Europa und Amerika

  1. Europa ist die alte Welt, und es ist die Mitte der Welt. Amerika ist die neue Welt, und es ist der Rand der Welt. Amerika ist der Außenrand des atlantischen wie des stillen Ozeans, somit ist Amerika die doppelte Randständigkeit.
  2. Die neue Welt ist der Aus­wurf Eu­ro­pas, sie ist von der al­ten Welt ab­ge­fal­len. Ame­ri­ka ist der Ab­­fall Eu­ro­pas. Nach­dem Eu­ro­pa sau­ber­­ge­fegt wor­den war, sam­mel­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka Völ­ker­­­ab­fäl­le rund um den Erd­ball ein. Auf die­se Wei­se wur­de Ame­ri­ka zu dem, das es heu­te ist: ein die gan­ze Welt be­dro­hen­der, glo­ba­ler Ab­fall­hau­fen der Völ­ker, un­ter des­sen zer­stö­re­ri­schen An­­ma­ßun­gen und gif­ti­gen Aus­­­­düns­tun­gen der gan­ze Er­d­ball und der Rest sei­ner noch nicht ame­ri­ka­ni­sier­ten Men­sch­heit zu er­sti­cken droht.
  3. Das Deutsche Reich ist die Mitte Europas und somit die Mitte in der Mitte der Welt. Die Deutschen aller derzeitigen Reichs­zerteilungs­gebiete sind das Kraft­zentrum aller europäischen Talente und Tugenden. Schick­sal aller Deutschen ist es, das Kern­volk Europas zu sein, das aber in seinem heutigen Zustand erst selber wieder kernig werden muß.
  4. Das Russische Reich ist seit der Zerschlagung des napoleonischen Rußlandfeldzuges die Großmacht Europas. Iwan III. hatte im Ausgang des 15. Jahrhunderts (1480) die zweihundertjährige Mongolenherrschaft abgeschüttelt, Peter der Große vollendete die Aneignung Sibiriens bis zum Stillen Ozean und Katharina die Große hat dann im 18. Jahrhundert die ger­manischen Ursprungsgebiete Rußlands – die Ukraine und die Krim – zurück­erobert, die Tataren aus ihnen vertrieben und so das Werk der Europäisierung Rußlands vollendet.
  5. Durch die Kolonisierung Sibiriens hat das russische Volk den Raum der europäischen Kultur bis an die Westküste des Stillen Ozeans ausgedehnt. Die russische Kolonisierung Sibiriens war eine über Land, hin­gegen gingen die Kolo­nisierungs­bewegungen der westlichen Rand­mächte des Abend­landes über See. Erstere blieb bis heute geschicht­lich fest, letztere erwies sich als flüssig und ist in der Ent­kolonialisierungs­bewegung des 20. Jahr­hunderts versickert.
  6. Die Unter­werfung der alten Welt durch die neue Welt war der geschichtliche Ge­halt des 20. Jahrhunderts und die größte Tragödie des Abend­landes überhaupt. In zwei Welt­kriegen hat nur das Deutsche Reich mit seinen Ver­bündeten die Freiheit Europas verteidigt. Konnte im Ersten Weltkrieg die Mittel­macht noch an der Ost­front siegen und den Staaten Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Kongreß­polen und Ukraine die Un­ab­hängig­keit im Frieden von Brest-Litowsk ausbedingen, unter Ver­zicht auf Annektionen und Reparationen, so hat doch an der West­front das Deutsche Reich den Ersten Welt­krieg, der zu Recht die Ur­katastrophe Europas genannt wird, nicht gegen England und Frank­reich, sondern erst ab 1917 gegen die nord­amerikanische Union verloren. In dem euro­pä­ischen Unglücks­jahr 1917 begann nicht nur die amerikanische Invasion Europas, sondern eben­falls die Gegen­geschichte des Juden­staates mit der Balfour-Deklaration und zu allem Überdruß auch das Unglück Rußlands mit der judäo-bolschewistischen Macht­ergreifung, die keine Revolution war, sondern eine anti-kapitalistische Konter-Revolution, die eine asiatische Pro­­duk­tions­weise mit der ihr entsprechenden despotischen Herr­schaft über die Russen und die ihrem Reich an­gehörenden Völker errichtete.
  7. Die völlige Unter­werfung Europas durch Amerika geschah im Zweiten Welt­krieg mit der Zer­schlagung der europäischen Mitte. Die Vor­aus­­setzung dieser schlimmsten Nieder­lage Europas war das Ver­sailler Diktat mit seinen unendlichen Annektionen und Reparationen und dem völker­­rechts­­widrigen Kriegs­schuld-Vorwurf, der das Prinzip der Souveränität selber, das ius ad bellum, verraten hat, indem das Versailler Diktat dieses oberste Recht dem Deutschen Volke absprach.
  8. Der Krieg ist nicht nur, wie schon Clau­sewitz wußte, die Fort­setzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern auch die Fort­setzung der Ökonomie und der Ideologie mit außer­öko­nomischen und außer­ideologischen Mitteln. Diese anderen Mittel sind Gewalt­mittel. Dabei ist, wenn es zur Gewalt kommt, diese immer ein Mittel und nie der Zweck. Deswegen beschwören Kriegs­parteien stets den Frieden, denn der bloße Zweck ist stets ein fried­licher Genuß, und der ist um so unge­trübter zu erlangen, je weniger ihm gewalt­samer Wider­stand ent­gegen­gesetzt wird. Wenn jener, dem der Zweck entrissen werden soll, friedlich bleibt, kommt es auch nicht zum Krieg, weil nie der Angreifer die Schuld am Kriege trägt, sondern erst der uneinsichtige, gewalt­same Ver­teidiger. Weil der Krieg eine Form des gesell­­schaftlichen Ver­kehrs, deswegen ist er auch das Kriterium von Gesell­schaft, weil ihre letzte Instanz. Frieden gibt es nur innerhalb einer Gemeinschaft und nur solange, als diese nicht in mindestens zwei gesell­schaftliche Subjekte zerfallen ist. Eine fried­liche Gesell­schaft ist unmöglich und wäre, falls erzwungen, keine Gesell­schaft mehr, sondern eine Gemeinschaft. Der Krieg ist nicht nur Fort­setzer der Politik mit anderen Mitteln, sondern auch der Wirt­schaft und des Bewußt­seins. Daher ist alle Gesell­schafts­wissenschaft in letzter Instanz Kriegs­wissenschaft.
  9. Er­weiterungs­kriege sind Schadens­trachtungen, die die militärischen Ge­walt­­kriege vor­bereiten, begleiten oder nach­bereiten. Sie werden in den politischen, ökonomischen und ideologischen Räumen aus­ge­fochten und wenden den außer­militärischen Zwang der so­genannten In­telligenz­dienste an, deren Vorliebe für Presse, Er­pressung, Bestechung, Folter und Mord wahrlich kein Geheimnis ist. In den 1890er Jahren setzte der vorbe­rei­tende propagandistische Er­weiterungs­krieg gegen Reich und Volk der Deutschen bereits ein, und der nach­bereitende Er­weiterungs­krieg gegen alles Deutsche wurde auch nach dem 3. Oktober 1990 nicht etwa ab­geschwächt, sondern in zuvor un­vorstell­barer Weise verstärkt.
  10. Das Jahrhundert der Massen war das 20. Jahrhundert. Die Führer dieser Massen konkurrierten um den Titel des „welt­historischen Indivi­duums“. Historische Helden, die in diesem Wett­kampf zur Auswahl standen, waren die Volksführer Lenin, Stalin, Mao, Ho, Mussolini und Hitler. Lenin und seine Nach­ahmer waren die industriellen Re­volutionäre der asiatischen Geschichts­form, und Mussolini versuchte eine Restauration der antiken Geschichtsform; gemeinsam war ihnen die anti­kapitalistische Konter­revolution. Allein Hitler gelang die antikapitalistische Revolution der germanischen Geschichts­form in der von Marx und Engels vorher­gesagten Anfangs­form einer Diktatur des Pro­letariats, an der auch der Mittel­stand und die Schwer­industrie sich beteiligten. Dies gelang, weil die Deutschen das kulturell, sozial, ökonomisch und technisch höchst­entwickelte Volk der Welt waren und seine Er­rungen­schaf­ten selbst durch die militärische Nieder­lage und die darauf­folgenden Plün­derungen und Massen­morde nicht un­geschehen gemacht werden konnten.
  11. Die große Er­zählung von den glänzenden sozialen Er­rungen­schaften wie von dem helden­haften Kampf und Unter­gang des Dritten Deutschen Reiches ist heute schon zum un­verwüstlichen globalen Mythos geworden, wofür die in alle Welt verstreuten Tod­feinde dieses Reiches selber gesorgt haben. Die Juden, deren global-nomadischer Volks­geist nach dem Sieg über das Deutsche Reich sich definitiv 1948 (mit der Gründung Israels) zum regierenden Welt­geist auf­geschwungen hat, üben als Anti-Nation und Negativ-Exponenten der Gegen­geschichte die globale Hirt­schaft aus, mit den demolierten Völkern und den angetriebenen Migranten­strömen als ihren Herden. Die breite Masse der Mensch­heit erscheint heute nicht mehr als unter einer Herr­schaft in der Knecht­schaft befindlich, sondern als in der globalen Vieh­schaft von einer jüdischen Hirt­schaft getrieben, mit den nur allzu bekannten weltweiten Übeln.
  12. Die neue deutsche Mythologie, von den Denkern der deutschen Romantik seit dem klassischen Jahrzehnt der 1790er Jahre vorgedacht, entwickelte sich im hellen Lichte der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Mit dem Ende der Neuzeit in den 1830er Jahren bildete sich der erkenntnistheoretische Historismus heraus und schuf – in Kunst und Industrie, in Wissenschaft und Technik – die Gründungsmythen des besitz­bürgerlich-kapita­listi­schen Zeitalters. Und dann im 20. Jahrhundert, dem Zeitalter der Massen und ihrer Extreme, kann man sagen, daß in ihm weder der Konservativismus, der Liberalismus, der Kommunismus noch der Faschismus einen bleibenden und immer noch anschwellenden Mythos begründet hat, sondern allein der deutsche Nationalsozialismus. Er schuf die von den deutschen Romantikern (also den Germantikern) herbei­ge­sehnte neue deutsche Mythologie, die das Wunderbarste, das Helden­hafteste und auch das Schrecklichste zu erzählen weiß und sowohl Glauben als auch Unglauben fand und weiterhin findet. Diese große deutsche Erzählung ist ein seit unserer klassischen Zeit anschwellender Bocksgesang, eine überwältigende Tragödiendichtung, die die Völker der Welt in ergriffene Zu­schauer verwandelt hat.
  13. Neben den militärischen Heldentaten hat das Dritte Reich auch historische Großtaten vollbracht, denn es hat das geschicht­lich Gebotene angefaßt:
    (a) die von Polen geraubten deutschen Ostgebiete im September 1939 wieder in Besitz genommen,
    (b) in die von der asiatischen Geschichtsform (orientalischen Despotie) bestimmte und mit dem Auftrag der Welteroberung („Weltrevolution“) versehene Sowjetunion, deren riesige Militärmacht in An­griffsformation aufgestellt war, im Juli 1941 präventiv hineingestoßen, und es hat
    (c) der nordamerikanischen Union als der hinter der Sowjetunion stehen­den Macht den Krieg erklärt, der wirklich unvermeidbar war, der bis heute anhält und der erst mit der Auflösung der USA in reelle Nationalstaaten beendet sein wird. Denn Amerika ist heute noch die anti-völkische Un-Nation, die folgerichtig von der jüdischen Anti-Nation getrieben wird.
  14. Europas Nullität in geistiger und politischer Hinsicht besteht seit 1945, als das Deutsche Reich in die Handlungsunfähigkeit geschlagen worden war. Sie beschleunigte sich mit dem Aussterben der Kriegsgeneration von Jahrzehnt zu Jahrzehnt und liegt heute offen zutage. Der Anschluß des reaktiven sowjetischen Besatz­ungskonstrukts DDR an das initiative Reichszerteilungsgebiet BRD hat die inneren Spannungen zwischen Mittel- und Westdeutschen verständlicherweise verstärkt. Die Westdeutschen, insoweit sie dem Besatzungskonstrukt BRD verhaftet bleiben, sind den Mitteldeutschen zwar ebenbürtig, aber nicht ebenwürdig, weil sie ihre Besatzungsmacht nicht hinauskomplimentiert und die BRD noch nicht abgewickelt haben. Solange dies nicht geschehen ist, können die der BRD verhafteten Westdeutschen eine Meinungsfreiheit und eine Selbstbe­stimmung noch nicht bean­spruchen. Die Österreicher hin­gegen sind den mitteldeutschen Altreichern sowohl ebenbürtig als auch ebenwürdig, weil sie es geschafft haben (in Ausnutzung des mitteldeutschen Aufstandes vom 17. Juni 1953) ihr Territorium 1955 von den Besatzungstruppen der Siegermächte zu säubern.
  15. Dem militärischen Untergang des Dritten Reiches folgte die provisorische Lüge des lügenhaften Provisoriums BRD, das von sich behauptete, nur ein vorläufiges Konstrukt für die bald zu beendende Zeit der Handlungsunfähigkeit des Deutschen Reiches zu sein und solange in Geschäftsführung ohne Auftrag die Belange von Volk und Reich der Deutschen unter den Bedingungen der Besatzung auf einem Teilterri­torium zu vertreten. Hoch und heilig wurde erklärt, daß Deutschland nie und nimmer ein Einwanderungsland sein werde, als die ersten Gastarbeiter den nur allzu berechtigten Verdacht der Westdeutschen erregten. Daß der Volkstod der Deutschen genau nach den Vorgaben des Hooton-Planes nicht nur ernst gemeint war, sondern mit ihm jetzt auch ernst gemacht wird, liegt gegenwärtig (im Frühjahr 2016), mit dem Übergang von der jahrzehntelangen ruhigen Zivil-Okkupation in eine stürmische Zivil-Invasion, offen zutage. Und daß dieser hybride Krieg gegen das Deutsche Volk nicht mit irgendwelchen germanischen Völker­schaften ausgeführt wird, sondern mit nachdrücklich abgesüdeten Völker­schaften fremder Rasse, nötigt auch Gegnern des Dritten Reiches das Zugeständnis ab, daß Hitler in seinem Testament Recht behalten hat, als er erklärte, daß auch nach der Niederlage des Deutschen Reiches die Rassenfrage der strategische Hauptgesichtspunkt bleiben würde. Erst langsam und dann immer schneller wurde offenkundig, daß Anti­ger­manismus und Deutschenhetze mittels Absüdung Europas durch tieferstehende Fremdrassen die Hauptwaffen des hybriden Krieges sind, der sofort nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 einsetzte.
  16. Daß der deutsche Volkstod jetzt noch auf legale Weise, ohne einen Bruderkrieg, aufgehalten werden kann, das ist wohl auszuschließen. Eine Herrschaft des Unrechts kennzeichnete nicht nur die BRD von Anfang an, sondern alle anderen Reichszerteilungsgebiete. Nach und nach wurde dies auch zum Schicksal der anderen Völker Europas, soweit sie dem West­block unterworfen waren. Die europäische Union (EU) als Wurmfortsatz der nordamerikanischen Union institutionalisierte dieses von den deutschen Reichszerteilungsgebieten ausgehende Unrechtsregime in Alteuropa. Der ehemalige Ostblock einschließlich Rußlands hingegen konnte sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und nach einem Jahrzehnt libera­li­stischer Zerstörung völkisch stabilisieren. Insonderheit hat das Russische Reich sich wieder als die Großmacht Europas gezeigt und stellt die Vorherrschaft der USA über Europa in Frage. Die USA sind seitdem in erbitterten geostrategischen Rückzugsgefechten gefangen, nicht nur in Europa und am mittelländischen Meer, sondern auch in Fernost und im südchinesischen Meer.
  17. Diese Ansichten, die die heu­ti­ge Welt­la­ge bie­tet, füh­ren rund um den Erd­ball zu neu­en Ein­sich­ten. Al­lent­hal­ben wird der Glo­ba­lis­mus als das er­kannt, was er im­mer schon war: Der Hoch­ver­rat an den Sou­ve­rä­nen, an den Völ­kern der Welt. Die lan­ge Wel­le, die durch die Welt­ge­schich­te an­bran­det, wird zur Ver­wirk­li­chung des Grun­d­­sat­zes Ein-Volk-ein-Staat füh­ren. Und dies auch in Nord­ame­ri­ka.
  18. Die europäische Völkerordnung wird sich nach der Befreiung Mitteleuropas von der amerikanischen Besatzung um das wiederhergestellte Deutsche Reich herum bilden. Die geostrategische Achse, die es ermöglicht, daß die europäischen Völker erneut auf der eurasischen Weltinsel die führende Rolle spielen, ist damit wiederherzustellen, daß Bismarcks Rückversicherungsvertrag mit dem Russischen Reich wieder in Kraft gesetzt wird. Ein kleiner feierlicher diplomatischer Akt in Tauroggen oder in Rapallo würde dazu völlig ausreichen. Die Substanz der erneuerten europäischen Völkerordnung wird die Rückkehr zum Völkerrecht sein und dessen Neubeginn mit dem status quo ante vom August 1914.
  19. Allein die Achse Moskau–Wien/Berlin verleiht Rußland, dem größten Land der Welt, und den Russen, dem größten Volk Europas, den verdichteten Rückhalt, um im eurasischen Bund mit der asiatischen Vormacht China ein gleichgewichtiger Partner zu sein, der eine Bevölkerungsexpansion aus Asien nicht zu fürchten hat.

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Das Reich der Freiheit

Der Kapitalismus geht seinem Ende entgegen. Sein endgültiger Tod wird das Reich der Freiheit sein. In den vielen Verwertungskrisen des Kapitals, die alle noch nicht die Endkrise des Kapitalismus waren, sind zahllose Kapitalien untergegangen und ist gesellschaftliche Kapitalmasse vernichtet worden. Das Kapital ist verkleinert und verjüngt wiederauferstanden, um auf der Grundlage entwerteter Kapitalien und gekräftigter Profitrate einen neuen Zyklus von Kapitalwachstum (Akkumulation) zu eröffnen. Kapital ist der Prozeß des sich selbst verwertenden Wertes. Der Wert aller Waren – ob ihrer Naturalform nach nun Arbeitskräfte, Produktionsmittel oder Konsumtionsmittel – ist die in ihnen vergegenständlichte Zeit gesellschaftlich notwendiger Arbeit. Verschwindet die Arbeit aus der Produktion, dann geht der Wert der Waren gegen Null und das Kapital verdampft, weil der Verwertungsprozeß mangels Wertmasse bedeutungslos wird.

Ein Fabrikant für Rechnerprogramme beschreibt diesen Vorgang gesprächsweise wie folgt: “Der Wert des eigentlichen Herstellungsprozesses eines Produktes geht immer weiter gegen Null. Wertvoll sind einzig Ideen und Know-how. Diese Entwicklung beginnt jetzt erst, ihre Auswirkungen werden dramatisch sein.” (Spiegel 1/98,139) – Natürlich wird die Arbeit und damit der Wert nicht nur aus der materiellen Herstellung sondern ebenso aus der Ideenproduktion verschwinden. Die Aufsteiger und Gewinner des industriegeschichlichen Augenblicks werden die Verlierer von morgen sein, wenn die Ideenproduktion automatisiert ist und damit weitgehend arbeitsfrei und wertlos geworden sein wird.

Als Resultat der industriellen Entwicklung unter kapitalistischer Form ergibt sich ein zunehmender Widerspruch zwischen Reichtum und Wert. Ersterer wächst und letzterer schwindet. Karl Marx schrieb schon 1858 dazu in den Grundrissen: “Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch dadurch, daß es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren stört, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt. Es vermindert die Arbeitszeit daher in der Form der notwendigen” (lohnproduzierenden), “um sie zu vermehren in der Form der überflüssigen” (profitproduzierenden); “setzt daher die überflüssige in wachsendem Maß als Bedingung … für die notwendige. Nach der einen Seite ruft es also alle Mächte der Wissenschaft und der Natur, wie der gesellschaftlichen Kombination und des gesellschaftlichen Verkehrs ins Leben, um die Schöpfung des Reichtums unabhängig (relativ) zu machen von der auf sie angewandten Arbeitszeit. Nach der andren Seite will es diese so geschaffnen riesigen Gesellschaftskräfte messen an der Arbeitszeit, und sie einbannen in die Grenzen, die erheischt sind, um den schon geschaffnen Wert als Wert zu erhalten.” (593)

Nachdem die technische Anwendung der Naturwissenschaften die arbeitsreiche Produktion in eine arbeitslose verwandelt und ihren Wert gegen Null hat schrumpfen lassen, ist der Mensch vom Arbeiter in der Produktion zu ihrem Danebensteher geworden. “In dieser Umwandlung ist es weder die unmittelbare Arbeit, die der Mensch selbst verrichtet, noch die Zeit, die er arbeitet, sondern die Aneignung seiner eignen allgemeinen Produktivkraft, sein Verständnis der Natur und die Beherrschung derselben durch sein Dasein als Gesellschaftskörper – in einem Wort die Entwicklung des gesellschaftlichen Individuums, die als der große Grundpfeiler der Produktion und des Reichtums erscheint.” (aaO)

Der Einzelne und sein Sonderinteresse, das sich als Subjekt der bürgerlichen Gesellschaft begreift, wie die Gemeinschaft in ihrem Allgemein- und Gesamtbelang, die sich als Körper in der Gesellschaft aller anderen Gemeinschaften (Völker) weiß und folglich als Gemeinwesen handelt, – diese sozialwissenschaftliche Einsicht in das Einzelne, das Besondere und das Allgemeine und deren Gesamtheit wird zur produktiven Hauptbedingung, daß die Gemeinwesen als aktionsfähige Gemeinschaften wie als Gesellschaften der Transaktionsfähigkeit den naturwissenschaftlichen Produktionsapparat sich aneignen und entwickeln können. Bedingung dieser produktiven Aneignung der Naturwissenschaften ist das sozialwissenschaftliche Selbstbewußtsein des Gemeinwesens in den Sparten Gemeinschaftskunde, Gesellschafts- wissenschaft und Gemeinwesenlehre. Das System der Sozialwissenschaften wird somit Hauptbedingung der produktiven Handhabung des angeeigneten Naturprozesses, also der in Systemen vollautomatischer Fabriken verdinglichten Naturwissenschaft.

“Sobald die Arbeit”, fährt Marx fort, “in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein, hört und muß aufhören die Arbeitszeit sein Maß zu sein…. Die Surplusarbeit der Masse hat aufgehört Bedingung für die Entwicklung des allgemeinen Reichtums zu sein, ebenso wie die Nichtarbeit der Wenigen für die Entwicklung der allgemeinen Mächte des menschlichen Kopfes. Damit bricht die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion zusammen….” (aaO) Selbst der unmittelbare materielle Produktionsprozeß verliere jetzt seinen notwendig-notdürftigen Charakter. Ihn zu minimieren werde zur Bedingung der freien und allseitigen Entwicklung der Individuen, um für ihre künstlerische und wissenschaftliche Ausbildung Zeit und Mittel zu gewinnen.

Dieser nachkapitalistischen Perspektive ist das Reich der Freiheit keine Drohung, sondern eine Verheißung. In ihr ist nicht mehr Arbeit und Wert und nicht mehr die Akkumulation von Mehrarbeit und Mehrwert im kapitalistischen Verwertungsprozeß das eindimensionale Ziel, sondern die multidimensionale Entwicklung von Fähigkeiten der menschlichen Arbeitskraft – als individueller wie als kollektiver – als Zweck gesetzt. Damit haben sich die Kräfte des Gemeinwesens als echter Selbstzweck und somit als das Leben bestimmt. Gemeinschaftliches, gesellschaftliches und gemeinwesentliches (die beiden ersteren reflektierendes) Leben machen danach die menschliche Daseinsweise im Reiche der Freiheit aus.

“Das Reich der Freiheit”, so führt der späte Marx im dritten Band des Kapitals aus, “beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.” (MEW 25,828) Die materielle Produktion ist nicht auf Naturnotwendigkeit beschränkt, sondern ein Reich geschichtlich gebildeter und erweiterter technischer Notwendigkeiten. “Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, daß…die assoziierten Produzenten diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle” (die Marx auch als Vergesellschaftung tituliert) “bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühn kann. Die Verkürzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung.” (aaO)

Die Freizeit des Arbeiters, die aus der Verkürzung des Arbeitstages folgt, steht am Anfang und am Ende der kapitalistischen Epoche. Der Normalarbeitstag des zünftigen Handwerkers im Hochmittelalter war acht Stunden, ansonsten gab es den blauen Montag und zahlreiche arbeitsfreie Kirchenfeiertage. Weil es viel Freizeit gab, konnte die mittelalterliche Hochkultur entstehen. Nur weil der Gesamtarbeitstag des Handwerkers (und als Voraussetzung auch der des Bauern) über seinem notwendigen Arbeitstag lag, worin er seinen Lohn erarbeitete, konnte eine Mehrarbeit geleistet werden, sich in einem Mehrprodukt vergegenständlichen und einen Mehrwert am Markt preislich realisieren, was die Grundlage der hochkulturellen Bedürfnisse und somit Nachfrage nach halb- und vollkünstlerischer Handwerksarbeit schuf. Aber die mögliche Mehrarbeit konnte ebenso als Freizeit, als eigentliches Luxusgut, konsumiert werden. Und das wurde sie auch.

Geraten die Handwerker in die Abhängigkeit vom Kapital, dann wird ihre Freizeit wieder zur Arbeitszeit und zur Grundlage des Profits. Und wenn das Kapital in seinem Drange, die Mehrarbeit als unbezahlte Arbeit, die eigentlich zur Arbeitszeit umdefinierte Freizeit ist, immer mehr auf Kosten der notwendigen Arbeit, worin der Lohn erarbeitet wird, auszudehnen, die ganze industrielle arbeitsersetzende Entwicklung bis zu dem logischen Ende der arbeitslosen Produktion in der vollautomatischen Fabrik vorantreibt, bricht der Kapitalismus als Selbstverwertung des Wertes zusammen, weil der Wert von Arbeitskräften, Produktionsmitteln und Produkten gegen Null geht und ihre Warenform sich auflöst. Damit hat der Kapitalismus sich selbst getötet und die an den Verwertungsprozeß gefesselte Produktion ist befreit.

Die zunehmende Abwürgung der Produktion durch die schrumpfende Wertschöpfung (oder mit Marx gesprochen: die Fesselung der Produktivkräfte durch obsolete Produktionsverhältnisse) ist statistisch aufweisbar, wenn das Produktivitätswachstum der Arbeit nicht mehr im vollen Umfang als Steigerung des Produktausstoßes erscheint. An dem raschen Anstieg der Produktion (wie nach 1933 in Deutschland) erkennt man eine Revolution gegen das Kapital, im Verfall der Produktion (wie nach 1917 in Rußland) verrät sich eine (asiatische) Konterrevolution gegen das Kapital. Die Revolution konnte nur besiegt werden durch eine auf Vernichtung gerichtete Kriegsallianz des Kapitals mit der asiatischen Konterrevolution. Siegestrophäe dieser bemerkenswerten Allianz aus kapitalistischer Plutokratie und kommunistischer Despotie war – aus systematischen und nicht bloß aus historischen Gründen – die Demontage der Produktion bis hin zu der Vertreibung der Produzenten vom Grund und Boden ihrer Produktion und sogar der millionenfachen Massakrierung der Produzenten selber (wie in Deutschland 1945). Der Zerfall des konterrevolutionären Bündnisses in seine beiden Hälften, die kapitalistische und die antikapitalistische, ermöglicht dann aus Gründen der weltgeschichtlichen Rivalität eine begrenzte Entwicklung der Produktion (in Deutschland ab 1948). Der Wegfall der Rivalität führte in der vereinigten Besatzungszone BRDDR allein 1993-97 zu einer Schrumpfung der Produktion von 4,2 Prozent. Die Fesseln, die der Wert dem Reichtum anlegt, sind wieder schmerzhaft spürbar geworden.

Richard Wagner, der 1848er Kampfgenosse des Karl Marx, trägt in seinem musikdramatischen Werk eine andere Fassung der Sage von dem Reiche der Freiheit vor: Die Gralserzählung. Der Gral ist ein Kelch oder heiliges Gefäß, das eine unversiegbare himmliche Kraft enthält, aus der die Gralsritter ihre irdische Interventionsmacht periodisch speisen. Der Inhalt des Grals ist also ein ganz besonderes Gut, das unverbrauchlich gebrauchbar ist. Was die Gralsritter zu sich nehmen ist ein Schluck aus der Pulle der Vollkommenheit, sie trinken von dem Geiste Gottes selber. Dieser Rohstoff ergibt aber, menschlicher Denkarbeit unterworfen, die Gedanken, welche ihrerseits als Denkmittel oder Begriffe, als Denkgegenstände oder Probleme, als Ideen oder Tatgedanken dienen oder zu denkersetzenden Gedankensystemen, Theorien also, zusammengesetzt werden können. Die Theorien vollbringen die Wunder, und der Kelch, worin sie ausgegoren werden, ist die Hirnschale des Menschen. Dieser Kelch geht nur an wenigen nicht vorüber. Vor 30 Jahren trug Krahl den Gral.

“Alle Mythologie”, schreibt Marx in den Grundrissen, “überwindet und beherrscht und gestaltet die Naturkräfte in der Einbildung und durch die Einbildung; verschwindet also mit der wirklichen Herrschaft über dieselben.” (30) Die Volksphantasie bearbeitet aber nicht nur die Natural-, sondern auch die Verkehrsformen, und tat sie dies bei den Griechen vorwiegend als unbewußte Kunstvorstellung, so arbeitet die Volksphantasie bei den germanischen Völkern als bewußte Wissenschaftsfiktion. Mit deren Verwirklichung als Natur- und Sozialwissenschaft verschwindet nur ein alter Mythos, aber nicht der Mythos überhaupt. Der Mythos ist vorgestellte Technik und imaginierte Gemeinschaft, und die reale Technik und verwirklichte Gemeinschaft ist nachgestellter Mythos. Ohne den Neuen Mythos wird es weder die Neue Technik noch die Neue Genossenschaft, also eine erneuerte Volksgemeinschaft, geben.

Das Reich der Notwendigkeit ist in jeder Nation der von dem selbstbewußten Volk zielsicher geführte und mit minimiertem Arbeitsaufwand in Gang gehaltene Produktionsprozeß der materiellen Güter. Jede Nation, die als Volksgemeinschaft zusammenhält, als Gesellschaftssubjekt sicher transagiert und als Gemeinwesen, in sich reflektiert, in Erscheinung tritt, wird auf der Grundlage solch eines Reiches der Notwendigkeit ein Reich der Freiheit erobern. Dies kann aber auch der Raum des Lasters und damit neuer Sklaverei der Triebe werden, in Freizeit und Spiel verplempert. Dann fällt der Mensch in seiner freien Zeit aus seinem Wesen, der Arbeit, heraus, und wenn er die Arbeit verliert, fällt er auch aus der Erkenntnis. Nur wenn die Arbeit das erste Lebensbedürfnis aller Menschen wird (was sie bei den Deutschen schon immer war), gereicht die Fülle der freien Zeit ihnen zum Segen. Die Arbeit kann nur Spaß machen, wenn sie kein Spaß ist, und nur als Werkverwirklichung bringt sie den Menschen individuelle und kollektive Selbstverwirklichung. “Wirklich freie Arbeiten, z.B. Komponieren ist grade zugleich verdammtester Ernst, intensivste Anstrengung.” (Grundrisse, 505)

Längst nicht alle Arbeit im Reiche der Freiheit muß freie Arbeit des Einzelnen sein. Als solche gilt dem Herkommen nach das Kunstschaffen (wohlweislich aber nicht das Kunstdarstellen), das religiöse Tun und das Philosophieren, also die drei Hauptäußerungen des absoluten Geistes. Zu den einzelfreien Arbeiten sollte man noch die Taten der weltgeschichtlichen Individuen im Bereich des objektiven Geistes hinzuzählen, also neben den Staatsdenkern und sonstigen geistigen Führern auch die schöpferischen Staatslenker und die gesellschaftspolitischen Führer. Die freie Arbeit dieser Wenigen, die schon immer ihr Eigenreich der Schaffensfreiheit sich erobert haben, wird auch im kommenden Reiche der Freiheit keine Schwierigkeit bereiten, sondern die Organisation des Reiches der Freiheit für die Vielen ist die Herausforderung an das Gemeinwesen der Zukunft.

Ist die notwendige Arbeit für die Vielen minimiert, muß ausreichend freie Arbeit für sie organisiert werden, damit alle am Reiche der Freiheit teilhaben können. Solche gewaltig-freien Volksgemeinschaftsaufgaben waren in der Vergangenheit z.B. die kirchlich-ritterliche Hochkultur im Alten Reich auf Basis der feudalen Mehrarbeit der deutschen Bauern; die bürgerlich-städtische Hochkultur auf Grundlage kommunaler Mehrarbeit der Handwerker, freien Arbeiter und Kaufleute; die wilhelminische Hochkultur dank Mehrarbeit und Erfindungsreichtum von Industriearbeitern, technisch-wissenschaftlicher Intelligenz und Mittelstand, die praktisch bis 1945 Deutschland beherrschte und im westzonalen Wirtschaftswunder eine Nachblüte erlebte.

Nach dem Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschaft und ihrer Staaten in Deutschland wird durch Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Reiches die Einrichtung einer Volkswirtschaft unter gemeinschaftlicher Kontrolle aller Deutschen möglich. Sie wird – nach Minimierung des Arbeitsaufwandes in der materiellen Produktion und folglich der Gesundschrumpfung des Reiches der Notwendigkeit – das Reich der Freiheit um Großvorhaben herum organisieren, die kulturelle Anliegen aller Deutschen sind. So liegt es z.B nahe, Wiederaufforstung von Industrie- und Verkehrsbrachen zu betreiben; die Standkraft der Landesverteidigung auf die Höhe der Unüberwindbarkeit zu bringen; die zahlreichen deutschen Altstädte als Zeugen der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hochkultur, die durch den angelsächsischen Bombenterror und den modernistischen Aufbau zerstört worden sind, zu rekonstruieren; die deutsche Wissenschaft wieder zu idealisieren und ihr die Spitzenstellung in der Welt, die sie im Wilhelminismus innehatte, zurückzuerobern; die deutsche Volksschule zu poetisieren. Vieles andere erscheint denkbar und kann organisiert werden, sobald Arbeitskräfte und Herstellungsmittel wieder freigesetzt sind.

Unter der Vorherrschaft des Reiches der Freiheit wird auch seine Grundlage, die notwendige materielle Produktion, eine freiere und unauffälligere Gestalt annehmen als jene der großen Industrien. Alle Familien, Sippen und Gemeinden werden bestrebt sein, einen Anteil am Reich der Notwendigkeit in ihren miniaturisierten und mikroisierten Hausindustrien und Eigenwirtschaften zu nehmen und Volk, Staat und bürgerliche Gesellschaft mit dem Nötigen zu versorgen. Nur das mit Waffen versorgte und mit automatischen Produktionsmitteln in allen seinen Gemeinschaften bewaffnete Volk hat seine produktiven und destruktiven Instrumente sowohl vergemeinschaftet als auch vergesellschaftet.

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Der Begriff des Krieges

Der Krieg ist die wechselseitige Anwendung von Gewaltmitteln durch Gewalttäter zur Durchsetzung einander ausschließender Zwecke. „Der Krieg“, schreibt Carl von Clausewitz, „ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“ Bei den Zwecken kann es sich sowohl um reine Naturalien als auch um soziable Naturalien handeln. Der Zweck des Krieges kann also ein naturaler oder ein politischer sein, auch wenn er als Wirtschaftskrieg oder als geistiger Krieg geführt wird, wobei der Marktwirtschaftskrieg und der Meinungskampf dem politischen Krieg im militärischen Bereich entsprechen, ihre kategoriale Form ist die der Politik und des Rechts. Die dem Zwecke untergeordneten Gewaltziele der wechselseitig angewandten Gewaltmittel sind die gegnerischen Gewalttäter und ihre Mittel. Aber auch der Krieg als ganzer muß als Mittel, als ein und das selbe Mittel zweier Subjekte zur Verfolgung entgegengesetzter Zwecke betrachtet werden.

Krieg ist die Fortsetzung der Bildung unter Einmischung antipädagogischer Mittel. Antipädagogische Mittel sind alle Gewaltmittel, die nicht auf die Erzeugung menschlicher Handlungs- und Arbeitskraft abzielen, sondern auf ihre teilweise oder gänzliche Vernichtung. Bildung ist also Produktion der menschlichen Arbeitskraft, Tatkraft oder Kompetenz, Krieg aber ihre wechselseitige Destruktion. Nicht das Gewaltverhältnis an sich zwischen tatkräftigen Menschen oder Gemeinschaften ist antipädagogisch, sondern sein kraftzerstörendes Ziel. Nicht das Mittel, sondern das Ziel bestimmt das Wesen des Vorganges. 

Im Pädagogismus, in der Sphäre ihrer Produktion, erwartet die Arbeitskraft Schutz, Förderung und Langeweile; im Bellizismus, ihrer Destruktionssphäre hingegen, findet die zur Streitkraft vollendete Arbeitskraft Gefahr, Zerstörung und äußerste Erregung, weil Sieg oder Niederlage. Deswegen sind die Schulen häufig die Ödnis der Nation, ist die Armee ihre eigentliche Schule und der Krieg den Völkern eine wahre Lehre.

Das absolute Mittel ist jenes, welches niemals Ziel werden kann, also die Gewalt schlechthin. Sie ist immer reine Gewalttat, unerachtet der Gewaltmittel, die der Gewalttäter zwischen sich, seine Tat und deren Gegenstand gegebenenfalls einfügt. Ist der Gegenstand der mittel- oder unmittelbaren Gewalttat eine andere und gegnerische Gewalttat, heißen beide Gewalttaten zusammen ein Kampf, die darin verwendeten Mittel seine Waffen.

Die Waf­fen ei­nes Kamp­fes sind die Werk­zeu­ge der wech­sel­sei­ti­gen De­struk­ti­on und grund­sätz­lich nicht an­de­rer Na­tur als die Ar­beits­mit­tel der ein­sei­ti­gen Pro­duk­ti­on. Al­ler­dings ist die durch das Kämp­fen ge­won­ne­ne Welt­er­kennt­nis ge­sell­schafts­nä­her und al­so wirk­lich­keits­hal­ti­ger als die durch Ar­beit er­wor­be­ne. Des­we­gen gilt: Der Krieg ist die Kro­ne der mensch­li­chen Er­kennt­nis. Dis­zi­plin, Ar­beit, Me­cha­nik, Che­mie, Bio­lo­gie, Gü­ter, Geist und Bil­dung hin­ge­gen sind die­nen­de Zu­rüs­tun­gen und Er­kennt­nis­wei­sen der Men­schen als Kämp­fer. „Die Ge­walt rüs­tet sich mit den Er­fin­dun­gen der Küns­te und Wis­sen­schaf­ten aus, um der Ge­walt zu be­geg­nen.“ (Carl von Clau­se­witz) Der Be­griff des Krie­ges ist uni­ver­sell. So ist der Krieg der Wor­te die wirk­li­che An­wen­dung von Wort­ge­walt durch Wort­ge­wal­ti­ge (oder auch durch Worter­grei­fer) zur Durch­set­zung ein­an­der aus­schlie­ßen­der Zwe­cke der Wor­te, d.h. ih­rer Be­dürf­nis­be­zeich­nun­gen. Der re­gu­lä­re Krieg der Wor­te voll­zieht sich zwi­schen Wort­ge­wal­ti­gen oder Wort­ge­walt­ha­bern, der ir­re­gu­lä­re Krieg ist ein An­griffs­krieg der zu­nächst wort­lo­sen Worter­grei­fer ge­gen die Wort­ge­wal­ti­gen, um die­se zu ent­wor­ten und um sel­ber wort­mäch­tig zu wer­den. Ist der Zweck die­ses Krie­ges ein po­li­ti­scher, dann ha­ben die Wor­te au­ßer ih­rem na­tu­ra­len noch ei­nen abs­trak­ten Wert und zu dem Ge­gen­stand oder Be­dürf­nis, das die Wor­te be­zeich­nen, tritt ei­ne ge­sell­schaft­li­che Be­deu­tung und gar ein Sinn als Be­deu­tungs­zu­wachs hin­zu, so daß die um­kämpf­ten Wor­te zu Mei­nun­gen wer­den, al­so zu Ge­sin­nungs­rech­ten. Die Ge­walt­mit­tel im Wort­ge­fecht sind sich kreu­zen­de Be­dürf­nis­be­zeich­nun­gen, die Ge­walt­tat, die das Ge­walt­mit­tel als Wort­waf­fe führt, er­eig­net sich in der Deu­tung und Neu­deu­tung der Wor­te als Be­griffs­zei­chen, um den geg­ne­ri­schen Wort­waf­fen­füh­rer zu ent­wor­ten und al­so zu ent­waff­nen, zu­min­dest sei­ne Wort­streit­macht zu schwä­chen oder ihn gleich tot­zu­re­den, al­so sprach­los und mund­tot zu ma­chen.

Eines jeden Krieges Kern ist der Kampf. Jede Art von Krieg ist ein Kräftemessen, ein Ringen. In der militärischen Art des Krieges wirken die körperlichen Kräfte unmittelbar, die geistig-seelischen Kräfte aber mittelbar – durch die körperlichen – auf die gegnerischen Kräfte ein. Im geistigen Krieg wirken umgekehrt die körperlichen Kräfte nur mittelbar, nur durch die geistigen Kräfte. Der Kampf, ob unmittelbar körperlich oder unmittelbar geistig, ist als elementares Kräftemessen immer ein Ringen. Der körperliche Ringkampf ist der Urbegriff des Kampfes schlechthin. Der Gegner selber wird ergriffen und bei Überwindung seines Widerstandes und seiner Gegengriffe und Gegenwürfe auf den Rücken geworfen, wird wehrlos gemacht und durch Niederwerfung in die Niederlage gebracht. Dies geschieht unter Aufbietung des gesamten Gewichtes des Körpers und der ganzen Kraft aller seiner Gliedmaßen.

Ist das Ringen der Inbegriff des reinen, mittellosen Kampfes als des körperlichen Kräftemessens, so beginnt im Faustkampf die Instrumentalisierung von Körperteilen, die an sich schon innerhalb der Kraft jedes Kämpfers gegeben ist, denn im körperlichen Kampf war die Körperkraft ausführendes Werkzeug der geistigen Kraft, und im geistigen Kampf entfaltet sich die Körperkraft nur mittelbar, nur durch die Geisteskraft. Eine erfolgreiche Wortergreifung ist auch nur ein mittelbares Ereignis für eine physische Machtergreifung, der einfachste Soldat bedarf einer gewissen Geisteskraft, um nennenswerte physische Kampfkraft zu entfalten.

Der Naturalismus des Krieges ist die spezifische Disziplin des Kämpfers, die seinen natürlichen Fluchtinstinkt hemmt, den Totstellreflex der bedrängten Kreatur aufhebt und durch die verschiedenen Arten der Selbstbeherrschung den Aktionismus der besonderen Kampfhandlungen begründet. Benutzen die Kämpfenden bestimmte Instrumente als Waffen, beginnt mit deren wechselseitigen Wirkungen der bellizistische Mechanismus.

Der Faustkampf erzeugt mit der Faust, dem leeren Griff der Hand, eine erste, noch körpereigene Schlag- und Stoßwaffe. Wird die Faust mit dem Griff einer körperfremden Hieb- oder Stichwaffe gefüllt, ist der Übergang vom Aktionismus des Kampfes zu seinem Mechanismus vollzogen, aus Schlag und Stoß ist Hieb und Stich geworden und das weite Feld der physikalischen Kriegführung eröffnet. 

Auf dem Gebiet der mechanischen Kriegführung entwickelt sich zunächst das Handgefecht und die lange Kette der Spezialisierung der Handwaffen, deren wichtigste Unterscheidung die von Angriffs- und Verteidigungswaffen (Schwert und Schild) ist und sich zu entsprechenden Waffengattungen (Schwert- und Schildstreitkräfte) entfaltet. 

Schon im Altertum traten neben die Handwaffen die Kriegsmaschinen in Gestalt des schweren Belagerungsgerätes. Dessen unmittelbarer Nachfolger ist die Artillerie. Mit der Durchsetzung des Feuergefechts und der Feuerwaffen vollzog sich in der Gefechtsführung der Übergang vom Mechanismus zum Chemismus. Die chemische Waffe kann nämlich als Gift oder Propaganda direkt gegen die physische oder geistig-seelische Kraft des Gegners gewendet werden, oder aber indirekt wie bei der Handfeuerwaffe als chemischer Antrieb der Stoßkraft des Geschosses und obendrein des Lade- und Schußauslösungsvorganges verwendet werden. Nicht erst das Maschinengewehr, sondern auch schon der Vorderlader ist eine Kriegsmaschine, und zwar eine Stoß- oder Stechmaschine mit chemischem Antrieb und mechanischer Geschoßführung. Deswegen unterscheidet Clausewitz richtig das Handgefecht vom Feuergefecht.

Der Biologismus ist der Kriegführung von jeher angemessen, denn die biologische Waffe ist ein Organismus, der geeignet ist, die als Organismus daseiende Kraft des Feindes auf der Höhe dieser Daseinsform zu vernichten, weswegen diese Waffe schon in der ersten Natur, in der vor-instrumentellen Daseinsweise des Naturalismus gegenwärtig war und in Gestalt von Seuchen gewaltige Zerstörungskraft entwickelt hat. Früh schon sind Krankheitserreger auch als Kampfinstrumente eingesetzt worden, aber ebenso gehören die Wanderungswaffe, die Rassenwaffe, die Vergewaltigungskampagne und der Abtreibungsfeldzug zur biologischen Kriegführung. Der bellizistische Finalismus endlich ist die Bewaffnung mit dem Ziel des Waffenganges, wobei sowohl das eigene wie das gegnerische Kriegsziel als vorwiegend moralische Waffen dienen können. Am einfachsten ist die Anwendung der finalistischen Waffen beim Landesverteidigungskrieg eines friedfertigen Volkes, weil das Kriegsziel des Verteidigers wie dasjenige des Angreifers gleichermaßen vom Verteidiger als geistige Rüstungs- und Kraftmaximierungsmittel gebraucht werden können, wohingegen der Offensivfeldzug gegen Aggressionsvölker diese schnell demoralisiert (Polen 1939, Frankreich 1940). 

Wenn die Ziele der Feldzüge und der Zweck des ganzen Krieges zum Rüstungsgut desselben und also zur moralischen Hauptwaffe geworden sind, müssen sie auch vollständig eingesetzt werden. Hat dies zum Sieg und zum gewünschten Erfolg geführt, dann ist das eigene Kriegsziel erreicht und das des Gegners vereitelt durch geglückte Finalisierung beider Ziele. Der Finalismus hat dem gedient, der ihn aus subjektiven wie aus objektiven Gründen richtig einzusetzen wußte, er hat sein Finale erreicht. Damit ist der Finalismus verbraucht, der Sieger sollte Frieden schließen, zur Festigung seiner Lage zum Infinitismus übergehen und sich mit unverbrauchlich gebrauchbaren Waffen rüsten, also mit Geist. 

Geistige Güter sind unendlich und ewig. Als Resultate des Denkens sind sie Gedanken, die in Tatgedanken (Ideen) und Denkgedanken, letztere noch in Denkgegenstände (Probleme) und Denkwerkzeuge (Begriffe) zu unterscheiden sind. Anders als materielle Güter sind geistige Güter unmittelbar, ohne jede Formänderung, als Waffen verwendbar. Als rein geistiger Vorgang ist das Gefecht zweier Begriffe, die gleichsam als Klingen gekreuzt werden, sofort entschieden, weil je nach Problemlage entweder der umfassendere Begriff den beschränkteren sich einverleibt und also erobert oder umgekehrt der speziellere Begriff den abstrakteren in viele besondere Teile zerspringen läßt. Begrifflosigkeit bedeutet im geistigen Kampf stets Wehrlosigkeit. Der Sieger des geistigen Kampfes behauptet das Gefechtsfeld des Begreiflichen, der Verlierer zieht sich in das Hinterland des Handgreiflichen zurück. 

Im Reiche des Gottes Mars, in den Kriegen der körperlichen Kräfte, sind die geistigen Waffen den moralisch-seelischen, die aus der Erfassung des Kriegszieles munitioniert werden, bei ansonsten gleichgroßen Kräften immer überlegen. So ist es möglich gewesen, daß an Zahl kleine und finalistisch benachteiligte Eroberer, die aber geistig überlegen waren und damit auch technisch, taktisch und strategisch in der Vorhand, ganze Welten erobert haben. Gegen solche Siege des Infinitismus hilft der bellizistische Pädagogismus, der den Geist in erster Linie nicht in Kriegstechnik, sondern in Krieger investiert, in ihnen den Geist massenhaft lebendig macht und zu entscheidungsfähigen Kämpfern mit Auftragstaktik ausbildet. Dies ergab die gebildeten Massenheere europäischer Kulturvölker. Der reine Bellizismus unterwirft diese Völker dann den strengsten Prüfungen, erteilt ihnen die höchsten Lehren und führt sie durch das Gegenextrem des Pazifismus hindurch zum politischen Begriff des Krieges als konfligierender Rechtserzwingungen und damit zur Friedensfähigkeit, dem Begriffe des Rechts, und zum politischen Frieden als unstrittigem Rechtszustand.
 
 

Die Arbeit ist die bestimmte Negation der Natur. Die Mechanik wiederum negiert die Arbeit bestimmt, sie stellt das Arbeitsmittel in den Mittelpunkt ihrer Entwicklung von der klassischen bis zur Quantenmechanik. Die Chemie negiert die ganze Mechanik oder Physik auf ihre ganz bestimmte Weise, indem sie das Arbeitsmittel zur Randbedingung herabsetzt und den Arbeitsgegenstand in das Zentrum rückt, der als chemischer Prozeß immer ein Reaktionsautomat ist. Die Biologie verwirft alle Momente des Arbeitsprozesses durch ihren speziellen Betrachtungsgegenstand, den Prozeß als ganzen oder das Leben selber, einen Gestaltenkreislauf, worein menschliche Arbeit nur als Bestellung und Ernte eingreift. Die Frage nach der Ernte, nach ihrem endlichen Was und Wozu, negiert bestimmt das biologistische Prozeßdenken zugunsten der philosophischen Resultatsfrage im Stile einer aristotelischen Metaphysik der Güter. Diese wird gekrönt und überwunden vom Ideal des theoretischen Lebens, von der Metaphysik der Gedanken als der unverbrauchlich gebrauchbaren Güter, und in der Tat ist der Gedanke die gänzlich bestimmte Negation aller materiellen Güter. Der unendliche und ewige Gedanke wird als Lehrinhalt wieder herabgesetzt zum bloßen Bildungsmittel der endlichen und sterblichen Arbeitskraft, dies ist die didaktische Negation der geistigen Produktion oder des Infinitismus. Lehrinhalte sind der Gehalt aller erkenntnistheoretischen Stufen bis hin zum Pädagogismus selber und über ihn hinaus zum Anti-Pädagogismus, dem Bellizismus, der alle Erkenntnisstufen aus Lehrinhalten in Waffengattungen verwandelt. Die Lehrinhalte als Arbeitsmittel der Arbeitskraftproduktion (Qualifikation) werden zu Waffengattungen als den Mitteln der Arbeitskraftdestruktion (Dequalifikation) bestimmt negiert.

„Der Tod“, schreibt Hegel 1806 in Jena unter dem Eindruck der nahen Schlacht, „ist das Furchtbarste, und das Tote festzuhalten, das, was die größte Kraft erfordert. Die kraftlose Schönheit haßt den Verstand, weil er ihr dies zumutet, was sie nicht vermag. Aber nicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut und von der Verwüstung rein bewahrt, sondern das ihn erträgt und in ihm sich erhält, ist das Leben des Geistes.“ Der Krieg ist das verständige Mittel der Gemeinschaften, ihre Kraft zur Gewalttat zum Äußersten anzuspannen und im Kampf mit fremden Gemeinschaften Gewaltkraft aufzuopfern und der Zerstörung anheimzugeben, um sich zu erhalten, zu stählen und zu entfalten. 

Die Clausewitzschen Bestimmungen des Krieges hinsichtlich seines praktisch-friktionellen und nichtideellen Charakters und der überragenden Bedeutung der Kriegsgewohnheit des Heeres im wirklichen Kriege der militärischen Art bedarf keiner philosophischen Aktualisierung: „Gewohnheit stärkt den Körper in großen Anstrengungen, die Seele in großen Gefahren, das Urteil gegen den ersten Eindruck.“ 

Den Begriff des Politischen hat Clausewitz mit der Gegebenheit kriegführender Staaten vorausgesetzt, aber nicht abgeleitet, weshalb er keine Rechtsanalyse liefern und also den Unterschied von naturalen und soziablen Kriegszielen nicht fassen konnte. Dies haben wir oben nachgeliefert, ebenso die Einfügung der Philosophie der Waffengattungen in die reine Kriegstheorie als Selbstentfaltung des Kriegsbegriffes durch Zuweisung eines epistemologischen Ortes. Darzustellen bleiben jetzt außer einem formalen Resümee der Clausewitzschen Axiome des Kampfes und seiner Gesetze des Krieges noch eine spezielle Methodik desselben, die durch unsere Epistemologie der Waffengattungen, bei der es sich gleichsam um die Didaktik der Anti-Pädagogik handelt, erforderlich wird. Jetzt schon aber ist deutlich, was es heißt, von der Ebene des Bellizismus auf die des Pädagogismus hinuntergestoßen und zum Objekt einer Pädagogik der Sieger (Umerziehung) zu werden. Die Zerstörung der Kriegsfähigkeit ist die denkbar größte Dequalifizierung eines Volkes, ist ein unvergleichlich schlimmerer Kraftverlust als alle Kriegsverluste zusammen. 

Die Prämissen des Kampfes sind die folgenden:

  1. Arbeit, Tat, Handlung ist die Selbstvernichtung von Arbeitskraft, Tatkraft, Handlungskraft. 
  2. Arbeit, Tat, Handlung ist in der Regel mit Sachvernichtung und Güterverbrauch verbunden.
  3. Arbeit, die fremde Arbeitskraft verbraucht, ist Kraftvernichtung.
  4. Vernichtungsarbeit ist die Einheit von Sach- und Kraftvernichtung. 
  5. Streitkraft ist zur Vernichtungsarbeit befähigte Menschenkraft. 

Unter diesen Voraussetzungen gelten (frei nach Clausewitz) die Axiome des Kampfes:

  1. Gewalttat ist die Vernichtung von Streitkraft.
  2. Gewalttat ist Einheit von Angriff und Verteidigung.
  3. Kampf ist die polare Einheit der Gewalttaten zweier Gewalttäter.
  4. Die Kämpfenden sind in Polarität, weil jeder die Niederlage fürchtet und den Sieg will.
  5. Kampfvoraussetzung ist der Angriff, Kampfbeginn die Verteidigung. 
  6. Jeder Krieg ist in seinem Wesen ein großer Kampf.
  7. Kriege werden von den Verteidigern begonnen, sie tragen immer die Kriegsschuld.[1. Die absurde Konsequenz, daß der Verteidiger immer die Kriegsschuld trägt, folgt zwingend aus der Verknüpfung der Begriffe Krieg und Schuld. Völkerrechtssubjekte haben sowohl das Recht zum Kriege (weil die Pflicht zur außenpolitischen Rechtserzwingung) als auch Rechte im Kriege. Die Verbindung von Krieg mit rechtlicher Schuld ist also sinnwidrig, nicht aber die mit naturaler Schuld verstanden als Wirkursache.]

Der Angreifer will keinen Krieg. Er will noch nicht einmal ein Gefecht oder sonst einen Kampf, und er will schon garnicht, daß auf Gewalt mit Gewalt geantwortet wird und die Gewalttaten sich aufschaukeln. Der Angreifer ist friedliebend. Der Angegriffene hat es in der Hand, den Krieg zu verhindern. Die sicherste Kriegsverhinderung ist die Unterwerfung. Wird in Friedensdiktaten die Feststellung getroffen, daß der Besiegte die Schuld am Kriege trage, dann wird gesagt, daß der Verlierer der Verteidiger war.

Hat der Krieg trotzdem begonnen, gelten die folgenden Gesetze des Krieges:

  1. Der Krieg hat eine Ausdehnung in Raum und Zeit, hat Schauplatz und Dauer.
  2. Der Krieg ist konfligierende Gesetzgebung, die Kämpfenden geben sich gegenseitig das Gesetz ihres Handelns und das Maß ihrer Maßnahmen, die bei laufendem Kampf sich durchkreuzen.
  3. Bei entschiedenem Kampf ist der Sieg die Eroberung des Kampfplatzes, die Niederlage seine Räumung. (Gleiches gilt für die größeren Kämpfe eines Krieges, für Gefechte, Treffen, Schlachten und Feldzüge.)
  4. Der Erfolg (Gewinn) eines Sieges außerhalb des Kampfplatzes oder Gefechtsfeldes erhält sein Maß durch den Preis, den der Sieger mit eigener Streitkraft gezahlt hat.
  5. Der Krieg hat verschiedene Größen: den Schauplatz oder das Kriegstheater und seine Beschaffenheiten, die Streitkräfte der kriegführenden Parteien, die Dauer, die Destruktivkräfte der fechtenden Gewaltakte und ihre Intensitäten, d.h. die Verausgabung von Streitkraft in einer gegebenen Streitzeit. 
  6. Sind alle Größen gleich, gehört der Sieg dem Verteidiger und die Niederlage dem Angreifer, weil die Kampfstärke der Verteidigung größer ist als die des Angriffs.
  7. Der Angriffssieg erfordert das Übergewicht des Angreifers in den Größen.
  8. Die Zielstärke des Angriffs ist absolut, weil er allein ein positives Ziel hat, die Verteidigung aber bloß ein negatives in der Vereitelung des Angriffs. 
  9. Extremismus ist das Prinzip des Krieges, weil in ihm jede Größe durch eine größere Gegengröße besiegt werden muß und positive Ziele nur zu erreichen sind durch viel größere Größen, die den Kampfstärkenvorteil der Verteidigung überwinden können; deshalb führt dem Begriffe des Krieges nach die Anwendung der Gewalt zum Äußersten, zum Extrem. 
  10. Taktik lehrt den Gebrauch der Mittel im Gefecht (Treffen, Schlacht, Feldzug), Strategie lehrt den Gebrauch der Gefechte zum Ziel des Krieges, dem Sieg, und der Kriegsplan entwirft den Gebrauch des Krieges als Mittel zu seinem Zwecke, der Rechtserzwingung und des politischen Friedens oder der Besitzerzwingung und des naturalen Friedens.
  11. Das Lager ist die schlachtfertige Aufstellung einer Streitkraft oder die bewegungsbereite Lagerung einer politischen Bewegung usw. und als solches eine taktische Maßnahme, der Marsch einer Bewegung oder Armee ist eine strategische Handlung, eine Anordnung von einzunehmende Lagern und auszuführenden Gefechten. In geschichtlich bewegten Zeiten befindet ein wehrhaftes Volk sich auf dem politischen Marsch oder im Lager.
  12. Quartiere dienen der Erholung der Streitkraft, sie sind „der Lage und Ausdehnung nach strategische, der auf die Gefechtsbereitschaft gerichteten inneren Einrichtung nach taktische Gegenstände“ (Clausewitz). Einem verteidigungsbereiten Volk ist in geschichtlich beruhigten Zeiten sein Land das Quartier, es ist Gegenstand und Maßnahme seiner Deckung. 

Die Er­zeu­gung ei­ner Streit­kraft ist von ih­rem Ge­brau­che, ih­re ein­sei­ti­ge Pro­duk­ti­on so­wie ih­re lau­fen­de Un­ter­hal­tung in Krieg und Frie­den von ih­rer wech­sel­sei­ti­gen De­struk­ti­on im Ge­fecht zu un­ter­schei­den, wes­we­gen Lo­gis­tik we­der zum Krieg noch zum Han­del im ge­nau­en Sin­ne, we­der zur Lo­gik noch zur Phi­lo­so­phie ge­hört. Die Aus­rüs­tung und Aus­bil­dung von Streit­kräf­ten fällt un­ter ma­te­ri­el­le, geis­ti­ge und päd­ago­gi­sche Pro­duk­ti­on, nicht un­ter kämp­fe­ri­sche De­struk­ti­on und Er­kennt­nis­krö­nung im Bel­li­zis­mus. Als Bil­dung hat sie Na­tur­be­din­gun­gen (Be­ga­bungs­vor­aus­set­zun­gen) und Ar­beits­re­sul­ta­te (Lern- und Übungs­er­geb­nis­se), sie kennt ei­ne Di­dak­tik der Waf­fen­gat­tun­gen und ei­ne Me­tho­dik des Waf­fen­ge­brauchs. Die Tak­tik im ge­nau­en Sin­ne, als Ge­brauch vor­aus­ge­setz­ter Mit­tel im Ge­fecht, ist bel­li­zis­ti­sche Me­tho­dik; sie lehrt, wie ver­schie­de­ne Hand­ha­bun­gen des Mit­tels des­sen Zer­stö­rungs­kraft (als Ge­walt­de­struk­ti­vi­tät wie als Ge­walt­in­ten­si­tät) an den ihr be­stimm­ten Ge­gen­stand, die le­ben­di­ge Kraft des Geg­ners und er­satz­wei­se des­sen Waf­fen, zu brin­gen ver­mö­gen.

Rekrutierungs- wie Kriegsformen sind abhängig von der Verfassung des Gemeinwesens. Regime des Freihandels führen Kriege in Freifeuerzonen, um die Grenzen, die freie Völker und eigensinnige Staaten ziehen, zu zerstören. Raumgerechte Volkswirtschaften reeller Nationen hingegen werden immer eine Raumdeckende Verteidigung aufbauen und das Land selber zur hochdifferenzierten Waffe aller seiner Leute entwickeln. Im Gegensatz zu den Kriegen, in die ganze Völker involviert sind, haben die hochbewaffneten Pazifizierungsinvasionen der liberalistischen Regime eine schnell schrumpfende Basis, ihr Kriegsgeist erstirbt allmählich zur bloß militärischen Demonstration. Seit dem Vietnamkrieg wird die neo-absolutistische Kriegsmaschinerie immer häufiger von nationalen Befreiungskämpfern gedemütigt.

Der Kriegsgeist der Staaten steht heute weltweit auf derart niedrigem Niveau, daß praktisch nur noch globale Polizeiaktionen, aber keine klassischen Staatenkriege und schon gar kein Weltkrieg mehr vorstellbar erscheinen. Das läßt nicht auf das Ende der Kriege hoffen, sondern macht lediglich den baldigen Abgang des globalen Kapitalabsolutismus wahrscheinlich. Stoßen erst die souveränen und bewaffneten Völker aneinander, werden klassischer Duellkrieg und die kriegerischen Volksgeister rasch wiederauferstehen. Der Kriegsgeist der Völker wie der militärische Genius ihrer großen Feldherren bildet sich sehr schnell, weil der Krieg nur in der Wirklichkeit dank ständiger Friktionen so schwer ist, in seiner Theorie aber äußerst einfach. 

Solange der Kriegsgeist und die Souveränität der Völker nicht wiederhergestellt sind und ihre Majestät ungestraft beleidigt werden kann, müssen sie ständig Belehrungen über sich ergehen lassen, was sie gefälligst zu tun und wie sie ihre Länder einzurichten, wen sie bei sich zu dulden haben, wollen sie nicht wirtschaftliche oder militärische Sanktionen auf sich ziehen. Subjekten von Ehre Belehrungen zu erteilen, zieht unter edlen Männern ein Duell nach sich und ist unter freien Völkern eigentlich ein Kriegsgrund. Nicht die Weltkriege, sondern die Umerziehungen – totalitär in kapitalistischer und partikulär in kommunistischer Variante – waren der Schrecken des 20. Jahrhunderts. 

Mit Clausewitzens Werk „Vom Kriege“ (1832) ist der Deutsche Idealismus in der gesellschaftlichen Wirklichkeit des Militärischen angekommen. In diesem Werk ist auch schon ausgesprochen, daß der Krieg es mit der Ökonomie der Kräfte und der Zeit zu tun und mit dem Handel die größte Ähnlichkeit hat. Folglich durchdrang das nächste große Werk des Deutschen Idealismus die gesellschaftliche Wirklichkeit des Ökonomischen; es erschien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und trug den Titel „Das Kapital“. Beiden Werken ist gemeinsam eine völlig unverbrauchte Jugendfrische, beide haben auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts nichts von ihrer Wahrheit eingebüßt. Es hat sich gezeigt, daß die Grundbegriffe beider Werke systematisch miteinander verknüpft werden können. Aber auch jeder Grundbegriff für sich ist weiterer Entfaltung und Präzisierung fähig, was hier am Kriegsbegriff zu demonstrieren war. Freilich sind der Krieg und die Erkenntnisstufe des Bellizismus nicht das letzte Wort der Völker, sondern die Geschichte, der Gang Gottes auf Erden, und der Historismus als Erkenntnisweise relativieren zuguterletzt alles.




Vorherrschaft und Vorknechtschaft

Die Veranstalter der Sommeruniversität haben mir ein riskantes Thema gestellt: „Deutschland als Hegemonialmacht – warum nicht?“ Dieses „warum nicht?“ hat einen doppelten Sinn, einen biederen und einen trotzigen. Im biedermännischen Sinne ist das „warum nicht?“ die Aufforderung zur Aufzählung der Gründe, die gegen eine deutsche Hegemonie in Europa sprechen. Im trotzigen Sinne, der nationalbewußten Deutschen einfallen mag, bedeutet die Frage ein rhetorisches „ja warum denn eigentlich nicht!“, – nicht mit Frage-, sondern mit Ausrufezeichen. – Vorsicht ist bei diesem Thema also angebracht. Dieser Vorsicht wegen sollen die Gründe für beide Lesarten des Titels aufgezählt werden, diese gegen und jene für eine Hegemonialmacht Deutschland.

Der ers­te Grund, war­um Deutsch­land kei­ne Vor­herr­schaft in Eu­ro­pa in­ne­ha­ben soll, ist der, daß es ei­ne der­zeit viel wich­ti­ge­re, der eu­ro­päi­schen Ge­samt­la­ge an­ge­mes­se­ne Rol­le tat­säch­lich aus­füllt: die Vor­knecht­schaft. Deutsch­land hat ge­gen­wär­tig kei­ne Zeit, den Vor­herrn Eu­ro­pas zu spie­len, weil es sein Vor­knecht ist. Seit 1945 ist Eu­ro­pa der Knecht au­ßer­eu­ro­päi­scher Mäch­te. Deutsch­land mu­ß­te nicht nur zwei Welt­krie­ge und vie­le Mil­lio­nen Men­schen (al­lein sechs Mil­lio­nen To­te noch nach dem 8. Mai 1945) ver­lie­ren und ei­nes Drit­tels sei­nes Staats­ge­bie­tes be­raubt wer­den, um über­haupt in die en­gen Stie­fel des eu­ro­päi­schen Vor­knech­tes hin­ein­zu­pas­sen. Dar­über­hin­aus wur­de der von Deut­schen be­wohn­ba­re Lan­des­rest noch drei­ge­teilt, um je ei­nen Vor­knecht für das west­li­che, das öst­li­che und das neu­tra­li­sier­te Eu­ro­pa zu stel­len.

Der zweite Grund, der gegen eine Vorherrschaft Deutschlands in Europa spricht und der in der offiziellen Propaganda ständig wiederholt wird, ist das Jahrfünft der wirtschaftlichen, ideologischen und technisch-kulturellen Dominanz Deutschlands von 1933-1938 sowie die anschließenden Jahre militärischer Initiativen (1939-43). Das übrige Europa hat diese kurze deutsche Hegemonie nicht honoriert, sondern sanktioniert. Weil sich schon im ersten Weltkrieg gezeigt hatte, daß keine europäische Koalition stark genug war, Deutschland in die Knie zu zwingen, gelang die Enthegemonisierung Deutschlands nur durch Verbrüderung mit außereuropäischen Mächten. Damit war Europa aufgegeben und geriet in die Knechtschaft der USA (und ihres Hilfspolizisten UdSSR). Europa, das Deutschlands Vorherrschaft nicht ertragen wollte, sah sich nun deutscher Vorknechtschaft unterworfen, einer ihrer Natur nach viel kleinlicheren Angelegenheit.

Der dritte Grund gegen die Vorherrschaft Deutschlands in Europa folgt aus den ersten beiden. Weil Deutschland heute ein bloßer Vorknecht ist und nicht einmal sein eigener Herr, ist an eine Vorherrschaft nicht zu denken. Und der Rest von Europas Staaten ist nicht nur keiner deutschen Vorherrschaft würdig, sondern überhaupt keiner, denn diese Staaten sind ebenfalls keine Herren, sondern bloße Unterknechte. Die Aufgabe der geschichtlichen Stunde ist also nicht die Anerkennung einer Vorherrschaft über die europäischen Herrschaften, sondern die Befreiung aller Europäer aus der US-Gesamtknechtschaft.

Zwecks Lageanalyse Europas, also einer theoretischen Zerlegung, die zur praktischen Zerlegung der europäischen Niederlage von 1945 führen soll, muß der Charakter unserer US-Gesamtknechtschaft näher betrachtet und das Wesen der USA skizziert werden.

Amerika ist der Abfall von Europa. Dieser Abfall Europas ist eine gefährliche Macht, weil eine utopische, eine entortete Macht. Deren Ideologie ist der Immigrationismus. Die Bevölkerung der USA besteht aus einer Summe von Sozialatomen, aus einer Ansammlung von Individuen, die sich selbst entwurzelt und die freiwillige Entvaterlandung zum Naturrecht jedes Einzelnen erklärt haben (Kongreßakt vom 27.7.1868).

Weil Amerika von europäischem Völkerabfall gegründet wurde, ist es weniger als ein europäischer Knecht. Amerika ist zur Knechtschaft unfähig wie zur Herrschaft. Durch Selbstnomadisierung ist Amerika zur globalen Pastoralmacht geworden, hat es aber nie zur Herrschaftsmacht oder gar zur Vorherrschaftsmacht, also zur Hegemonie im europäischen Sinne, gebracht. Amerika übt Macht aus über unzählige, zumeist dunkle Wege, aber findet eigentlich keinen Gehorsam in der Welt, sondern getriebene Furcht und renitente Getriebenheit. Denn Amerika versteht nicht, zu herrschen. Es findet nicht den Befehlston des Herrn gegenüber dem Knecht und hört nicht das Echo der Verantwortung, das vom Knecht auf den Herrn zurückgeworfen wird. Amerika ist Cowboy, also eine Viehtreibermacht: ein Völkerhetzer, ein Völkerscherer und ein Völkerschächter. Dies ist Amerika schon allein dadurch, daß es Erfinder der formellen Nation oder bloßen Staatsnation ist. Amerika ist Einzelwillensnation statt reelle Nation; es ist kein wirklicher, von einem Volk getragener Nationalstaat, denn die Amerikaner sind kein Volk, sondern das Gegenteil: eine Bevölkerung.

Amerika ist Einwanderungsland und überzieht die Welt mit seiner Ideologie des Immigrationismus, dem ein Emigrationismus entspricht, der das globale Naturrecht auf Expatriierung postuliert. Die mit der Auswanderung vollzogene Entvaterlandung der atomisierten Einzelwillen führt zu bleibender Entwurzelung im Einwanderungsland. Der amerikanische Typus ist der umherziehende Jobber mit Wohnwagen: der kapitalistische Börsenjobber wie der proletarische Gelegenheitsjobber. Der amerikanische Typus ist der Nomade der Moderne, d.h. der Nomade im Zeitalter des siegreichen Nomadismus.

Nomadisierende entwurzelte Bauernvölker bringen es aber meist nur zu einem seelisch verelendeten Sekundärnomadismus. Der souveräne Primärnomadismus dagegen ist eine erfolgreiche Emanzipation der Hirten von den Bauern, ihren Herren. Diesen siegreichen Hirten gegenüber ist der aus Zwängen und Hoffnungen geborene Sekundärnomadismus entwurzelter Bauern unterlegen, denn die Hirten haben eine anti-neolithische Konterrevolution auf ihrer Seite. Dies ist einer der Gründe, daß die Yankees unter die Fuchtel der Juden geraten sind. Ein anderer Grund ist die Alttestamenterei des puritanischen Biblismus, der schon aus den amerikanischen Pilgervätern Ideologie-Juden gemacht hatte. Der Sieg des Nomadismus in Amerika zwang der Welt die Moderne auf. Sicherlich trug dazu auch der angelsächsische Freibeutergeist, der ganz leicht in gewöhnliche Piraterie und in Schiffs- und Kapitalnomadismus umschlägt, seinen Teil bei.

In den USA müssen Völkerkämpfe bislang in der Form zivilgesellschaftlichen Verbändekampfes – von pressure groups – ausgetragen werden. Durch Mancur Olson wissen wir (The Logic of Collective Action. Public Goods and the Theory of Groups, Cambridge/Mass. 1965), daß in einem gesellschaftlichen Kampf die kleine Gruppe taktisch-organisatorische Vorteile gegenüber der großen hat. Wo, wie in Amerika, Völkerschaften sich als zivilgesellschaftliche Interessengruppen gegenübertreten müssen, siegt immer das Kleine Volk über das Große Volk. Das Große Volk der USA aber sind mit einer Kopfzahl von 60 Millionen die Deutschen. Ihnen gebührt rechtens die Vorherrschaft innerhalb der USA, welche die Juden usurpiert haben.

Dieser etwas schärfere Blick auf Amerika hat uns von der schönfärberischen Illusion befreit, die europäischen Völker seien die Knechte der USA. Die Völker Europas sind die getriebenen Herden der kapitalistischen Pastoralmacht: nicht Treiber, sondern Getriebene, unbeherrscht blökenden Schafsnaturen ähnlicher als edlen Knechten. Herrschaft und Knechtschaft wiederzufinden ist Waffe des Befreiungskampfes der Völker, denn die Germanen wurden, wie Hegel sagte, nicht von der Knechtschaft befreit, sondern durch sie. Nicht nur Europa muß von raumfremden Treibern befreit werden, sondern auch Amerika selber von seiner Pastoralmacht. Sein Hirt-Vieh-Verhältnis ist zu brechen und zum Herr-Knecht-Verhältnis emporzuheben. Die Befreiung der europäischen Völker ist ihre Selbstentviehung. Europa ist unter amerikanischer Pastoralmacht zum Gegenstand globaler Spekulation, zur Ressource geworden, auf deren Gebiet europäische wie exotische Völkerherden geweidet, geschoren und geschächtet werden von den Treibern der Globalfinanz.

Jede Befreiung von etwas ist gleichzeitig eine Befreiung zu etwas. Die Befreiung der Völker Europas von der Amerikanisierung ist die Befreiung der amerikanischen Völkerschaften europäischer Abstammung zu ihrer Re-Europäisierung. Das Hirten-Herden-Verhältnis zu zerbrechen, Abels Anmaßung wieder abzustrafen und Kains Herrschaft über Boden und Blut wieder herzustellen sind gemeinsame Mittel des nordatlantischen Befreiungskampfes. Freiheit gibt es also nicht in der demokratisierten und kapitalisierten Masse, welche immer eine Herde ist und zu eigner Tatmacht außer Stande, sondern immer nur im Stande von Herrschaft und Knechtschaft.

Herrschaft ist das Verhältnis von Befehl und Gehorsam zwischen Menschen, zwischen Menschengemeinschaften und innerhalb eines Menschen. Herrschaft ist also dasselbe wie Knechtschaft. Jener Mensch, der seinen Leib unter die Herrschaft seiner Seele und seine Seele in die Knechtschaft seines Geistes zwingt, ist innerlich frei und hat dadurch die Möglichkeit, sich von äußerer Unfreiheit zu befreien. Nur derjenige, der sich selber zum Knecht machen und die jeweils niederen Schichten seines Selbst zum Gehorsam gegen die höheren zwingen kann, wird Herr seiner selbst. Die Herr-Knecht-Verhältnisse innerhalb des Menschen schaffen seine Person und ihr Bewußtsein, also die Freiheit des Einzelnen; die Herr-Knecht-Verhältnisse zwischen den Einzelnen schaffen die freien Gemeinschaften; und die Herr-Knecht-Verhältnisse zwischen den Gemeinschaften schaffen die höheren Gemeinwesen bis hin zu staatlich verfaßten Völkern (reellen Nationen) und außenpolitisch verfaßten Völkerfamilien und -sippen, d.h. völkerrechtlichen Großraumordnungen oder Nationenreichen.

Ideologen des Nomadismus wollen immer „die Herrschaft von Menschen über Menschen aufheben“, um dann die Geschichte vom guten Hirten und seiner Herde zu erzählen und uns die Schafsnatur einzureden. Die europäischen Völker können sich nicht von der Schafsnatur befreien, ohne die Hirten und ihre pecunia, die Kapitalherden, wieder in die Knechtschaft der Höfe zu nehmen. Das heißt, das Kapital muß aus einem Spekulationsgegenstand wieder zu einem Unternehmensmittel gemacht und die Dynamik der Märkte in das Joch der völkischen Eigenwirtschaften gespannt werden. Die Souveränität jedes Volkes muß nicht nur geistig und rechtlich (als Volksgeist und als Völkerrechtssubjekt), sondern auch ökonomisch (als Volkswirtschaft) anerkannt werden. Man darf Demokratie weder mit Volksherrschaft noch mit Volkssouveränität verwechseln. Demokratie ist politischer Kapitalismus. Amerika zwingt der Welt mit der Demokratie den Kapitalismus auf. Ein souveränes Volk ist frei, über seine geistige, seine politische und seine wirtschaftliche Verfassung selbst zu bestimmen. Ausländische Unterstützung der „demokratischen Kräfte“ in einem Land ist Einmischung in seine inneren Angelegenheiten und heißt, die Käuflichen zu kaufen und die Entscheidung des Volkes über seine politische und wirtschaftliche Ordnung von außen zu manipulieren.

Man hüte sich vor dem falschen Souveränitätsbegriff, der Souveränität mit völliger Unabhängigkeit gleichsetzt. Schon aus dem Grunde der bekannten Herr-Knecht-Dialektik, wonach der größte Herr am abhängigsten ist, weil er die Arbeit besonders vieler Knechte nötig hat, ist nicht souverän, wer völlig unabhängig ist. Der Unabhängige braucht nicht den Gehorsam der anderen, weiß aber auch nichts zu befehlen; er muß selber niemandem gehorchen und erringt daher nur schwer die Herrschaft über sich selbst. Souveränität ist Selbstverantwortung. Souverän ist jede Entscheidung, die nur vor Gott, nicht aber vor einer irdischen Instanz verantwortet werden muß.

Der Befreiungskampf der Völker wird in der Neuen Welt die USA und Kanada abwickeln und neue, exklusive Volksstaaten schaffen, die, wenn es gut läuft, mit ihren europäischen Stammvölkern liiert sind. In Europa werden die imperialistischen Reichsersatzmächte Großbritannien und Frankreich auseinanderfallen, weil sie Ethnozid-Staaten sind. Es gibt nämlich Franzosen und Großbriten sowenig wie es Sowjetmenschen gab oder EU-Menschen geben wird. In der Alten wie in der Neuen Welt wird auseinanderfallen, was nicht zusammengehört. Die europäischen Völker werden die nichteuropäischen sozial von sich abtun und aus ihren Gebieten ausweisen. Die formellen Nationen, die mit ihren widernatürlichen Staatsgrenzen die Siedlungsräume der Völker, also der reellen Nationen, durchschneiden, werden sich auflösen. Andrerseits wird auch weiterhin zusammenwachsen, was zusammengehört.

Der transatlantische Befreiungskampf der Völker wird das Nationalstaatsprinzip Ein-Volk-ein-Staat in der Neuen Welt erst durchsetzen und in der Alten Welt erneuern. Die völkischen Selbstbehauptungskriege in Ex-Jugoslawien, die erst durch den Humanismus der äußeren Einmischung und seine Taten der ethnischen Verschmutzung bestialische Begleiterscheinungen hervortrieben, könnten durchaus das Muster künftiger Erbauseinandersetzungen unter Europas Völkern abgeben. Die Abwicklung Frankreichs und Großbritanniens kann also sehr leicht noch blutiger werden. Das völkische Prinzip der ex-jugoslawischen Kriege ist das zukünftige europäische Gemeinschaftsprinzip, das Konflikte sowohl austragen als auch beenden kann. Im übrigen ist die Balkan-Politik aller europäischen Mächte einschließlich Rußlands heute schon viel richtiger, als allgemein behauptet, weil sie die Konsolidierung eines islamischen Staates in Europa verhindert. Ob Serbien oder Kroatien das bosniakische Autonomiegebiet angehängt bekommt, ist der einzig ernsthafte Streitpunkt.

Die staatsgeborenen Papiervölker Amerikas, Kanadas, Frankreichs und Großbritanniens werden untergehen und als viele natürliche Völker wiederauferstehen und sich ihre volksgeborenen Staaten schaffen: reelle Nationen als Nationalstaaten, die die formellen Nationen als Staatsnationen neben sich zwar dulden, aber nicht als gleichrangig anerkennen können, wodurch das Verhältnis von Herrschaft und Vorherrschaft wieder ins Blickfeld tritt. Sobald der homogene Volksstaat von Seattle bis Miami und von Brest über Lemberg bis Wladiwostok nicht nur politische Ideal-, sondern auch Normalverfassung der indogermanischen Völker sein wird, kann die Frage nach Deutschland als Hegemonialmacht neu gestellt werden und schlösse auch grundsätzlich die Möglichkeit ihrer Bejahung ein.

Jetzt erst, nach vollzogenener völkischer Revolution in Amerika und Europa, ist der Frage nach der Grundlage einer Hegemonialmacht Deutschland in Gestalt einer Betrachtung der geschichtlichen Resultate näherzutreten. Es erübrigt sich daher eigentlich die Feststellung, daß ich eine Hegemonie der BRD und ihres ochlokratischen Leitungspersonals weder für wünschenswert noch für möglich halte. Unter der ökonomischen Gesellschaftsformation des global abgrasenden Finanz- und Monopolkapitals können sich weder Herrschafts- noch Vorherrschaftsverhältnisse und damit überhaupt keine geordneten Verhältnisse herausbilden.

Ich unterstelle Rußland als reelle europäische Nation, wodurch der Siedlungsraum der europäischen Völker von den Bretonen in Brest bis zu den Russen in Wladiwostok reicht. Ich verwerfe die Idee des Eurasischen Reiches, weil es unvölkisch gedacht ist und die Russen zum bloßen Bollwerk gegen chinesische, indische und muslimischen Bevölkerungsmassen funktionalisiert und daher degradiert, nicht aber als europäisches Volk, nicht als Selbstzweck anerkennt. Überhaupt ist es eine dem gottlosen Systemdenken verfallene Redeweise, den Völkern Aufgaben zuzuweisen, die ihnen einen außerhalb ihrer selbst liegenden Daseinszweck andichten. Völker sind Weltansichten Gottes und jeder Volksgeist ist eine eigene Weise, Gott anzuschauen. Nur auf Grundlage solch einer minimalen Völkertheologie kommen wir zur Frage der völkerrechtlichen Großräume Europa und Nordamerika und ihrer inneren Vorherrschaften als einer Reichsfrage, also einer Frage der politischen Theologie. Dabei ist zu beachten: Vorherrschaft ist weniger als Herrschaft. Vorherrschaft ist bloß eine Rangordnung zwischen selbständigen Herrschaften, die freie Gefolgschaft der anerkannten Führerschaft. Und alle Herrschaft auf Erden ist unmittelbar zu Gott, ganz wie die Knechtschaft.

Mächte, die nicht auf der Grundlage Ein-Volk-ein-Staat errichtet sind, werden nicht nur politisch-historisch defizient sein, sondern auch theologisch, wodurch sie vom Heil immer weiter abkommen. Sie erreichen kein Jenseitiges und Wesentliches, also keine Reichsfähigkeit.

Die Aufteilung Nordamerikas in reelle Nationalstaaten wird Deutschamerika als größte Macht im Zentrum des Halbkontinents verorten. Weil das Wesen des deutschen Volkstums das Gemeingermanische ist, wird auch ein großer Teil der germanischen Bevölkerung Nordamerikas, der nicht von deutschen Einwanderern abstammt, sich als Deutschamerikaner naturalisieren. Deutschamerika wird also der Zentralstaat und die natürliche Vormacht in Nordamerika sein.

Europa insgesamt wird nach einer völkischen Revolution von außereuropäischen Landnehmern befreit sein. Die Staatsgrenzen innerhalb des Kontinents werden an den Rändern der rechtmäßigen Siedlungsräume seiner Völker verlaufen. Das Königreich Schottland und das Fürstentum Wales werden restituiert, das Königreich beider Sizilien mit dem italo-orientalischen Volk, die römische Republik der lateinischen Italiener in Mittelitalien und das dem Deutschen Reich zugewandte, durch Langobarden und Ostgoten germanisierte Norditalien als Volksstaaten wiedererstehen. Von Frankreich werden ein größerer gallo-romanischer und einige kleinere Nationalstaaten übrigbleiben. Wiederauferstehen werden das normannische, das bretonische, das okzitanische, das westgotische, das baskische, das westfränkische und das burgundische Volk und jedes seinen eigenen Nationalstaat schaffen. Je nach eigener Art und Zugehörigkeit werden sich die befreiten, vielgestaltigen Völker Europas der romanischen oder der germanischen Völkerfamilie zuordnen und engere oder weitere Reichsgenossenschaften bilden. Die sondergermanischen skandinavischen Volksstaaten werden als einzige unverändert fortbestehen.

Die deutschen Staaten werden zu einem einheitlichen, gemeingermanischen Reich aller deutschen Stämme verschmelzen und erstmals in der Geschichte den gesamtdeutschen Nationalstaat verwirklichen. Die von antieuropäischen Mächten angefachten Weltkriege werden durch die Friedenserklärung nach dem status quo ante von 1914 beendet. Den innereuropäischen Motiven der Weltkriege wird durch die völkische Reform der völkerrechtlichen Verhältnisse in Europa Rechnung getragen. Das gesamte deutsche Siedlungsgebiet in Böhmen und Mähren fällt an das Deutsche Reich.

Kongreßpolen wird als Königreich wiederhergestellt und als russische Sicherheitszone völkerrechtlich anerkannt sein. Die fremdvölkischen Siedlungsgebiete innerhalb der Nationalstaaten (nach dem Stand von 1914) werden entweder garantiert oder durch vereinbarten Gebiets- und Bevölkerungsaustausch beseitigt. Das europäische Realvölkerrecht im allgemeinen und die Reichsgenossenschaftsordnungen (Reichsvölkerrecht) im besonderen werden Vertreibungen militärisch sanktionieren und rückgängig machen, vereinbarte ethnische Entmischungen dagegen völkerrechtlich schützen und ethnische Verschmutzung unter kategorischen Prohibitiv („Bilde kein Völkergemisch und verwerfe jedes Völkergemisch als Unnation!“) stellen. Als Leitstern wird über den befreiten Völkern der Sandersche Nationale Imperativ stehen: Sei Nation und anerkenne jedes andere Volk als Nation!

Die künf­ti­ge eu­ro­päi­sche He­ge­mo­ni­al­fra­ge ist da­mit noch nicht ge­löst. Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en kom­men für ei­ne He­ge­mo­nie in Eu­ro­pa nach der völ­ki­schen Re­vo­lu­ti­on nicht in Fra­ge, weil es sie nicht mehr ge­ben wird. Ob Eng­land über­haupt ei­ne ei­gen­stän­di­ge Macht bleibt, ist nicht ge­wiß; viel­leicht wird es wie­der zur nie­der­säch­si­schen West­mark. Ein pol­nisch-rus­si­sches Vor­herr­schafts­bünd­nis ist nach der völ­ki­schen Re­vo­lu­ti­on aus­ge­schlos­sen, weil Kon­gre­ß­po­len als rus­si­scher Part­ner zu schwach und an­sons­ten so­wie­so als rus­si­sche Si­cher­heits­zo­ne an­er­kannt sein wird. Ge­gen­wär­tig wä­re ein pol­nisch-rus­si­sches He­ge­mo­nie­bünd­nis durch­aus mög­lich. Es hät­te die Re­vi­ta­li­sie­rung der Nato und die Wiedererrichtung des Eisernen Vorhanges an der Oder-Neiße-Linie zur Folge. Ich glaube, daß es vor der völkischen Revolution überhaupt keine politische, d.h. anerkannte Vorherrschaft in Europa geben wird, sondern nur politische Verlogenheit (siehe die Balkan-Kriege) und massenpsychologischen Herdentrieb.

Nach der transatlantisch-völkischen Revolution sind anerkannte Vorherrschaften auf eigentlich allen Tätigkeitsgebieten eines jeden indogermanischen Volkes möglich. Betrachtet nach Maßstäben des europäischen Herkommens, so sind die Russen als das größte europäische Volk der prädestinierte Hegemon der Alten Welt. Als nächster Kandidat kämen dann die Deutschen als zweitgrößtes europäisches Volk in Frage. Sind die künftigen Leistungen der großen europäischen Völker annähernd gleich, dann wäre Rußland der geborene Hegemon; sollte Deutschland auf allen Gebieten überragende Leistungen erbringen, dann käme eine deutsche Hegemonie in Frage. In beiden Fällen wäre ein deutsch-russischer Rückversicherungsvertrag das Rückgrat der jeweiligen Vorherrschaft.

Die Annahme einer völkischen Revolution und daraus entstehender transatlantischer Doppelnationen wie z.B. Deutschland-Deutschamerika oder England-Neuengland verschiebt die Hegemonialchancen nach Westen, in erster Linie nach Deutschland. Aber alle europäischen Nationen wären dann transatlantische Spangenvölker. Wenn das Deutsche Reich in Europa mit den sondergermanischen Völkern eine enge Genossenschaft der germanischen Völkerfamilie bildet, dann wird entsprechend Deutschamerika eine solche germanische Reichsgenossenschaft in der Neuen Welt gründen. Jedes Volk wird ein transatlantisches Spangenvolk sein und die atlantisch-germanische Reichsgenossenschaft ein völkisches Spangenbündel darstellen.

Weil die gemeingermanische transatlantische Volkstumsspange, verstärkt durch die sondergermanischen Doppelvölker, die stärkste homogene Machtanhäufung darstellen wird, ist sie zur Vormacht vorbestimmt. Gleichwohl dürfte diese Machtballung zu schwach sein, um den russischen Siedlungsraum bis zum Pazifik hin zu dominieren. So stark also die europäisch-nordamerikanischen Germanenvölker auch sein mögen, – zur Vorherrschaft über den eurasischen Geamtsiedlungsraum der indogermanischen Völker brauchen sie das existentielle Bündnis mit den Russen. Dies wirft aber die Frage nach dem Europäertum der Russen und damit nach dem Wesen Europas auf.

Europa als Zentrum der Weltgeschichte gibt es seit der sog. Völkerwanderung, als germanische Heeresgruppen, die Stämme, das weströmische Reich überrannten und der germanischen Land- und Herrschaftsnahme öffneten. Sie ersetzten die antike Form des Gemeinwesens durch die höhere germanische Form; damit beendeten sie die antike Welt und eröffneten die germanische Welt mit ihren unvergleichlichen Leistungen in Mittelalter und Neuzeit. Die antike Welt war eine solche der germanischen Initiative auf orientalischen Grundlagen, also ein Intermundium von orientalischer und germanischer Welt. Europa vom Atlantik bis zum Pazifik, später in seinen Volkskolonien rund um den Globus, ist also die Welt der Germanen auf germanischer Grundlage.

Die Germanen sind die Schöpfer der sog. Arier, also der indogermanischen Völker, die durch germanische Hegemonie und Blutsmischung mit einer kulturtragenden Grundbevölkerung entstanden. So wurden die Hochkulturen im Orient, der Sumerer, der wedischen Inder, der Hethiter, der Mitanni, der Frühgriechen und der Perser geschaffen (ca. 2500-1700 v.Chr.). Mit dem Angriff der „Seevölker“ auf Ägypten am Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. und der „dorischen Wanderung“ nach Griechenland (Hakenkreuzzüge) begründeten die Germanen die Hochkultur der klassischen Antike; nebenbei verwandelten die Germanen Kanaan (Palästina) in „das Land, wo Milch und Honig fließt“, was prompt die Begehrlichkeit der Hebräer weckte. Die Kulturhöhe des klassischen Griechenlands wurde erst im 13. Jahrhundert n.Chr. vom Ersten Deutschen Reich überboten. Das ging wieder mit Kriegszügen nach Palästina einher (Kreuzzüge).

Die germanische Überwindung Westroms führte zur Begründung Europas als geschichtlichem Begriff. Europa, das ist die Errichtung der germanischen Welt, die auf der Freiheit jedes Einzelnen und seines Eigentums beruht. Geostrategisch möglich wurde die germanische Eroberung und Umformung des weströmischen Reiches nur durch das Stillhalteabkommen (Rückversicherungsvertrag) mit Ostrom und den dadurch ermöglichten vollen Einsatz aller germanischen Stämme einschließlich derjenigen aus dem russischen und dem balkanischen Raum. Eine Folge dieser Ausgangslage Europas war, daß die an der Westfront eingesetzten Germanen die Erben des ersten Rom wurden und schließlich das Heilige Römische Reich gründeten, die Ostgermanen aber die Dauerverbündeten von Byzanz, des zweiten Rom, wurden und nach dem Untergang des Byzantinischen Reiches ihr drittes Rom (Moskau) errichteten. Seitdem hängt das Schicksal der germanischen Welt Europas am Rückversicherungsvertrag.

Die sog. Slawen und insonderheit die Russen sind wahrscheinlich nicht die Nachkommen der Bewohner der Pripet-Sümpfe, sondern durch steppennomadische Reitervölker (Skythen, Hunnen, Awaren, Madjaren, Mongolen, Türken) überlagerte und blutsmäßig eingemischte Ostgermanen, die seit Kyrill und Method auch noch sprachlich überformt wurden. Mit der warägischen Aufnordnung Ostgermaniens im 9. Jahrhundert entstand das Kiewer Reich und damit die Staatsgeschichte Rußlands als einer Sonderentwicklung der germanischen Welt, die nicht nur die zwei Jahrhunderte Mongolenherrschaft überstand, sondern auch in ihrer tausendjährigen Geschichte einen ständigen Zustrom von Deutschen verbuchte, was den russischen und den deutschen Geist einander immer mehr annäherte. Während der bolschewistischen Fremdherrschaft wurde die germanische biologische Substanz Rußlands zielbewußt dezimiert und die germanische Produktionsweise durch die asiatische gewaltsam verdrängt. Der gegenwärtige Kampf um Rußland entscheidet, ob die germanisch-bäuerliche oder die asiatisch-nomadische Linie siegt. Die nomadische Linie wird nicht nur von den Kapitalnomaden des Kleinen Volkes favorisiert, sondern auch von den Goldenen (Finanz-)Horden aus Fernost wie aus Fernwest. Verlieren sie den Kampf um Rußland, dann hat die völkische Revolution in Nordamerika wie in West- und Mitteleuropa sehr gute Aussichten auf einen vollständigen Sieg.

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Der Sinn einer konservativen Revolution

Henning Eichberg schrieb vor einiger Zeit in der Zeit­schrift „Wir selbst“ über den „Unsinn der Konser­vativen Re­volution“, wobei er richtig fest­stellte, daß diese Wort­montage in der begriff­losen Ver­wendungs­weise, die heute üblich ist, „keinen Erkenntnis­gewinn“ bringe und nur wieder einmal er­mög­liche, von Volk und Nation zu schweigen. Er verwies dabei auch auf das Re­habilitierungs­ziel, das Armin Mohler 1950 mit der Wieder­ein­führung des Namens „Kon­ser­vative Re­volution“ für die breite literarische Strömung der Zwischen­kriegs­zeit ver­folgte. Eich­berg selbst schloß sich der richtigeren Bezeichnung „Neuer Nationalismus“ an, die schon Eigen­bezeichnung gewesen war, von Stefan Breuer 1993 in seinem Buch „Anatomie der Konservativen Revolution“ wieder in Vor­schlag gebracht und vom „Ver­fas­sungs­schutzbericht Hamburg 1995″ (S.54) übernommen wurde.

Die ideen­geschicht­liche Be­zeichnung „Kon­ser­vative Re­volution“ ist andrerseits nicht un­sinniger als jeder andere Name für eine Geschichts­epoche: Unter Karl dem Großen und Otto dem Großen ist ebenso­wenig das römische Imperium wieder auf­erstanden wie in der Renaissance die Antike wieder­geboren wurde oder im Ab­solutismus irgendetwas absolut war; auch die traurigen Er­eignisse von 1789 ff. waren keine Revolution, sondern eine bornierte Standes­revolte, die bald in Terror und Größen­wahn umschlug.

Der Konservativismus

Wie der politische Sozialismus so ist auch der politische Konservativismus in Deutschland im Jahre 1848 in die geschichtliche Erscheinung getreten. Der 1848 in Berlin gegründete Verein zur Wahrung der Interessen des Grundbesitzes, der sein Sprachrohr in der Kreuzzeitung („Neue Preußische Zeitung“) hatte, war die erste konservative Partei in Deutschland, – ganz ebenso, wie die Arbeitervereine die erste soziale Partei und die Kapitalbesitzervereine die erste liberale Partei waren. Die drei politisch-ideologischen Hauptströmungen der parlamentarischen Systeme – Konservativismus, Liberalismus und Sozialismus – haben sich also im historischen wie im systematischen Sinne an den drei Hauptfaktoren der ökonomischen Produktion kristallisiert: an Boden, Kapital und Arbeit. Daher gilt das Gebot: Vom Konservativismus soll schweigen, wer von Immobilien nicht reden mag. Denn eine konservative Reform des Gemeinwesens ist, vor allem anderen, eine Bodenreform. Also bedeutet eine politisch-konservative Revolution eine Bodenrechtsrevolution. Konservative Revolutionen haben also immer dort Sinn, wo Revolutionen des Bodenrechts sinnvoll sind.

Die Revolution

Leider Gottes sind unsere zahlreichen Autoren über, für und gegen die „Konservative Revolution“ allesamt folgsame Schüler des Mephisto, denen schnell ein Wort sich einstellt, wo ihnen der Begriff fehlt. Und sie haben nicht nur keinen Begriff des Konservativismus, sondern erst recht keinen der Revolution. Daher hier ein Merksatz aus dem „ABC der politischen Begriffe“ (Staatsbriefe 6/94): Revolutionen sind Umkehrung eines wesentlichen Verhältnisses im Gemeinwesen, so daß ein neues und höherrangiges Verhältnis wesen- bestimmend wird.

Beispiele für erfolgreiche und alltäglich gewordene Revolutionen sind etwa die Findung des Geldes durch Umkehrung der totalen Wertform in die allgemeine Wertform oder auch die Erfindung des Kapitals durch Umkehrung der Umlaufmittelfunktion des Geldes in seine Umlaufzweckfunktion.

Klassengegensätze

Weil der Konservativismus historisch und systematisch am Produktionsfaktor Boden sich festmacht und also eine Klasse der bürgerlichen Gesellschaft bezeichnet, ist er sinnvoll verwendbar nur gemeinsam mit seinen beiden Gegenklassen des Liberalismus und des Sozialismus, die sich an den Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit verorten. Allerdings fixiert sich die Unterscheidung Konservativismus-Liberalismus-Sozialismus nicht an den Produktionsfaktoren überhaupt, sondern nur an ihren Verteilungsfaktoren. Ein Gemeinwesen von freien Grundeigentümern, die auf eigner Scholle mit eigner Kraft und eignen Mitteln arbeiten, also Mittelstand weil im Stande ihrer Mittel sind, mag zwar konservativ, liberal und sozial genannt werden, den bürgerlich-gesellschaftlichen und parlamentarischen Klassengegensatz von Konservativismus, Liberalismus und Sozialismus gibt es in solch einem mittelständischen Gemeinwesen nicht.

Der Verteilungskampf

Konservativismus existiert also nur in den Zeiten relativer Monopolisierung von Grund und Boden in den Händen einer konservativen Klasse, so daß bodenlose oder bodenarme Gegenklassen zur Erhaltung ihres Lebens oder ihres eigenen Produktionsfaktors den Mangel durch Erwerb am Faktormarkt gegen Hergabe eines von ihnen relativ monopolisierten Gegenfaktors (wie Arbeit oder Kapital) ausgleichen müssen.

Die Konservativen sind also Angehörige einer Klasse, die im Verteilungsschema der bürgerlichen Gesellschaft ständig liberalistische und sozialistische Faktorgüter in sich aufnehmen, auch, um ihren Zustand als Konservative zu erhalten. Der Konservative muß also Klassenkämpfer sein und Klassenkampfverbände – konservative Parteien und Grundeigentümerverbände – bilden, um den Verteilungskampf mit den Verbänden der Liberalisten, Sozialisten und Konsumisten zu bestehen.

Die Veräußerbarkeit

Konservative Revolution ist nicht weniger sinnvoll als liberale oder soziale Revolution. Revolutionen von Produktionsverteilungsfaktoren sind Umkehrungen von Verhältnissen der Verteilung von Produktionsfaktoren. Verteilungsfaktoren ist wesentlich, daß sie von ihren Besitzern an ihre Nichtbesitzer verteilt werden. Der Faktor als noch zu verteilender ist veräußerlich, als bereits verteilter ist er unveräußerlich – weil produktiv – geworden. Revolutionen auf dem Verteilungskampfplatz der bürgerlichen Gesellschaft sind Umkehrungen zwischen Ver- und Unveräußerbarkeit und der Minimal- und Maximalgrößen beider. Grundmuster aller Revolutionen in diesem Sektor des Gemeinwesens ist, daß die Verteilungsfaktoren gänzlich oder teilweise veräußerlich oder unveräußerlich sein sollen, damit jeder Klassen- bzw. Volksgenosse allezeit ein Konservativist, ein Liberalist oder ein Sozialist werden oder bleiben kann.

Volksrevolutionen im neuen Reich

Revolutionen im Verteilungsschema de bürgerlichen Gesellschaft sind also: Veräußerbarkeits-, Unveräußerbarkeits-, Klassen- und Volksrevolutionen in allen vier Faktoren, so daß die bürgerliche Verfassung eines Volkes sechzehn gesellschaftliche Revolutionsarten kennt.

Die Geschichte bietet eine Fülle empirischer Belege, einer sei nur herausgegriffen: Die Unveräußerlichkeit der Person seit Beginn des Mittelalters im 5. Jahrhundert war eine sozialistische Volksrevolution, die den Totalverkauf der Arbeitskraft und damit die Selbstversklavung unmöglich machte. Auf dieser sozialistischen Volksrevolution beruht also das christliche Abendland.

Das für das Vierte Reich geplante Grundrecht (Art. 3,1 RVerfE) ist die Konservative Volksrevolution der Unveräußerbarkeit von Mindestgrundstücken, das Recht auf Arbeit (Art. 15,3 RVerfE) die Sozialistische Volksrevolution der Veräußerbarkeit von Mindestarbeitskraft. Der weltweite freie Kapitalverkehr hingegen ist eine völkerzerstörende Liberale Klassenrevolution, sie ist die kapitalistische Weltrevolution der Gegenwart.

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Karl Marx und die deutsche Philosophie

Die in der Aula geführte Debatte über Karl Marx zwischen den Standpunkten der Autoren Löw/Romig (5/97), Girtler (9/97) und Golowitsch (12/97) hat sich auf die Persönlichkeit Marxens kapriziert und völlig vermieden, das Haupt­werk des Theoretikers Marx auch nur zu berühren. Damit hat man sich selber vom Verständnis des Grundes der gegen­wärtigen Marx-Renaissance abgeschnitten, die sich allein auf Das Kapital stützen kann.

Außer­dem hat die Debatte den Sozial-Anti­semitismus des Juden Marx gegen ihn selber als zu er­he­ben­den oder zu ent­kräftenden Vor­wurf instrumentiert und daher die gegen­wärtig herr­schen­den Denk­tabus und Kritik­schablonen verstärkt, anstatt sich über sie souverän hinwegzusetzen. Weil es heut­zutage keine öffentlichen Juden­feinde geben darf, gibt es in Wahr­heit auch keine Juden­freunde. Wer den Haß verbietet, der hat die Frei­heit nicht weniger unterdrückt, als wer die Liebe ächtet.

Selbst­redend war Marx ein kultur­deutscher Anti­semit, aber eben auch ein Bluts­jude, der alt­testamentarisch hassen konnte und z.B. Öster­reich ganz besonders üble Finanzjuden an den Hals gewünscht hat. Die Menschen allgemein sind wider­sprüchliche Wesen, und Marx war es in außer­gewöhnlichem Maße: Als systematischer Theoretiker war er ein deutscher Phi­losoph, als Prak­tiker und Pro­grammatiker dagegen ein jüdischer Gewalt- und Macht­ideologe der besonders staats­feindlichen und anti­politischen Art. Der Marxismus als jüdische Gewalt­ideologie ist in Rußland und ganz Ost­europa blamabel gescheitert, und zwar zuguter­letzt an der mittel­deutschen Einigungs­bewegung von 1989; der Marxismus als deutsch-systematische Theorie des Kapitalismus hingegen ist durch den Triumph der ka­pi­ta­lis­tischen Pluto­kratie des Westens über die kommunis­tische Des­potie in Ost­europa glänzend bestätigt worden.

Der deutsche Marx hat recht behalten, der Kapitalismus war die Welt­revolution, die alle vorkapitalistischen und reaktionär-anti­kapitalistischen Gesellschafts­formen hinweggefegt hat. Dieser Erfolg als Theoretiker war Marx beschieden, weil er sich zur deutschen Philosophie und ganz besonders zum Deutschen Idealismus streng epigonal verhielt und sich jede originär jüdische Gedanken­zutat (außer dem Aus­rutscher der „Ex­pro­pri­ation der Ex­pro­priateure“ im 23. Kapitel des ersten Kapital-Bandes) verkniff. Die Sieben gegen Theben waren zwar originell, aber erst ihre Epigonen auch erfolg­reich.

Karl Marx war ein jüdischer Ver­brecher und ein deutsches Genie. Dem Genie ist die deutsche Treue zu halten, die literarischen Verbrechen des jüdischen Ideologen aber sind verjährt. Die konservativen Schätzungen der russischen Regierung über die Zahl der Menschen­opfer, die in An­wendung der jüdisch-marxistischen Gewalt­ideologie in der Sowjetunion gebracht wurden, belaufen sich auf sechzig Millionen. Dieses Ver­brechen übertrifft noch das des Mongolen­sturms und ist damit singulär in der Welt­geschichte überhaupt. Es hätte ohne die willige Hilfe des ganzen Welt­juden­tums nicht ausgeführt werden können.

Als deutsches Genie hat Karl Marx den ganzen Deutschen Idealismus beerbt und mit dem Kapital, seinem Haupt­werk, den letzten und ausgereiftesten System­entwurf der idealistischen Bewegung vorgelegt. Schon seinen system­begründenden Begriff der Ware als Ein­heit eines Ge­brauchs­wertes (oder -gegenstandes) mit seinem Tausch­wert hat er getreulich aus Hegels Rechts­philosophie (1821) abge­kupfert, wo in § 40 das Recht als Ein­heit eines Besitzes mit seinem Eigen­tum bestimmt wird. Weil jedes Recht auch eine Ware und jede Ware auch ein Recht ist, hat Marx eine grund­legende Über­setzungs­arbeit des juridischen in den polit­ökonomischen Grund­begriff geleistet, aus dessen Selbst­bewegungen er sein System aufbaut und in seiner reflexions­logischen Wert­formen­lehre über Hegel hinaus­führende Re­sul­tate in Ge­stalt einer exakten Geld­deduktion erhält, die ihm die genaue Unterscheidung zwischen Wesen und Funktion (Erscheinung) des Geldes gestattet und das Kapital als selbstbezügliche Geld­funktion demonstriert.

Implizit hat Marx mit seiner Geld­deduktion aus der Waren­welt auch die Ab­leitung des öffentlichen Rechts aus der Welt der Rechte und die Staats­deduktion aus der Welt der juristischen Personen geliefert, obwohl er keine Staats­theorie verfaßt hat. Von Hegel hat Marx auch die Theorie der Ver­elendung in der bürgerlichen Gesell­schaft übernommen, nicht aber das Konzept des Staates als Wirk­lichkeit der sitt­lichen Idee, als Dasein Gottes auf Erden.

Die Autoren Löw/Romig meinen, Marxens ökonomische Theorie ließe sich mit einem legeren Verweis auf die herr­schen­de Meinung der Uni­ver­si­täts­öko­no­mie erledigen. Die Qua­lität der schul­ökonomischen Marx-Rezeption ist aber unter aller Kritik. So etwa kann man fol­genden Voll­unfug lesen: „Die Ware Arbeit ist nun nach Marx die einzige, bei der Gebrauchs- und Tausch­wert voneinander abweichen können, und zwar übersteigt der Gebrauchs­wert den Tausch­wert der Arbeit.“ (Klassiker des öko­no­mi­schen Denkens. II. Von Marx bis Keynes, ed. Starbatty, München 1989) Das bedeutet, daß die Uni­ver­si­täts­öko­no­mie noch nicht einmal das erste Kapitel des Kapitals versteht. Sie kann es nicht verstehen, weil ihr die phi­lo­so­phische All­ge­mein­bil­dung mangelt, die sie erkennen ließe, daß Das Kapital steht und fällt mit dem Begriffs­konzept des Deutschen Idealismus im besonderen und dem kraft­theo­re­ti­schen Den­ken der deutschen Phi­lo­sophie im all­ge­mei­nen.

Den einzigen Schwach­punkt in Marxens System hat die Universitäts­ökonomie natürlich auch nicht entdeckt. Er besteht darin, daß beim Wert der Arbeits­kraft nicht die Arbeits­wert­theorie angewandt, sondern der Preis der Kon­sumtions­mittel als Wert­bestimmer unterstellt worden ist. In Korrektur dieser In­konsequenz habe ich den dritten, arbeits­kraft­pro­duzierenden Sektor in die Kritik der politischen Ökonomie eingeführt und die darin mögliche Mehr­arbeit, deren pä­da­gogisches Mehr­produkt unter Um­ständen auch als Lohn­zuwachs re­alisierbar ist, als Konsumtions­rente, die nicht mit Alfred Marshalls Kon­sumenten­rente zu verwechseln ist, postuliert (Das Gesetz des Gesamt­nutzens, 1981).

Kants General­frage lautet: „Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?“ (KdrV,B19) Man urteilt Begriffe ana­ly­tisch, wenn le­dig­lich die mit ihnen schon gegebenen Be­stand­teile auf­gedeckt werden, und man ur­teilt den Be­griff synthetisch, wenn mehr als das mit ihm Gegebene heraus­kommt, also ein Mehr­wissen ent­steht. Bei aposteriorisch-synthetischen Ur­teilen unterstellt Kant die Herkunft dieses Mehr­wissens aus der Er­fahrung, bei apriorisch-synthetischen Urteilen aber komme das Mehr­wissen – das geistige Mehr­produkt des Er­kenntnis­prozesses – aus dem Er­kenntnis­vermögen. Das Erkenntnis­vermögen als geistige Arbeits­kraft ist dem Er­kennen, der geistigen Arbeit, trans­zendental, aber nicht transzendent, also nicht jen­seits von Raum und Zeit.

Das Mehr­wissen oder der Erkenntnis­zuwachs aus Er­kenntnis­prozessen, die zu synthetischen Urteilen a priori führen, hat bei Kant also seine Quelle im Er­kenntnis­vermögen. Marx ver­all­gemeinert das Trans­zendental­apriori aus Kants Kritik der reinen Vernunft in seiner Kritik der politischen Ökonomie auf alle Arbeits­prozesse und die in ihnen mögliche Mehr­arbeit, die sich in einem Mehr­produkt mit einem Mehr­wert ver­gegen­ständlicht, der sich am Markt als Geld­preis realisieren muß. Das Trans­zendental­apriori der Marxschen Ökonomie ist die menschliche Arbeits­kraft überhaupt. Wer die Marxsche Mehrwert­theorie angreifen will, der muß Kants synthetische Ur­teile a priori aushebeln, oder uns zumindest vorführen, wie er das Ding-an-sich erkennt.

Fichte wollte Kantianer ohne das Ding-an-sich sein, hat sich den Atheismus-Vorwurf zugezogen und war ein bein­harter Sozialist, Nationalist und Ar­beits­theoretiker, der Ei­gen­tum nur als Ar­beits­mo­nopol, nicht aber als Besitz­monopol, anerkannte. Von Schelling hat Marx die Natur­theorie und von Hegel auch noch die Dialektik übernommen. Wer sich theoretisch mit dem Kapital anlegt, steht nicht nur gegen den ganzen Deutschen Idealismus, sondern mindestens noch gegen die Leibnizsche Monadologie.

Kapitalismus heute funktioniert wie im Kapital dargestellt. Die Alte Linke, in Deutsch­land 1933 besiegt, hatte die Ar­beiter in der großen Industrie für das revolutionäre Sub­jekt gehalten. Die Neue Linke, die 1968 in Er­scheinung trat, ging in ihrer Stra­tegie von der arbeitslosen Produktion in der vollautomatischen Fabrik, also vom Ende der Wert­schöpfung und der ka­pi­ta­lis­ti­schen Waren­pro­duktion aus und setzte ihre Hoffnung in jene Massen, die von den Herr­schenden ernährt werden müssen. Bei fünf Millionen offiziellen und acht Millionen reellen Arbeits­losen allein in der ver­einigten Besatzungs­zone Deutsch­lands kein unrealistischer Ansatz.

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Demokratie und Patriotenverfolgung

Den Pa­trio­tis­mus der La­tei­ner ha­ben die Deut­schen in die Va­ter­lands­lie­be, den Na­tio­na­lis­mus in die Lie­be zum Volk ver­wan­delt. Na­tio­na­lis­mus weist zu­rück auf na­tus, na­ta, den ge­bo­re­nen Sohn, die ge­bo­re­ne Toch­ter, und die­se ver­wei­sen auf die Na­tur über­haupt, das Ge­bo­re­ne schlecht­hin. Na­tio­na­lis­mus als Welt­ord­nungs­prin­zip ist die ge­wach­se­ne, die na­tür­li­che po­li­ti­sche Ord­nung aus Ge­mein­schaf­ten der Ge­bo­re­nen ei­ner je sel­bi­gen Art.

Na­tio­na­lis­mus ist al­so Volks­lie­be, oder ge­nau­er ge­sagt: völ­ki­sche Ei­gen­lie­be. Den Na­tio­na­lis­mus kom­plet­tiert der Pa­trio­tis­mus und so tritt der völ­ki­schen Ei­gen­lie­be die Va­ter­lands­lie­be zur Sei­te. Wird die Ge­burt der Na­tio­nen eher mit den Müt­tern, den Völ­kern und den Mut­ter­spra­chen ver­bun­den, so der Pa­trio­tis­mus mit dem le­gi­ti­men Land der Vä­ter, ih­rem völ­ker­recht­li­chen Be­sitz und Ei­gen­tum, al­so ih­ren Ge­biets­ho­hei­ten und Ge­biets­sou­ve­rä­ni­tä­ten. Das Land der Vä­ter mei­nes Vol­kes, mein Va­ter­land, reicht von der Maas bis an die Me­mel, von der Etsch bis an den Belt. Die Hei­mat hin­ge­gen ist wie­der ein eher weib­li­ches We­sen. Die Hei­mat ist je­ne Land­schaft, in der wir un­se­re Kind­heit ver­brach­ten und in der wir die Welt zu se­hen und die Spra­che der Na­tur und der Men­schen zu ver­ste­hen lern­ten. Die Hei­mat lehr­te uns die Lie­be zum Länd­le und sei­nen Leut­chen und be­fä­hig­te uns spä­ter auch zum Ein­hau­sen in an­de­re Ge­gen­den des Va­ter­lan­des. Hei­mat­lie­be, Va­ter­lands­lie­be (Pa­trio­tis­mus) und Volks­lie­be (Na­tio­na­lis­mus), – das ist die auf­stei­gen­de Li­nie der Er­schei­nun­gen des Got­tes der Lie­be im Da­sein der Völ­ker.

Pa­trio­tis­mus oder Va­ter­lands­lie­be blüh­ten in Deutsch­land lan­ge vor Na­tio­na­lis­mus oder Volks­lie­be. Der Pa­trio­tis­mus ent­fal­te­te im 19. Jahr­hun­dert im Wind­schat­ten des vor­an­stür­men­den Na­tio­na­lis­mus sei­ne schöns­ten Blü­ten. Der Na­tio­na­lis­mus aber ist Volks­lie­be, und sie ist die Mut­ter der ei­gen­stän­di­gen de­mo­kra­ti­schen Be­we­gung in Deutsch­land, die im Be­frei­ungs­krieg von 1813, im na­tio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren Ei­ni­gungs­ver­such von 1848 und in der Reichs­grün­dung von 1871 ih­re ge­schicht­li­chen Hö­he­punk­te er­leb­te.

Das Gro­ße der Bis­marck­schen Reichs­ver­fas­sung ist, daß in ihr de­mo­kra­ti­sche und mon­ar­chi­sche Über­lie­fe­run­gen ver­eint sind und der ewi­ge Bund der deut­schen Fürs­ten zum Woh­le des deut­schen Vol­kes ge­schmie­det ist. Ein Volk oh­ne Ei­gen­lie­be kann nicht über sich herr­schen und ist so­mit de­mo­kra­tie­un­fä­hig. Als die West­mäch­te Deutsch­land nach der Nie­der­la­ge im 1. Welt­krieg zwan­gen, die Mon­ar­chie ab­zu­schaf­fen und ein par­la­men­ta­ri­sches Re­gime zu er­rich­ten, tru­gen sie den Haß in das deut­sche Volk hin­ein und mach­ten die De­mo­kra­tie un­mög­lich. Denn weil zu­min­dest der Kai­ser aus dem Volks­be­griff der Wei­ma­rer Li­zenz­de­mo­kra­ten aus­ge­schlos­sen wur­de, war man in den vor­de­mo­kra­ti­schen Volks­be­griff zu­rück­ge­fal­len, der nur die Un­te­ren und nicht auch die Obe­ren mein­te. Na­tio­na­lis­mus und De­mo­kra­tis­mus wa­ren in Deutsch­land plötz­lich nicht mehr engs­te Freun­de, son­dern schärfs­te Fein­de. Die ver­fas­sungs­ge­ben­de Ver­samm­lung von Wei­mar war die Voll­stre­cke­rin des Sie­ger­wil­lens und eta­blier­te das par­la­men­ta­ri­sche Sys­tem mit dem Par­tei­en­staat als sei­ner schnell fau­len­den Frucht.

Der Pa­trio­tis­mus wur­de in den po­li­ti­schen Bür­ger­krieg zwi­schen Par­tei­en­staat und völ­ki­scher Ei­gen­lie­be, die jetzt sel­ber als an­ti­par­la­men­ta­ri­sche Par­tei an­tre­ten mu­ß­te, hin­ein­ge­zo­gen. Denn der Pa­trio­tis­mus steht hin­ter dem Na­tio­na­lis­mus. Die Va­ter­lands­lie­be ist buch­stäb­lich der Bo­den, auf dem die völ­ki­sche Ei­gen­lie­be ge­deiht. Als nach dem 8. Mai 1945 die Zer­stö­rung des deut­schen Va­ter­lan­des durch die raum­frem­den Sie­ger­mäch­te ge­schicht­lich ein­ma­li­ge Aus­ma­ße er­reich­te, setz­te auch prompt ei­ne Zer­stö­rung des deut­schen Vol­kes von bis­lang noch un­ge­klär­tem Um­fang ein (min­des­tens sechs Mil­lio­nen To­te nach dem Waf­fen­still­stand). Mit der Grün­dung zwei­er Tei­lungs­staa­ten wur­de 1949 ver­sucht, ei­nen Teil­ge­biet­spa­trio­tis­mus zu be­grün­den, der sich im Fal­le von BRD und DDR an­fangs auf das Ge­biet die­ser zwei Tei­lungs­staa­ten be­zog, nur je­weils vom Öko­no­mie-Sys­tem der un­mit­tel­ba­ren Be­sat­zungs­macht her be­trach­tet. Spä­ter dann be­schränk­te sich der Tei­lungs­pa­trio­tis­mus auf das ei­ge­ne Teil­ge­biet des deut­schen Va­ter­lan­des, was beim ös­ter­rei­chi­schen Staats­ver­trag von 1955 die Tei­lungs­ge­winn­ler von vorn­her­ein so kon­zi­piert hat­ten. Aber die Ge­schich­te hat mit der mit­tel­deut­schen Ei­ni­gungs­be­we­gung von 1989 und dem An­schluß der DDR an die BRD ei­nen ers­ten Strich durch die se­pa­ra­tis­ti­sche Rech­nung ge­macht, und sie wird mit dem An­schluß der BRD an die BRÖ ei­nen zwei­ten Strich ma­chen und mit dem An­schluß Gro­ßös­ter­reichs an die deut­sche Schweiz ei­nen drit­ten Strich.

In der of­fe­nen Pa­trio­ten­ver­fol­gung der Ge­gen­wart ist die Po­lit­pa­tho­lo­gie der Zer­tei­lungs­staa­ten des Deut­schen Rei­ches zur scham­lo­sen Of­fen­kun­dig­keit ge­die­hen. Va­ter­lands­ver­rä­te­rei und Volks­zer­stö­rung war aber von An­fang an das Dasein­s­prin­zip der von den Be­sat­zungs­mäch­ten un­ter Bruch al­ler zwin­gen­den Nor­men des all­ge­mei­nen Völ­ker­rechts ein­ge­rich­te­ten Tei­lungs­staa­ten. Da­her stellt die Ver­fol­gung der Pa­trio­ten und die Ver­teu­fe­lung der Na­tio­na­lis­ten in Deutsch­land (Ös­ter­reich und Alt­reich ein­schlie­ß­lich Ver­trei­bungs- und An­nek­ti­ons­ge­bie­ten) ei­ne Selbstof­fen­ba­rung des in­ne­ren We­sens der Nach-45er-Staa­ten dar. Und die Aus­deh­nung die­ser Ver­fol­gung auf die Schweiz, auf die ita­lie­ni­sche und die fran­zö­si­sche Re­pu­blik, auf die skan­di­na­vi­schen und die Be­ne­lux-Län­der zeigt, daß es – un­ab­hän­gig von Staats­gren­zen – um die Zer­stö­rung des deut­schen Vol­kes als gan­zem und wohl auch um die Zer­set­zung des ger­ma­ni­schen Men­schen­schla­ges über­haupt geht.

Wer Pa­trio­tis­mus und Na­tio­na­lis­mus un­ter­drückt und die Trä­ger und Ver­brei­ter die­ser Ge­sin­nung ver­folgt, hat von vorn­her­ein den Bo­den zu­be­to­niert, auf dem De­mo­kra­tie im ur­sprüng­li­chen Sin­ne – als Selbst­be­herr­schung ei­nes Vol­kes – erst wach­sen könn­te. Die meis­ten der sog. west­li­chen De­mo­kra­ti­en wa­ren aber nie­mals De­mo­kra­ti­en im ge­nann­ten ur­sprüng­li­chen Sin­ne und konn­ten es auch nie­mals sein, weil ih­re Staats­ge­bie­te nicht nach dem Prin­zip Ein-Volk-ein-Staat zu­ge­schnit­ten sind. Ih­nen man­gelt al­so die Vor­aus­set­zung der De­mo­kra­tie: ein Volk. Statt­des­sen ha­ben sie blo­ße Be­völ­ke­run­gen aus un­ter­schied­li­chen Völ­ker­schaf­ten oder gar Ras­sen, – oder sind so­wie­so alt und brü­chig ge­wor­de­ne Völ­ker­ge­fäng­nis­se wie z.B. Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en.

Un­ter den ver­schie­de­nen De­mo­kra­tie-Theo­ri­en wie in an­de­ren so­zi­al­wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen auch zeigt es sich aber, daß nicht das na­iv-ur­sprüng­li­che Ver­ständ­nis die Wirk­lich­keit rich­tig be­schreibt, son­dern das zy­nisch-ab­ge­brüh­te. De­mo­kra­tie heu­te ist po­li­ti­scher Ka­pi­ta­lis­mus, und sonst nichts. De­mo­kra­tie als po­li­ti­scher Ka­pi­ta­lis­mus ge­horcht fol­gen­der for­ma­len De­fi­ni­ti­on: Herr­schaft über al­ler­lei Volks mit des­sen ver­trag­li­cher Zu­stim­mung. Die­se Herr­schafts­form er­zeugt den Ge­gen­satz von De­mo­kra­ten und De­mo­kra­ti­sier­ten. Das al­ler­lei Volks – Ar­beits-, Dienst-, Kriegs-, Ver­wal­tungs- oder Un­ter­hal­tungs­volk – kann welt­weit und aus be­lie­bi­gen Völ­kern re­kru­tiert wer­den. Soll­te das al­ler­lei Volks zur in­ter­na­tio­na­len So­li­da­ri­tät der De­mo­kra­ti­sier­ten auf­ru­fen und ge­gen die De­mo­kra­ten, po­li­ti­sche wie öko­no­mi­sche Ka­pi­ta­lis­ten, Front ma­chen, kann die ge­fähr­de­te De­mo­kra­tie der zy­ni­schen Art im­mer noch völ­ki­sche oder ras­si­sche Kämp­fe un­ter dem de­mo­kra­ti­sier­ten Volks (oder: Volx) ent­fa­chen und dann die Ras­sis­mus-Keu­le schwin­gen und bis zur Pa­trio­ten­ver­fol­gung stei­gern. Es ist leicht vor­her­zu­sa­gen, daß die Pa­trio­ten­ver­fol­gung sich welt­weit ge­gen al­le na­tür­li­chen Völ­ker aus­deh­nen wird, wenn der Spuk der Zy­ni­ker-De­mo­kra­ten, die im­mer auch Por­no­kra­ten sind, nicht bald be­sei­tigt wird. Die­ser He­xen­sab­bat fin­det erst dann sein En­de, wenn die vor Ekel und Ent­set­zen ge­lähm­ten Völ­ker ih­re je ei­ge­ne Sou­ve­rä­ni­tät im Geis­ti­gen, Po­li­ti­schen und Wirt­schaft­li­chen wie­der­her­stel­len und die Klas­sen­dik­ta­tur des glo­bal no­ma­di­sie­ren­den Fi­nanz­ka­pi­tals zer­bre­chen.

Wo le­ben wir ei­gent­lich? Gibt es die BRD wirk­lich? Oder ist sie nur ein bö­ser Traum? War nicht bis vor kur­zem ein Ge­bil­de na­mens DDR ei­ne von den ganz be­son­ders rea­len Rea­li­tä­ten in Deutsch­land?! – In den teil­pa­trio­ti­schen An­fangs­zei­ten ließ die BRD ver­lau­ten, sie sei nur die Rechts­ver­tre­tung des Deut­schen Rei­ches, so­lan­ge das noch hand­lungs­un­fä­hig ist. Al­so war das Reich nicht tot, aber auch nicht le­ben­dig; es war rechts­fä­hig, aber nicht ge­schäfts­fä­hig. Of­fen­sicht­lich war das Deut­sche Reich ent­we­der in der Ir­ren­an­stalt der Ge­schich­te ge­lan­det, oder es lag auf der In­ten­siv­sta­ti­on des his­to­ri­schen Spi­tals im Ko­ma! War der „Bund“ der Wie­der­gän­ger des Rei­ches? Die BRD ist das Wach­ko­ma des Drit­ten Rei­ches. Die be­rühm­tes­ten zwölf Jah­re der deut­schen Ge­schich­te sind nur die Zeit der Hand­lungs­fä­hig­keit des Drit­ten Rei­ches, die Epo­che da­nach ist sein Ko­ma, sei­ne Hand­lungs­un­fä­hig­keit. Die ge­sam­te BRD-Po­li­tik, ex­em­pla­risch für al­le Tei­lungs­staa­ten, ist ge­prägt durch ein Ko­ma der Po­li­tik und durch ei­ne Po­li­tik des Ko­mas, al­so sei­ner Er­hal­tung. Je­des Ko­ma ist ein Zu­stand tie­fer und an­hal­ten­der Be­wu­ßt­lo­sig­keit, ein blo­ßes Exis­tie­ren zwi­schen Le­ben und Tod, ein Halt vor dem end­gül­ti­gen Über­tritt ins Schat­ten­reich. In des Ko­mas to­des­ähn­li­chem Schla­fe er­starrt die ge­schicht­li­che Zeit; Ge­gen­ge­schich­te ver­schlägt den Deut­schen ihr Dich­ten und Den­ken, und es ver­gi­ßt das Volk sei­ne Hel­den, schämt sich der Ta­ten der Ah­nen und Blö­dig­keit schlägt sei­nen Blick auf des Rei­ches ver­gan­ge­ne Herr­lich­keit, auf des Rei­ches le­ben­di­gen Ruhm. Die Ko­ma-Deut­schen von heu­te sind ver­stört und mü­de, ih­nen hängt der Kopf ih­rer ver­gan­ge­nen Hoch­kul­tur von den Schul­tern, zu schwer für den ge­schwäch­ten Volks­kör­per.

Die BRD muß un­ter­ge­hen, da­mit das Drit­te Reich end­lich ster­ben und vom Vier­ten Reich kon­struk­tiv über­wun­den wer­den kann. Dann erst er­löst das Reich der Deut­schen die Welt zu neu­er Ent­fal­tung, die ge­hemmt ist, die Stu­fe des Drit­ten Rei­ches über­haupt erst zu er­klim­men, weil da­hin­ter bis­lang der ab­so­lu­te Ab­grund zu gäh­nen scheint, in den die Deut­schen ge­stürzt wor­den sind. Auf dem Weg in den Un­ter­gang der Tei­lungs­staa­ten und zur Wie­der­her­stel­lung der Hand­lungs­fä­hig­keit des Deut­schen Rei­ches mö­ge dem deut­schen Vol­ke neu­es Blut­ver­gie­ßen er­spart blei­ben. Da­her ist der Wen­de­hals ein­mal mehr der Hoff­nungs­vo­gel der na­hen­den Wen­de­zeit. Nach dem An­schluß der BRD an Ös­ter­reich wird es viel­leicht auch ei­ne straf­recht­li­che Ab­wick­lung des BRD-Re­gimes ge­ben, wie die BRD sel­ber es in der DDR-Ab­wick­lung vor­ge­macht hat. Un­ter An­wen­dung des BRD-Rech­tes auf die BRD-Ver­ant­wort­li­chen kä­me dann der Art. 25 GG zum Tra­gen, nach dem die Nor­men des all­ge­mei­nen Völ­ker­rechts un­mit­tel­bar gel­ten­des BRD-Recht sind, und die glaub­haf­ten ver­trag­li­chen (aber nich­ti­gen) Ver­su­che, Reichs­ge­biet an Sie­ger- und Ver­trei­ber­staa­ten ab­zu­tre­ten, gel­ten dann in der ei­gen­tüm­li­chen Ter­mi­no­lo­gie des ame­ri­ka­ni­sier­ten Völ­ker­rechts als un­ver­jähr­ba­re Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit, auf die ent­we­der ein Strang in Nürn­berg oder doch Le­bens­läng­lich steht. Ein wei­te­res Ver­bre­chen die­ser Art ist die jahr­zehn­te­lan­ge Ver­let­zung des Rech­tes auf Ar­beit und des Rech­tes auf Woh­nung ge­mäß ein­schlä­gi­ger Ar­ti­kel der UNO-Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, die in der BRD nach Art. 25 GG un­mit­tel­bar gel­ten­des Recht sind.

Nach der straf­recht­li­chen Ab­wick­lung der BRD ge­mäß BRD-Nor­men und der Wie­der­her­stel­lung der Hand­lungs­fä­hig­keit des Deut­schen Rei­ches kä­men die Haupt­ver­ant­wort­li­chen vor das or­dent­li­che Reichs­ge­richt in Leip­zig und wür­den nach dem Straf­ge­setz­buch des Zwei­ten Rei­ches we­gen ih­rer Mit­ver­ant­wor­tung für die Exis­tenz von Tei­lungs­staa­ten mit Si­cher­heit we­gen schwe­rem Lan­des- und Hoch­ver­rat zum To­de ver­ur­teilt wer­den und auf dem Scha­fott en­den, wenn sie nicht recht­zei­tig tä­ti­ge Reue ge­zeigt und ei­ne un­blu­ti­ge Ab­wick­lung der Tei­lungs­staa­ten er­mög­licht hät­ten. – Aber es kommt wohl im­mer an­ders, als man denkt.

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Bemerkungen zum Deutschen Idealismus

„Was für eine Philosophie man wähle, hängt … davon ab, was man für ein Mensch ist: denn ein philosophisches System ist nicht ein toter Hausrat, den man ablegen oder annehmen könnte, wie es uns beliebte, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat. Ein von Natur schlaffer oder durch Geistesknechtschaft, gelehrten Luxus, und Eitelkeit erschlaffter, und gekrümmter Charakter wird sich nie zum Idealismus erheben.Johann Gottlieb FICHTE, 1797

Der Deut­sche Idea­lis­mus, so wird in gän­gi­gen Ge­schich­ten der Phi­lo­so­phie er­zählt, ha­be von Kant bis He­gel sich mun­ter ent­fal­tet als kri­ti­scher (Kant), sub­jek­ti­ver (Fich­te), ob­jek­ti­ver (Schel­ling) und ab­so­lu­ter (He­gel) Idea­lis­mus, sei ei­ne Wei­le preu­ßi­sche Staats­phi­lo­so­phie ge­we­sen und dann um die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts, als der spä­te Schel­ling in Ber­lin kei­nen An­klang mehr fand, zu­sam­men­ge­bro­chen. In die­ser Sicht­wei­se hat auch das ei­gent­li­che 19. Jahr­hun­dert in sei­nen Sie­ges­zü­gen von Na­tur­wis­sen­schaft und Tech­nik erst mit He­gels und Goe­thes Tod An­fang der 30er Jah­re be­gon­nen.

Dieses vertraute Bild ist im entscheidenden Punkt, nämlich im Endpunkt, zu korrigieren: Der letzte Systementwurf des Deutschen Idealismus ist nicht die Endfassung des Hegelschen Systems, die Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften von 1830, sondern Das Kapital (1867,-85,-94) von Marx und Engels. Der Deutsche Idealismus, so meine These, brachte also am Ende des 19. Jahrhunderts in England seinen letzten und ausgereiftesten Systementwurf hervor.

Dieser Auffassung widersprechen Ideenhistoriker, die das Materialismus-Argument beim jungen Marx besonders ernst nehmen, also kommunistische Parteigeister und konservative ebenso. Besonders letzteren ist am Materialismus bei Marx viel gelegen, weil an einem handfesten Feind im geistigen Bürgerkrieg.

Wer die Kräfte eines Volkes auf ein Gemeinschaftsziel hin bündeln will, muß zuvor den geistigen Klassenkampf entschärfen, indem er die Kampfparteien zu notwendigen Momenten eines dialektischen Gegensatzes herabsetzt und damit den Kampf als ganzen in einen Motor für die Bewegungen des Volksgeistes verwandelt. Die These vom idealistisch-materialistischen Antagonismus in der Philosophiegeschichte möchte ich daher am Beispiel des Deutschen Idealismus relativieren und vielmehr zeigen,

  1. daß der Unterschied von Idee und Tat der von Tatgedanke und Gedankentat ist,
  2. daß das Ideal und das Real einander normierende Normen sind, und
  3. daß der Materialismus die Allgemeinheit, der Immaterialismus aber die Besonderheit und die Einzelheit im Denken des Deutschen Idealismus ausmacht.

Das materialistische Argument selber in seiner dialektisch-tätigen Gestalt, in der auf die Spontaneität der menschlichen Arbeitskraft (und damit auch ihres Erkenntnisvermögens) abgehoben wird, bildet den denkerischen Ausgangspunkt der idealistischen Bewegung bei Kant. Der Sattlersohn Immanuel Kant weiß natürlich, daß die Arbeitskraft das Apriori einer jeden Arbeit und das Erkenntnisvermögen zum Inventar der Arbeitskraft und zum Apriori eines jeden Erkennens gehört. Und Johann Gottlieb Fichte, der Sohn eines armen Leinenbandwirkers aus der Lausitz, weiß, daß es auf die wirkliche “Thathandlung” ankommt, mit der das Ich das Nicht-Ich, also den Rest der Welt insgesamt, erobert. Vom materiellen Arbeitsprozeß, vom lebendigen Stoffwechsel des Menschen mit der Natur, hat der Deutsche Idealismus seinen Ausgang genommen. Dieser bot ihm den Anfang, die abstrakte Allgemeinheit der Bestimmungen des geistigen Arbeitsprozesses, also des Erkennens, das von Schelling und Hegel, den Sprößlingen des schwäbischen Pastorenadels, auf die Gedanken Gottes vor und nach der Erschaffung der Welt, also auf Logik, Natur und Geist, ausgedehnt wurde. – Idealistische Philosophie ist Philosophie der Arbeit, ist das System der Ideen als der Tatgedanken, die auf die Tathandlungen als den wahren Gedankentaten gerichtet sind. Der Deutsche Idealismus ist das Denken des Apriori von Arbeitskraft zum Arbeitsprozeß, ist das Gebundensein allen Erkennens an Arbeit und ihren Primat der Idee, so daß die Differenz von Idee und Tat nur als Unterschied von Tatgedanke und Gedankentat erscheinen muß.

Idealistisch ist schon der rein materielle Arbeitsprozeß, weil in jeder Arbeit der Gedanke vor der Tat kommt. Aber freilich ist so mancher Arbeitsprozeß gedankenschwer und tatenarm, wenn zur Herstellung der endgültigen Idee, dem unmittelbaren Tatgedanken, viele mittelbare Gedanken als Denkgegenstände (Probleme), Denkwerkzeuge (Begriffe), Denkmaschinen (Gedankensysteme, Theorien) und Denkautomaten (Theoriensysteme) nötig sind. In den industriell-materiellen Arbeitsprozessen der Gegenwart erscheint die dingliche Herstellung der Produkte oft nur als Schlußpunkt zum aufwendigen Entwicklungsgang einer ausführbaren Idee. Die Idee ist unter den ewigen Gütern das endlich ausführbare; sie ist das Konsumgut der geistigen Produktion. Das Ideal ist die Idee, wie sie sein soll; das Ideal ist die normierte Idee. Idealismus ist das System der Tatgedanken, wie sie sein sollen, und Deutscher Idealismus ist das System der deutschen Solltatgedanken.

Wenn die Idee in die Tat umgesetzt wird und ihr Ideal als ihr Real erscheinen muß, dann zeigt sich gewöhnlich, daß das Real das Ideal nicht erreicht. Das tatsächliche, das aus der Tat zur Sache gewordene Reale führt jetzt zur sog. praktischen Überprüfung des Ideals und der darin genormten Idee selber. Das nichtideale Real wirkt als Veränderungsnorm auf künftige Realisierungen der Idee und auch als Korrektiv auf die Idee selber und ihre Norm, das Ideal. Das Real ist zwar das Tatsächliche und daher selten ideal, normiert aber die Idee und ihr Ideal gleichermaßen. Das Sollen ist das ideale Wollen oder die Willensnorm. Denn der freie Mensch will tun, was er soll, und zugleich soll er wollen, was er kann, und was er kann, das will er auch sollen. Der freie Mensch als Person, als Pflichten- und Rechtesubjekt, verlangt nach dem sittlichen Leben. Die Abweichung vom Ideal und damit die Verfehlung der Norm wird zum Normgeber für die Entwicklung der menschlichen Arbeitsprozesse oder Tathandlungen einschließlich ihres Ideensystems und seiner Idealisierungen. – In dieser systematischen Sicht ist Deutscher Idealismus deutsches Denken überhaupt. Jetzt aber wollen wir ihn im eingeschränkt historisierten Sinne betrachten und die eingangs erwähnte Sinnerweiterung etwas verständlicher begründen.

Leibniz als Vorfahre der idealistischen Bewegung in Deutschland hat für die Materie als res extensa mit seiner Monadologie (1714) energisch Platz geschaffen, indem er der Natur allen Platz überhaupt, also Raum und Zeit insgesamt, einräumt. Die Monade muß dann sowohl unräumlich (also unteilbar und fensterlos) als auch ewig (also unsterblich und unzerstörbar) sein, weil nicht in der Zeit geschaffen, sondern mit ihr. Die Monaden werden am Ende dieses Weltalters ihr Außer-Gott-Sein, ihre prästabilierte Harmonie in der besten aller möglichen Welten beenden und in Gott zurückkehren. Gott selber aber hört auf, oberste Zentralmonade und daher Gott zu sein, wenn die von ihm geschaffenen Monaden zu ihm heimkehren und wieder absoluter Geist, wieder raumlos-zeitlose Vollkommenheit sind. Leibnizens Monadologie sieht den sinnlich-übersinnlichen, den zeitlich-ewigen Doppelcharakter aller natürlichen Dinge wie später Kant den empirisch-überempirischen Doppelcharakter aller unserer Erkenntnis und noch später Hegel den Doppelcharakter des Rechts als Besitz und Eigentum und schlußendlich Marx den Doppelcharakter der Ware als Gebrauchswert und Tauschwert.

Die Monade ist das Seelenatom, sie enthält ein Bild des Alls und erzeugt ständig Vorstellungen (Perzeptionen) oder sogar bewußte Vorstellungen (Apperzeptionen) im Falle des Menschen. Jede Monade ist ein der Handlung fähiges Sein, also eine Seele oder Kraft. Jede Monade ist einmalige Individualität und somit unverwechselbare Unteilbarkeit. Höhere Individualitäten werden als Herrschaftsverbände vieler verschiedenartiger Monaden unter einer Zentralmonade gebildet, letztlich aber unter Gott. Alle Monaden sind seelische Atome und eine Kraft, die spontan (also frei) tätig ist, indem sie Vorstellungen aus ihrem jeweils eigenen Spiegelbild des Alls heraus erzeugt. Die Vorstellungen sind die Tätigkeiten der Monaden, die sich unterscheiden in mehr oder weniger deutliche, wobei ganz deutliche Vorstellungen nur die göttliche Monade hat und entsprechend ungehemmte Tätigkeit ist, während verworrene Vorstellungen nur gehemmte Tätigkeiten sind. Gott hat die Monaden in prästabilierter Harmonie zueinander und damit die beste aller möglichen Welten geschaffen. Weil Gott die Monaden nicht in der Welt, sondern mit der Welt geschaffen, sind sie unsterblich. Die Monaden sind die Seele oder unsterbliche Kraft in jedem Weltwesen, und als Monade ist auch Gott in seiner selbstgeschaffenen Welt.

Leibnizens Monadologie gewährt beseelte Selbheit noch dem winzigsten Staubkörnchen im All, sie ist eine völlig kommunikationslose, gesellschaftsfreie und marktferne Metaphysik, die ein jegliches Ordnungs- und Hierarchiedenken und damit die Gemeinschaften philosophisch und nicht etwa bloß biologisch begründen kann. Über- und Unterordnungen in den Vergemeinschaftungen der Monaden und also ihre Herrschaft regelt sich durch die Deutlichkeit ihrer Vorstellungen und nicht etwa durch Befehl und Gehorsam. Die so gebildeten Gemeinschaften sind als Seelen (res cogitans) völlig autark und autonom; ihre Vorstellungen als ihre Handlungen bedürfen keiner gesellschaftlichen Arbeitsteilung, denn sie sind eine vollendet betriebliche. Hingegen als Körper (res extensa) sind die so gebildeten Gemeinschaften dann höchst kommunikations- und gesellschaftsfähig, so wie Leibniz selber es war. Seine Monadologie gestattet es, das Gemeinschafts- und Gesellschaftsdenken auch in vorbiologische Daseinsformen, deren Zentralmonaden Individualität (Unteilbarkeit) und Identität (Selbheit) und damit auch Spontaneität als Vorformen der Freiheit haben, hineinzutragen.

Leibniz bietet die Grundlage für eine sozialwissenschaftliche Betrachtung der Natur. Und er konzipiert Gott und die Welt auf urdeutsche Weise, nämlich krafttheoretisch, wie es schon Nikolaus von Kues im 15. Jahrhundert mit seinem Seinkönnen (possest) und Meister Eckhart im 14. Jahrhundert mit dem Fünklein vom Geiste Gottes in der Seele des Menschen getan. Nach Leibniz haben wir bei Kant als Kraftbegriffe die drei Seelenvermögen Erkennen, Begehren und Fühlen, deren jeweilige Prüfung er in seinen drei Kritiken (der theoretischen oder reinen Vernunft, der praktischen Vernunft, der Urteilskraft) liefert und zu einer Kategorientafel als Festapriori synthetischer Urteile kommt und damit unhaltbar gewordene Kategorien der alten Metaphysik verwirft. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird Nicolai Hartmann das Kantische Festapriori durch eine Kategorialanalyse der verschiedenen Seinsstufen (physische, organische, seelische, geistige) ersetzen, wodurch er zu einem Fließapriori findet, das zwar vor aller Erfahrung, aber nicht außer der Zeit gilt. An den letzten Systementwurf des Deutschen Idealismus hingegen werden erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die 68er Theoretiker wieder anknüpfen. Aus der Rezeption des Konzepts der asiatischen Produktionsweise kommen sie (Krahl, Dutschke, Rabehl u.a.) zur Verwerfung des Sowjetismus, den Rudi Dutschke eine “allgemeine reale Staatssklaverei” genannt hat. Die 68er Theoretiker sind durch 1989 und die Folgen glänzend bestätigt worden. Darüberhinaus zeigte sich, daß allein mit dem letzten Systementwurf des Deutschen Idealismus die Formalisierung gelang, die zahlreichen Formalisierungsversuche des vorletzten, des Hegelschen Systementwurfs aber scheiterten. Nur die Formalisierung des Kapitals von Marx und Engels ermöglichte mir die Durchführung des Systems der Sozialwissenschaften (1987) bis hin zur Weltgeschichtsformel.

Leibniz hat die durchgehende Formalisierung des Wissens in einer Begriffsschrift (Universalcharakteristik) gefordert, die als allgemeine Charakteristik der Begriffe auch heute noch fern ihrer Verwirklichung ist, aber als besondere erstmals im 19. Jahrhundert im periodischen System der chemischen Elemente realisiert wurde, wobei das Element durch seine Massenzahl identifiziert wird. Noch nicht durchgeführt ist die Leibnizsche Begriffs-Charakteristik in der Mathematik, weil ihre Operationen nicht aus einem festgestellten Begriff der Zahl, nicht als Zahlbegriffsindizierungen entwickelt, sondern aus praktischen Problemlagen empirisch gefunden sind. Hegels Programm der Philosophie als Wissenschaft (System des Wissens) ist von Marx verwirklicht worden, und zwar in einer Wissenschaft aus dem Begriff. Solch eine Wissenschaft veröffentlichte Marx 1867 mit dem ersten Band des Kapitals. Hundert Jahre später konnte die Kapital-Formalisierung konzipiert und 1972 vorgelegt werden. In ihr schlagen sich die Bewegungen des systemerzeugenden Begriffs nur noch in den Veränderungen der Indices seines Begriffszeichens nieder.

Bei Marx gibt es den Elementarbegriff der Ware mit den Begriffselementen Gebrauchswert und Tauschwert; er ist die genaue Übersetzung des Rechtsbegriffes bei Hegel vom Juristischen in’s Ökonomische. Hegel gelang es in seiner berühmten Rechtsphilosophie (1821) noch nicht, die Formen der Reflexion des einen Rechts in ein anderes Recht zu analysieren. Wohl aber konnte Marx mit seiner Wertformenanalyse zeigen, wie die eine Ware sich in der anderen Ware reflektiert. Deswegen war Das Kapital formalisierbar, nicht aber die Rechtsphilosophie. Aber das formalisierte System der Ware konnte in ein solches des Rechts rückübersetzt werden.

Kant ist typisch deutscher Kraftdenker von Anfang an, schon in seiner ersten philosophischen Veröffentlichung, den Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte (1749). Kant thematisiert nicht die menschliche Arbeitskraft überhaupt, sondern nur ihre geistige Teilkraft, die Seelenvermögen Erkennen, Begehren und Fühlen. In der Kritik der reinen Vernunft (1781) unternimmt er die Prüfung “des Vernunftvermögens überhaupt, in Ansehung aller Erkenntnisse, zu denen es, unabhängig von aller Erfahrung, streben mag, mithin die Entscheidung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Metaphysik überhaupt und die Bestimmung sowohl der Quellen, als des Umfanges und der Grenzen derselben, alles aber aus Prinzipien” (A XII). Hauptfrage ist ihm, “was und wie viel kann Verstand und Vernunft, frei von aller Erfahrung, erkennen und nicht, wie ist das Vermögen zu denken selbst möglich?” (A XVII). Kant hinterfragt also nicht die geistige Arbeitskraft, sondern die geistige Arbeit, das Denken oder Erkennen, hier noch zugespitzt auf Erkenntnistheorie qua Selbsterkenntnis des Erkenntnisvermögens in der reinen Selbstbetrachtung. Das Denkvermögen und sein Inventar ist dem Denken transzendental, aber nicht transzendent. Denn unsere geistige Arbeitskraft ist jenseits unserer geistigen Arbeit, aber nicht jenseits von Raum und Zeit. Sie ist uns kein Ding-an-sich, sondern unsere Kraft.

Den Zugang zum menschlichen Erkenntnisvermögen gewinnt Kant durch die Frage: “Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?” (B 19) Synthetische Urteile a posteriori sind Erfahrungsurteile, sie enthalten in der Satzaussage immer eine Hinzufügung über das hinaus, was mit dem Satzgegenstand als Begriff schon vorausgesetzt worden war. Dem Wissen wird also im synthetischen Urteil ein Mehrwissen hinzugefügt, und auf das Mehrwissen kommt es an im Prozeß des Erkennens. Bei Erfahrungsurteilen – synthetischen Urteilen a posteriori – unterstellt Kant nun die Herkunft des Mehrwissens aus der Erfahrung selber, also wohl aus der geistigen Verarbeitung von Sinneseindrücken. Bei synthetischen Urteilen a priori aber kann der Wissenszuwachs allein aus dem Transzendental des Erkenntnisprozesses kommen, nämlich aus dem Erkenntnisvermögen selber. Die Differenz von Denken oder Urteilen zum Denk- oder Urteilsvermögen macht also den Wissenszuwachs aus.

Kant versucht eine allgemeine Theorie der geistigen Arbeitskraft und eine Wissenszuwachstheorie aus ihrem Unterschied zum geistigen Arbeitsprozeß, dem Erkenntnisvorgang. Er hat damit eine fast schon vollständige Frühfassung der Marxschen Mehrwerttheorie geliefert, die das Mehrprodukt und seinen Mehrwert in allen Arbeitsprozessen aus dem Unterschied von Arbeit und Arbeitskraft ableitet. Die Mehrwerttheorie ist also ein Sproß der synthetischen Urteile a priori. Marx als Epigone dieses Ansatzes ist bescheidener und erfolgreicher als Kant: er will keine Inventarliste und keine Kategorientafel des menschlichen Arbeitsvermögens liefern, sondern beschränkt sich auf die eine Dimension der Wertgrößendifferenz zwischen Arbeitskraft und Arbeit, letztere natürlich nicht als konkrete, sondern als abstrakte. Die Marxsche Mehrwerttheorie ist ein Zwerg, der weiter sieht als der Riese, auf dessen Schultern er steht. Dieser Theorieriese ist das Transzendentalapriori Kants.

Die Kerntheoreme des ersten und des letzten Systementwurfs des Deutschen Idealismus sind somit fast die selben. Das Mehrwissen ist nur der edle und ewige, der unverbrauchlich gebrauchbare Teil des Mehrprodukts. Marx ist also nicht nur Hegelianer als Dialektiker, Schellingianer als Naturtheoretiker und Fichteaner als Arbeitstheoretiker und Sozialist, sondern auch Kantianer in seiner Mehrwertlehre. Kant ist aber nicht nur Eröffner einer neuen Epoche der deutschen Denkgeschichte, sondern auch Vollender der Freiheitstheorie Luthers.

Luther hat Gott befreit, indem er ihn von der Werkheiligkeit erlöst und ihm die Gnadenheiligkeit anheimgestellt hat. Den Christenmenschen hat Luther von den Werken und der Fesselung an das Heil, in Erlangung wie Verfehlung, entbunden, denn der freie Gott gewährt das Heil nur freiwillig und aus Gnade. Dem Gläubigen aber bleibt sicher der Glaube, der ihn selig macht, weil er der seine ist. Bei Luther ist dieser Glaube selber nicht frei, sondern festgelegt durch die Tradition der christlichen Offenbarung. Kant hat Luthers Werk vollendet, indem er den Glauben selber befreit hat. Er mußte, sagt Kant, “das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen” (B XXX). Der Glaube bekommt also Gott, alle Dinge-an-sich, Ewigkeit und Unsterblichkeit, somit sämtliche Domänen der alten, vorkritischen Metaphysik als freies Gestaltungsfeld zugewiesen. Hier kann er nach Herzenslust spekulieren, dogmatisieren und sich das, was er glauben will, selber gestalten, es nur eben nicht als Wissen oder Wissenschaft ausgeben. Der Glaube ist als Glaube inhaltlich frei geworden, ihm fällt alles anheim, was transzendent ist. Kants neuer, wissenschaftlicher Metaphysik aber gehört das Transzendentale, also sämtliche synthetischen Urteile a priori, Erkenntnisse des Erkenntnisvermögens über sich.

Fichte und Schelling radikalisieren den Kantischen Ansatz, aber erweitern ihn auch. Fichte zieht die Folgerung aus der reinen Vernunft, Schelling geht in ihre Voraussetzung. Die Folge der reinen Vernunft als Erkenntnisvermögen ist der geistige Arbeitsprozeß, die Tathandlung der reinen Vernunft, ihre Voraussetzung aber die Natur, in der sie eingebettet ist in alle anderen Naturkräfte. Fichtes “Ich” wird konstituiert durch Arbeit, die in sich aber auch gegenständliche Momente vereinigt und also Arbeitsprozeß insgesamt ist. Die Handlung hat ihr Objekt zum Inhalt, das Ich aber als Form oder Begriff, und völlig zu Recht behauptet Fichte die Handlungs- oder Arbeitsprozeßgebundenheit aller Erkenntnis. Deswegen folgt nicht die Handlung der Erkenntnis, sondern die Erkenntnis der Handlung, also die geistige Arbeit ist Teil und Funktion jeder menschlichen Arbeit überhaupt, woraus der Primat der praktischen Vernunft vor der theoretischen sich ergibt. Fichte als Handlungstheoretiker gründet daher auch den Eigentumsbegriff auf das Recht auf Arbeit, genauer: auf das Recht auf ausreichendes Familieneinkommen aus einer individuell-monopolisierten Arbeit. Er verwirft den Begriff des Eigentums als eines individuell-monopolisierten Besitzes. In Fichtes Geschloßnem Handelsstaat von 1800 hat die deutsche Arbeiterschaft ihr nationalsozialistisches Grundprogramm, von dem der historische Nationalsozialismus nur einen stark verdünnten Aufguß verwirklicht hat. Aber auch das bis Ende des 20. Jahrhunderts in Deutschland bestehende staatliche Arbeitsvermittlungsmonopol war von Fichtes Geist.

Schelling stellt im System des transzendentalen Idealismus (1800) es als eigentliche Aufgabe des Philosophen dar, die geistige Arbeitskraft oder Intelligenz aus natürlichen polaren Grundtätigkeiten zu konstruieren: “Cartesius sagte als Physiker: gebt mir Materie und Bewegung, und ich werde euch das Universum daraus zimmern. Der Transzendentalphilosoph” (also der Denker der geistigen Arbeitskraft qua Erkenntnisvermögen) “sagt: gebt mir eine Natur von entgegengesetzten Thätigkeiten, deren eine ins Unendliche geht, die andere in dieser Unendlichkeit sich anzuschauen strebt, und ich lasse euch daraus die Intelligenz mit dem ganzen System ihrer Vorstellungen entstehen. Jede andere Wissenschaft setzt die Intelligenz schon als fertig voraus, der Philosoph betrachtet sie im Werden …” (ed. Schröter, II 427). Die “Intelligenz” ist natürlich die menschliche Arbeitskraft in ihrer idealistischen Zuspitzung als Geisteskraft. Sie ist jetzt nicht mehr, wie bei Kant, das unhinterfragte Transzendental, von dem bestenfalls eine Inventarliste anzulegen ist, sondern zeigt sich als ein durchaus Hintergehbares, das zu seiner Explikation sich nicht unbedingt auf den langen Marsch der Fichteschen Tathandlungen begeben muß, nicht auf den Fortschritt angewiesen ist. Wenn die Intelligenz oder Geisteskraft jetzt selber durch entgegengesetzte Tätigkeiten erzeugt wird, so ist dies ein naturphilosophisches Argument, das auf besondere Naturkräfte, also auf die erste Natur, zielt, deren Wirken die Kraft der zweiten Natur, also Intelligenz oder Arbeitskraft, erzeugt. Schelling hinterfragt die Menschenkraft ökologisch, die Naturkraft ist das vordenkliche Sein der Arbeitskraft und ihrer Intelligenz. Allerschönster Schelling ist auch ‘die Naturalisierung des Menschen und die Humanisierung der Natur’ durch praktisch-materielle Arbeit beim jungen Marx vor 1848, und noch beim reifen Marx heißt die Maschine ‘angeeigneter Naturprozeß’.

Hegel faßt in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes (1807) den Arbeitsprozeß insgesamt als Prozeß wie als Resultat gleichermaßen auf und repräsentiert in der erkenntnistheoretischen Entwicklung des Deutschen Idealismus damit die Stufe des Biologismus: “Denn die Sache ist nicht in ihrem Zwecke erschöpft, sondern in ihrer Ausführung, noch ist das Resultat das wirkliche Ganze, sondern es zusammen mit seinem Werden; der Zweck für sich ist das unlebendige Allgemeine, wie die Tendenz das bloße Treiben, das seiner Wirklichkeit noch entbehrt; und das nackte Resultat ist der Leichnam, der die Tendenz hinter sich gelassen.” Die Inhalte des Gesamtprozesses erscheinen in drei Formen, der verständigen, der dialektischen und der spekulativen, wobei die beiden letzteren die vernünftigen Formen sind. Der Verstand ist abstrakt und hält die Bestimmungen fest, unter Absehung von den anderen; die Dialektik löst die festen Bestimmungen der Begriffe auf und verwandelt sie in ihr Gegenteil, und die Spekulation betrachtet die positiv-vernünftige Einheit der festen und der fließenden Bestimmungen. Unter den verschiedenen Erkenntnisvermögen nimmt Hegel sich kein geringeres vor als dasjenige Gottes oder des absoluten Geistes, und am Arbeitsvermögen dasjenige des Weltgeistes oder des objektiven Geistes in seiner ungeheuren Arbeit der Weltgeschichte selber. Das ganze Hegelsche System ist in Logik, Natur und Geist als der reinen, der außersichseienden und der zusichkommenden Idee unterteilt, also grob gesprochen Gottes Gesamtarbeitsprozeß.

Im Gesamtarbeitsprozeß läßt Hegel Gott zunächst die reine Idee als Arbeitsvorstellung fassen, dann darf Gott die Idee in der Natur, der liederlichen Phase seines Daseins, materialisieren, als außersichseiende Idee in ihrem ideell-raumzeitlichen, unorganisch-materiellen und organisch-lebendigen Außereinander als Werkstücke realisieren; schließlich darf Gott die in der Natur außersichgeratene Idee wieder im Endprodukt des Geistes als zusichkommende Idee in den Unterabteilungen des subjektiven, objektiven und absoluten Geistes sich wieder beruhigen lassen. Nachdem Hegel sah, daß Gottes Werk wohlgetan war, gönnte er ihm die Sonntagsruhe.

Man kann die besondere Herausarbeitung der erkenntnistheoretischen Stufen auf die idealistischen Denker wie folgt verteilen: Kant erklärt die Arbeitskraft qua Erkenntnisvermögen zum unhintergehbaren Transzendental der Arbeit als Erkennen, Urteilen, Denken. Fichte propagiert die lebendige Arbeit (und folglich den Arbeiter und sein Recht auf Arbeit) als Movens und Hauptmoment des Arbeits- und Erkenntnisprozesses; seine Parole heißt: Handeln! Schelling wendet den Deutschen Idealismus ins Objektive, in die Arbeitsgegenstände und also auch an die Natur und ihre Dingbarkeiten. Kant ist der Kraftdenker, Fichte der Arbeitsdenker, Schelling der Gegenstandsdenker und Hegel der Gesamtprozeß- und Gesamtresultatsdenker. Dies alles stimmt natürlich nur für die jeweils grobe Haupttendenz.

Die Erkenntnistheorie kann Kant für den Pädagogismus, Fichte für den Aktionismus, Schelling für Naturalismus und Chemismus und Hegel für Biologismus, Finalismus und Infinitismus vorwiegend in Anspruch nehmen. Eine saubere und vollständige Analyse des einfach-materiellen Arbeitsprozesses findet sich erst bei Marx, er ist der Gewährsmann des erkenntnistheoretischen Mechanismus. Marx’ analytisches Urteil, daß der Arbeitsprozeß aus menschlicher Arbeit, ihrem Mittel und ihrem Gegenstand besteht und im Arbeitsprodukt erlischt, war für die Handwerkersöhne wohl zu naheliegend und für die schwäbischen Theologen wohl zu tiefliegend, um des Aussprechens für würdig befunden zu werden, bedeutete für den jüdischen Anwaltssohn aus Trier aber eine große Entdeckung, die er vielleicht als Materialismus-Beweis mißverstand. Zu Ende geführt hat sie erst die Epistemologie des 68er Theorietyps.

Diese Theorie ist Arbeitsprozeßlogik und kennt acht Stufen: Naturalismus, Aktionismus, Mechanismus, Chemismus, Biologismus, Finalismus, Infinitismus und Pädagogismus. Der Naturalismus ist als gedachtes Gesamt von Naturkräften der Mutterboden der Arbeitskraft als einer speziell menschlichen Naturkraft. In der Natur als Nicht-Arbeit sind Material-, Form- und Wirkursachen denkbar, aber schwer nur sind Zweckursachen in ihr vorstellbar, die wiederum in der Arbeit als Nicht-Natur (oder zweite Natur) die begründende Kategorie darstellen. Das Entstehen der Arbeitskraft unter den Naturkräften ist aus Instinkthemmung modellierbar. Der Aktionismus ist als Seinsstufe menschlicher Erkenntnis durch Zusammenarbeit, Arbeitsteilung und deren beide Formen Arbeitsfolgerung und Arbeitsbündelung kategorial beschrieben. Der Mechanismus charakterisiert sich durch Analysis und Synthesis des Arbeitsmittels, also durch Werkzeugdifferenzierung und Werkzeugzusammenfassung in der Werkzeugmaschine. Der Chemismus ist Diversifikation des Stoffes, also des Arbeitsgegenstandes in seiner Innerlichkeit, durch Analyse und Synthese chemischer Elemente, beides aber in Reaktionsprozessen als Automaten, die dem Arbeitsgegenstand immanent sind und worin das Arbeitsmittel qua Katalysator nur als aufgehobenes Moment vorhanden. Der Biologismus ist Kreislauf- und Ganzheitsprozeß, seine Arbeits- und Erkenntnisweise ist kybernetisch kategorisiert. Der Finalismus ist Resultatsdenken, Zweckrationalität und daher Vernunft im Sinne von Güterabwägung und Güterhierarchisierung vom höchsten Gut her. Der Infinitismus ist geistiger Arbeitsprozeß, seine Arbeit ist das Denken und seine Güter sind als Gedanken unverbrauchlich gebrauchbar. Der Pädagogismus schließlich produziert die menschliche Arbeitskraft selber und resümiert darin alle vorangegangenen Seinsschichten der Erkenntnis als spezielle Didaktiken, als Lehrinhaltslehren. Die Kategorialanalyse des Pädagogismus faßt die Arbeitskraft als Einheit von lebendiger Substanz und ihren zweckhaften Bewegungsmöglichkeiten, so daß der Medizin ein epistemologischer Ort als Substanzreparaturlehre zugewiesen werden kann. – Die vor-68er Erkenntnistheorie zentriert sich um den Infinitismus als Lehre vom geistigen Arbeitsprozeß, dieser ist aber nur eine spezielle Erkenntnistheorie neben zwei anderen, den Lehren vom materiellen Arbeitsprozeß (Aktionismus bis Finalismus) und vom pädagogischen Arbeitsprozeß. Die materielle Arbeit gibt das Moment der Allgemeinheit, die geistige Arbeit das der Besonderheit und die pädagogische Arbeit das Moment der Einzelheit allen Arbeitens und Erkennens. Der Pädagogismus führt das Subjekt zu seinem individuellen Transzendental, der eigenen Arbeitskraft, und vermittels dieser seiner Einzelheit kommt das Individuum zum besonderen Transzendental der menschlichen Arbeitskraft überhaupt und schlußendlich zu deren Allgemeinheit, dem generellen Transzendental der Naturkraft.

Betrachtet man das Hegelsche System, wie hier geschehen, in sehr distanzierter Weise als Gesamtarbeitsprozeß, dann erklärt sich auch ganz zwanglos, warum die Mathematik sowohl in der Logik unter Quantität als auch in der Natur unter Dimensionen des Raumes (Geometrie) und unter Negation der Dimensionen der Zeit (Arithmetik der ruhigen Eins oder des Endlichen) vorkommt: Die gleiche Idee ist eben zuerst eine reine (logische) und dann eine außersichseiende (natürliche). Ähnliches gilt für die Subjektivität, die in Logik und Geist, und für Mechanismus und Chemismus, die in Logik und Natur auftauchen.

Wegen der bisherigen Nichtformalisierbarkeit der Hegelschen Philosophie liegt es nahe, diese – wie Hermann Schmitz in seiner Untersuchung über Hegels Logik (1992) – als Systementwurf für gescheitert zu erklären. Man muß aber mit Schmitz Hegel zugestehen, daß er in seiner Logik das einpolige Sein vom zweipoligen Wesen, der Reflexion, und diese vom dreipoligen Begriff unterscheidet, der immer Einheit von Besonderheit B, Allgemeinheit A und Einzelheit E ist. Da es aber die Einzelheit ist, welche Besonderheit und Allgemeinheit jedes Begriffes zusammen- und auseinanderhält und noch von allen anderen Begriffen fernhält, ergibt sich als Struktur der Begriffe nicht nur B-A-E, sondern Einheit und Unterschied von B und A durch E: (B,A)E. Die Einzelheit gibt der Besonderheit die Gattungsmerkmale, der Allgemeinheit die Quantifizierung und der Einzelheit die Identität oder Selbheit, so daß die Bestimmung des Begriffs auch als BE-AE-EE notiert werden kann. Die Einzelheit vereinzelt sich selbst, so daß sie die Begriffsreihe (B,A)E (B,A)E’ (B,A)E’’etc. erzeugt.

In Hegels Rechtsphilosophie § 40 erfährt dieses Begriffskonzept eine überraschende Füllung durch das Recht, das als Einheit von Besitz und Eigentum bestimmt wird, so daß sich als Rechtsbegriff (Besitz,Eigentum)Einzelheit ergibt. Die Einzelheit individuiert die Besonderheit des Besitzes und quantifiziert die Allgemeinheit des Eigentums und bestimmt beide Begriffsmomente zu einer jeweiligen Größe, faßt beide durch sich zusammen und stößt sich von sich selbst, die eine Einzelheit von jeder anderen, ab, und dies tut auch jede andere Einzelheit als die eine. So wird aus dem Recht überhaupt die Welt der Rechte:

(Besitz,Eigentum)Einzelheit 1 , (Besitz,Eigentum)Einzelheit 2 , … , (Besitz,Eigentum)Einzelheit n.

Aus dieser Welt der Rechte entwickelt sich dann die Unterscheidung des einen öffentlichen Rechts von allen anderen als den Privatrechten. Dem gleichen Begriffsbildungsschema folgt die Person als durch Einzelheit zusammengefaßter Besitzer und Eigentümer. Aus der Welt der Personen ergibt sich dann ebenfalls die Differenz von öffentlicher Person zu den Privatpersonen. Weil aber der Begriffskorpus immer die durch Einzelheit zusammengefügte Besonderheit und Allgemeinheit ist, erzeugen sich die Unterschiede in der Welt der Personen wie auch der Welt der Begriffe überhaupt nur aus den anzeigenden Bewegungen der Einzelheit. In den Anzeigern r der Einzelheit Er vollzieht sich die Selbstentfaltung des Begriffs zu seinem System.

Marx hat den Rechtsbegriff bei Hegel abgeklont und in seinem Systementwurf als Begriff der Ware benutzt. Das Kapital ist eine Philosophie der Warenwelt, die aufgrund ihrer Stringenz formalisiert und zum gesellschafts- wissenschaftlichen Gesamtsystem vollendet werden konnte. Dieses System bliebe auch dann logisch konsistent, wenn man die klassische Lehre von der Wertschöpfung durch gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit fallen ließe. Denn der Systemaufbau erfolgt über die reflexionslogischen Beziehungen der Waren zueinander: über die Wertformenlehre und nicht über die Wertlehre.

Virtuos führt Marx den Doppelcharakter der Ware, die Einheit ihres besonderen Gebrauchswertes und ihres allgemeinen Tauschwertes, in ständigen Entzweiungen und immer neuen Vereinigungen bis zu den Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit und den daraus abzuleitenden drei Hauptklassen der bürgerlichen Gesellschaft durch. Wie Marx selber, der ein Kulturdeutscher und ein Naturjude zugleich, ein deutscher Systemphilosoph und ein jüdischer Machtideologe war, hat sein Werk insgesamt einen scharf ausgeprägten Doppelcharakter: Das Kapital ist deutsch-idealistischer Systementwurf, die programmatischen Schriften sind jüdischer Messianismus. Das Wirtschaftsprogramm des Kommunistischen Manifests von 1848 ist ein Aufguß der Enteignungs- und Planwirtschaftsmaßnahmen, die nach Genesis Kap. 47, Vers 13-26 Joseph in Ägypten durchführte und die die Bolschewisten wiederholten. Marx trägt also durchaus eine große Mitschuld am Kommunismus des 20. Jahrhunderts, hat aber auch ein großes Mitverdienst am Deutschen Idealismus des 19. Jahrhunderts.

Aus dem Kapital als Systementwurf wie aus dem System der Sozialwissenschaften als Entwurfsausführung ergibt sich als politische Folgerung keine einzige der kommunistisch-despotischen Maßnahmen, wohl aber eine Ausführung, auf welche Weise der Staat die Wirklichkeit der sittlichen Idee ist und wie er als Handelsstaat, ob offen oder geschlossen, steuerbar bleibt. Sein Programm hat Marx selber durch sein theoretisches Werk widerlegt. Umgekehrt konnte aus der politologischen Ausführung seines politökonomischen Systementwurfs der Zusammenbruch der kommunistisch-orientalischen Despotie schon 1979 im Vorwort zur Allgemeinen Theorie der Politik und des Rechts vom 68er Theorieprogramm vorhergesagt werden.

Die Marxsche Voraussage eines Zusammenbruchs der Marktwirtschaft findet sich im Kapital-Rohentwurf von 1857/58 auf Seite 593 im Zusammenhang des tendentiellen Verschwindens der Arbeit aus der Produktion und daher des Tauschwertes aus den Produkten, was deren Waren-Charakter insgesamt und damit den systembauenden Begriff in Frage stellt.

Der Warencharakter der Produkte und die arbeitslose Produktion, asiatische Produktionsweise und orientalische Despotie in Rußland waren die Themen der 68er Theorie. Hans-Jürgen Krahl und Rudi Dutschke trugen am 5. September 1967 auf der 22. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes in Frankfurt am Main folgendes vor: “Wenn der technische Fortschritt der Maschine zwar potentiell die Arbeit abschafft, aber faktisch die Arbeiter abschafft und eine Situation eintritt, in der die Herrschenden die Massen ernähren müssen, wird die Arbeitskraft als Ware tendentiell ersetzt. …Daß am Ende der Rekonstruktion die strukturelle Arbeitslosigkeit nicht mehr im Zusammenhang mit der Funktionsbestimmung der Reservearmee analysierbar ist, ist Indiz dafür.” Schon 1965 schrieb Dutschke: “Die tendentiell völlige Arbeitslosigkeit muß für uns, für unsere Praxis der entscheidende Fixpunkt sein. Von diesem für uns ökonomischen Endziel des technologischen Prozesses her muß sich unsere Strategie konstituieren.”

Diese Fragen nach Anfang und Ende der auf der Ware beruhenden Wirtschaftsweise wie nach dem Umkehrverhältnis von asiatischer und germanischer Gesellschaftsformation ist Jahrzehnte später, nach dem Triumph der liberal-kapitalistischen Weltrevolution, akuter denn je. Noch Anfang 1979 notierte Dutschke: “Wie wichtig ist es zu wissen, was die Geschichte Asiens und der asiatischen Produktionsweise ist, um überhaupt den Nebel des Begriffs-Betrugs durchbrechen zu können. Allgemeine Staatssklaverei und asiatische Produktionsweise sind voneinander nicht zu trennen.” Der asiatischen Produktionsweise galt auch Dutschkes Versuch, Lenin auf die Füße zu stellen von 1974, seine Doktorarbeit.

Daß die 68er Marx-Re­nais­sance an den deutsch-de­duk­ti­ven na­tio­na­len Denk­stil und da­mit an den Deut­schen Idea­lis­mus wie­der­an­knüpf­te und ein na­tio­nal­re­vo­lu­tio­nä­rer Auf­stand ge­gen die Fremd­herr­schaft des anglo-ame­ri­ka­ni­schen Den­kens war, hat der scharf­bli­cken­de nor­we­gi­sche Po­li­to­lo­ge Jo­han Gal­tung (Le­via­than 3/83) er­kannt; eben­so, daß der deutsch-sys­te­ma­ti­sche Denk­stil zwar die gro­ßar­tigs­te, aber auch die ge­fähr­lichs­te Den­kungs­art ist. Gal­tung nennt ihn den “teu­to­ni­schen Denk­stil”, der im­mer fra­ge: Wie kön­nen Sie dies ab­lei­ten?, wäh­rend der nip­po­ni­sche Stil frü­ge: Wer ist Ihr Meis­ter? Ge­gen den “sach­so­ni­schen” Denk­stil, der in UK-Ver­si­on nach der Do­ku­men­tier- und in US-Ver­si­on nach der Ope­ra­tio­na­li­sier­bar­keit fra­ge, ha­be das deut­sche 68 “ei­ne Un­ab­hän­gig­keits­be­we­gung” (aaO 325) des teu­to­ni­schen Denk­stils be­gon­nen. Un­ein­ge­schränkt gilt dies nur für die Na­tio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re im SDS, nicht aber für die In­ter­na­tio­na­lis­ten, Na­zi-Kin­dern zu­meist, die sich in der Frank­fur­ter Schu­le jü­di­sche Er­satz­vä­ter such­ten und zu den nütz­li­chen Idio­ten des nach­zio­nis­ti­schen Dia­spo­ra-Na­tio­na­lis­mus wur­den. Denn der In­ter­na­tio­na­lis­mus ist na­tür­li­cher­wei­se nur der Na­tio­na­lis­mus ei­nes in­ter­na­tio­na­len Vol­kes.

Hans-Jürgen Krahl hat in den Schulungen vom Winter 1969/70 festgestellt, daß “die Warenform des Produkts alle Elemente der Hegelschen Wesenlogik enthält”; ferner habe die Schulökonomie die Differenz von Wesen und Erscheinung und also den Marxschen Satz vom Tauschwert (Wertform) als der Erscheinungsform des Wertes nicht verstanden, habe nicht den Inbegriff der Kritik, nicht die Notwendigkeit von Gesellschaftswissenschaft, “weder Verdinglichung noch falsches Bewußtsein, Fetischisierung und Mystifikation begriffen” (Konstitution und Klassenkampf, 1971, S.373). Schon im Adorno-Seminar vom Wintersemester 1966/67 hat Krahl “Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse” referiert und damit den Ansatz sowohl der Wertformendebatte als auch der Staatsdeduktionsdebatte in der ersten Hälfte der 70er Jahre geliefert. Wie Nicolai Hartmann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Deutschen Idealismus an seinem ersten Systementwurf wiederaufnahm, so haben Krahl und die Nationalrevolutionäre im SDS den Deutschen Idealismus an seinem letzten Systementwurf wieder angepackt und für den Rest des Jahrhunderts seine Entwicklung bestimmt.

Diese Entwicklung aufzuhalten hat Werner Becker 1972 in seiner Kritik der Marxschen Wertlehre versucht. Er ging richtig davon aus, daß Marx, indem er den Begriff der Ware als einen Gegensatz auffaßt, die politische Ökonomie dialektisiert und so mit der objektiven Wertlehre als einziger Basistheorie auskommt. “Er genügt damit theoretischen Ansprüchen, denen in der Neuzeit lediglich noch philosophische Systeme von der Art derjenigen der deutschen Idealisten … nachzukommen vermochten.” (148) Becker will den Gegensatz in der Ware als subjektiven Widersinn der Marxschen Argumentation nachweisen und den entdialektisierten System-Leichnam als Apologie des Kapitalismus geltenlassen: “Ohne diesen Gegensatz-Begriff kommt es weder zum vielbeschworenen ‘Fetischcharakter der Ware’ noch zur Deduktion der Geldform, und – was das Wichtigste ist – ohne ihn kommt die Marxsche Lehre von der Entstehung des Mehrwerts in den Rang einer gigantischen ökonomischen Rechtfertigungstheorie des kapitalistischen Profits” (7). Die Entdialektisierung versucht Becker zu bewerkstelligen, indem er an der Formulierung “x Ware A = y Ware B”, die eine Warengleichung und damit einen Warenaustausch beschreibt und die Marx zum Ausgangspunkt für die Wertformanalyse nimmt, bemängelt, daß sie offensichtlich keine Wertform ist, was stimmt. Sie sei “Wertgleichung im Rahmen der einfachen Wertform” (52), womit Marx eine bedeutungsdifferente Beschreibung eines identischen ökonomischen Sachverhaltes geben wolle und somit einen Theoriewiderspruch in einen Gegenstandswiderspruch verfälsche. Weil Becker ohne Begriffsformalisierung an Marxens Theorie herangeht, kann er nicht sehen, daß Wertgleichung, Wertformen, Güterunselbheit und Gütergleichheit als Güterrealtausch die Bedingungen jedes Warenaustausches sind. Beckers Angriff zielt auf das wirkliche Zentrum der Marxschen Theorie und ist folglich von gerader und ehrenwerter Art, scheitert aber mit der analytischen Weichheit seiner verbalsprachlichen Waffen an der Härte der angegriffenen Theorie.

Die Marxsche Warenanalyse liefert tatsächlich die alltägliche Wesenslogik aller warenproduzierenden Gemeinschaften, also aller Marktwirtschaften. Das Wesen, das erscheint, ist das Allgemeine, das sich besondert, und das Abstrakte, das sich konkretisiert. Die eine Einzelheit des Wesens ist aber auch die allgemeine Einzelheit, die in der anderen, besonderen Einzelheit in die Erscheinung tritt. In der Wesenslogik der Warenanalyse ist aber der Wert das Wesen und das Allgemeine und der Gebrauchswert die Erscheinung und das Besondere. Die Einheit von Wesen und Erscheinung ist die Erscheinungsform, oder kürzer: Wesen mit Schein ist Erscheinung. Sie ist das Eine als das Andere, ist gedoppelte Einzelheit und damit Reflexion. Als Reflexion zweier Waren ist die Erscheinungsform der Tauschwert im unanalysierten und die Wertform im analysierten Zustand.

An der Ungeklärtheit dieser Wesenslogik der Ware ist die Alte Linke schon mit Karl Kautsky (Karl Marx’ ökonomische Lehren, 1892) theoretisch gescheitert und 1933 dann politisch. Mit der Thematisierung der Warenanalyse und ihrer Wesenslogik betrat 1968 die Neue Linke, die auch nicht mehr die Industriearbeiterschaft, sondern gut idealistisch sich selber als revolutionäres Subjekt einsetzte, die philosophisch-politische Bühne, um sogleich das Ende der Warenproduktion und der Kapitalverwertung ins Auge zu fassen, was ja in der Tat eintreten wird, sobald die arbeitslose Produktion der vollautomatischen Fabrik vorherrscht. Die Neue Linke hat 1968 mit dem ersten Aufstand für das Reich der Freiheit in der Geschichte des Deutschen Idealismus Epoche gemacht. In der sozialen Realität aber ging alles im kapitalistischen Schweinsgalopp weiter, aus Besitzbürgern wurden Arbeitsbesitzer und aus entbürgerlichten Bürgern arbeitslose Arbeiter, Güterproduktion wird weiterhin in Warenproduktion, Eigenwirtschaft in Marktwirtschaft verwandelt, der Kapitalismus siegt sich seinem logischen Ende entgegen. Die ruckweise Umkehr dieser Entwicklungsrichtung, die Verwandlung von Waren- in Güterproduktion, von Marktwirtschaft in Eigenwirtschaft, wird Begleiterscheinung sowohl der faschistischen oder gar kommunistischen Konterrevolution als auch der Nationalrevolution sein, die Volksherrschaft und Volkswirtschaft wiederherstellt.

Die Gefährdung von Ware und Markt durch den Sieg der Marktwirtschaft selber scheint auch Recht und Person, also das Politische, zu bedrohen. In der Tat läßt sich von Marxens Programmatik angefangen über Schopenhauers Mitleidsethik, Nietzsches Willen zur Macht und die ganze phänomenologische Bewegung bis hin zur Fundamentalontologie ein Verlust des Politischen, eine ausschließliche Untersuchung von Naturalformen der menschlichen Existenz und eine Vernachlässigung ihrer Verkehrsformen, beobachten. Max Webers legal-rationale Herrschaft ist so unpolitisch wie Carl Schmitts Freund-Feind-Unterscheidung. Jürgen Habermas mit seiner Normentheorie, die auf eine Selbstjudaisierung des deutschen Denkens hinausläuft, und Niklas Luhmann mit seiner Differenztheorie gehören zur großen Schar der Naturalien-Philosophen des 20. Jahrhunderts, deren Extremisten der Wahrhaftigkeit die Gewaltapostel einerseits und die Pornographen andrerseits sind. Thomas Manns Josephsroman ist so reaktionär und freiheitsfeindlich wie es alle mit der kommunistischen Despotie sympathisierenden westlichen Schriftsteller zusammengenommen waren.

Aber die Ware wird mit der überfälligen Unterordnung der Marktwirtschaft unter die Eigenwirtschaften der Völker ebensowenig verschwinden wie Recht und Pflicht, wie Person, Politik und Freiheit. Die ehernen Gehäuse der großen Techno- und Bürokratien wie überhaupt die ‘große Industrie’ sind heute schon technisch, organisatorisch und politisch obsolet. Den Hausindustrien, den teil- bis vollautomatisierten Miniaturfabriken der Kleinbauern und Kleinbürger, den Hausindustriekomplexen und -netzen der neu sich in Stand setzenden Familien-, Sippen-, Stammes- und Volksgemeinschaften wird die Zukunft gehören. Die materielle Produktion als Reich der Notwendigkeit darf nicht aufhören, auch dann nicht, wenn sie absolut unprofitabel geworden ist, aber das Reich der Freiheit wird wachsen.

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Deutschlands Zukunft

Dem deutschen Volke sollte es bald gelingen, die uneingeschränkte Hausherrengewalt in seinem Lande wiederzugewinnen, damit Deutschland Zukunft hat. Und es sollte dem deutschen Volke sehr bald gelingen, die ausländischen Eroberer hinaus und ihre inländischen Toröffner ins Gefängnis zu werfen, damit Deutschland und das deutsche Volk Zukunft haben. Ansonsten werden wir untergehen und unsere Enkel in Bitternis und unter Tränen das trockene Brot der internationalen Knechtschaft essen, mit Orientalen und Negern als Aufsehern über sich.

Läuft die de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lung so wei­ter wie bis­her, dann wer­den im Jah­re 2030 nur noch die Hälf­te der Ein­woh­ner hier­zu­lan­de Deut­sche sein. Es ge­hört al­so kei­ne Pro­phe­ten­ga­be da­zu, Ras­sen­kämp­fe ame­ri­ka­ni­schen Mus­ters und Volks­tums­krie­ge bal­ka­ni­scher Mach­art für Deutsch­land vor­aus­zu­sa­gen. Soll­te es aber kei­ne Kämp­fe ge­ben, weil aus den ger­ma­ni­schen Stäm­men Eu­ro­pas kein neu­er Karl Mar­tell er­steht und die eu­ro­päi­schen Völ­ker nicht auf­ste­hen, dann be­deu­tet das eben ei­nen kampf­lo­sen Sieg nicht­eu­ro­päi­scher Ras­sen über ei­nen Geg­ner, der zu kei­ner ernst­haf­ten Ge­gen­wehr fä­hig ist. Und wer be­reit sein soll­te, die­se Ent­wick­lung not­falls mit ei­nem Bür­ger­krieg zu stop­pen, der muß nun all­mäh­lich sei­ne Pro­skrip­ti­ons­lis­ten er­stel­len und ab­ar­bei­ten. Aber auch nach ei­nem für uns sieg­rei­chen Ras­sen­kampf kommt dann im­mer noch der Klas­sen­kampf. Die­ser Kampf geht ge­gen die Dik­ta­tur des glo­bal no­ma­di­sie­ren­den Fi­nanz­ka­pi­tals, er geht für die Ein­ord­nung al­ler Klas­sen, auch der deut­schen Ka­pi­ta­lis­ten­klas­se und der deut­schen Ar­bei­ter­klas­se, in die bür­ger­li­che Ge­sell­schaft und die Un­ter­ord­nung der deut­schen Ge­sell­schaft un­ter den deut­schen Staat, wo­durch die deut­sche Ge­sell­schaft erst wie­der bür­ger­lich und da­mit an­stän­dig wird. Denn an­stän­dig lebt nur, wer sich ei­nem Stan­de an­ge­schlos­sen und sich selbst al­so in Stand ge­setzt hat. Die heu­te so ge­rühm­ten „glo­bal play­er­s“ sind ran­da­lie­ren­de Au­to­no­me im Welt­maß­stab. Sie wird man nach und nach aus den meis­ten Staa­ten aus­schlie­ßen und mit De­mons­tra­ti­ons­ver­bot be­le­gen in dem Ma­ße, wie die re­el­len Na­tio­nen ih­re volks­wirt­schaft­li­che Sou­ve­rä­ni­tät zu­rück­er­obern.

Trotz drängender Gefahr wollen wir uns nun etwas Zeit nehmen, um über Zukunft im allgemeinen und Deutschlands Zukunft im besonderen zu philosophieren unter der optimistischen Annahme, Deutschland und die Deutschen hätten eine Zukunft. Für den denkerischen Hausgebrauch seien mehrere Zukünfte unterschieden, erstens die unmittelbare, zweitens die mittelbare und drittens die langmittelbare Zukunft. Ich nenne diese drei Zukünfte 1. Anwart, 2. Zuwart und 3. Kunft.

Die Anwart ist die unmittelbar auf die Gegenwart einprasselnde Zukunft, die sich sozusagen ständig vergegenwärtigende Zukunft. Die Anwart ist die unmittelbare Zukunft als das Ankommende. Die Zuwart ist die mittelbar bevorstehende Zukunft, die erwartete Ankunft des Neuen, das aber noch nicht gegenwärtig als unverarbeitetes Neues, noch nicht schon als Anwartschaft ständig in unserer Gegenwart ankommt und worauf wir also noch warten. Diese Zuwart als mittelbare (oder mittelfristige) Zukunft ist uns vor allem als die neuen Mittel, die noch zu gewärtigen sind, gegenwärtig, aber, anders als die Anwart, ist die Zuwart ein Noch-nicht-Ankommendes. Die Zuwart ist das Warten auf das bald Kommende. Die Kunft schlußendlich ist ein futuristischer Zeitmodus, der voraussichtlich eintritt, sobald die jetzige Anwart sich in völlige Gegenwart und die Zuwart sich in die Anwart verwandelt hat. Dann ist aus der jetzt ferneren Zukunft die Ankunft geworden, die sich zur Kunft vollendet hat: das Hier und Jetzt einer untergegangenen und vergangenen, weil eingetretenen Zukunft. Und diese Kunft der heute noch ferneren Zukunft wird sich dann wieder unterscheiden wie heute schon alles Gegenwärtige in die Abkunft, die Herkunft und die Einkunft des künftig-gegenwärtigen, des kunftwärtigen Zustandes Deutschlands.

Ich will daher die Lageanalyse der deutschen Zukunft – vorausgesetzt, wir haben sie uns erkämpft – unter dem Gesichtspunkt dieser drei Zukunftsarten betrachten und zum Schluß einen Zukunftswegweiser für die Deutsche Nationalbewegung zur Diskussion stellen.

I.

Was gegenwärtig an Zukunft auf Deutschland einprasselt, ist zweierlei. Erstens die Vollendung der Kapitalherrschaft einschließlich dazugehöriger Vollendungskrisen, die die Reste aller überlieferten Werte und Sitten zerstören, wogegen es auch Widerstand gibt, der aber notwendiges Moment des Überwundenwerdens und folglich Ausdruck der Vollendung des Kapitals ist. Zweitens wird die Kapitalherrschaft in ihrer Vollendung absolut. Alle staatlichen Regeln, Normen und Einschränkungen der Kapital-Freiheit, insofern sie aus der unvollkommenen Jugend und dem noch mangelnden Selbstbewußtsein unreiferer Epochen der Kapital-Geschichte herstammen, werden jetzt beiseite geräumt. Die Freihandelsdoktrin ist herrschende Lehre geworden und mit der These von der Gobalisierung der Märkte und Herstellungsräume wird die Unterordnung des Staates unter das Kapital verlangt.

Solange das Kapital sich noch schwach fühlte, forderte und erhielt es den Schutz der Nation vor der internationalen Konkurrenz. Jetzt, auf der Höhe seiner Macht, will es – wie einst der Kommunismus in seiner hochgemuten Jugend – den Staat absterben lassen und die Nation erscheint dem Kapital als borniert, als Reststörfaktor bei der Globalisierung der Produktionsprozesse und der Märkte.

Ein sicheres Zeichen, daß die Kapitalherrschaft auf ihrem Gipfel steht, ist die Kapitalisierung der Infrastruktur, also der allgemeinen Produktionsbedingungen wie Verkehr, Nachrichtenwesen usw., sowie des öffentlichen Dienstes. Betreffs Infrastruktur schrieb Karl Marx schon 1858: „Die höchste Entwicklung des Kapitals ist, wenn die allgemeinen Bedingungen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses nicht aus dem Abzug der gesellschaftlichen Revenu hergestellt werden, den Staatssteuern …, sondern aus dem Kapital als Kapital.“ (Grundrisse S. 431) Die Produktion der allgemeinen Produktionsbedingung aller Kapitale ist also besondere Anlagesphäre großer Kapitalgesellschaften geworden. Auf diesen Triumph des Kapitals würde die geforderte Privatisierung der Staatsdienste (Polizei, Justiz, Armee usw.) die Krone aufsetzen, es wäre die offizielle Übertragung der Souveränität vom Volk auf das Kapital. In der akademischen Diskussion ist das schon etabliert, wir brauchen nicht mehr lange zuzuwarten, bis es Versuche seiner praktischen Verwirklichung geben wird.

II.

Steht anwärtig die Privatisierung der Infrastruktur im Vordergrund des deutschen Erwartungshorizontes, so ist die Privatisierung des Staates ein zuwärtiger Hintergrund. Die Subventionierung technischer Großprojekte (AKW, Airbus, Transrapid usw.) läßt dem Steuerstaat keinen finanziellen Spielraum mehr. Bislang noch tobte der Kampf um den Staatshaushalt zwischen sozialer und kapitaler Subsidie. Erstere soll nun weitgehend abgebaut werden, um letztere fortsetzen zu können. Also: Die hochtechnischen Kapitalgesellschaften verletzen am schlagendsten ihre freihändlerische Ideologie vom schlanken, subventionsfreien Staat, der, anders als bei den Liberalen des 19. Jahrhunderts, nicht einmal mehr Nachtwächterstaat sein darf, denn der Nachtwächter soll jetzt auch nicht mehr Beamter sein, sondern Unternehmer werden.

Die mittelbare Zukunft Deutschlands – seine Zuwart – ist also die Krönung der Kapitalherrschaft im Kapital-Absolutismus durch Privatisierung des Staatsapparates, nachdem die zentralen Infrastrukturbetriebe Post und Bahn in Kapitalgesellschaften verwandelt sind. Natürlich steht jeder geschichtliche Vorgang unter dem Vorbehalt der Kontingenz: Es kann so kommen, aber auch anders, z.B. durch einen Aufstand des deutschen Volkes, falls es sich nicht auch noch die letzten Reste von Staatlichkeit nehmen lassen will und das verschleuderte Volksvermögen wieder unter seine Kontrolle bringt. Geht hingegen alles weiter seinen kapitalistischen Gang, dann wird der Kapitalismus das Opfer seines eigenen Triumphes, der sich weltwirtschaftlich in der absoluten Konkurrenz und im puren Freihandel wie in der globalen Herstellungsfreiheit manifestiert. Nicht mehr nationale Industrien produzieren in innervölkischer gesellschaftlicher Arbeitsteilung für einen aus verschiedenen Volkswirtschaften bestehenden Weltmarkt, sondern ein Globalbetrieb in globalbetrieblicher Arbeitsteilung für einen weltlos gewordenen Globaleinheitsmarkt, also für den Marktkommunismus.

Die Kapitalisierung der Infrastruktur ist also die Anwart, die Privatisierung des Staatsapparates aber die Zuwart Deutschlands, seine mittelbare Zukunft.

III.

Die Kunft, die langmittelbare fernere Zukunft also, die Deutschland und der übrigen kapitalistischen Welt zu künden ist, lautet: Wer den Gipfel seiner Lebensgeschichte erreicht hat, kann im weiteren Fortgang seines Daseins nur noch absteigen. Der werdende Kapitalismus suchte den Schutz der Nation aus Jugendschwäche, der souveräne Kapitalismus wirft ihn im vollen Bewußtsein seiner Stärke ab, der absteigende Kapitalismus hingegen denkt an Altersrente und Pflegeversicherung. Und während wir gegenwärtig in den leitenden Wirtschaftsartikeln uns noch an der reinen Lehre des Freihandels und der globalen Faktormobilität erfreuen können, lesen wir in den politischen Schlagzeilen schon den unerhörten Begriff „Importverbot“, den es nach der reinen Lehre gar nicht mehr geben dürfte.

Marx drückt diesen Sachverhalt so aus: „Solange das Kapital schwach ist, sucht es selbst noch nach den Krücken vergangner oder mit seinem Erscheinen vergehnder Produktionsweisen. Sobald es sich stark fühlt, wirft es die Krücken weg, und bewegt sich seinen eignen Gesetzen gemäß. Sobald es anfängt sich selbst als Schranke der Entwicklung zu fühlen und gewußt zu werden, nimmt es zu Formen Zuflucht, die, indem sie die Herrschaft des Kapitals zu vollenden scheinen, durch Züglung der freien Konkurrenz, zugleich die Ankündiger seiner Auflösung und der Auflösung der auf ihm beruhenden Produktionsweise sind.“ (Grundrisse S.544f.) Noch gilt nur das Land als frei, das sich der freien Konkurrenz des Weltmarktes öffnet und jedes Wirtschaftssubjekt auf jedes andere losläßt, aber schon schwankt der Glaube an die alleinseligmachende Kraft des globalen Wettbewerbs. „Sobald übrigens“, schreibt Marx dazu, „die Illusion über die Konkurrenz als die angebliche absolute Form der freien Individualität verschwindet, ist dies ein Beweis, daß die Bedingungen der Konkurrenz, d.h. der auf das Kapital gegründeten Produktion, schon als Schranken gefühlt und gedacht werden, und es daher schon sind und mehr und mehr werden.“ (Grundrisse S.545) Und daß die Ideologen der Konkurrenz diese als „das Ende der Weltgeschichte“ (ibd.) ansehen würden, hat Marx auch schon prophezeiht.

Warum der Kapitalismus in Deutschland keine große Zukunft, sondern nur noch eine Kunft hat, an der vor allem die Niederkunft mit einer nachkapitalistischen Wirtschaftsweise von Belang ist, möchte ich nun mit einigen Erinnerungen an das Wesen des Kapitals, seine Krisen und ihre Zyklen, erläutern.

IV.

Das Kapital verändert durch seinen Trieb nach mehr Mehrwert, also nach Mehrwertwachstum, seine innere Zusammensetzung: Der Anteil des Sachkapitals steigt im Verhältnis zum Humankapital. Dies Verhältnis ist die organische Zusammensetzung des Kapitals, ihr Steigen bewirkt die Tendenz zum Fall der Allgemeinen Profitrate. Dem tendenziellen Fall der Profitrate wirken die Steigerung der Mehrwerts und die Senkung der Löhne und der Produktionsmittelpreise entgegen. Setzt die Tendenz zum Fall der Profitrate sich plötzlich durch, tritt die Krise ein. (Die Schwerkraft bewirkt eine Tendenz zum Fall der Flugzeuge auf die Erde. Die Auftriebskräfte an den Flügeln wirken dieser Tendenz entgegen. Setzt die Tendenz der Gravitation sich plötzlich durch, erfolgt Absturz.)

Wird also die Tendenz zum Fall der Profitrate akut, tritt die Krise ein. Sie ist die Anpassung des Gesamtvorganges der kapitalistischen Produktion an die gestiegene Produktivität. Krisenursache ist hierbei der Widerspruch zwischen der Ausdehnbarkeit der Produktion und der Konsumbeschränkung der Massen, d.h. zwischen Produktionsbedingung und Realisierungsschranke des Mehrwerts. Die Krise selber ist der akute Fall der Profitrate. Die Krisenwirkung zeigt sich in der Entwertung des konstanten und variablen Kapitals, also in der Kapitalvernichtung, die wieder Platz geschaffen hat für neues Kapitalwachstum.

Oder genauer: Steigende Maschine-Mensch-Relation steigert die Arbeitswirkung und bringt den gesellschaftlichen Grundumsatz ins Ungleichgewicht, was zum Wertverfall des Jahresprodukts, zum tatsächlichen Fall der Allgemeinen Profitrate, zur Rückverwandlung von Kapital in Geld (Schatzbildung), zum Rückgang der Produktion, zur Senkung der Beschäftigungsrate und zum Wertverfall von Produktionsmitteln und Arbeitskräften führt (Vernichtung konstanten und variablen Kapitals); letzteres läßt die Allgemeine Profitrate wieder steigen, Geld sich wieder in Kapital verwandeln, führt zur Fusion von Unternehmen und zur Erhöhung des Mindestkapitaleinsatzes; nach dem Abklingen der Krisenwirkungen können die Krisenursachen wieder wirken.

Der Kapitalismus lebt von seinen Krisen. In ihnen verjüngt er sich durch Kapitalvernichtung. Eine kapitalistische Krise ist der Absturz der Masse und der Aufschwung der Profitabilität des Kapitals. Von diesem allgemeinen Krisenkreislauf des Kapitals überhaupt sind zu unterscheiden Weltwirtschaftskrisen, die in einem Weltsystem mehrerer funktionierender Nationalökonomien ausbrechen, die, anders als eine Globalökonomie, miteinander Welthandel treiben können und folglich statt eines globalen Einheitsmarktes einen wirklichen Weltmarkt begründen. Eine Krise der Weltwirtschaftsmärkte bricht aus, wenn die globalen Erträge und Erlöse nachhaltig fallen. Die Weltkrise zeigt ihre Wirkung im Rückgang des Welthandels und im Schrumpfen der Faktorumsätze in den nationalen Verteilungsschemata. Die Faktorgüter strömen jetzt vorwiegend aus dem Verteilungsschema in die Ausgleichsfonds, d.h. in den Staatshaushalt und in die Vermögen der Privaten.

Die Weltmarktwirtschaftskrise reduziert die weltgesellschaftliche Arbeitsteilung. In der Krise der Weltmarktwirtschaft findet generell Importsubstitution (Einfuhrersatz) statt: eine Verringerung der gesellschaftlichen und weltgesellschaftlichen zu Gunsten der betrieblichen und binnenwirtschaftlichen Arbeitsteilung. Die Marktwirtschaft schrumpft, und die Eigenwirtschaft wächst. Der komparative Kostenvorteil des auswärtigen wie des Binnenhandels nimmt ab. Eigenfaktoren wachsen auf Kosten der Verteilungsfaktoren. Die Krise der Weltmärkte ist daher keine Wirtschaftskrise, sondern eine Krise der Marktwirtschaft und eine Blüte der Eigenwirtschaft, eine Wiederaneignung der umfassenden Fähigkeit der Gesamtarbeitskraft eines jeden Volkes und die Wiedergewinnung seiner nationalökonomischen Souveränität.

Resultat einer Krise der Weltmarktwirtschaft ist die Vertiefung und Verfeinerung der binnen- und eigenwirtschaftlichen Struktur der Nationalökonomien und ihrer Wirtschaftssubjekte. Die Weltmarktkrise faßt die globalen Faktorströme zu periodischen Bewegungen zusammen. Krise heißt Konjunktur des Privatvermögens, Konjunktur heißt Krise des Privatvermögens. Die Konjunktur spart an den Eigenfaktoren und legt in den Verteilungsfaktoren an, das Umgekehrte tut die Krise. Der Krisenzyklus ist somit ein An- und Abschwellen der Faktorströme in den nationalen Verteilungsschemata und zwischen ihnen.

Nach der Krise der Weltmarktwirtschaft haben sich mit der Neuformierung der Binnen- und Eigenwirtschaften die Ausgangsbedingungen für die weltgesellschaftliche Arbeitsteilung neu formiert. Auch die neuen Produkte der Wachstumsbranchen haben in der Regel einen krisenbedingten Entwicklungssprung getan: die Produktzyklen sind weitergerückt, der neue Faktorströmungszyklus ist auch ein Strom technischer Neuerungen.

Die erste Ursache der Weltmarktwirtschaftskrise ist nicht welt-, sondern allgemeinökonomischer Natur: akuter Fall der durchschnittlichen Profitrate. Die besonderen weltökonomischen Erscheinungsformen der Krise sind Folgen aus der Mobilität der Faktoren: des Kapitals, der Arbeitskraft, des Immobilfaktors und des Produktfaktors. Neben den Kapital- und Produktströmen verursacht besonders die globale Mobilität der Immobilien Migrantenströme von Immobilienkonsumenten, die die Umwelt schwer belasten. Produktströme in unvorbereitete Volkswirtschaften sprengen deren Infrastruktur, Arbeitsmigranten zerstören die Sozialstruktur und die nationalen Soziotope, die globalen Kapitalströme vernichten die letzten Biotope und verwandeln sie in Kapitalertragsressourcen. Die Konjunktur der Weltwirtschaftsmärkte ist die Hauptursache der ökologischen Krise wie ihres Kerns, der ethnischen Krise. Die geregelten Klassen- und Verbändekämpfe innerhalb der nationalen Verteilungsschemata entarten zu völkischen und rassischen Kämpfen, nachdem der Arbeitskräfteimport, verstärkt durch eine immigrationistische Propaganda kapitalistischer Ideologen, zum Zerfall der nationalen Arbeiterklasse und ihres Klassenbewußtseins geführt hat.

Emigration der Immigration und Remigration der Emigration, Kapitalrückfluß des Kapitalabflusses und Kapitalausfluß des Kapitaleinflusses sowie Exporterübrigung durch Importsubstitution sind eigenwirtschaftliche Heilungsmethoden der Weltkrise der Marktwirtschaft. Ebenso dienen Reparaturen an der nationalen Sozialstruktur, am vaterländischen Biotop und am völkischen Soziotop, die markt- und weltmarktwirtschaftlichen Zerstörungen der Volkswirtschaften zu beseitigen. Die Erfahrung mehrerer Weltkrisen wird die klugen Völker lehren, sich zunehmend aus internationalen Abhängigkeiten zu befreien und die Marktwirtschaft strenger Hegung zu unterwerfen, so daß sie volks- und eigenwirtschaftlichen Belangen dienstbar bleibt. Die gehegte und den Volkswirtschaften untergeordnete Marktwirtschaft wird künftig mehr als wirtschaftliches Züchtigungsmittel gegen die Trägheit allzu gemütlich-traulicher Ordnungen der Volkswirtschaften dienen, auch als gesellschaftliche Immunisierungstechnik der Nationalkulturen gegen die Weltzivilisation. Die Weltzivilisation ist die Barbarei. Die Aufrichtung nationaler Hochkulturen ist der Königsweg zur Kultivierung der Weltzivilisation. Dann erst ist die Höllenfahrt der Wirtschaftsgesellschaft beendet.

V.

Nicht nur eine gewöhnliche, zyklisch wiederkehrende kapitalistische Wirtschaftskrise, sondern eine Krise der Kapitalwirtschaft, die als Weltkrise der Marktwirtschaft überhaupt erschien, haben wir in Deutschland 1929-33 erlebt und gemeistert: Das kapitalistisch-liberalistische System wurde durch eine nachkapitalistische Ordnung ersetzt und damit die Vorhersage von Marx und Engels eingelöst, wonach das industriell und sozial höchstentwickelte Land als erstes den Kapitalismus überwinden würde. Diese nachkapitalistische Ordnung war zur Hauptsache eine Volksgemeinschaftswirtschaft mit gebändigter bürgerlicher Gesellschaft, allerdings um den Preis einer diktierenden Demokratie, womit auch die Vorhersage der Diktatur des Proletariats sich in gewissen Teilen erfüllt hat. Die zweite antikapitalistische Revolution in Deutschland, die mit dem Sieg eines nationalrevolutionären Befreiungskampfes einhergehen muß, wird sich mit einer geringeren Dosis zur Remedur des deutschen Gemeinwesens begnügen können. Es wird reichen, die deutsche Volkswirtschaft wiederherzustellen dergestalt, daß die Gesellschaft durch ihre Bürgerlichkeit und diese durch den parteifreien und klassenlosen Staat gesichert ist, welches die Diktatur erübrigen wird.

Der künftige deutsche Staat muß klassenlos sein, damit die Klassen der bürgerlichen Gesellschaft den Raum und die Sicherheit haben, ihre Kämpfe auszutragen. Mit der doppelten Entartung der Parlamente – Vertretungen der bürgerlichen Gesellschaft – zum Parlamentarismus (= parlamentarische Regierungsbildung) und zum Parteienstaat (= politische Klasse) verlieren die bürgerlichen Gesellschaftsklassen ihre Vertretung im Parlament und es entsteht die entbürgerlichte klassenlose Gesellschaft gegenüber dem Klassenstaat, der zum Kollektivbesitz der politischen Klasse verstümmelt wurde.

Die Durchsetzung des globalen Einheitsmarktes wird ein globales Einheitselend erzeugen, demgegenüber die Lage der arbeitenden Klasse im englischen Frühkapitalismus ziemlich behaglich war. Wenn die Globalisierung durchgesetzt ist, wird die erste allgemeinkapitalistische Krise gleich eine Globalkrise sein, die nicht mehr die Reaktionsmöglichkeiten funktionierender Volkswirtschaften in der Weltwirtschaftskrise als Auswege bereithält. Folge wird sein der Wirtschaftskannibalismus, den wir bei der Plattmachung der DDR-Industrie erlebt haben und der sich jetzt auch in der sprungweisen Entindustrialisierung der Westzone zeigt. Die politische Höllenfahrt hat begonnen, das Interregnum ist eröffnet. Vom BRD-System gehen seine Randfiguren, die nationalen Parteien, als erste zugrunde. Die ehemaligen linken und grünen Feinde des Systems glänzen heute als seine feurigsten Verteidiger. Pazifisten sind in globalinterventionistische Bellizisten umgeschlagen. Und jener kleine Trupp in der Deutschen Nationalbewegung, der tatsächlich die Systemfrage stellt und die Neuordnung der deutschen Volkswirtschaft unter deutscher Volksherrschaft als Alternative zum abgestumpften Systemfunktionalismus entwickelt hat, tritt auch nicht mit revolutionären Aktionen hervor. Denn die Aufgabe der Revolutionäre ist es nicht, eine Revolution anzufachen oder auch nur das System zu stürzen, sondern den revolutionären historischen Prozeß, der durch die Unfähigkeit des Systems allmählich in Gang kommt, zu begreifen, zu beschreiben und dann durch Errichtung der neuen Ordnung zu beenden, wenn er sich entfaltet und ausgereizt hat. Die Revolutionäre treten zum Schluß auf und beenden die Revolution.

Weil dies so ist, hat die nationale Revolution viel Zeit im Verhältnis zum antinationalen System, für das – weil unreformierbar – alles zu spät ist. Das nationale Lager und insbesondere sein rechter Flügel und seine zur Denkträgheit neigende konservative Masse hat daher sowohl die Zeit als auch die Pflicht, zu lernen, was eine Revolution im allgemeinen und was die nationale Revolution der Deutschen im besonderen bedeutet. Das nationale Lager muß jetzt lernen, lernen und nochmals lernen: Metaphysik, Erkenntnistheorie, Zeichenphilosophie, Geschichtsphilosophie, Nationalgeschichte, National­ökonomie, Nationalpolitik, Nationalpsychologie, Gesellschaftswissenschaft, Gemeinschaftskunde. Wer die Macht ergreifen will, um durch die Neuordnung der deutschen Nation ein Beispiel zu geben für ein reelles Völkerrechtssubjekt, der muß sich durch seine Wortergreifung qualifizieren. Das Wort ergreift, wer glaubt, etwas sagen zu müssen. Und eine Wortergreifung führt nur dann zum Erfolg, zur Erhörung durch den Souverän, wenn sie beachtenswert Neues zu Gehör bringt. Von der erfolgreichen Wortergreifung zur wirklichen Machtergreifung ist der Weg nicht mehr weit. Unerreichbar weit aber ist der Weg bis zur Wortergreifung für eine Nationalbewegung, die ungeschult bleibt. Wer ungeschulte Leute in den politischen Kampf schickt, der handelt nicht bloß verantwortungslos, sondern kriminell, – vergleichbar einem General, der Rekruten ohne Grundausbildung in die Schlacht kommandierte. Wer ungeschult ist, wer nicht über ein logisch-zwingendes, abgerundetes nationales Weltbild verfügt, an dem geht die historische Chance der Wort- und Machtergreifung vorüber. Andere Kräfte werden die Gelegenheit nutzen.

* * *

Gebt mir einige Hundertschaften idealistischer deutscher Feuerköpfe zur Schulung – ich werde mit ihnen die BRD aus den Angeln heben!




Der Putsch und andere Extreme

Putsche, Extreme, Radikale, – das sind keine Unfälle des politischen Lebens, sondern gewöhnliche Äußerungen, Organe und Zustände eines politischen Körpers. Wie jedes Leben und seine Normalität selber können sie zur Erstarrung, zur Krankheit und zum vorzeitigen Tod des Organismus führen. Jeder Körper, so auch der politische, hat seine Extremitäten. Bisweilen ist er von außen aufgeputscht oder putscht sich selber auf. Betrachtet man den politischen Körper als einen Baum, der, falls gediegen, in einem homogenen Volksboden wurzelt, so hat dieser politische Baum nicht nur eine Mitte, nicht nur einen Stamm, sondern auch Extreme und Radikale. Aufgeputschtheit oder Abgeputschtheit sind also Zustände des politischen Gesamtkörpers, Stamm, Extreme und Radikale aber seine Teile. Äste, Zweige und Abzweige sind gewissermaßen die Extremitäten oder Luftwurzeln unseres politischen Baumes, die Wurzeln aber seine Radikalitäten, also die Bodenverzweigungen oder Tiefenextreme.

Der Putsch ist ei­ne Ge­sam­ter­re­gung, die ih­ren Ur­sprung im exis­tenz­be­dro­hen­den Ver­sa­gen le­bens­wich­ti­ger Funk­tio­nen des po­li­ti­schen Kör­pers hat, wel­ches von in­nen oder von au­ßen her­rüh­ren kann. Der Putsch ist ein Streß; der er­folg­rei­che Putsch ist ein Stre­ßab­bau; er kom­pen­siert die­ses Ver­sa­gen, in­dem noch ge­sun­de Tei­le des po­li­ti­schen Kör­pers die Auf­ga­ben der un­fä­hi­gen Tei­le mit über­neh­men. Am be­kann­tes­ten ist der Mi­li­tär­putsch, bei dem die äu­ße­re Si­cher­heits­re­ser­ve ei­nes Staa­tes zur Wie­der­her­stel­lung der in­ne­ren Si­cher­heit oder ins­ge­samt als Er­satzr­nacht für ei­ne un­fä­hi­ge Exe­ku­ti­ve auf­ge­bo­ten wird. Putsch­fä­hi­ge Kräf­te kön­nen mit­ein­an­der in Streit ge­ra­ten, wie et­wa in Ita­li­en, wo der Er­folg des Fern­seh­put­sches durch put­schen­de Staats­an­wäl­te und Un­ter­su­chungs­rich­ter strei­tig ge­macht wur­de.

Ei­ne der ge­läu­figs­ten po­li­ti­schen Un­ter­schei­dun­gen ist die zwi­schen links und rechts. Links und Rechts über­haupt sind vor al­lem po­li­ti­schen Ge­brauch la­ge­ana­ly­ti­sche Raum­be­schrei­bungs­ka­te­go­ri­en, die im­mer kon­kret und sub­jekt­be­zo­gen blei­ben, weil die Sei­te, die für mich die Lin­ke, für mein Ge­gen­über die Rech­te ist, und um­ge­kehrt. Die rech­te Hand han­delt rich­tig, ge­steu­ert von der lin­ken Hirn­hälf­te, die lin­ke Hand han­delt lin­kisch, ge­steu­ert von der rech­ten Hirn­hälf­te. Die po­li­ti­sche Rech­te ver­tei­digt ihr gu­tes Recht, die po­li­ti­sche Lin­ke for­dert ihr Recht, d.h. sie hat es nicht. Rechts ist der po­li­ti­sche Rea­lis­mus, links die po­li­ti­sche Ein­bil­dungs­kraft. Bei­de kön­nen aus­ar­ten: die Rech­te in die Phan­ta­sie­lo­sig­keit, die Lin­ke in die Phan­tas­te­rei.

Die Unterscheidung von links und rechts hat nur dann einen konkret-subjektiven Sinn, wenn der politische Körper nicht nur als Baum, sondern gleichermaßen als Leviathan, als Mensch aus Menschen mit vorwärtig-raumsehendem Gesichtssinn, gedacht wird.

Der Leviathan erst kann innerlich-partikular und schließlich äußerlich und als ganzer in politische Bewegung geraten.

Politische Bewegungen können in ihre Richtung, zu ihrem Weg und ihrem Ziel nur leicht geneigt (-al), dazu durchaus fähig (-abel) oder absolut entschlossen sein und es zu einem System (-ismus) ausgearbeitet haben. Kombinieren wir somit nach der Art soziologischer Kreuztabellen die politischen Kürzel “putsch”, “radi(x)” und “extrem” mit den Bewegungsgrößen “-al”, “-abel” und “-ismus”, so erhalten wir folgende Tafel der politischen Bewegungszustände: 1. putschale, radikale und extremale Bewegungen, 2. putschable, radikable und extremable Kräfte sowie 3. Putschismus, Radikalismus und Extremismus als Weg- und Zielsysteme. Durch eine Links-Rechts-Unterscheidung ist diese Tafel auf achtzehn Kategorien zu verdoppeln.

Die politische Linke kann Rechte fordern, die politische Rechte kann Rechte bewahren. Beide können dies auf friedliche und auf räuberische Weise tun. Eine politische Linke wird zur Raublinken und geht in Bürgerkriegsstellung, wenn sie die wohlerworbenen Rechte der politischen Rechten für sich verlangt, also enteignen will. Sie ist dann linksreaktionär und die politische Rechte absolut im Recht. Die politische Rechte geht in Bürgerkriegsstellung und wird rechtsreaktionär, wenn sie den Rechtlosen und rechtlich Minderbemittelten das Recht nimmt, neue Rechte zu verlangen und zu bilden.

Diese Rechte wird zum Räuber an der Rechtsfähigkeit. Wenn beim Leviathan die Linke nicht weiß, was die Rechte tut, ist er unfähig zu koordinierter Handlung. Unterscheidung wie Bezogenheit von Linker und Rechter ist also Bedingung gerichteter politischer Bewegungen und der Handlungsfähigkeit des Gemeinwesens, jede Entfachung eines Kampfes zwischen der Linken und der Rechten aber ist das Gemeinverbrechen schlechthin.

In Großwest­deutsch­land ist vie­les put­schal, aber nichts put­scha­bel, ob­gleich das GG mit der po­li­ti­schen Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz des Kanz­lers und dem Ver­fas­sungs­ge­richt ei­nen kon­sti­tu­tio­nel­len Put­schis­mus be­reit­hält. Die Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz des Kanz­lers steht über der Ge­setz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Par­la­ments, vor dem er, ein­mal ge­wählt, durch das In­sti­tut des kon­struk­ti­ven Mi­ß­trau­ens­vo­tums ziem­lich si­cher ist. Das Ver­fas­sungs­ge­richt kann an­lä­ß­lich je­der be­lie­bi­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­de die ver­fas­sungs­ge­ben­de Ge­walt des deut­schen Vol­kes per Su­per­le­ga­li­täts­ent­scheid wie­der­her­stel­len und auch die ei­ge­ne kon­sti­tu­tio­nel­le Exis­tenz dem Sou­ve­rän an­heim­stel­len. Den grund­ge­setz­li­chen Put­schis­mus zu be­die­nen er­for­der­te als Amts­trä­ger al­ler­dings put­scha­ble Per­sön­lich­kei­ten, al­so ge­schichts­mäch­ti­ge In­di­vi­du­en.

In der Weimarer Republik waren der Reichspräsident (durch das Notverordnungsrecht) und der Reichstag (durch das unbeschränkte Recht auf Verfassungsänderung) putschfähig, und gemeinsam haben sie diese Fähigkeit durch das Ermächtigungsgesetz vom 23.3.33 unter Beweis gestellt. Ein Ermächtigungsgesetz, das die Gesetzgebungskompetenz vom Parlament auf die Regierung überträgt, ist überflüssig, wenn die politische Richtlinienkompetenz beim Regierungschef liegt. Umgekehrt unterliegt dann das Parlament einer ausführenden Gesetzgebungspflicht für jene politischen Richtlinien, deren Naturalform gesetzlicher Normierung bedarf. Denn die politische Kompetenz darf die Setzung und Auswirkung von Rechten vorschreiben, also die politischen Bewegungslinien bestimmen. Die Gesetzgebung dagegen ist überhaupt keine politische, sondern bloß eine technische Kompetenz.

Das Ganze ist das Wahre. Jede Herrschaft eines Teils und jede Regierung einer Partei ist ein politisch Unwahres. Das Unwahre, welches die Teile und die Parteien sind, wird zur Lüge und zur bösen Herrschaft, nicht erst, wenn ein Teil sich als das wahre Ganze behauptet (Einparteiherrschaft), sondern auch dann, wenn die Summe aller Teile sich als das Wahre ausgibt (Parteienstaat). Beide Formen der Herrschaft sind Totalitarismus. Totalitarismus ist Sonderputschismus, worin das Besondere das Allgemeine unterjocht. Kein funktionstüchtiges Teil der Staatsmaschine erfüllt zeitweilig die Aufgaben eines funktionsuntüchtig gewordenen Teiles mit, sondern die Partikularen kegeln gegen die Totalität.

Nötig wäre, den verfassungsgemäßen Putschismus gegen den Verfassungsstreich der Parteien einzusetzen. Nötig wäre der Staatsstreich gegen den Parteienputsch.

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