volk, so handelt es sich um bloße Völkerreiche; typischerweise sind dies Großreiche, die im Innern als Einheitsreich verfaßt sind; deren Bewohnerschaft bildet ein explosives Völkergemisch, das durch Gewalt, Gleichmacherei und Primitivierung zusammengehalten werden muß. Reiche können aber auch als Staatenreiche verfaßt sein, worin die Einwohner im reichsbildenden Staat und in den reichsangehörigen Staaten organisiert sind. Die nächsthöhere Form des Reiches ist das Nationenreich, worin der reichsbildende Staat wie die reichsangehörigen Staaten organischer Nationalstaat (reelles Völkerrechtssubjekt) sind, keineswegs aber heterogene Staatsnation wie z.B. Frankreich oder Großbritannien. Die Sowjetunion war solch ein Nationenreich auf dem Papier. Denkbare Formen des Nationenreiches sind das Völkerfamilienreich, wie es dem Panslawismus vorschwebte, oder das Völkersippenreich, das hinter arischen Ordnungsideen aufleuchtete.

Alle Mächte haben das natürliche Bestreben, um sich herum eine Sicherheitszone zu legen, eine Einflußsphäre zu gewinnen, in einem Gestaltungsraum tätig zu sein und gegebenenfalls in einem begrenzten Konfliktraum ihre Interessen gegen fremde Ansprüche zu verteidigen.

Als völkerrechtlicher Gestaltungsraum Nordamerikas ist seit der Monroe-Doktrin Mittel- und Südamerika definiert; dieser Gestaltungsraum ist gewissermaßen senkrechter Natur, weil Subkontinent der gestaltenden Macht. Subkontinentale Gestaltungsräume sind richtige und daher haltbare Ordnungen, weil hierbei der nördliche Teil der Hemisphäre den südlichen führt, das Obere und das Untere im rechten Verhältnis zueinander stehen. Weltordnung wie Weltkarte sind dabei richtig ausgerichtet, nämlich genordet.

Die geostrategischen Achsen sind heute zu den Breitengraden hin verdreht; Nord-Süd ist eine Ordnungslinie, Ost-West aber eine Konfliktlinie. Die Verdrehung entstand durch die machtpolitische Ausschaltung Europas und die globalstrategische Degradierung Rußlands; erst die Afghanistan-Intervention hat Rußlands strategische Ordnungslinie sichtbar wiederhergestellt. Amerikas strategische Achse ist am extremsten ost-west-verdreht: nach Europa und Ostasien. Auch bei wohlgeordneten, subkontinentalen Gestaltungsräumen ist der ostasiatisch-pazifische Raum ein prädisponierter Konfliktraum, weil dort die derzeit niedergehende Welt und Großmächte mit aufstrebenden neuen Industriestaaten zusammentreffen und hier die Subkontinente geopolitisch nicht eindeutig sind.

Einflußsphären sind Einwirkungsmöglichkeiten einer Macht in das Gebiet anderer Mächte; diese Möglichkeiten sind auf ethnischen, sprachlichen oder kulturellen Verwandtschaften gegründet oder auch auf wirtschaftlichen Ausstrahlungen. So sind die baltischen Länder immer nordische Einflußsphäre geblieben, ebenso wie Elsaß-Lothringen deutsche Einflußsphäre. Das Österreich der Ära von Jalta bis Malta aber war etwas ganz Besonderes, nämlich eine doppelseitige Sicherheitszone für Rußland wie für die Westmächte und damit der historische Vorläufer zu der geostrategischen Wand Europa-Afrika.

In zehn Jahren spätestens[2. Klassischer Fall von revolutionärer Ungeduld.] wird Amerika, die derzeit (im Oktober 1990) einzige Weltmacht, dort angelangt sein, wo Rußland heute steht. Der Liberalismus Amerikas als älterer und erfolgreicherer Bruder des frühverstorbenen Kommunismus ist auch nur ein Kind des geistigen Cäsarismus. Die Sprößlinge dieser mumifizierten altrömischen Ideenfamilie haben den Völkern Europas tausend Jahre lang allerlei Geistesknechtschaft beschert. Aber dieses alte Abendland ist nun endlich in die ewige Nacht der Vergangenheit abgesunken.