Markt­wirtschafts­lehre Teil A

A.1 Die Kapitalherstellung

A.1.1 Ware – Geld – Kapital

Elementarform des marktwirtschaftlichen Reichtums ist die Ware. Die Ware ist der einfachste Begriff des Gegenstandes der Marktwirtschaftslehre (MWL). Die Zerlegung dieser Elementarform in ihre Formelemente ist folglich der Anfang der Darstellung des Systems der Marktwirtschaft.

Jede Ware ist ein (wirtschaftliches) Gut G, das den Wert W hat. Die Güter Gr sind qualitativ so mannigfaltig wie die menschlichen Bedürfnisse, die sie befriedigen können, und sind auf ebenso mannigfache Art quantifizierbar. Hingegen können die Werte Wr (r=1,2,...,n) nur größer oder kleiner sein, weil sie alle ein und die selbe Qualität darstellen: das Gesellschaftliche an den Gütern, die Verkehrsform der Naturalformen.

Jede Ware (G,W) ist also ein Gut G von einer bestimmten Wertgröße W. Der Ursprung der Ware (G,W) ist eine Warenproduzierende Arbeit (K,A): sie ist eine ganz bestimmte Konkrete Arbeit K (die schneidert, schustert, tischlert, usw.) mit einer näher zu bestimmenden Größe der Abstrakten Arbeit A, die bei jeder Konkreten Arbeit von gleicher Qualität ist und daher nur Größenunterschiede kennt. Was eine Ware (G,W)1 als Produkt, als erreichtes Ziel, das ist ihre Warenproduzierende Arbeit (K,A)1 als Prozeß, als angestrebtes Ziel.

Die Warenproduktion (K,A) ⇒ (G,W) ist die Einheit von Arbeitsprozeß K → G und Wertbildungs­prozeß A → W, also ((K → G),(A → W)) oder:

Formel Warenproduktion

Die Abstrakte Arbeit A1 ist die selbe Größe in dynamischer Form wie der von ihr produzierte Wert W1 in substantieller Form. A1 haftet untrennbar an der Konkreten Arbeit K1 wie W1 am Gut G1. Die Abstrakte Arbeit A1 ist gesellschaftlich notwendige Zeit der Konkreten Arbeit K1, d.h. ihre Markt­notwendigkeit, und diese kann größer, kleiner oder gleich sein der tatsächlich aufgewandten Zeit Konkreter Arbeit t(K1). Auch Eigenwirtschaften kennen den Unterschied von tatsächlicher und not­wendiger Arbeitszeit, aber in der Eigenwirtschaft ist diese Notwendigkeit keine der Gesellschaft (d.h. des Marktes), sondern eine der Gemeinschaft (d.h. der jeweiligen eigenwirtschaftlichen Einheit). Die Abstrakte Arbeit ist also eine gesellschaftlich notwendige, die im Nachhinein am Markt feststellt, welche Arbeitszeit in einer Branche Durchschnittsarbeit ist und wie groß die benötigte Gesamt­arbeitszeit ist, also das Gesamtangebot einer Warenart, dem eine zahlungsfähige Gesamtnachfrage gegenübersteht:

  • A1 := tnot(K1)
  • gesellschaftlich notwendige Zeit konkreter Arbeit.

Durchschnittsarbeit ist (in Wirtschaftsgemeinschaft wie in Wirtschaftsgesellschaft) Arbeit mit jeweils vorherrschender Intensität (dem Arbeitseifer) I(K) und Produktivität (der Arbeitswirkung) P(K). Beide Größen sind ausdrückbar in der Anzahl der je Arbeitszeit produzierten Güter, wenn die je andere Variable konstant gesetzt wird; bei gleicher Bedingung kann die Abweichung einer einzelnen Intensität oder Produktivität von ihrem Durchschnitt als Verhältnis der tatsächlichen Einzelarbeitszeit zur gesellschaftlich notwendigen ausgedrückt werden, z.B.:

  • I(K1) := tnot(K1) / t(K1)
  • Arbeitswirkung konstant P(K1)=,
  • P(K1) := x(G1) / t(K1)
  • Arbeitseifer konstant I(K1)=.

Die Änderung der Produktivkraft (Produktivität oder Arbeitswirkung) ändert die Wertgröße der ein­zel­nen Ware, also ihre gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, in umgekehrter Richtung, der pro Ar­beits­tag geschaffene Gesamtwert bleibt unverändert, weil die veränderte Arbeitswirkung die auf­ge­botene Arbeitsmenge unverändert läßt. Die Änderung des Arbeitseifers (Intensität) berührt nicht den Wert der einzelnen Ware, der pro Arbeitstag geschaffene Gesamtwert variiert gleichgerichtet, weil die aufgewandte Arbeitsmenge sich ändert.

Die gesellschaftliche Sphäre der Waren ist der Markt. Dort begegnet jede einzelne Ware den übrigen Waren und somit der Warenwelt. Die einfachste Form der gesellschaftlichen Beziehung zwischen Waren ist die Schätzung der Wertgröße einer Ware, ausgedrückt in den Gütern, die als Waren im Markt vorhanden sind und als Tauschgüter in Frage kommen. Diese Wertgrößenschätzung einer Ware ist die ein- oder mehrseitige Definition der Wertgröße einer Ware in dem Gut oder der Güter­menge einer anderen Ware und heißt Wertform. Wertformen sind 1. einfach, als Definition einer Wertgröße in einem fremden Gut, 2. total, als Definition derselben Wertgrößen in vielen anderen Gütern und 3. allgemein, als Definition der Wertgrößen aller Waren außer einer im Markt in dem Gut dieser einen Ware:

  • (W1 := G2)
  • einfache Wertform,
  • (W1 := G2...n) oder (W1 := G2) & (W1 := G3) &...& (W1 := Gn)
  • totale Wertform,
  • (W1...n := G0) oder (W1 := G0) & (W2 := G0) &...& (Wn := G0)
  • allgemeine Wertform,
  • (W1 := G0)
  • Preisform (einfach-allgemeine Wertform).

Die Wert­form ist die grund­legende Ent­faltung der Elementar­form, also der Waren­form, die sich in der Wer­tform auf höherer Stufe her­gestellt hat, nämlich als Ein­heit des Gutes einer fremden und der Wert­größe der eigenen Ware. Dieses fremde Gut ist das Äquivalent bzw. bei einfach-allgemeiner Wert­form der Preis. Die Ware, die durch die all­gemeine Wert­form zum all­gemeinen Äquivalent G0und danach in der Preis­form zum Preis gemacht wird, ist all­gemeine Ware oder Geld (G,W)0. Daraus folgt, daß es Geld und Geld­preise ohne Waren­austausch geben kann und daß ein Preis niemals ein Wert, sondern immer ein Gut ist. Der Preis ist wertlos, aber er verkörpert einen Wert. Das nun gebil­dete Geld aber ist eine öffentliche, eine privilegierte Ware, der das Monopol an der einfachen und der totalen Wert­form bleibt.

In der Preis­form figuriert das Geld als Wert­maß, als Wert­maßvor­stellung, als Wert­vor­stellungs­­maß, als Wert­vorstellungs­maßvor­stellung und als Preismaßstab, der entweder als Münze (Wert­norm-Gut) oder als bloßes Wert­zeichen (Wertnorm-Fiktiv­gut) auftritt. Wert­zeichen sind wiederum zu unterscheiden in Papier­geld (Norm­träger­zeichen mit Zeichen­norm) und in Buchgeld (Zeichen­­norm auf be­lie­bigem Zeichen­träger). Die Funktionen des Geldes in der Preis­form sind also insgesamt diese:

  • (W1 := G0)
  • Wertmaß,
  • (W1 := iG0)
  • Wert­maß­vor­stellung,
  • (iW1 := G0)
  • Wert­vorstellungs­maß,
  • (iW1 := iG0)
  • Wert­vor­stellungs­maßvor­stellung,
  • (W1 := x(G0)=)
  • Prei­smaßstab (Münze),
  • (W1 := xi(G0)=)
  • Preis­maßstab (Wertzeichen),
  • (W1 := x (iG0)=)
  • Wert­zeichen (Papiergeld),
  • (W1 := (x)=i(G0)=)
  • Wert­zeichen (Buch­geld).

Der Warenaustausch vollzieht sich, wenn seine Bedingungen erfüllt sind:

  • zwei zusammengehörige Wertformen und
  • die Nichtidentität der beiden Güter G1 und G2 und
  • die Gleichheit der beiden Wertgrößen W1 und W2 sowie
  • der wirkliche Händewechsel der Güter G1 und G2 als ihr Realtausch:

[(G,W)1 = (G,W)2] → [(W1 := G2) & (W2 := G1) & (G1 ≢ G2) & (W1 = W2) & (G1 = G2)].

Geld muß seinen Aufgaben nach dreifach betrachtet werden:

  • Geld als Ware,
  • Geld als Geld und
  • Geld als Kapital.

Als Ware unterliegt das Geld allen Zwängen der Waren­pro­duktion, der Wert­bildung und der Waren­­welt, also des Marktes. Für alle Austausch­prozesse zwischen Geld- und Warenbesitzern gelten die Bedingungen des Waren­aus­tausches überhaupt. Als Geld ist das Geld eine privilegierte Ware, die öffent­liche Funktionen in der Wirtschafts­gesellschaft erfüllt. Als Kapital endlich hat sich das Geld von einem Mittel zum Zweck schlechthin emanzipiert.

Weil das Geld als Geld Maß aller Werte ist, dient es in seiner stofflichen Gestalt als Mittel der Wert­­auf­bewahrung, somit als Reserve- oder Schatz­bildungs­mittel . Neben der Schatz­bildungs­­funk­tion erfüllt das Geld als Geld die Auf­gaben des Zirkulations­mittels, indem es den Aus­tausch zweier Waren vermittelt, und des Zahlungs­mittels, als das es sich von sich selbst unterscheidet und sich in Zahlungs­ver­sprechen (0,0)0 und wirk­liches Zahlungs­mittel (G,W)0 verdoppelt:

  • (G,W)1 = (G,W)0 = (G,W)2
  • Zirkulationsmittel,
  • (G,W)1 = (0,0)0 = (G,W)0
  • Zahlungsmittel.

Kapital C entsteht durch Umkehrung der Zir­kulations­mittel­funktion des Geldes,

C := ((G,W)0 = (G,W)1 = '(G,W)0) ,

ist also der doppelte Aus­tausch von Geld gegen Ware und von Ware gegen mehr Geld, wobei so­wohl die allgemeine Aus­tausch­bedingung

W0 = W1 = 'W0

gilt, als auch die speziellen Aus­tausch­bedingungen des Geldes als Kapital,

W0 < 'W0 und G0 < 'G0

so daß die Ungleichheit von W1 mit sich selber folgt. Ein mit sich selbst ungleicher Wert ist aber keine statische Größe, sondern ein Wert­bildungs­prozeß, oder, bei einem schon gebildeten Wert, dessen Verwertungs­prozeß.

Erwerb und produktive Konsumtion der Ware Arbeits­kraft (G,W)v ermöglicht die Erfüllung aller Aus­tausch­bedingungen des Geldes als Kapital C:

Kapital C als Prozeß - Bild 1

Die Differenz aus Arbeitskraftwert Wv und Produktwert W1 ist der Mehrwert Wm. Der Preis dieses Mehrwerts ist das Mehrgeld G0.m = 'G0 — G0.


A.1.2 Mehrwert und Mehrwertwachstum

Kapital C teilt sich normalerweise in Humankapital Cv (variables Kapital) und in Sachkapital Cc (kon­stantes Kapital), weil die Arbeit der Mittel, Gegen­stände und Hilfs­stoffe bedarf. Der Wert des Sach­kapitals wird durch die Konkrete Arbeit K1 auf das Produkt (G,W)1 übertragen, und den Neuwert (= Arbeits­kraft­wert Wv + Mehrwert Wm) bildet die Abstrakte Arbeit A1. Der Teil des Geldes, der als Sach­kapital eingesetzt wird, verwandelt sich in Produktions­mittel (Herstel­lungs­mittel) (G,W)c, deren Wert sich insoweit und insofern als übertragener Wert Wc im Produkt­wert W1 wie­der­findet, als von den Herstellungs­mitteln ein gesellschaftlich not­wendiger Ge­brauch in der Kon­kre­ten Arbeit K1 gemacht wurde:

C := (G,W)0 = (G,W)v+c &
A1 Wv+m & W1 = Wv+m+c
G v := Wc
K1 Gc G1
& (G,W)1 = ‘(G,W)0 & W0  ‘W0.

Das Verhältnis des Mehrwerts zum Arbeitskraftwert ist die Mehrwertrate Wm /Wv oder Wm/v oder m/v. Die Mehrwertrate ist der Ausbeutungsgrad der Arbeitskraft. Multipliziert mit dem Human­ka­pi­tal ergibt die Mehrwertrate die Mehrwertmasse CvWm/Wv. Sie ist die Ausbeute des Kapitalisten als Er­werber und Anwender der Arbeitskraft.

Der Kapitalist muß auf Mehrwertwachstum bedacht sein. Dies kann als absolutes und als rela­ti­ves Mehrwertwachstum sich vollziehen. Absolut ist es, wenn der Mehrwert durch Verlängerung des Ar­­­beitstages T und damit Erhöhung des täglichen Produktwertes W bei gleichbleibendem Arbeits­kraft­wert Wv (und des entsprechenden Teilarbeitstages Tv) wächst; relativ ist das Mehrwert­wachs­tum, wenn der Arbeitstag T und damit der tägliche Gesamtproduktwert W gleichbleibt und der Mehr­­wert auf Kosten des Arbeitskraftwertes Wv>und damit des entsprechenden Teilarbeitstages Tv steigt.

(Wm)< = (Wv)= + W< absolutes Mehrwertwachstum

(Wm)< = (Wv)> + W= relatives Mehrwertwachstum

Der Kapitalist sucht den Arbeitstag zwecks absolutem Mehrwertwachstum soweit wie möglich aus­zu­dehnen, der Arbeiter hingegen will ihn auf den notwendigen Arbeitstag, der den bloßen Wert seiner Arbeitskraft hervorbringt, verkürzen. Daraus folgt der Kampf um den Normalarbeitstag als Form des Klassenkampfes innerhalb des Kapital-Prozesses zwischen Geldverkäufern und Kraft­ver­käu­fern. Ist der Normalarbeitstag traifvertraglich oder gesetzlich fixiert, bleibt dem Kapitalisten nur die Methode des relativen Mehrwertwachstums. Dessen erste Erscheinung ist die Lohnsenkung, die aber bald an historisch-moralische und sogar an biologische Schranken stößt. Die zweite Erscheiung der relativen Steigerung des Mehrwerts ist die Erhöhung der Arbeitswirkung (Produktiv­kraft­stei­gerung), durch die der Arbeitskraftwert ebenfalls sinkt, aber die Gütermenge dieses sinkenden Wert­teils (also das Güterbündel, aus dem der Arbeiter seinen und seiner Familie Lebensunterhalt bestrei­tet) gleichbleiben oder sogar steigen kann. Ein wachsender Güter-Wohlstand der Arbeiter ist also am leich­testen durch eine rasche Wert-Verelendung zu erreichen.

Zwischen den Einzelkapitalen C1...n (Unternehmen), die innerhalb einer Branche die Warenart (G,W)1 herstellen, entsteht ein Wettlauf (Konkurrenz) um ein relatives Mehrwertwachstum. Wenn der Marktführer C1 die Produktivität seines Unternehmens über diejenige seiner Konkurrenten C2...n steigert, dann steigt sein Warenausstoß und derjenige der Restbranche bleibt gleich, das Gesamtan­ge­bot der Warenart steigt dank des Marktführers ebenfalls. Bei stabilem Geldwert sinkt dann der Wert der Einzelware und ihre Preise sinken, die Preissumme steigt beim Marktführer und sinkt bei der Rest­branche. Der Marktführer hat einen Teil seines Produktivitätsfortschritts an die Kunden als Preis­­senkung weitergegeben, einen anderen Teil aber als Extra-Mehrwert preislich realisiert, so daß sein Mehrwert größer ist als im Durchschnitt der Branche. Dies veranlaßt die Restbranche, den Pro­duk­tivitätsfortschritt des Marktführers einzuholen, wodurch dessen Extra-Mehrwert verschwindet und ein neuer Branchenführer als Schrittmacher in der Erhöhung der Arbeitswirkung auftreten kann.

Prduktivitätsfortschritt

Weitere Methoden, relativen Extra-Mehrwert durch höhere Arbeitswirkung zu erzielen, sind Koop­eration (Gemeinschaftsarbeit), Arbeitsteilung, Manufaktur und Fabrik (große Industrie). Betriebs­ge­meinschaftsarbeit Kcoop wird möglich, wenn mehrere Arbeitskräfte von einem Kapitalisten angeheuert und gemeinschaftlich verwendet werden. Die Gemeinschaftsarbeit der betrieblichenArbeiter­gemein­schaft qK (Arbeiter q = 1,2,...,n ) hat vier Wirkungen. Es entsteht Massenproduktivkraft, Massen­in­ten­sität, Sacheinsparung und Leitungsarbeit:

Wenn qK dann
P(Kcoop) & Massenproduktivkraft
I(Kcoop) & Massenintensität
(Wc/1)> & Sacheinsparung
K1.F Leitungsarbeit der Gesamtarbeit K1

Eine Wirkung der Gemeinschaftsarbeit (Kooperation) ist die betriebliche Arbeitsteilung in der Manu­faktur, deren Teilvorgänge nebeneinander als Bündel und nacheinander als Zug angeordnet sein können:

Arbeitsteilung

Die Sach- oder Herstellungsmittel Gc unterscheiden sich in Arbeitsmittel Gc.fix und Arbeits­gegen­stände G c.zir:

Sachmittel

Das Arbeitsersatzmittel c.K (Maschine) besteht aus Antriebsmaschine c.K1, Übertragungsmaschine c.K2 und Werkzeugmaschine c.K3. Die Konkrete Arbeit K endet an der Maschine, die der Mensch nur bedient. Der Maschinenprozeß ist folgender:

Maschinenprozeß

Die Manufaktur ist eine Werkstatt, deren Elementarvorgänge aus zerlegten und neu zusam­men­ge­setzten Arbeitsprozessen bestehen. Die Fabrik ist eine Werkstatt, deren Elementarvorgänge von ana­ly­sierten und neu synthetisierten Naturprozessen, also von Maschinen oder Arbeitsersatzmittel voll­bracht werden. Die einfachste Fabrik beruht auf der mechanischen Maschine, in der ein Hand­hab­ungsgerät das Arbeitsmittel (Werkzeug) an einen Arbeitsgegenstand heranführt und ihn verändert. Die mechanische Fabrik vervollkommnet sich in den elektromechanischen, den elektronischen, den wellen- und den quantenmechanischen Maschinen. Mit der Stoffbildungsmaschine

K'→G(c.zir↔c.zir)→G'

entsteht die chemische Fabrik, in der der Arbeitsgegenstand als Rohstoff zum führenden Moment wird. In der biologischen Fabrik wirken Lebensprozesse auf andere Lebensprozesse, um neue Le­bens­prozesse hervorzubringen; der sich selbst erhaltende Prozeß (Leben) ist das souveräne Moment dieses Maschinentyps. In philosophischen Fabriken endlich wird die Vernunft, die Frage nach dem Ziel aller Natur-, Arbeits- und angeeigneten Naturprozesse (Teleologie), zur Aufgabenstellung ihrer spe­ziellen Maschinenbauer, weshalb sie einerseits Denkfabriken und andererseits Bildungsfabriken sind. In Denkfabriken sind die Denkersatzmittel die Theorien, an denen mittel- oder unmittelbare Gedanken als Begriffe (Denkmittel) oder als Ideen (begriffene Begriffe oder Tatgedanken) oder als Ge­dankensysteme (Theorien) produziert werden können. In Bildungsfabriken wird den Arbeits­kräf­ten die Bedienung von Maschinen oder Theorien durch den Betrieb derselben beigebracht; das Ar­beits- oder Denkersatzmittel wird hier wieder zum einfachen Werkzeug, nämlich zum Bildungsmittel, und die Bildungsfabrik wird wieder zur Bildungsstätte, also zur pädagogischen Werkstatt, in der die Arbeitskraft geschaffen wird, die als ersetzbare die Lebensgrundlage der Ersatzmittel ist.

Die Wertübertragung der Maschine auf eine von ihr erzeugte Ware ist das Multiplikationsprodukt aus Maschinenwert, Herstellungszeit dieser Ware und Veraltungsfaktor, geteilt durch die Lebens­dauer der Maschine. Marktwirtschaftlich anwendbar sind Maschinen in Herstellungsprozessen dann, wenn sie gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit einsparen, also der Neuwert größer ist als der Ma­schinenwert. Weil unter kapitalistischen Verhältnissen nicht der Neuwert, sondern nur der Anteil, den der Arbeitskraftwert an ihm hat, gezahlt werden muß, verschärft sich das Kriterium der Wirt­schaftlichkeit: Maschinerie ist erst dann kapitalrationell einzusetzen, wenn der Maschinenwert kleiner als der ersetzte Arbeitskraftwert ist.

Die Maschinenabschreibung folgt der Formel:

W(c.K)t(G1)d/t(c.K),
wobei (d≤1, Veraltensfaktor, „moralischer Verschleiß“).

Das Wachstum des Mehrwerts hängt mit dem Arbeitskraftwert zusammen und vom Arbeitstag, der Arbeitswirkung und dem Arbeitseifer ab. Mehrere Fälle sind zu unterscheiden:

1) Steigt die Arbeitswirkung (Arbeitstag und -eifer gleichbleibend), dann produziert ein konstanter Arbeitstag eine konstante Wertgröße, die aus sinkendem Arbeitskraftwert und steigendem Mehrwert besteht; die Warenmenge steigt, und der Wert des Einzelgutes sinkt.

2) Sinkt die Arbeitswirkung (Arbeitstag und -eifer gleichbleibend), dann produziert ein konstanter Arbeitstag eine konstante Wertgröße, die aus steigendem Arbeitskraftwert und sinkendem Mehrwert besteht; die Warenmenge sinkt, und der Wert des Einzelgutes steigt.

3) Steigt der Arbeitseifer (Arbeitstag und -wirkung gleichbleibend), dann steigt die produzierte Warenmenge; der Wert pro Arbeitstag steigt, und der Wert des Einzelgutes bleibt gleich.

4) Sinkt der Arbeitseifer (Arbeitstag und -wirkung gleichbleibend), dann sinkt die produzierte Warenmenge; der Wert pro Arbeitstag sinkt, und der Wert des Einzelgutes bleibt gleich.

5) Bei sich verkürzendem Arbeitstag (Arbeitseifer und -wirkung gleichbleibend) sinkt die Wertgröße, die aus gleichbleibendem Arbeitskraftwert und sinkendem Mehrwert besteht.

6) Bei sich verlängerndem Arbeitstag (Arbeitseifer und -wirkung gleichbleibend) steigt die Wertgröße, die aus gleichbleibendem Arbeitskraftwert und steigendem Mehrwert besteht.

Mehrwertwachstum nach Arbeitstag T, Arbeitswirkung (Produktivität) P(K) und Arbeitseifer (Intensität) I(K):

T= & I(K1)= & P(K1)< → ((W/T)= = ((Wv/T)> + (Wm/T)<)) & W>(G1)

T= & I(K1)= & P(K1)> → ((W/T)= = ((Wv/T)< + (Wm/T)>)) & W<(G1)

T= & I(K1)< & P(K1)= → (x<(G,W)1/T) & (W/T)< & W =(G1)

T= & I(K1)> & P(K1)= → (x>
(G,W)1/T) & (W/T)> & W =(G1)

T> & I(K1)= & P(K1)= → ((W/T)> = ((Wv/T)= + (Wm /T)>))

T< & I(K1)= & P(K1)= → ((W/T)< = ((Wv/T)= + (Wm /T)<)).


A.1.3 Arbeitslohn, Kapitalwachstum und Kolonisation

Die Wa­re Ar­beits­kraft wird stun­den-, ta­ge-, wo­chen- und mo­nats­wei­se ver­mie­tet. Die Na­tu­ral­form der Ar­beits­kraft wird quan­ti­fi­ziert nach ih­ren Nut­zungs­pe­ri­oden, und so er­scheint der Preis der Ar­beits­kraft als Preis der Ar­beit und da­mit als Ar­beits­lohn. Auf die­se Wei­se ent­steht der un­ei­gen­t­­li­che Ar­beits­lohn L der Ar­beit­neh­mer, und der Ver­tei­lungs­kampf zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­­neh­mer er­scheint als Ge­gen­satz von Ka­pi­tal und Ar­beit. Die­ser Schein ver­kehrt das We­sen, weil die un­­­be­zahl­te Mehr­ar­beit, die im Mehr­wert steckt, aus dem Blick ver­schwin­det und al­le Ar­beit als be­­zahlt er­scheint.

Grundform des Arbeitslohnes ist der Zeitlohn und seine Derivate sind Stücklohn, Prämienlohn und Laufbahnlohn. Grundform dieser Mystifikationen sind die Arbeitswerte (K,W):

x(Gv) →Gv/t
= K/t & W(x(Gv)) = W(K/t) → (K,W)/t Zeitlohn
= K/G1 → (K,W)/G1 Stücklohn
= K/G1.r → (K,W)/G1.r Prämienlohn
= K/T → (K,W)/T Laufbahnlohn
wobei T = Lebensarbeitszeit.

Kapital muß wachsen, um zu überleben. Kapitalwachstum C< (Akkumulation, Konzentration) findet statt, wenn der Mehrwert m teilweise in Zusatzkapital m.C verwandelt wird und zum Verzehr des Kapitalisten nur eine Revenue m.R bleibt, so daß jeder Mehrwert in m = m.C + m.R aufgeteilt wird. Das Verhältnis von Zusatzkapital zum Mehrwert ist dann die Akkumulationsrate m.C/m. Bei ge­ge­be­­ner Ak­ku­mu­la­ti­ons­ra­te wach­sen grö­ße­re Ka­pi­ta­le schnel­ler als klei­ne­re. Al­so Kon­zen­tra­ti­on hei­ßt Ka­pi­tal­wachs­tum, Zen­tra­li­sa­ti­on hin­ge­gen be­deu­tet Fu­si­on, die Zu­sam­men­fas­sung meh­re­rer Ka­pi­ta­le zu ei­nem Ka­pi­tal.

Jedes Kapital besteht aus Sach- und Humankapital. Das Teilkapitalverhältnis c/v heißt Kapital­zu­sam­mensetzung, die als technische und als Wertzusammensetzung betrachtet werden kann. Spiegelt die Wertzusammensetzung die Änderungen der technischen wider, heißt sie organische Kapitalzu­sam­men­setzung:

C(Gc/v)< →C(Wc/v)< = C((G,W)c/v)<.

Kapitalwachstum (Akkumulation) C<, Löhne L bzw. (Wv := x(G0)=) und Beschäftigungsrate p(K/G v) hängen in einer Volkswirtschaft wie folgt zusammen: Steigt das Gesamtkapital durch Akkumulation, dann steigt auch sein variabler Teil, der eine erhöhte Zahl von Arbeitskräften nachfragt, und die Löhne, d.h. die Preise der Arbeitskräfte, steigen. Damit steigt auch die Wertsumme eines Teils der durch Maschinerie ersetzbaren Arbeitskräfte über die Wertsumme der sie ersetzenden Maschinerie. Das führt mit erhöhter Maschine-Mensch-Relation zu steigender organischer Zusammensetzung des Kapitals, zur Steigerung der Produktivkraft P(K) und zur Senkung der Beschäftigungsrate p(K/Gv) und also auch zur Erhöhung der Arbeitslosigkeit (Arbeitskraftreserve) p(Gv-K), was insgesamt einen Lohnrückgang L> und eine Erhöhung der Mehrwertrate (Ausbeutungsgrad) bewirkt und den Weg zu erneutem Kapitalwachstum freimacht:

C< → (Cv)< → (Wv := x<(G0)=) → ((Wv)< > Wc.K) → C((G,W)c/v)< → P(K)<p(K/Gv)>p(G v-K)< → (Wv := x>(G0)=) → (Wm/v)< → C<
usw.

Ar­beits­lo­sig­keit ist Fol­ge und Vor­aus­set­zung der Ak­ku­mu­la­ti­on. Die kon­so­li­dier­te Ar­beits­lo­sig­keit (in­dus­tri­el­le Re­ser­ve­ar­mee) ist um so grö­ßer, je um­fang­rei­cher das ge­sell­schaft­li­che Ge­samt­ka­pi­tal und sein mög­li­ches Wachs­tum sind.

Kolonisation ist die Ver­wand­lung von Pro­le­ta­ri­ern in Mit­tel­ständ­ler. Der Pro­le­ta­ri­er ist ei­ne freie Per­son oh­ne die zur Selbst­er­hal­tung sei­ner Fa­mi­lie nö­ti­gen Her­stel­lungs­mit­tel. Pro­le­ta­ri­er sind Pro­­­duk­­ti­ons­mit­tel­lo­se, sei­en sie nun Ar­bei­ter (sog. Ar­beits­platz­be­sit­zer) oder Ar­beits­lo­se; im Ex­trem­fall sind sie Ei­gen­tü­mer oh­ne Ei­gen­tum als äu­ße­rer Sphä­re der Frei­heit ih­rer Per­son. Die Grund­la­ge ei­ner dau­er­haf­ten Ko­lo­ni­sa­ti­on (sei sie aus­wär­ti­ge Land­nah­me oder in­ne­re Ko­lo­ni­sa­ti­on durch Pfle­ge ei­ner Kul­tur der Selb­stän­dig­keit) ist die Aus­stat­tung mit Grund­rech­ten, al­so un­ver­äu­ßer­li­chen Min­des­t­grun­d­­stü­cken, als Le­bens- und Her­stel­lungs­räu­men.