Karl Marx und die deutsche Philosophie

Die in der Aula geführte Debatte über Karl Marx zwischen den Standpunkten der Autoren Löw/Romig (5/97), Girtler (9/97) und Golowitsch (12/97) hat sich auf die Persönlichkeit Marxens kapriziert und völlig vermieden, das Haupt­werk des Theoretikers Marx auch nur zu berühren. Damit hat man sich selber vom Verständnis des Grundes der gegen­wärtigen Marx-Renaissance abgeschnitten, die sich allein auf Das Kapital stützen kann.

Außer­dem hat die Debatte den Sozial-Anti­semitismus des Juden Marx gegen ihn selber als zu er­he­ben­den oder zu ent­kräftenden Vor­wurf instrumentiert und daher die gegen­wärtig herr­schen­den Denk­tabus und Kritik­schablonen verstärkt, anstatt sich über sie souverän hinwegzusetzen. Weil es heut­zutage keine öffentlichen Juden­feinde geben darf, gibt es in Wahr­heit auch keine Juden­freunde. Wer den Haß verbietet, der hat die Frei­heit nicht weniger unterdrückt, als wer die Liebe ächtet.

Selbst­redend war Marx ein kultur­deutscher Anti­semit, aber eben auch ein Bluts­jude, der alt­testamentarisch hassen konnte und z.B. Öster­reich ganz besonders üble Finanzjuden an den Hals gewünscht hat. Die Menschen allgemein sind wider­sprüchliche Wesen, und Marx war es in außer­gewöhnlichem Maße: Als systematischer Theoretiker war er ein deutscher Phi­losoph, als Prak­tiker und Pro­grammatiker dagegen ein jüdischer Gewalt- und Macht­ideologe der besonders staats­feindlichen und anti­politischen Art. Der Marxismus als jüdische Gewalt­ideologie ist in Rußland und ganz Ost­europa blamabel gescheitert, und zwar zuguter­letzt an der mittel­deutschen Einigungs­bewegung von 1989; der Marxismus als deutsch-systematische Theorie des Kapitalismus hingegen ist durch den Triumph der ka­pi­ta­lis­tischen Pluto­kratie des Westens über die kommunis­tische Des­potie in Ost­europa glänzend bestätigt worden.

Der deutsche Marx hat recht behalten, der Kapitalismus war die Welt­revolution, die alle vorkapitalistischen und reaktionär-anti­kapitalistischen Gesellschafts­formen hinweggefegt hat. Dieser Erfolg als Theoretiker war Marx beschieden, weil er sich zur deutschen Philosophie und ganz besonders zum Deutschen Idealismus streng epigonal verhielt und sich jede originär jüdische Gedanken­zutat (außer dem Aus­rutscher der „Ex­pro­pri­ation der Ex­pro­priateure“ im 23. Kapitel des ersten Kapital-Bandes) verkniff. Die Sieben gegen Theben waren zwar originell, aber erst ihre Epigonen auch erfolg­reich.

Karl Marx war ein jüdischer Ver­brecher und ein deutsches Genie. Dem Genie ist die deutsche Treue zu halten, die literarischen Verbrechen des jüdischen Ideologen aber sind verjährt. Die konservativen Schätzungen der russischen Regierung über die Zahl der Menschen­opfer, die in An­wendung der jüdisch-marxistischen Gewalt­ideologie in der Sowjetunion gebracht wurden, belaufen sich auf sechzig Millionen. Dieses Ver­brechen übertrifft noch das des Mongolen­sturms und ist damit singulär in der Welt­geschichte überhaupt. Es hätte ohne die willige Hilfe des ganzen Welt­juden­tums nicht ausgeführt werden können.

Als deutsches Genie hat Karl Marx den ganzen Deutschen Idealismus beerbt und mit dem Kapital, seinem Haupt­werk, den letzten und ausgereiftesten System­entwurf der idealistischen Bewegung vorgelegt. Schon seinen system­begründenden Begriff der Ware als Ein­heit eines Ge­brauchs­wertes (oder -gegenstandes) mit seinem Tausch­wert hat er getreulich aus Hegels Rechts­philosophie (1821) abge­kupfert, wo in § 40 das Recht als Ein­heit eines Besitzes mit seinem Eigen­tum bestimmt wird. Weil jedes Recht auch eine Ware und jede Ware auch ein Recht ist, hat Marx eine grund­legende Über­setzungs­arbeit des juridischen in den polit­ökonomischen Grund­begriff geleistet, aus dessen Selbst­bewegungen er sein System aufbaut und in seiner reflexions­logischen Wert­formen­lehre über Hegel hinaus­führende Re­sul­tate in Ge­stalt einer exakten Geld­deduktion erhält, die ihm die genaue Unterscheidung zwischen Wesen und Funktion (Erscheinung) des Geldes gestattet und das Kapital als selbstbezügliche Geld­funktion demonstriert.

Implizit hat Marx mit seiner Geld­deduktion aus der Waren­welt auch die Ab­leitung des öffentlichen Rechts aus der Welt der Rechte und die Staats­deduktion aus der Welt der juristischen Personen geliefert, obwohl er keine Staats­theorie verfaßt hat. Von Hegel hat Marx auch die Theorie der Ver­elendung in der bürgerlichen Gesell­schaft übernommen, nicht aber das Konzept des Staates als Wirk­lichkeit der sitt­lichen Idee, als Dasein Gottes auf Erden.

Die Autoren Löw/Romig meinen, Marxens ökonomische Theorie ließe sich mit einem legeren Verweis auf die herr­schen­de Meinung der Uni­ver­si­täts­öko­no­mie erledigen. Die Qua­lität der schul­ökonomischen Marx-Rezeption ist aber unter aller Kritik. So etwa kann man fol­genden Voll­unfug lesen: „Die Ware Arbeit ist nun nach Marx die einzige, bei der Gebrauchs- und Tausch­wert voneinander abweichen können, und zwar übersteigt der Gebrauchs­wert den Tausch­wert der Arbeit.“ (Klassiker des öko­no­mi­schen Denkens. II. Von Marx bis Keynes, ed. Starbatty, München 1989) Das bedeutet, daß die Uni­ver­si­täts­öko­no­mie noch nicht einmal das erste Kapitel des Kapitals versteht. Sie kann es nicht verstehen, weil ihr die phi­lo­so­phische All­ge­mein­bil­dung mangelt, die sie erkennen ließe, daß Das Kapital steht und fällt mit dem Begriffs­konzept des Deutschen Idealismus im besonderen und dem kraft­theo­re­ti­schen Den­ken der deutschen Phi­lo­sophie im all­ge­mei­nen.

Den einzigen Schwach­punkt in Marxens System hat die Universitäts­ökonomie natürlich auch nicht entdeckt. Er besteht darin, daß beim Wert der Arbeits­kraft nicht die Arbeits­wert­theorie angewandt, sondern der Preis der Kon­sumtions­mittel als Wert­bestimmer unterstellt worden ist. In Korrektur dieser In­konsequenz habe ich den dritten, arbeits­kraft­pro­duzierenden Sektor in die Kritik der politischen Ökonomie eingeführt und die darin mögliche Mehr­arbeit, deren pä­da­gogisches Mehr­produkt unter Um­ständen auch als Lohn­zuwachs re­alisierbar ist, als Konsumtions­rente, die nicht mit Alfred Marshalls Kon­sumenten­rente zu verwechseln ist, postuliert (Das Gesetz des Gesamt­nutzens, 1981).

Kants General­frage lautet: „Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?“ (KdrV,B19) Man urteilt Begriffe ana­ly­tisch, wenn le­dig­lich die mit ihnen schon gegebenen Be­stand­teile auf­gedeckt werden, und man ur­teilt den Be­griff synthetisch, wenn mehr als das mit ihm Gegebene heraus­kommt, also ein Mehr­wissen ent­steht. Bei aposteriorisch-synthetischen Ur­teilen unterstellt Kant die Herkunft dieses Mehr­wissens aus der Er­fahrung, bei apriorisch-synthetischen Urteilen aber komme das Mehr­wissen – das geistige Mehr­produkt des Er­kenntnis­prozesses – aus dem Er­kenntnis­vermögen. Das Erkenntnis­vermögen als geistige Arbeits­kraft ist dem Er­kennen, der geistigen Arbeit, trans­zendental, aber nicht transzendent, also nicht jen­seits von Raum und Zeit.

Das Mehr­wissen oder der Erkenntnis­zuwachs aus Er­kenntnis­prozessen, die zu synthetischen Urteilen a priori führen, hat bei Kant also seine Quelle im Er­kenntnis­vermögen. Marx ver­all­gemeinert das Trans­zendental­apriori aus Kants Kritik der reinen Vernunft in seiner Kritik der politischen Ökonomie auf alle Arbeits­prozesse und die in ihnen mögliche Mehr­arbeit, die sich in einem Mehr­produkt mit einem Mehr­wert ver­gegen­ständlicht, der sich am Markt als Geld­preis realisieren muß. Das Trans­zendental­apriori der Marxschen Ökonomie ist die menschliche Arbeits­kraft überhaupt. Wer die Marxsche Mehrwert­theorie angreifen will, der muß Kants synthetische Ur­teile a priori aushebeln, oder uns zumindest vorführen, wie er das Ding-an-sich erkennt.

Fichte wollte Kantianer ohne das Ding-an-sich sein, hat sich den Atheismus-Vorwurf zugezogen und war ein bein­harter Sozialist, Nationalist und Ar­beits­theoretiker, der Ei­gen­tum nur als Ar­beits­mo­nopol, nicht aber als Besitz­monopol, anerkannte. Von Schelling hat Marx die Natur­theorie und von Hegel auch noch die Dialektik übernommen. Wer sich theoretisch mit dem Kapital anlegt, steht nicht nur gegen den ganzen Deutschen Idealismus, sondern mindestens noch gegen die Leibnizsche Monadologie.

Kapitalismus heute funktioniert wie im Kapital dargestellt. Die Alte Linke, in Deutsch­land 1933 besiegt, hatte die Ar­beiter in der großen Industrie für das revolutionäre Sub­jekt gehalten. Die Neue Linke, die 1968 in Er­scheinung trat, ging in ihrer Stra­tegie von der arbeitslosen Produktion in der vollautomatischen Fabrik, also vom Ende der Wert­schöpfung und der ka­pi­ta­lis­ti­schen Waren­pro­duktion aus und setzte ihre Hoffnung in jene Massen, die von den Herr­schenden ernährt werden müssen. Bei fünf Millionen offiziellen und acht Millionen reellen Arbeits­losen allein in der ver­einigten Besatzungs­zone Deutsch­lands kein unrealistischer Ansatz.

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Bemerkungen zum Deutschen Idealismus

„Was für eine Philosophie man wähle, hängt … davon ab, was man für ein Mensch ist: denn ein philosophisches System ist nicht ein toter Hausrat, den man ablegen oder annehmen könnte, wie es uns beliebte, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat. Ein von Natur schlaffer oder durch Geistesknechtschaft, gelehrten Luxus, und Eitelkeit erschlaffter, und gekrümmter Charakter wird sich nie zum Idealismus erheben.Johann Gottlieb FICHTE, 1797

Der Deut­sche Idea­lis­mus, so wird in gän­gi­gen Ge­schich­ten der Phi­lo­so­phie er­zählt, ha­be von Kant bis He­gel sich mun­ter ent­fal­tet als kri­ti­scher (Kant), sub­jek­ti­ver (Fich­te), ob­jek­ti­ver (Schel­ling) und ab­so­lu­ter (He­gel) Idea­lis­mus, sei ei­ne Wei­le preu­ßi­sche Staats­phi­lo­so­phie ge­we­sen und dann um die Mit­te des 19. Jahr­hun­derts, als der spä­te Schel­ling in Ber­lin kei­nen An­klang mehr fand, zu­sam­men­ge­bro­chen. In die­ser Sicht­wei­se hat auch das ei­gent­li­che 19. Jahr­hun­dert in sei­nen Sie­ges­zü­gen von Na­tur­wis­sen­schaft und Tech­nik erst mit He­gels und Goe­thes Tod An­fang der 30er Jah­re be­gon­nen.

Dieses vertraute Bild ist im entscheidenden Punkt, nämlich im Endpunkt, zu korrigieren: Der letzte Systementwurf des Deutschen Idealismus ist nicht die Endfassung des Hegelschen Systems, die Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften von 1830, sondern Das Kapital (1867,-85,-94) von Marx und Engels. Der Deutsche Idealismus, so meine These, brachte also am Ende des 19. Jahrhunderts in England seinen letzten und ausgereiftesten Systementwurf hervor.

Dieser Auffassung widersprechen Ideenhistoriker, die das Materialismus-Argument beim jungen Marx besonders ernst nehmen, also kommunistische Parteigeister und konservative ebenso. Besonders letzteren ist am Materialismus bei Marx viel gelegen, weil an einem handfesten Feind im geistigen Bürgerkrieg.

Wer die Kräfte eines Volkes auf ein Gemeinschaftsziel hin bündeln will, muß zuvor den geistigen Klassenkampf entschärfen, indem er die Kampfparteien zu notwendigen Momenten eines dialektischen Gegensatzes herabsetzt und damit den Kampf als ganzen in einen Motor für die Bewegungen des Volksgeistes verwandelt. Die These vom idealistisch-materialistischen Antagonismus in der Philosophiegeschichte möchte ich daher am Beispiel des Deutschen Idealismus relativieren und vielmehr zeigen,

  1. daß der Unterschied von Idee und Tat der von Tatgedanke und Gedankentat ist,
  2. daß das Ideal und das Real einander normierende Normen sind, und
  3. daß der Materialismus die Allgemeinheit, der Immaterialismus aber die Besonderheit und die Einzelheit im Denken des Deutschen Idealismus ausmacht.

Das materialistische Argument selber in seiner dialektisch-tätigen Gestalt, in der auf die Spontaneität der menschlichen Arbeitskraft (und damit auch ihres Erkenntnisvermögens) abgehoben wird, bildet den denkerischen Ausgangspunkt der idealistischen Bewegung bei Kant. Der Sattlersohn Immanuel Kant weiß natürlich, daß die Arbeitskraft das Apriori einer jeden Arbeit und das Erkenntnisvermögen zum Inventar der Arbeitskraft und zum Apriori eines jeden Erkennens gehört. Und Johann Gottlieb Fichte, der Sohn eines armen Leinenbandwirkers aus der Lausitz, weiß, daß es auf die wirkliche “Thathandlung” ankommt, mit der das Ich das Nicht-Ich, also den Rest der Welt insgesamt, erobert. Vom materiellen Arbeitsprozeß, vom lebendigen Stoffwechsel des Menschen mit der Natur, hat der Deutsche Idealismus seinen Ausgang genommen. Dieser bot ihm den Anfang, die abstrakte Allgemeinheit der Bestimmungen des geistigen Arbeitsprozesses, also des Erkennens, das von Schelling und Hegel, den Sprößlingen des schwäbischen Pastorenadels, auf die Gedanken Gottes vor und nach der Erschaffung der Welt, also auf Logik, Natur und Geist, ausgedehnt wurde. – Idealistische Philosophie ist Philosophie der Arbeit, ist das System der Ideen als der Tatgedanken, die auf die Tathandlungen als den wahren Gedankentaten gerichtet sind. Der Deutsche Idealismus ist das Denken des Apriori von Arbeitskraft zum Arbeitsprozeß, ist das Gebundensein allen Erkennens an Arbeit und ihren Primat der Idee, so daß die Differenz von Idee und Tat nur als Unterschied von Tatgedanke und Gedankentat erscheinen muß.

Idealistisch ist schon der rein materielle Arbeitsprozeß, weil in jeder Arbeit der Gedanke vor der Tat kommt. Aber freilich ist so mancher Arbeitsprozeß gedankenschwer und tatenarm, wenn zur Herstellung der endgültigen Idee, dem unmittelbaren Tatgedanken, viele mittelbare Gedanken als Denkgegenstände (Probleme), Denkwerkzeuge (Begriffe), Denkmaschinen (Gedankensysteme, Theorien) und Denkautomaten (Theoriensysteme) nötig sind. In den industriell-materiellen Arbeitsprozessen der Gegenwart erscheint die dingliche Herstellung der Produkte oft nur als Schlußpunkt zum aufwendigen Entwicklungsgang einer ausführbaren Idee. Die Idee ist unter den ewigen Gütern das endlich ausführbare; sie ist das Konsumgut der geistigen Produktion. Das Ideal ist die Idee, wie sie sein soll; das Ideal ist die normierte Idee. Idealismus ist das System der Tatgedanken, wie sie sein sollen, und Deutscher Idealismus ist das System der deutschen Solltatgedanken.

Wenn die Idee in die Tat umgesetzt wird und ihr Ideal als ihr Real erscheinen muß, dann zeigt sich gewöhnlich, daß das Real das Ideal nicht erreicht. Das tatsächliche, das aus der Tat zur Sache gewordene Reale führt jetzt zur sog. praktischen Überprüfung des Ideals und der darin genormten Idee selber. Das nichtideale Real wirkt als Veränderungsnorm auf künftige Realisierungen der Idee und auch als Korrektiv auf die Idee selber und ihre Norm, das Ideal. Das Real ist zwar das Tatsächliche und daher selten ideal, normiert aber die Idee und ihr Ideal gleichermaßen. Das Sollen ist das ideale Wollen oder die Willensnorm. Denn der freie Mensch will tun, was er soll, und zugleich soll er wollen, was er kann, und was er kann, das will er auch sollen. Der freie Mensch als Person, als Pflichten- und Rechtesubjekt, verlangt nach dem sittlichen Leben. Die Abweichung vom Ideal und damit die Verfehlung der Norm wird zum Normgeber für die Entwicklung der menschlichen Arbeitsprozesse oder Tathandlungen einschließlich ihres Ideensystems und seiner Idealisierungen. – In dieser systematischen Sicht ist Deutscher Idealismus deutsches Denken überhaupt. Jetzt aber wollen wir ihn im eingeschränkt historisierten Sinne betrachten und die eingangs erwähnte Sinnerweiterung etwas verständlicher begründen.

Leibniz als Vorfahre der idealistischen Bewegung in Deutschland hat für die Materie als res extensa mit seiner Monadologie (1714) energisch Platz geschaffen, indem er der Natur allen Platz überhaupt, also Raum und Zeit insgesamt, einräumt. Die Monade muß dann sowohl unräumlich (also unteilbar und fensterlos) als auch ewig (also unsterblich und unzerstörbar) sein, weil nicht in der Zeit geschaffen, sondern mit ihr. Die Monaden werden am Ende dieses Weltalters ihr Außer-Gott-Sein, ihre prästabilierte Harmonie in der besten aller möglichen Welten beenden und in Gott zurückkehren. Gott selber aber hört auf, oberste Zentralmonade und daher Gott zu sein, wenn die von ihm geschaffenen Monaden zu ihm heimkehren und wieder absoluter Geist, wieder raumlos-zeitlose Vollkommenheit sind. Leibnizens Monadologie sieht den sinnlich-übersinnlichen, den zeitlich-ewigen Doppelcharakter aller natürlichen Dinge wie später Kant den empirisch-überempirischen Doppelcharakter aller unserer Erkenntnis und noch später Hegel den Doppelcharakter des Rechts als Besitz und Eigentum und schlußendlich Marx den Doppelcharakter der Ware als Gebrauchswert und Tauschwert.

Die Monade ist das Seelenatom, sie enthält ein Bild des Alls und erzeugt ständig Vorstellungen (Perzeptionen) oder sogar bewußte Vorstellungen (Apperzeptionen) im Falle des Menschen. Jede Monade ist ein der Handlung fähiges Sein, also eine Seele oder Kraft. Jede Monade ist einmalige Individualität und somit unverwechselbare Unteilbarkeit. Höhere Individualitäten werden als Herrschaftsverbände vieler verschiedenartiger Monaden unter einer Zentralmonade gebildet, letztlich aber unter Gott. Alle Monaden sind seelische Atome und eine Kraft, die spontan (also frei) tätig ist, indem sie Vorstellungen aus ihrem jeweils eigenen Spiegelbild des Alls heraus erzeugt. Die Vorstellungen sind die Tätigkeiten der Monaden, die sich unterscheiden in mehr oder weniger deutliche, wobei ganz deutliche Vorstellungen nur die göttliche Monade hat und entsprechend ungehemmte Tätigkeit ist, während verworrene Vorstellungen nur gehemmte Tätigkeiten sind. Gott hat die Monaden in prästabilierter Harmonie zueinander und damit die beste aller möglichen Welten geschaffen. Weil Gott die Monaden nicht in der Welt, sondern mit der Welt geschaffen, sind sie unsterblich. Die Monaden sind die Seele oder unsterbliche Kraft in jedem Weltwesen, und als Monade ist auch Gott in seiner selbstgeschaffenen Welt.

Leibnizens Monadologie gewährt beseelte Selbheit noch dem winzigsten Staubkörnchen im All, sie ist eine völlig kommunikationslose, gesellschaftsfreie und marktferne Metaphysik, die ein jegliches Ordnungs- und Hierarchiedenken und damit die Gemeinschaften philosophisch und nicht etwa bloß biologisch begründen kann. Über- und Unterordnungen in den Vergemeinschaftungen der Monaden und also ihre Herrschaft regelt sich durch die Deutlichkeit ihrer Vorstellungen und nicht etwa durch Befehl und Gehorsam. Die so gebildeten Gemeinschaften sind als Seelen (res cogitans) völlig autark und autonom; ihre Vorstellungen als ihre Handlungen bedürfen keiner gesellschaftlichen Arbeitsteilung, denn sie sind eine vollendet betriebliche. Hingegen als Körper (res extensa) sind die so gebildeten Gemeinschaften dann höchst kommunikations- und gesellschaftsfähig, so wie Leibniz selber es war. Seine Monadologie gestattet es, das Gemeinschafts- und Gesellschaftsdenken auch in vorbiologische Daseinsformen, deren Zentralmonaden Individualität (Unteilbarkeit) und Identität (Selbheit) und damit auch Spontaneität als Vorformen der Freiheit haben, hineinzutragen.

Leibniz bietet die Grundlage für eine sozialwissenschaftliche Betrachtung der Natur. Und er konzipiert Gott und die Welt auf urdeutsche Weise, nämlich krafttheoretisch, wie es schon Nikolaus von Kues im 15. Jahrhundert mit seinem Seinkönnen (possest) und Meister Eckhart im 14. Jahrhundert mit dem Fünklein vom Geiste Gottes in der Seele des Menschen getan. Nach Leibniz haben wir bei Kant als Kraftbegriffe die drei Seelenvermögen Erkennen, Begehren und Fühlen, deren jeweilige Prüfung er in seinen drei Kritiken (der theoretischen oder reinen Vernunft, der praktischen Vernunft, der Urteilskraft) liefert und zu einer Kategorientafel als Festapriori synthetischer Urteile kommt und damit unhaltbar gewordene Kategorien der alten Metaphysik verwirft. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird Nicolai Hartmann das Kantische Festapriori durch eine Kategorialanalyse der verschiedenen Seinsstufen (physische, organische, seelische, geistige) ersetzen, wodurch er zu einem Fließapriori findet, das zwar vor aller Erfahrung, aber nicht außer der Zeit gilt. An den letzten Systementwurf des Deutschen Idealismus hingegen werden erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die 68er Theoretiker wieder anknüpfen. Aus der Rezeption des Konzepts der asiatischen Produktionsweise kommen sie (Krahl, Dutschke, Rabehl u.a.) zur Verwerfung des Sowjetismus, den Rudi Dutschke eine “allgemeine reale Staatssklaverei” genannt hat. Die 68er Theoretiker sind durch 1989 und die Folgen glänzend bestätigt worden. Darüberhinaus zeigte sich, daß allein mit dem letzten Systementwurf des Deutschen Idealismus die Formalisierung gelang, die zahlreichen Formalisierungsversuche des vorletzten, des Hegelschen Systementwurfs aber scheiterten. Nur die Formalisierung des Kapitals von Marx und Engels ermöglichte mir die Durchführung des Systems der Sozialwissenschaften (1987) bis hin zur Weltgeschichtsformel.

Leibniz hat die durchgehende Formalisierung des Wissens in einer Begriffsschrift (Universalcharakteristik) gefordert, die als allgemeine Charakteristik der Begriffe auch heute noch fern ihrer Verwirklichung ist, aber als besondere erstmals im 19. Jahrhundert im periodischen System der chemischen Elemente realisiert wurde, wobei das Element durch seine Massenzahl identifiziert wird. Noch nicht durchgeführt ist die Leibnizsche Begriffs-Charakteristik in der Mathematik, weil ihre Operationen nicht aus einem festgestellten Begriff der Zahl, nicht als Zahlbegriffsindizierungen entwickelt, sondern aus praktischen Problemlagen empirisch gefunden sind. Hegels Programm der Philosophie als Wissenschaft (System des Wissens) ist von Marx verwirklicht worden, und zwar in einer Wissenschaft aus dem Begriff. Solch eine Wissenschaft veröffentlichte Marx 1867 mit dem ersten Band des Kapitals. Hundert Jahre später konnte die Kapital-Formalisierung konzipiert und 1972 vorgelegt werden. In ihr schlagen sich die Bewegungen des systemerzeugenden Begriffs nur noch in den Veränderungen der Indices seines Begriffszeichens nieder.

Bei Marx gibt es den Elementarbegriff der Ware mit den Begriffselementen Gebrauchswert und Tauschwert; er ist die genaue Übersetzung des Rechtsbegriffes bei Hegel vom Juristischen in’s Ökonomische. Hegel gelang es in seiner berühmten Rechtsphilosophie (1821) noch nicht, die Formen der Reflexion des einen Rechts in ein anderes Recht zu analysieren. Wohl aber konnte Marx mit seiner Wertformenanalyse zeigen, wie die eine Ware sich in der anderen Ware reflektiert. Deswegen war Das Kapital formalisierbar, nicht aber die Rechtsphilosophie. Aber das formalisierte System der Ware konnte in ein solches des Rechts rückübersetzt werden.

Kant ist typisch deutscher Kraftdenker von Anfang an, schon in seiner ersten philosophischen Veröffentlichung, den Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte (1749). Kant thematisiert nicht die menschliche Arbeitskraft überhaupt, sondern nur ihre geistige Teilkraft, die Seelenvermögen Erkennen, Begehren und Fühlen. In der Kritik der reinen Vernunft (1781) unternimmt er die Prüfung “des Vernunftvermögens überhaupt, in Ansehung aller Erkenntnisse, zu denen es, unabhängig von aller Erfahrung, streben mag, mithin die Entscheidung der Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Metaphysik überhaupt und die Bestimmung sowohl der Quellen, als des Umfanges und der Grenzen derselben, alles aber aus Prinzipien” (A XII). Hauptfrage ist ihm, “was und wie viel kann Verstand und Vernunft, frei von aller Erfahrung, erkennen und nicht, wie ist das Vermögen zu denken selbst möglich?” (A XVII). Kant hinterfragt also nicht die geistige Arbeitskraft, sondern die geistige Arbeit, das Denken oder Erkennen, hier noch zugespitzt auf Erkenntnistheorie qua Selbsterkenntnis des Erkenntnisvermögens in der reinen Selbstbetrachtung. Das Denkvermögen und sein Inventar ist dem Denken transzendental, aber nicht transzendent. Denn unsere geistige Arbeitskraft ist jenseits unserer geistigen Arbeit, aber nicht jenseits von Raum und Zeit. Sie ist uns kein Ding-an-sich, sondern unsere Kraft.

Den Zugang zum menschlichen Erkenntnisvermögen gewinnt Kant durch die Frage: “Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?” (B 19) Synthetische Urteile a posteriori sind Erfahrungsurteile, sie enthalten in der Satzaussage immer eine Hinzufügung über das hinaus, was mit dem Satzgegenstand als Begriff schon vorausgesetzt worden war. Dem Wissen wird also im synthetischen Urteil ein Mehrwissen hinzugefügt, und auf das Mehrwissen kommt es an im Prozeß des Erkennens. Bei Erfahrungsurteilen – synthetischen Urteilen a posteriori – unterstellt Kant nun die Herkunft des Mehrwissens aus der Erfahrung selber, also wohl aus der geistigen Verarbeitung von Sinneseindrücken. Bei synthetischen Urteilen a priori aber kann der Wissenszuwachs allein aus dem Transzendental des Erkenntnisprozesses kommen, nämlich aus dem Erkenntnisvermögen selber. Die Differenz von Denken oder Urteilen zum Denk- oder Urteilsvermögen macht also den Wissenszuwachs aus.

Kant versucht eine allgemeine Theorie der geistigen Arbeitskraft und eine Wissenszuwachstheorie aus ihrem Unterschied zum geistigen Arbeitsprozeß, dem Erkenntnisvorgang. Er hat damit eine fast schon vollständige Frühfassung der Marxschen Mehrwerttheorie geliefert, die das Mehrprodukt und seinen Mehrwert in allen Arbeitsprozessen aus dem Unterschied von Arbeit und Arbeitskraft ableitet. Die Mehrwerttheorie ist also ein Sproß der synthetischen Urteile a priori. Marx als Epigone dieses Ansatzes ist bescheidener und erfolgreicher als Kant: er will keine Inventarliste und keine Kategorientafel des menschlichen Arbeitsvermögens liefern, sondern beschränkt sich auf die eine Dimension der Wertgrößendifferenz zwischen Arbeitskraft und Arbeit, letztere natürlich nicht als konkrete, sondern als abstrakte. Die Marxsche Mehrwerttheorie ist ein Zwerg, der weiter sieht als der Riese, auf dessen Schultern er steht. Dieser Theorieriese ist das Transzendentalapriori Kants.

Die Kerntheoreme des ersten und des letzten Systementwurfs des Deutschen Idealismus sind somit fast die selben. Das Mehrwissen ist nur der edle und ewige, der unverbrauchlich gebrauchbare Teil des Mehrprodukts. Marx ist also nicht nur Hegelianer als Dialektiker, Schellingianer als Naturtheoretiker und Fichteaner als Arbeitstheoretiker und Sozialist, sondern auch Kantianer in seiner Mehrwertlehre. Kant ist aber nicht nur Eröffner einer neuen Epoche der deutschen Denkgeschichte, sondern auch Vollender der Freiheitstheorie Luthers.

Luther hat Gott befreit, indem er ihn von der Werkheiligkeit erlöst und ihm die Gnadenheiligkeit anheimgestellt hat. Den Christenmenschen hat Luther von den Werken und der Fesselung an das Heil, in Erlangung wie Verfehlung, entbunden, denn der freie Gott gewährt das Heil nur freiwillig und aus Gnade. Dem Gläubigen aber bleibt sicher der Glaube, der ihn selig macht, weil er der seine ist. Bei Luther ist dieser Glaube selber nicht frei, sondern festgelegt durch die Tradition der christlichen Offenbarung. Kant hat Luthers Werk vollendet, indem er den Glauben selber befreit hat. Er mußte, sagt Kant, “das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen” (B XXX). Der Glaube bekommt also Gott, alle Dinge-an-sich, Ewigkeit und Unsterblichkeit, somit sämtliche Domänen der alten, vorkritischen Metaphysik als freies Gestaltungsfeld zugewiesen. Hier kann er nach Herzenslust spekulieren, dogmatisieren und sich das, was er glauben will, selber gestalten, es nur eben nicht als Wissen oder Wissenschaft ausgeben. Der Glaube ist als Glaube inhaltlich frei geworden, ihm fällt alles anheim, was transzendent ist. Kants neuer, wissenschaftlicher Metaphysik aber gehört das Transzendentale, also sämtliche synthetischen Urteile a priori, Erkenntnisse des Erkenntnisvermögens über sich.

Fichte und Schelling radikalisieren den Kantischen Ansatz, aber erweitern ihn auch. Fichte zieht die Folgerung aus der reinen Vernunft, Schelling geht in ihre Voraussetzung. Die Folge der reinen Vernunft als Erkenntnisvermögen ist der geistige Arbeitsprozeß, die Tathandlung der reinen Vernunft, ihre Voraussetzung aber die Natur, in der sie eingebettet ist in alle anderen Naturkräfte. Fichtes “Ich” wird konstituiert durch Arbeit, die in sich aber auch gegenständliche Momente vereinigt und also Arbeitsprozeß insgesamt ist. Die Handlung hat ihr Objekt zum Inhalt, das Ich aber als Form oder Begriff, und völlig zu Recht behauptet Fichte die Handlungs- oder Arbeitsprozeßgebundenheit aller Erkenntnis. Deswegen folgt nicht die Handlung der Erkenntnis, sondern die Erkenntnis der Handlung, also die geistige Arbeit ist Teil und Funktion jeder menschlichen Arbeit überhaupt, woraus der Primat der praktischen Vernunft vor der theoretischen sich ergibt. Fichte als Handlungstheoretiker gründet daher auch den Eigentumsbegriff auf das Recht auf Arbeit, genauer: auf das Recht auf ausreichendes Familieneinkommen aus einer individuell-monopolisierten Arbeit. Er verwirft den Begriff des Eigentums als eines individuell-monopolisierten Besitzes. In Fichtes Geschloßnem Handelsstaat von 1800 hat die deutsche Arbeiterschaft ihr nationalsozialistisches Grundprogramm, von dem der historische Nationalsozialismus nur einen stark verdünnten Aufguß verwirklicht hat. Aber auch das bis Ende des 20. Jahrhunderts in Deutschland bestehende staatliche Arbeitsvermittlungsmonopol war von Fichtes Geist.

Schelling stellt im System des transzendentalen Idealismus (1800) es als eigentliche Aufgabe des Philosophen dar, die geistige Arbeitskraft oder Intelligenz aus natürlichen polaren Grundtätigkeiten zu konstruieren: “Cartesius sagte als Physiker: gebt mir Materie und Bewegung, und ich werde euch das Universum daraus zimmern. Der Transzendentalphilosoph” (also der Denker der geistigen Arbeitskraft qua Erkenntnisvermögen) “sagt: gebt mir eine Natur von entgegengesetzten Thätigkeiten, deren eine ins Unendliche geht, die andere in dieser Unendlichkeit sich anzuschauen strebt, und ich lasse euch daraus die Intelligenz mit dem ganzen System ihrer Vorstellungen entstehen. Jede andere Wissenschaft setzt die Intelligenz schon als fertig voraus, der Philosoph betrachtet sie im Werden …” (ed. Schröter, II 427). Die “Intelligenz” ist natürlich die menschliche Arbeitskraft in ihrer idealistischen Zuspitzung als Geisteskraft. Sie ist jetzt nicht mehr, wie bei Kant, das unhinterfragte Transzendental, von dem bestenfalls eine Inventarliste anzulegen ist, sondern zeigt sich als ein durchaus Hintergehbares, das zu seiner Explikation sich nicht unbedingt auf den langen Marsch der Fichteschen Tathandlungen begeben muß, nicht auf den Fortschritt angewiesen ist. Wenn die Intelligenz oder Geisteskraft jetzt selber durch entgegengesetzte Tätigkeiten erzeugt wird, so ist dies ein naturphilosophisches Argument, das auf besondere Naturkräfte, also auf die erste Natur, zielt, deren Wirken die Kraft der zweiten Natur, also Intelligenz oder Arbeitskraft, erzeugt. Schelling hinterfragt die Menschenkraft ökologisch, die Naturkraft ist das vordenkliche Sein der Arbeitskraft und ihrer Intelligenz. Allerschönster Schelling ist auch ‘die Naturalisierung des Menschen und die Humanisierung der Natur’ durch praktisch-materielle Arbeit beim jungen Marx vor 1848, und noch beim reifen Marx heißt die Maschine ‘angeeigneter Naturprozeß’.

Hegel faßt in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes (1807) den Arbeitsprozeß insgesamt als Prozeß wie als Resultat gleichermaßen auf und repräsentiert in der erkenntnistheoretischen Entwicklung des Deutschen Idealismus damit die Stufe des Biologismus: “Denn die Sache ist nicht in ihrem Zwecke erschöpft, sondern in ihrer Ausführung, noch ist das Resultat das wirkliche Ganze, sondern es zusammen mit seinem Werden; der Zweck für sich ist das unlebendige Allgemeine, wie die Tendenz das bloße Treiben, das seiner Wirklichkeit noch entbehrt; und das nackte Resultat ist der Leichnam, der die Tendenz hinter sich gelassen.” Die Inhalte des Gesamtprozesses erscheinen in drei Formen, der verständigen, der dialektischen und der spekulativen, wobei die beiden letzteren die vernünftigen Formen sind. Der Verstand ist abstrakt und hält die Bestimmungen fest, unter Absehung von den anderen; die Dialektik löst die festen Bestimmungen der Begriffe auf und verwandelt sie in ihr Gegenteil, und die Spekulation betrachtet die positiv-vernünftige Einheit der festen und der fließenden Bestimmungen. Unter den verschiedenen Erkenntnisvermögen nimmt Hegel sich kein geringeres vor als dasjenige Gottes oder des absoluten Geistes, und am Arbeitsvermögen dasjenige des Weltgeistes oder des objektiven Geistes in seiner ungeheuren Arbeit der Weltgeschichte selber. Das ganze Hegelsche System ist in Logik, Natur und Geist als der reinen, der außersichseienden und der zusichkommenden Idee unterteilt, also grob gesprochen Gottes Gesamtarbeitsprozeß.

Im Gesamtarbeitsprozeß läßt Hegel Gott zunächst die reine Idee als Arbeitsvorstellung fassen, dann darf Gott die Idee in der Natur, der liederlichen Phase seines Daseins, materialisieren, als außersichseiende Idee in ihrem ideell-raumzeitlichen, unorganisch-materiellen und organisch-lebendigen Außereinander als Werkstücke realisieren; schließlich darf Gott die in der Natur außersichgeratene Idee wieder im Endprodukt des Geistes als zusichkommende Idee in den Unterabteilungen des subjektiven, objektiven und absoluten Geistes sich wieder beruhigen lassen. Nachdem Hegel sah, daß Gottes Werk wohlgetan war, gönnte er ihm die Sonntagsruhe.

Man kann die besondere Herausarbeitung der erkenntnistheoretischen Stufen auf die idealistischen Denker wie folgt verteilen: Kant erklärt die Arbeitskraft qua Erkenntnisvermögen zum unhintergehbaren Transzendental der Arbeit als Erkennen, Urteilen, Denken. Fichte propagiert die lebendige Arbeit (und folglich den Arbeiter und sein Recht auf Arbeit) als Movens und Hauptmoment des Arbeits- und Erkenntnisprozesses; seine Parole heißt: Handeln! Schelling wendet den Deutschen Idealismus ins Objektive, in die Arbeitsgegenstände und also auch an die Natur und ihre Dingbarkeiten. Kant ist der Kraftdenker, Fichte der Arbeitsdenker, Schelling der Gegenstandsdenker und Hegel der Gesamtprozeß- und Gesamtresultatsdenker. Dies alles stimmt natürlich nur für die jeweils grobe Haupttendenz.

Die Erkenntnistheorie kann Kant für den Pädagogismus, Fichte für den Aktionismus, Schelling für Naturalismus und Chemismus und Hegel für Biologismus, Finalismus und Infinitismus vorwiegend in Anspruch nehmen. Eine saubere und vollständige Analyse des einfach-materiellen Arbeitsprozesses findet sich erst bei Marx, er ist der Gewährsmann des erkenntnistheoretischen Mechanismus. Marx’ analytisches Urteil, daß der Arbeitsprozeß aus menschlicher Arbeit, ihrem Mittel und ihrem Gegenstand besteht und im Arbeitsprodukt erlischt, war für die Handwerkersöhne wohl zu naheliegend und für die schwäbischen Theologen wohl zu tiefliegend, um des Aussprechens für würdig befunden zu werden, bedeutete für den jüdischen Anwaltssohn aus Trier aber eine große Entdeckung, die er vielleicht als Materialismus-Beweis mißverstand. Zu Ende geführt hat sie erst die Epistemologie des 68er Theorietyps.

Diese Theorie ist Arbeitsprozeßlogik und kennt acht Stufen: Naturalismus, Aktionismus, Mechanismus, Chemismus, Biologismus, Finalismus, Infinitismus und Pädagogismus. Der Naturalismus ist als gedachtes Gesamt von Naturkräften der Mutterboden der Arbeitskraft als einer speziell menschlichen Naturkraft. In der Natur als Nicht-Arbeit sind Material-, Form- und Wirkursachen denkbar, aber schwer nur sind Zweckursachen in ihr vorstellbar, die wiederum in der Arbeit als Nicht-Natur (oder zweite Natur) die begründende Kategorie darstellen. Das Entstehen der Arbeitskraft unter den Naturkräften ist aus Instinkthemmung modellierbar. Der Aktionismus ist als Seinsstufe menschlicher Erkenntnis durch Zusammenarbeit, Arbeitsteilung und deren beide Formen Arbeitsfolgerung und Arbeitsbündelung kategorial beschrieben. Der Mechanismus charakterisiert sich durch Analysis und Synthesis des Arbeitsmittels, also durch Werkzeugdifferenzierung und Werkzeugzusammenfassung in der Werkzeugmaschine. Der Chemismus ist Diversifikation des Stoffes, also des Arbeitsgegenstandes in seiner Innerlichkeit, durch Analyse und Synthese chemischer Elemente, beides aber in Reaktionsprozessen als Automaten, die dem Arbeitsgegenstand immanent sind und worin das Arbeitsmittel qua Katalysator nur als aufgehobenes Moment vorhanden. Der Biologismus ist Kreislauf- und Ganzheitsprozeß, seine Arbeits- und Erkenntnisweise ist kybernetisch kategorisiert. Der Finalismus ist Resultatsdenken, Zweckrationalität und daher Vernunft im Sinne von Güterabwägung und Güterhierarchisierung vom höchsten Gut her. Der Infinitismus ist geistiger Arbeitsprozeß, seine Arbeit ist das Denken und seine Güter sind als Gedanken unverbrauchlich gebrauchbar. Der Pädagogismus schließlich produziert die menschliche Arbeitskraft selber und resümiert darin alle vorangegangenen Seinsschichten der Erkenntnis als spezielle Didaktiken, als Lehrinhaltslehren. Die Kategorialanalyse des Pädagogismus faßt die Arbeitskraft als Einheit von lebendiger Substanz und ihren zweckhaften Bewegungsmöglichkeiten, so daß der Medizin ein epistemologischer Ort als Substanzreparaturlehre zugewiesen werden kann. – Die vor-68er Erkenntnistheorie zentriert sich um den Infinitismus als Lehre vom geistigen Arbeitsprozeß, dieser ist aber nur eine spezielle Erkenntnistheorie neben zwei anderen, den Lehren vom materiellen Arbeitsprozeß (Aktionismus bis Finalismus) und vom pädagogischen Arbeitsprozeß. Die materielle Arbeit gibt das Moment der Allgemeinheit, die geistige Arbeit das der Besonderheit und die pädagogische Arbeit das Moment der Einzelheit allen Arbeitens und Erkennens. Der Pädagogismus führt das Subjekt zu seinem individuellen Transzendental, der eigenen Arbeitskraft, und vermittels dieser seiner Einzelheit kommt das Individuum zum besonderen Transzendental der menschlichen Arbeitskraft überhaupt und schlußendlich zu deren Allgemeinheit, dem generellen Transzendental der Naturkraft.

Betrachtet man das Hegelsche System, wie hier geschehen, in sehr distanzierter Weise als Gesamtarbeitsprozeß, dann erklärt sich auch ganz zwanglos, warum die Mathematik sowohl in der Logik unter Quantität als auch in der Natur unter Dimensionen des Raumes (Geometrie) und unter Negation der Dimensionen der Zeit (Arithmetik der ruhigen Eins oder des Endlichen) vorkommt: Die gleiche Idee ist eben zuerst eine reine (logische) und dann eine außersichseiende (natürliche). Ähnliches gilt für die Subjektivität, die in Logik und Geist, und für Mechanismus und Chemismus, die in Logik und Natur auftauchen.

Wegen der bisherigen Nichtformalisierbarkeit der Hegelschen Philosophie liegt es nahe, diese – wie Hermann Schmitz in seiner Untersuchung über Hegels Logik (1992) – als Systementwurf für gescheitert zu erklären. Man muß aber mit Schmitz Hegel zugestehen, daß er in seiner Logik das einpolige Sein vom zweipoligen Wesen, der Reflexion, und diese vom dreipoligen Begriff unterscheidet, der immer Einheit von Besonderheit B, Allgemeinheit A und Einzelheit E ist. Da es aber die Einzelheit ist, welche Besonderheit und Allgemeinheit jedes Begriffes zusammen- und auseinanderhält und noch von allen anderen Begriffen fernhält, ergibt sich als Struktur der Begriffe nicht nur B-A-E, sondern Einheit und Unterschied von B und A durch E: (B,A)E. Die Einzelheit gibt der Besonderheit die Gattungsmerkmale, der Allgemeinheit die Quantifizierung und der Einzelheit die Identität oder Selbheit, so daß die Bestimmung des Begriffs auch als BE-AE-EE notiert werden kann. Die Einzelheit vereinzelt sich selbst, so daß sie die Begriffsreihe (B,A)E (B,A)E’ (B,A)E’’etc. erzeugt.

In Hegels Rechtsphilosophie § 40 erfährt dieses Begriffskonzept eine überraschende Füllung durch das Recht, das als Einheit von Besitz und Eigentum bestimmt wird, so daß sich als Rechtsbegriff (Besitz,Eigentum)Einzelheit ergibt. Die Einzelheit individuiert die Besonderheit des Besitzes und quantifiziert die Allgemeinheit des Eigentums und bestimmt beide Begriffsmomente zu einer jeweiligen Größe, faßt beide durch sich zusammen und stößt sich von sich selbst, die eine Einzelheit von jeder anderen, ab, und dies tut auch jede andere Einzelheit als die eine. So wird aus dem Recht überhaupt die Welt der Rechte:

(Besitz,Eigentum)Einzelheit 1 , (Besitz,Eigentum)Einzelheit 2 , … , (Besitz,Eigentum)Einzelheit n.

Aus dieser Welt der Rechte entwickelt sich dann die Unterscheidung des einen öffentlichen Rechts von allen anderen als den Privatrechten. Dem gleichen Begriffsbildungsschema folgt die Person als durch Einzelheit zusammengefaßter Besitzer und Eigentümer. Aus der Welt der Personen ergibt sich dann ebenfalls die Differenz von öffentlicher Person zu den Privatpersonen. Weil aber der Begriffskorpus immer die durch Einzelheit zusammengefügte Besonderheit und Allgemeinheit ist, erzeugen sich die Unterschiede in der Welt der Personen wie auch der Welt der Begriffe überhaupt nur aus den anzeigenden Bewegungen der Einzelheit. In den Anzeigern r der Einzelheit Er vollzieht sich die Selbstentfaltung des Begriffs zu seinem System.

Marx hat den Rechtsbegriff bei Hegel abgeklont und in seinem Systementwurf als Begriff der Ware benutzt. Das Kapital ist eine Philosophie der Warenwelt, die aufgrund ihrer Stringenz formalisiert und zum gesellschafts- wissenschaftlichen Gesamtsystem vollendet werden konnte. Dieses System bliebe auch dann logisch konsistent, wenn man die klassische Lehre von der Wertschöpfung durch gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit fallen ließe. Denn der Systemaufbau erfolgt über die reflexionslogischen Beziehungen der Waren zueinander: über die Wertformenlehre und nicht über die Wertlehre.

Virtuos führt Marx den Doppelcharakter der Ware, die Einheit ihres besonderen Gebrauchswertes und ihres allgemeinen Tauschwertes, in ständigen Entzweiungen und immer neuen Vereinigungen bis zu den Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit und den daraus abzuleitenden drei Hauptklassen der bürgerlichen Gesellschaft durch. Wie Marx selber, der ein Kulturdeutscher und ein Naturjude zugleich, ein deutscher Systemphilosoph und ein jüdischer Machtideologe war, hat sein Werk insgesamt einen scharf ausgeprägten Doppelcharakter: Das Kapital ist deutsch-idealistischer Systementwurf, die programmatischen Schriften sind jüdischer Messianismus. Das Wirtschaftsprogramm des Kommunistischen Manifests von 1848 ist ein Aufguß der Enteignungs- und Planwirtschaftsmaßnahmen, die nach Genesis Kap. 47, Vers 13-26 Joseph in Ägypten durchführte und die die Bolschewisten wiederholten. Marx trägt also durchaus eine große Mitschuld am Kommunismus des 20. Jahrhunderts, hat aber auch ein großes Mitverdienst am Deutschen Idealismus des 19. Jahrhunderts.

Aus dem Kapital als Systementwurf wie aus dem System der Sozialwissenschaften als Entwurfsausführung ergibt sich als politische Folgerung keine einzige der kommunistisch-despotischen Maßnahmen, wohl aber eine Ausführung, auf welche Weise der Staat die Wirklichkeit der sittlichen Idee ist und wie er als Handelsstaat, ob offen oder geschlossen, steuerbar bleibt. Sein Programm hat Marx selber durch sein theoretisches Werk widerlegt. Umgekehrt konnte aus der politologischen Ausführung seines politökonomischen Systementwurfs der Zusammenbruch der kommunistisch-orientalischen Despotie schon 1979 im Vorwort zur Allgemeinen Theorie der Politik und des Rechts vom 68er Theorieprogramm vorhergesagt werden.

Die Marxsche Voraussage eines Zusammenbruchs der Marktwirtschaft findet sich im Kapital-Rohentwurf von 1857/58 auf Seite 593 im Zusammenhang des tendentiellen Verschwindens der Arbeit aus der Produktion und daher des Tauschwertes aus den Produkten, was deren Waren-Charakter insgesamt und damit den systembauenden Begriff in Frage stellt.

Der Warencharakter der Produkte und die arbeitslose Produktion, asiatische Produktionsweise und orientalische Despotie in Rußland waren die Themen der 68er Theorie. Hans-Jürgen Krahl und Rudi Dutschke trugen am 5. September 1967 auf der 22. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes in Frankfurt am Main folgendes vor: “Wenn der technische Fortschritt der Maschine zwar potentiell die Arbeit abschafft, aber faktisch die Arbeiter abschafft und eine Situation eintritt, in der die Herrschenden die Massen ernähren müssen, wird die Arbeitskraft als Ware tendentiell ersetzt. …Daß am Ende der Rekonstruktion die strukturelle Arbeitslosigkeit nicht mehr im Zusammenhang mit der Funktionsbestimmung der Reservearmee analysierbar ist, ist Indiz dafür.” Schon 1965 schrieb Dutschke: “Die tendentiell völlige Arbeitslosigkeit muß für uns, für unsere Praxis der entscheidende Fixpunkt sein. Von diesem für uns ökonomischen Endziel des technologischen Prozesses her muß sich unsere Strategie konstituieren.”

Diese Fragen nach Anfang und Ende der auf der Ware beruhenden Wirtschaftsweise wie nach dem Umkehrverhältnis von asiatischer und germanischer Gesellschaftsformation ist Jahrzehnte später, nach dem Triumph der liberal-kapitalistischen Weltrevolution, akuter denn je. Noch Anfang 1979 notierte Dutschke: “Wie wichtig ist es zu wissen, was die Geschichte Asiens und der asiatischen Produktionsweise ist, um überhaupt den Nebel des Begriffs-Betrugs durchbrechen zu können. Allgemeine Staatssklaverei und asiatische Produktionsweise sind voneinander nicht zu trennen.” Der asiatischen Produktionsweise galt auch Dutschkes Versuch, Lenin auf die Füße zu stellen von 1974, seine Doktorarbeit.

Daß die 68er Marx-Re­nais­sance an den deutsch-de­duk­ti­ven na­tio­na­len Denk­stil und da­mit an den Deut­schen Idea­lis­mus wie­der­an­knüpf­te und ein na­tio­nal­re­vo­lu­tio­nä­rer Auf­stand ge­gen die Fremd­herr­schaft des anglo-ame­ri­ka­ni­schen Den­kens war, hat der scharf­bli­cken­de nor­we­gi­sche Po­li­to­lo­ge Jo­han Gal­tung (Le­via­than 3/83) er­kannt; eben­so, daß der deutsch-sys­te­ma­ti­sche Denk­stil zwar die gro­ßar­tigs­te, aber auch die ge­fähr­lichs­te Den­kungs­art ist. Gal­tung nennt ihn den “teu­to­ni­schen Denk­stil”, der im­mer fra­ge: Wie kön­nen Sie dies ab­lei­ten?, wäh­rend der nip­po­ni­sche Stil frü­ge: Wer ist Ihr Meis­ter? Ge­gen den “sach­so­ni­schen” Denk­stil, der in UK-Ver­si­on nach der Do­ku­men­tier- und in US-Ver­si­on nach der Ope­ra­tio­na­li­sier­bar­keit fra­ge, ha­be das deut­sche 68 “ei­ne Un­ab­hän­gig­keits­be­we­gung” (aaO 325) des teu­to­ni­schen Denk­stils be­gon­nen. Un­ein­ge­schränkt gilt dies nur für die Na­tio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re im SDS, nicht aber für die In­ter­na­tio­na­lis­ten, Na­zi-Kin­dern zu­meist, die sich in der Frank­fur­ter Schu­le jü­di­sche Er­satz­vä­ter such­ten und zu den nütz­li­chen Idio­ten des nach­zio­nis­ti­schen Dia­spo­ra-Na­tio­na­lis­mus wur­den. Denn der In­ter­na­tio­na­lis­mus ist na­tür­li­cher­wei­se nur der Na­tio­na­lis­mus ei­nes in­ter­na­tio­na­len Vol­kes.

Hans-Jürgen Krahl hat in den Schulungen vom Winter 1969/70 festgestellt, daß “die Warenform des Produkts alle Elemente der Hegelschen Wesenlogik enthält”; ferner habe die Schulökonomie die Differenz von Wesen und Erscheinung und also den Marxschen Satz vom Tauschwert (Wertform) als der Erscheinungsform des Wertes nicht verstanden, habe nicht den Inbegriff der Kritik, nicht die Notwendigkeit von Gesellschaftswissenschaft, “weder Verdinglichung noch falsches Bewußtsein, Fetischisierung und Mystifikation begriffen” (Konstitution und Klassenkampf, 1971, S.373). Schon im Adorno-Seminar vom Wintersemester 1966/67 hat Krahl “Zur Wesenslogik der Marxschen Warenanalyse” referiert und damit den Ansatz sowohl der Wertformendebatte als auch der Staatsdeduktionsdebatte in der ersten Hälfte der 70er Jahre geliefert. Wie Nicolai Hartmann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Deutschen Idealismus an seinem ersten Systementwurf wiederaufnahm, so haben Krahl und die Nationalrevolutionäre im SDS den Deutschen Idealismus an seinem letzten Systementwurf wieder angepackt und für den Rest des Jahrhunderts seine Entwicklung bestimmt.

Diese Entwicklung aufzuhalten hat Werner Becker 1972 in seiner Kritik der Marxschen Wertlehre versucht. Er ging richtig davon aus, daß Marx, indem er den Begriff der Ware als einen Gegensatz auffaßt, die politische Ökonomie dialektisiert und so mit der objektiven Wertlehre als einziger Basistheorie auskommt. “Er genügt damit theoretischen Ansprüchen, denen in der Neuzeit lediglich noch philosophische Systeme von der Art derjenigen der deutschen Idealisten … nachzukommen vermochten.” (148) Becker will den Gegensatz in der Ware als subjektiven Widersinn der Marxschen Argumentation nachweisen und den entdialektisierten System-Leichnam als Apologie des Kapitalismus geltenlassen: “Ohne diesen Gegensatz-Begriff kommt es weder zum vielbeschworenen ‘Fetischcharakter der Ware’ noch zur Deduktion der Geldform, und – was das Wichtigste ist – ohne ihn kommt die Marxsche Lehre von der Entstehung des Mehrwerts in den Rang einer gigantischen ökonomischen Rechtfertigungstheorie des kapitalistischen Profits” (7). Die Entdialektisierung versucht Becker zu bewerkstelligen, indem er an der Formulierung “x Ware A = y Ware B”, die eine Warengleichung und damit einen Warenaustausch beschreibt und die Marx zum Ausgangspunkt für die Wertformanalyse nimmt, bemängelt, daß sie offensichtlich keine Wertform ist, was stimmt. Sie sei “Wertgleichung im Rahmen der einfachen Wertform” (52), womit Marx eine bedeutungsdifferente Beschreibung eines identischen ökonomischen Sachverhaltes geben wolle und somit einen Theoriewiderspruch in einen Gegenstandswiderspruch verfälsche. Weil Becker ohne Begriffsformalisierung an Marxens Theorie herangeht, kann er nicht sehen, daß Wertgleichung, Wertformen, Güterunselbheit und Gütergleichheit als Güterrealtausch die Bedingungen jedes Warenaustausches sind. Beckers Angriff zielt auf das wirkliche Zentrum der Marxschen Theorie und ist folglich von gerader und ehrenwerter Art, scheitert aber mit der analytischen Weichheit seiner verbalsprachlichen Waffen an der Härte der angegriffenen Theorie.

Die Marxsche Warenanalyse liefert tatsächlich die alltägliche Wesenslogik aller warenproduzierenden Gemeinschaften, also aller Marktwirtschaften. Das Wesen, das erscheint, ist das Allgemeine, das sich besondert, und das Abstrakte, das sich konkretisiert. Die eine Einzelheit des Wesens ist aber auch die allgemeine Einzelheit, die in der anderen, besonderen Einzelheit in die Erscheinung tritt. In der Wesenslogik der Warenanalyse ist aber der Wert das Wesen und das Allgemeine und der Gebrauchswert die Erscheinung und das Besondere. Die Einheit von Wesen und Erscheinung ist die Erscheinungsform, oder kürzer: Wesen mit Schein ist Erscheinung. Sie ist das Eine als das Andere, ist gedoppelte Einzelheit und damit Reflexion. Als Reflexion zweier Waren ist die Erscheinungsform der Tauschwert im unanalysierten und die Wertform im analysierten Zustand.

An der Ungeklärtheit dieser Wesenslogik der Ware ist die Alte Linke schon mit Karl Kautsky (Karl Marx’ ökonomische Lehren, 1892) theoretisch gescheitert und 1933 dann politisch. Mit der Thematisierung der Warenanalyse und ihrer Wesenslogik betrat 1968 die Neue Linke, die auch nicht mehr die Industriearbeiterschaft, sondern gut idealistisch sich selber als revolutionäres Subjekt einsetzte, die philosophisch-politische Bühne, um sogleich das Ende der Warenproduktion und der Kapitalverwertung ins Auge zu fassen, was ja in der Tat eintreten wird, sobald die arbeitslose Produktion der vollautomatischen Fabrik vorherrscht. Die Neue Linke hat 1968 mit dem ersten Aufstand für das Reich der Freiheit in der Geschichte des Deutschen Idealismus Epoche gemacht. In der sozialen Realität aber ging alles im kapitalistischen Schweinsgalopp weiter, aus Besitzbürgern wurden Arbeitsbesitzer und aus entbürgerlichten Bürgern arbeitslose Arbeiter, Güterproduktion wird weiterhin in Warenproduktion, Eigenwirtschaft in Marktwirtschaft verwandelt, der Kapitalismus siegt sich seinem logischen Ende entgegen. Die ruckweise Umkehr dieser Entwicklungsrichtung, die Verwandlung von Waren- in Güterproduktion, von Marktwirtschaft in Eigenwirtschaft, wird Begleiterscheinung sowohl der faschistischen oder gar kommunistischen Konterrevolution als auch der Nationalrevolution sein, die Volksherrschaft und Volkswirtschaft wiederherstellt.

Die Gefährdung von Ware und Markt durch den Sieg der Marktwirtschaft selber scheint auch Recht und Person, also das Politische, zu bedrohen. In der Tat läßt sich von Marxens Programmatik angefangen über Schopenhauers Mitleidsethik, Nietzsches Willen zur Macht und die ganze phänomenologische Bewegung bis hin zur Fundamentalontologie ein Verlust des Politischen, eine ausschließliche Untersuchung von Naturalformen der menschlichen Existenz und eine Vernachlässigung ihrer Verkehrsformen, beobachten. Max Webers legal-rationale Herrschaft ist so unpolitisch wie Carl Schmitts Freund-Feind-Unterscheidung. Jürgen Habermas mit seiner Normentheorie, die auf eine Selbstjudaisierung des deutschen Denkens hinausläuft, und Niklas Luhmann mit seiner Differenztheorie gehören zur großen Schar der Naturalien-Philosophen des 20. Jahrhunderts, deren Extremisten der Wahrhaftigkeit die Gewaltapostel einerseits und die Pornographen andrerseits sind. Thomas Manns Josephsroman ist so reaktionär und freiheitsfeindlich wie es alle mit der kommunistischen Despotie sympathisierenden westlichen Schriftsteller zusammengenommen waren.

Aber die Ware wird mit der überfälligen Unterordnung der Marktwirtschaft unter die Eigenwirtschaften der Völker ebensowenig verschwinden wie Recht und Pflicht, wie Person, Politik und Freiheit. Die ehernen Gehäuse der großen Techno- und Bürokratien wie überhaupt die ‘große Industrie’ sind heute schon technisch, organisatorisch und politisch obsolet. Den Hausindustrien, den teil- bis vollautomatisierten Miniaturfabriken der Kleinbauern und Kleinbürger, den Hausindustriekomplexen und -netzen der neu sich in Stand setzenden Familien-, Sippen-, Stammes- und Volksgemeinschaften wird die Zukunft gehören. Die materielle Produktion als Reich der Notwendigkeit darf nicht aufhören, auch dann nicht, wenn sie absolut unprofitabel geworden ist, aber das Reich der Freiheit wird wachsen.

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Grundkurs Philosophie

Immanuel Kant hat Philosophie als „Weltweisheit“ eingedeutscht. Wörtlich übersetzt heißt Philosophie Liebe zur Weisheit. Bernard Willms hat die Philosophie, insonderheit den Deutschen Idealismus, als „Weltentwurf“ und als „Wirklichkeitswissenschaft“ gekennzeichnet. Hegel schreibt in seiner Vorrede von 1807:

„Die Philosophie betrachtet nicht das Abstrakte oder Unwirkliche, sondern das Wirkliche, sich selbst Setzende und in sich Lebende, das Dasein in seinem Begriffe. Es ist der Prozeß, der sich seine Momente erzeugt und durchläuft, und diese ganze Bewegung macht das Positive und die Wahrheit aus.“
Hegel denkt das Absolute als Bewegung oder Negativität, in der alles verschwindet, und er denkt das Absolute als das Ganze dieser Bewegung und damit als die Positivität und Ruhe, in der die Bewegung erinnert und aufbewahrt ist. Er schreibt:
„Die Erscheinung ist das Entstehen und Vergehen, das selbst nicht entsteht und vergeht, sondern an sich ist und die Wirklichkeit und Bewegung des Lebens der Wahrheit ausmacht. Das Wahre ist so der bacchantische Taumel, an dem kein Glied nicht trunken ist, und weil jedes, indem es sich absondert, ebenso unmittelbar sich auflöst – ist er ebenso die durchsichtige und einfache Ruhe.“

Hegel war überzeugt, daß nicht Weisheitsliebe, sondern Wissenschaft die vollkommene Gestalt der Wahrheit sei. Er wollte, daß die Philosophie ihren Namen einer Weisheitsliebe ablege und „wirkliches Wissen“, also System des Wissens werde – also Wissenschaft. „Die innere Notwendigkeit, daß das Wissen Wissenschaft sei, liegt in seiner Natur, und die befriedigende Erklärung hierüber ist allein die Darstellung der Philosophie selbst.“

Für den Würzburger Philosophen Heinrich Rombach setzt Philosophie immer ein Volk als Findungsgemeinschaft der ihm eigentümlichen Grundphilosophie voraus, die alle Tätigkeitsbereiche dieses Volkes bestimmt, von der Art seines geschichtlichen Auftretens bis hin zu Arbeitsroutinen und alltäglichen Gesten und Gebärden. In jeder Epoche seines geschichtlichen Daseins geht das Volk seiner jeweiligen Grundphilosophie auf den Grund, und wenn es sich unterfängt, eine neue Epoche zu beginnen, wird es versuchen, den Grund seiner Philosophie zu begründen, ihn also tiefer zu legen durch ein zunächst denkerisches und danach praktisches Unterfangen.

Die Neugründung des Reiches der Deutschen erfordert eine Tieferlegung des Grundes ihrer Grundphilosophie, damit eines Tages das Gebäude ihrer Gedanken und Taten höher denn je aufragen kann. Der Deutsche Idealismus in der Endfassung durch Hegel hat das Bismarck-Reich inspiriert, was den unter der Selbstgefälligkeit dieses Reiches leidenden Friedrich Nietzsche veranlaßte festzustellen, daß die Deutschen selbst dann Hegelianer wären, wenn Hegel niemals gelebt hätte. Die selbe Aussage anders gefaßt lautet: Die Deutschen sind Lutheraner, auch wenn sie sich für Katholiken oder Atheisten halten.

Das deutsche Volk sucht gegenwärtig nach einer neuen Grundphilosophie, weil es fühlt, daß es nach über 50 Jahren nicht länger im Koma des Dritten Reiches liegen bleiben kann. Wollen die Deutschen das Dritte Reich endlich hinter sich lassen, muß ihre neue Grundphilosophie sie befähigen, das Vierte Reich zu denken.

Das er­for­dert ei­ne Phi­lo­so­phie, aus der min­des­tens vier Pfei­ler auf­ra­gen, wel­che über­em­pi­ri­sche Aus­sa­gen und Ver­all­ge­mei­ne­run­gen auf brei­ter Grund­la­ge er­mög­li­chen und auf letz­te Fra­gen ver­tief­te Ant­wor­ten zu ge­ben ge­stat­ten. In der Grund­phi­lo­so­phie des Vier­ten Rei­ches be­trach­tet die Me­ta­phy­sik (I) das Jen­seits von Raum und Zeit, die Er­kennt­nis­theo­rie (II) die Lo­gik al­ler mensch­li­chen Hand­lun­gen im Dies­seits und ih­rer dar­aus ge­winn­ba­ren Er­zeug­nis­se und Er­kennt­nis­se. Die Me­ta­phy­sik hat Got­tes jen­sei­ti­ge, die Er­kennt­nis­theo­rie sei­ne dies­sei­tig-mensch­li­chen Hand­lun­gen zum Ge­gen­stand. Die von Gott ge­schaf­fe­ne Welt ist aber nur ein Zei­chen Sei­ner, nur ein ver­gäng­li­ches Gleich­nis der un­ver­gäng­li­chen Voll­kom­men­heit von Got­tes Na­tu­ral­form, des Geis­tes. Al­so muß ein Denk­ent­wurf, der dem Deut­schen Vol­ke die Grund­phi­lo­so­phie des Vier­ten Rei­ches lie­fern möch­te, ei­ne Be­trach­tung der Na­tur der Zei­chen mit­lie­fern. Die Zei­chen ver­mit­teln zwi­schen dem Dies­seits und dem Jen­seits von Raum und Zeit und ver­wei­sen im­mer von hier nach dort, vom Sicht­ba­ren und Ver­gäng­li­chen auf das Un­sicht­ba­re und Ewi­ge. Folg­lich nimmt die Zei­chen­phi­lo­so­phie (III) ei­ne Mitt­ler­stel­lung zwi­schen Me­ta­phy­sik und Er­kennt­nis­theo­rie ein.

Dem jen­sei­ti­gen Ver­wei­sung­s­cha­rak­ter der Zei­chen­phi­lo­so­phie, ih­rem Rück­ver­weis, stellt sich der dies­sei­ti­ge Vor­wei­sung­s­cha­rak­ter der Ge­schichts­phi­los­phie (IV) ent­ge­gen. Die Ge­schich­te weist uns vor­an und ging uns vor­aus, im dies­sei­ti­gen Gan­ge je­des Vol­kes die Frei­heit der Völ­ker, ih­rer Gemeinschaften und je­des Ein­zel­nen wahr zu ma­chen. Das Zei­chen ist al­so Ver­wei­ser zum Jen­seits, die Ge­schich­te hin­ge­gen Vor­wei­ser im Dies­seits. Die Ge­schich­te weist un­ser (wie je­des) Volk aus sei­ner Ver­gan­gen­heit in sei­ne dies­sei­ti­ge Zu­kunft: die Freiheit, die uns die Vor­fah­ren ver­erb­ten, wie­der zu er­kämp­fen und stän­dig neu zu er­wer­ben, um sie zu be­sit­zen.

„Wer und was ist Gott und die Welt?“ fragt die Metaphysik.

„Der Mensch erkennt nur das, was er selber gemacht hat!“ antwortet die Erkenntnistheorie.

„Alles Vergängliche / ist nur ein Gleichnis“, wendet die Zeichenphilosophie ein.

„Die Völker tun ihren Gang zum Bewußtsein der Freiheit in dieser Welt!“ sagt die Geschichtsphilosophie und fügt, das letzte Wort behaltend, hinzu: „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht!“

Drei LERNZIELE hat dieser philosophische Grundkurs. Nach seiner Absolvierung sollen die Teilnehmer:

  1. Einen Begriff von Philosophie und ihre Stellung im Leben eines Volkes skizzieren können.
  2. Philosophische Disziplinen voneinander unterscheiden und ihren fachbegründenden Hauptgedanken darstellen können.
  3. Die Fähigkeit erworben haben, einen politischen Angriff auf den philosophischen Begriff zu heben und damit allgemein und unwiderstehlich vorzutragen.


I. Metaphysik

Jeder große Zeitabschnitt im Leben eines Volkes hat seine eigene Metaphysik. Zu Beginn der Neuzeit (am Ausgang des Mittelalters um 1500) wurde das deutsche Volk von der Frage nach dem gnädigen Gott, nach Sünde und Vergebung und der Freiheit des Christenmenschen bewegt. Die Reformation als eine der gewaltigen Revolutionen, die der deutsche Volksgeist der Menschheit geschenkt hat, brachte ein ungeheuerliches Resultat: die Freiheit Gottes. Damit war die Freiheit des Menschen metaphysisch begründet und auch die weltliche Macht wurde durch die Luthersche Reichstheologie (Zwei-Reiche-Lehre) von kirchlicher Bevormundung befreit. Der Mensch und sein Gemeinwesen – die Person und ihr Staat – standen jetzt frei einander gegenüber und jeder in Eigenverantwortung vor einem freien Gott, was hienieden Raum gab für strengen Gehorsam der Untertanen und gewissenhafteste Pflichterfüllung der Obrigkeiten. Die Freiheit hatte von nun an weder den Ungehorsam noch die Willkür mehr nötig.

Nachdem das Reich der Deutschen 1806 auf französische Erpressung hin aufgelöst worden war, hatte ein weltliches wie geistliches Sein sich in ein Nichts verwandelt. Neugründung des Reiches hieß metaphysisch, daß das Nichts sich ebenso in das Sein verwandeln mußte wie zuvor das Sein zum Nichts geworden war. Diese auf die Nichtung des Seins antwortende Seinung des Nichts bewerkstelligte Hegel durch eine Besinnung auf die Natur des Anfangs. Und einen Anfang hat Hegel damit in der Tat gesetzt: den gedanklichen Anfang des Zweiten Reiches. Das Bismarck-Reich, in dem wir völkerrechtlich noch immer leben, ist das erste protestantische Reich der Weltgeschichte.

Der freie Gott Luthers und der Geistgott Hegels wird bei Marx zum Geldgott des Kapitals, das nur tote Arbeit ist und sich vampirhaft durch Einsaugung lebendiger Arbeit am Leben hält. War bei Schopenhauer der Selbstmord der Gott dessen, der nicht Sklave des Willens bleiben will (!), so ist bei Nietzsche Gott tot und der letzte Mensch wartet auf den Übermenschen. Wenn aber Gott tot ist, ist auch die Person wie die Nation tot und das Politische verendet oder ist zumindest abwesend. Dann können sich die Menschen – ungestört von Gott – erst humanisieren und später bestialisieren, die Völker sich ohne Rücksicht auf ihr Recht zerfleischen, bis nur noch ihre Grundsubstanzen übrigbleiben: die Rassen. Es folgt der Rassenkampf. In ihm stehen die Rassenreinerhalter und Rassenverbesserer auf der einen Seite den Rassenvermischern und Rassenvernichtern auf der anderen Seite gegenüber. Beide Parteien wollen ihre Ziele nur um des lieben Rassenfriedens willen erreichen. Der Rassismus ist die gemeinsame Denkgrundlage des Dritten Reiches und seiner Feinde.

Beim „Deutschen Kolleg“ werden Gott, Nation und Person ins Leben zurückgeholt: der Begriff des Politischen ist wiederhergestellt, der Hegelsche Geistgott mit dem Marxschen Geldgott versöhnt und das antimetaphysische Zeitalter (Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger, Rombach, Schmitz) beendet. Entgegen verbreiteter Meinung war nämlich die Marxsche Politökonomie nicht materialistisch-atheistisch, sondern schon ihr Anfangsbegriff, die Ware, ein sinnlich-übersinnliches Ding „voll metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken“ (MEW 23.85). Gott ist bei Marx weder im Himmel noch auf Erden, sondern in der Gesellschaft, und sein Name ist Mammon. Die Mammonsgläubigen beten nicht mehr das Vaterunser, sondern das Kapitalunser. Deshalb gehen Heidegger wie Nietzsche richtigerweise davon aus, daß der Nihilismus im abendländischen Denken vorerst gesiegt hat.

Die Metaphysik und Theologie des Vierten Reiches kann daher nur als Negationslogik auftreten. Deren nihil ist nicht mehr das eine Nichts des unbestimmten Unmittelbaren oder Anfanges schlechthin, das mit dem Sein zusammenfällt, sondern die unendlich vielen Nichtse des siegreichen Nomadensturms der Moderne, der ein philosophischer Nihilismus ist, worin jedes Nichts nur neue Nichtse erzeugt. Aus diesen unendlichen und ungenichteten Nichtsen des Nihilismus muß der Gott und die Welt des Vierten Reiches gedacht werden. Praktisch bedeutet der Nihilismus den Untergang aller Werte in ihren Kehrwerten, die bekanntlich um so winziger ausfallen, je gewaltiger zuvor der Wert gewesen war. Um in der Betrachtung des Überzeitlichen und Raumenthobenen auch die etwas größere Lage zu erfassen, wird zunächst Hegels kleine Logik (Enzyklopädie von 1830) im Ansatz skizziert und von einer einzelnen Kategorie wie dem Nichts überhaupt ausgegangen; eine diesseitstüchtige Metaphysik als auf der Höhe der Gegenwart agierender Jenseitsbetrachtung muß dann aber eine chaotische Massenhaftigkeit als Anfang nehmen und von unendlichen ungenichteten Nichtsen, von lauter Rissen im Sein ausgehen, die beim Umschlag des Seins ins Nichts nicht verschwinden, sondern gleichsam als Narben im Nichts erhalten bleiben. Die Differenz beider Metaphysiken hängt mit der inzwischen eingetretenen massengesellschaftlichen Verwüstung zusammen.

Fortsetzung: I. Metaphysik

1. Hegels Logik
Der Anfang jeder Wissenschaft ist die empirische Gegebenheit ihres Gegenstandes. Diese Gegebenheit ist als empirische noch vorwissenschaftlich und als wissenschaftliche noch das völlig unbestimmte Unmittelbare und also ein wissenschaftliches Nichts N, das aber durch eine empirische Gegebenheit X als hinreichend bestimmt erscheint und als Anfang der Wissenschaft N auftritt.

Die Metaphysik ist erste Philosophie, Lehre von den ersten Gedanken oder den Gedanken Gottes vor der Erschaffung der Welt. In der Metaphysik gibt es keine Empirie außer dem Denken selber, also kann sie auch nicht als durch außergedankliche Gegebenheiten hinreichend bestimmte Disziplin anfangen. Wie andere Disziplinen beginnt sie mit dem wissenschaftlichen Nichts N, das aber rein bleibt und nicht durch empirische Verschmutzung X indizierbar ist, sondern nur durch den Gedanken des Nichts selber, also das unbestimmte Unmittelbare oder den Anfang des Denkens überhaupt. Wird das Nichts durch sich selber bestimmt, so erhalten wir das genichtete Nichts N, welches aber das gleichanfängliche Gegenteil des Nichts ist, nämlich das Sein S. Beginnt man die Metaphysik statt mit dem Nichts mit dem Sein, ist dieses ebenso anfänglich, abstrakt und bestimmungsleer als das Nichts des Anfanges, das jetzt aber auch durch ein geseintes Sein S erzeugbar. Folglich gilt für den Anfang des Denkens:


(1) N Das Nichts ist der Anfang.
(1) S Das Sein ist der Anfang.
(2) N:=S Das Nichts ist definiert als das Sein.
(3) S:=N Das Sein ist definiert als das Nichts.
(4) (N=S)&(NS) Nichts und Sein sind gleich und unselb (nicht identisch).
(5) NS Das Nichts durch das Nichts indiziert impliziert das Sein.
(6) SN Das Sein durch das Sein indiziert impliziert das Nichts.

Nichts und Sein sind die absolute Gleichheit und die absolute Unselbheit oder der absolute Gegensatz. „Es ist gerade nur um das Bewußtsein über diese Anfänge zu tun, nämlich daß sie nichts als diese leere Abstraktionen, und jede von beiden so leer ist als die andere.“ (Enz. § 87 Anm.)

Die Einheit von Nichts und Sein ist das Werden (N,S). Das Werden ist diese innere Unruhe des Übergangs von Nichts in Sein und von Sein in Nichts. Im Werden definiert sich Nichts als Sein (N:=S) und Sein als Nichts (S:=N), aber sie produzieren sich auch auseinander durch Selbstnichtung des Nichts und Selbstseinung des Seins gemäß Formeln (5) und (6).

(7) (N,S) ((N:=S),(S:=N))
(8) (N,S) ((NS),(SN))

Das Werden (N,S) als abstrakte Einheit von Nichts und Sein ist aber in Wahrheit unvermittelte und durch keine anschauliche Operation (, :=) herbeigeführte Setzung des Seins durch das Nichts und des Nichts durch das Sein. Das Werden ist aber auch die Einheit des Entstehens NS von Sein aus Nichts und des Vergehens SN von Sein zu Nichts. Das Entstehen (N,S) läßt sich aber auch als das Werden selber mit dem Puls auf dem Sein und das Vergehen (N,S) ebenso als auf dem Nichts betontes Werden darstellen. Werden läßt sich somit angemessener als Einheit einer doppelten Pulsation beschreiben:

(9) (N,S) (NS,SN)
(10) (N,S) ((N,S),(N,S))
(11) (N,S) (NS,SN)
(12) (N,S) (NS,SN)

  • „Das Sein im Werden, als eins mit dem Nichts, so das Nichts eins mit dem Sein, sind nur Verschwindende; das Werden fällt durch seinen Widerspruch in sich, in die Einheit, in der beide aufgehoben sind, zusammen; sein Resultat ist somit das Dasein.“ (§ 89)

  • „Das Dasein ist Sein mit einer Bestimmtheit, die als unmittelbare oder seiende Bestimmtheit ist, die Qualität. Das Dasein als in seiner Bestimmtheit in sich reflektiert, ist Daseiendes, Etwas.“ (§ 90)

  • „Die Qualität, als seiende Bestimmtheit gegenüber der in ihr enthaltenen, aber von ihr unterschiedenen Negation, ist Realität. Die Negation, nicht mehr das abstrakte Nichts, sondern als ein Dasein und Etwas, ist…als Anderssein. … Das Sein der Qualität als solches ist das An-sich-sein.“ (§ 91)

  • „Das von der Bestimmtheit als unterschieden festgehaltene Sein, das Ansichsein, wäre nur die leere Abstraktion des Seins. Im Dasein ist die Bestimmtheit eins mit dem Sein, welche zugleich als Negation gesetzt, Grenze, Schranke ist. … Etwas ist durch seine Qualität erstlich endlich und zweitens veränderlich, so daß die Endlichkeit und Veränderlichkeit seinem Sein angehört.“ (§ 92)

  • „Etwas wird ein Anderes, aber das Andere ist selbst ein Etwas, also wird es gleichfalls ein Anderes, und so fort ins Unendliche.“ (§ 93)

(13) (N,S)NS,SN,NS,….

Resultat des Werdens ist das Dasein. – Daseiende, die als je Etwas und je Anderes sich voneinander abgrenzen, damit als Qualitäten von endlicher und veränderlicher Art sind und ins Schlecht-Unendliche fortfahren.

Das Nichts und das Sein im Werden (N,S) als Verschwindende können dargestellt werden als durch Sein indiziertes Nichts N und durch Nichts indiziertes Sein S, und beide wären dann Formeln des Daseins und durch verschiedene Bestimmungen unterschiedene Daseiende, je ein Etwas, das immer ein Anderes von sich abstößt. Dies geht in’s Unendliche, bildet ständig eine neue Grenze oder Schranke zueinander und baut die endliche und veränderliche Realität auf.

(14) S

Formeln des Dasein, seiner unendlichen Etwasse S und ihrer Anderen N (Realitäten) und deren endlich-veränder- licher Qualitäten und (Bestimmungen).

  • „Etwas ist im Verhältnis zu einem Anderen selbst schon ein Anderes gegen dasselbe; somit da das, in welches es übergeht, ganz dasselbe ist, was das, welches übergeht,… so geht… Etwas in seinem Übergehen in Anderes nur mit sich selbst zusammen, und diese Beziehung im Übergehen und im Anderen auf sich selbst ist die wahrhafte Unendlichkeit. Oder negativ betrachtet; was verändert wird, ist das Andre, es wird das Andre des Andern. So ist das Sein, aber als Negation der Negation, wiederhergestellt und ist das Fürsichsein.“ (§ 95)

  • „Das Fürsichsein als Beziehung auf sich selbst ist Unmittelbarkeit, und als Beziehung des Negativen auf sich selbst ist es Fürsichseiendes, das Eins, – das in sich selbst Unterschiedslose, damit das Andere aus sich Ausschließende.“ (§ 96)

  • „Die Beziehung des Negativen auf sich ist negative Beziehung, also Unterscheidung des Eins von sich selbst, die Repulsion des Eins, d.i. Setzen Vieler Eins. Nach der Unmittelbarkeit des Fürsichseienden sind diese Viele Seiende, und die Repulsion der seienden Eins wird…gegenseitiges Ausschließen.“(§ 97)

  • „Die Vielen sind aber das Eine was das Andere ist…; sie sind daher eins und dasselbe. Oder die Repulsion…ist…wesentlich ihre Beziehung aufeinander…. Die Repulsion ist…ebenso wesentlich Attraktion…. Die qualitative Bestimmtheit, welche im Eins ihr An-und-für-sich-Bestimmtsein erreicht hat, ist hiemit in die Bestimmtheit als aufgehobene übergegangen, d.i. in das Sein als Quantität.“ (§ 98)

  • „Die Quantität ist das reine Sein, an dem die Bestimmtheit nicht mehr als eins mit dem Sein selbst, sondern als aufgehoben oder als gleichgültig gesetzt ist.“ (§ 99)

  • „Die Quantität…in der Bestimmung der durch die Attraktion gesetzten Gleichheit mit sich selbst, ist kontinuierliche, – in der anderen in ihr enthaltenen Bestimmung des Eins ist sie diskrete Größe.“ (§ 100)

  • „Die Quantität wesentlich gesetzt mit der ausschließenden Bestimmtheit, die in ihr enthalten ist, ist Quantum; begrenzte Quantität.“ (§ 101)

  • „Das Quantum hat seine Entwicklung und vollkommene Bestimmtheit in der Zahl, die als ihr Element das Eins, nach dem Momente der Diskretion die Anzahl, nach dem der Kontinuität die Einheit, als seine qualitativen Momente, in sich enthält.“ (§ 102)

  • „Die Grenze ist mit dem Ganzen des Quantums selbst identisch; als in sich vielfach ist sie die extensive, aber als in sich einfache Bestimmtheit die intensive Größe oder der Grad.
    Der Unterschied der kontinuierlichen und diskreten Größe von der extensiven und intensiven besteht daher darin, daß die erstern auf die Quantität überhaupt gehen, diese aber auf die Grenze oder Bestimmtheit derselben als solche. “ (§ 103)

  • „Im Grade ist der Begriff des Quantums gesetzt. Er ist die Größe als gleichgültig für sich und einfach, so daß sie aber die Bestimmtheit, wodurch sie Quantum ist, schlechthin außer ihr in anderen Größen hat. In diesem Widerspruch, daß die fürsichseiende gleichgültige Grenze die absolute Äußerlichkeit ist, ist der unendliche quantitative Progreß gesetzt….“ (§ 104) ….

Fortsetzung: I. Metaphysik
Fortsetzung: Hegels Logik

2. Negationenlogik
In negativen Zeiten ist die Logik der Negationen die angemessene Metaphysik. Die Negationen sind ihrer dreie: klassische, substantielle und reine. Die klassische Negation hat eine Position zur Voraussetzung, der Vollzug der Negation ergibt das Negative der Position als Resultat, wodurch es keine leere, sondern eine inhaltliche oder intensionale Negation ist, die durch eine zweite Negation nicht wieder rückgängig gemacht werden und damit folgenlos bleiben kann; ganz im Gegenteil wird durch die Negation der Negation der Inhalt der klassischen Position nur weiter vorangetrieben. Also bleibt die formale oder extensionale Negation der Aussagenlogik, in der -(-A) = A gilt, hier gänzlich außer Betracht, denn dies ist ja, wie schon der Name sagt, kein negationenlogischer, sondern ein aussagenlogischer Satz. Resultat eines Dreischrittes der klassischen Negation ist die klassische Affirmation, welche das Präparat der substantiellen Negation bildet, das in seine klassischen Momente zerlegt wird, aus denen substantielle Affirmationen erzeugt werden. Die reine Negation endlich negiert weder Positionen noch Affirmationen, sondern den Negationsoperator selber.

Die Negationenlogik zerfällt somit in drei Negationslogiken: klassische, substantielle und reine. Sie wird insgesamt negiert durch die Positionenlogik, welche die negationslose Gegensätzlichkeit von Positionen zum Inhalte hat und hier außer Betracht bleibt. Ideengeschichtlich ungeklärt ist auch, in wie weit Hegels Logik Positionenlogik ist und wo in ihr die klassische Negationslogik beginnt.

Die Klassische Negationslogik hat folgende Grundoperationen:

A Position
-A Negation
=A Doppelnegation (Negation der Negation)
B Affirmation (der Position)
BA Affirmation identische Position (Tripelnegation)
B: +(=A) Affirmation Positivitätsreflexion auf Doppelnegation
-B Negation der Affirmation
=B Doppelnegation der Affirmation
C Affirmation der Affirmation.

Jede Affirmation und jede Doppel- oder Mehrfachaffirmation kann wieder als einfache Position für Operationen der klassischen intensionalen Negationslogik genommen werden.

Die Substantielle Negationslogik expliziert die Inhalte der Affirmationen B in der Aufgehobenheit () ihrer Momente (A,-A,=A) und als Erinnerung an die Taten des Denkens, sie liefert neue Positionen auf dem Wege der die Substanz der Affirmation zersetzenden Negation und verknüpft die Positionen A samt deren Negationen -A,=A mit der Aufgehobenheit der Affirmation (B). Sie hat folgende Grundoperationen:

B: (A, -A,=A): +(=A) Analytik der Affirmation B
(A): A(B) Position von B
(-A): -A(B) Negation von B
(=A): =A(B) Negation der Negation von B
C: (A(B), -A(B),=A(B)) oder
C: (B, -B,=B)
substantielle Negation
(-B): -B(C) Negation von B
(=B): =B(C) Negation der Negation von B
D: (B(C), -B(C),=B(C)) oder
D: (C, -C,=C)
substantielle Negation der Negation
B . . . C . . . D substantielle Negationstriade.

Die klassische Negation transportiert den Inhalt ihrer Position durch die Negationsoperationen hindurch und fügt ihm ihr speziell Negatives hinzu; die substantielle Negation tut dies ebenfalls und verschiebt ihn zusätzlich in der Dimension der Affirmationen, weil sie eine Affirmation voraussetzt und mit ihrer Analytik beginnt.

Die Reine Negationslogik ist frei von Positionen wie von Affirmationen. Die reinen Negationen negieren nur um des Negierens willen und schaffen also die schlechte Unendlichkeit der bloßen Nichtse, die beim Umschlag des Hegelschen Nichts in das Sein und umgekehrt nicht verschwinden, sondern gleichsam bleibende Risse im Sein wie Narben im Nichts bilden. Dieser existentielle Wüstensturm der reinen Nichtse kann immer nur neue ebenso positionslose Negationen hervorbringen. Der Geist bändigt diese reinen Nichtse – – – – dadurch, daß er sie sich selbst nichten läßt, indem er sie zu Paaren = = = =, Tripeln und Reflexionen | | | | ihrer selbst gesellt. Diese Nichtigkeit der Nichtse ist der göttliche Gedanke des Geistes. Die Grundoperationen der reinen Negationslogik sind daher:

Negation (Nichts, Nichtung)
| Reflexion der Negation (Querstellung des Nichts)
= Negation der Negation (Gleichheit)
| Reflexion der Gleichheit
Negation der Gleichheit (Selbheit, Identität)
| Reflexion der Selbheit
+ Positivität (Verschmelzung der Negation mit ihrer Reflexion)
Ungleichheit (Verschmelzung der Gleichheit mit ihrer Reflexion)
Unselbheit (Verschmelzung der Identität mit ihrer Reflexion)

Die Dominanz der reinen Negation bestimmt das Weltbild im gegenwärtig noch andauernden Zeitalter des Nihilismus. Die reine Negationslogik bietet aber auch die Operatoren, mittels deren die ungenichteten Nichtse des Nihilismus in weltfähige Struktur verwandelbar sind. Die Operatoren selber sind schon all die Formen, die uns aus dem gesellschaftlichen Verkehr und seinen Reflexionen vertraut sind. Wenn also natürlich nicht sicher ist, ob die reinen Nichtse und ihre Nichtungen tatsächlich im Jenseits herumgeistern, so kann man doch mit Gewißheit sagen, daß sie so kräftig auf das Diesseits einwirken, wie man es sich von einer ewigen Jenseitsmacht immer wieder vorgestellt hat. Darüberhinaus sind die Operatoren der reinen Negationen durchaus Monaden, die keine Fenster der Kommunikation benötigen, weil sie alle Gebilde bis hin zur Vollkommenheit aus sich selber erbauen können. Als Grundmonade oder Nichtiger des Nichts kann z.B. eine Ordnung N(-) fungieren:

| +
= |
|

Geist und Welt – das Vollkommene und das Unvollkommene – können nun als Vergemeinschaftung von je achtzehn Nichtsen in dieser Grundmonade und als Vergemeinschaftungen von Grundmonaden über einzelne oder mehrere Operatoren gedacht werden. So sind Ketten, Gewebe, Wände und Räume aus Grundmonaden leicht bildbar. Die Monade tilgt die Nomaden, sie nichtet die Nichtse. Die Natur Gottes, der Geist, ist die vollendete Nichtung aller Nichtse in der Allmonade.

II. Erkenntnistheorie

Das Essen vom Baume der Erkenntnis führt die ersten Menschen zur Arbeit: Adam zum Ackerbau im Schweiße seines Angesichts und Eva zur Geburt in Mühsal. Bevor letztere möglich wird und die ersten beiden Menschen ein erstes Menschenkind erzeugt haben, ist abermals eine Erkenntnis vorausgesetzt: „Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain ….“ (Genesis 4,1) Die Erkenntnis geht somit aller Erzeugung – sei es von Pflanze, Tier oder Mensch – voraus. Der Mensch erkennt, daß er zu Zeugung, Erzeugung und Herstellung bestimmt ist, und er hat vollständig erkannt nur das, was er erzeugt und hergestellt hat. Daraus folgt, daß alle Erkenntnistheorie nur die Logik des Menschenwerkes ist, das man als Aktion, Verhalten, Handlung oder Arbeit bezeichnen kann.

Da das Bewußtsein der Gegenwart ökonomistisch geprägt ist, werden wir zur leichteren Eingängigkeit die Erkenntnistheorie hier als Logik der Arbeitsprozesse abhandeln, obgleich das eine menschliche Tun ebenso als Handlungstheorie politisch oder als Verhaltenslehre psychologisch traktiert werden könnte. Die Geschichte der Arbeitsprozesse als tatsächliche Entwicklung von Landwirtschaft, Handwerk, Manufaktur, Industrie, Technologie, Wissenschaft, Geistesleben und Bildung zu erzählen, wäre keine Erkenntnistheorie, also keine philosophische Disziplin, sondern eben Technikgeschichte, die in die vielen Branchengeschichten und sogar Firmengeschichten zerfällt. Eine materielle Arbeit ist ein materielles Erkennen der Welt, und eine geistige Arbeit ein geistiges Erkennen, Erkenntnistheorie aber sind beide nicht. Nur die immergleiche Logik aller Arbeitsprozesse, nicht aber ihre ständig sich wandelnden Erscheinungen in der materiellen, geistigen und pädagogischen Realität, ist Epistemologie (Erkenntnistheorie) und daher philosophische Disziplin der Betrachtung.

Handhabungen, Geschicklichkeiten, Prozesse und Produkte werden auch summarisch als Techniken bezeichnet. Die Erkenntnistheorie ist als allgemeine Logik aller Techniken die wirkliche Technologie, sie ist Generaltechnik, aber eben keine aufgesetzte Technik-Philosophie oder Technik-Ethik. Die Technik schlägt nur soweit in das philosophische Fach, als sie nicht bloßes Mittel, sondern freies Mittel ist, also die Tendenz hat, sich selber zum Zweck zu setzen. Technik ist naturalisierte Geschichte und humanisierte Natur und damit Evolutionslogik der Naturalformen oder Naturalienlogik.

Arbeit ist Anfang und erster Beweger der zweiten Natur des Menschen. Als Substanz der zweiten Natur (oder genauer: ihr Submovens) ist sie deren einfachste Naturalie. Alle Naturzustände und alle nur möglichen Änderungsvorgänge der Naturzustände sind die Naturalien der ersten Natur des Menschen. Die Naturalien beider Naturen des Menschen zusammengenommen machen seine Naturalformen aus, die immer erste und zweite Natur zugleich sind. Ist also Arbeit (oder Handlung oder Verhalten oder Aktion) die Substanz der zweiten Natur des Menschen, so der Arbeitstausch deren Reflexion und Verkehrsform, die aber nicht mehr in die Erkenntnistheorie gehören, sondern in die Sozialwissenschaften und damit unter Umständen, wenn als Raum-Zeit-Soziologie abgehandelt, in die Geschichtsphilosophie.

Die Entstehung der Arbeit kann nur aus Vorgängen der ersten Natur, welche diese nachhaltig stören und transzendieren, erklärt werden. Wenn, wie Novalis sagt, alle Krankheit die Transzendierung einer Natur und folglich die Krankheit der Pflanzen die Animalisierung ist, dann wäre Laborierung die Krankheit der ersten Menschennatur. Unsere Hypothese zur Entstehung der Arbeit ist die Instinkthemmung.

Die Logik der Arbeits- und damit aller Erkenntnisprozesse des Menschen entfaltet sich in acht Stufen. Sie beginnt mit dem Naturalismus (1), worin die Arbeit als Nicht-Natur sich aus der Natur durch Instinkthemmung entfesselt. Die Entwicklung der lebendigen menschlichen Arbeit als führendem Moment des Arbeitsprozesses füllt die Epoche des Aktionismus (2). Im Mechanismus (3) wird das Arbeitsmittel führendes Moment des Arbeitsprozesses und damit des Vorganges menschlicher Erkenntnis. Im Chemismus (4) geht die Initiative der technischen Entwicklung auf die Arbeitsgegenstände, im Biologismus (5) auf die Prozesse insgesamt und im Finalismus (6) auf die Produkte über. Der Infinitismus (7) thematisiert die unendlichen oder ewigen, also die geistigen Arbeitsprozesse und der Pädagogismus (8) die arbeitskraftproduzierenden Arbeitsprozesse, welche die potentielle Unsterblichkeit des Menschen in der zweiten Natur durch kulturelle Fortpflanzung erzeugen.

Fortsetzung: II. Erkenntnistheorie

1. Naturalismus
Ist N ein beliebiger Zustand der ersten Natur, aus dem N‘ als modifizierter Zustand folgt, dann beschreibt die Implikation wenn N dann N‘ jeden Naturprozeß oder auch die Menge aller Vorgänge in der Natur.

(1) N N‘ Naturvorgang

Die Menge aller Naturvorgänge ist die erste Natur. Eine Teilmenge N“ aus N‘ sind jene Naturzustände, die Instinktreaktionen K hervorrufen.

(2) N“ N‘
(3) N“ K Instinkt

Eine Teilmenge der Naturzustände N“, die Instinktreaktionen K auslösen, sind die Naturzustände N*, in denen die an sich vorgeschriebenen Reaktionen eine Reaktionshemmung -K erleiden und dadurch ein Reaktionspotential Gv aufbauen.

(4) N* N“
(5) N* -K Instinkthemmung
(6) (N* -K) Gv Reaktionspotentialaufbau

Der gehemmte Instinkt erzeugt ein mehr oder weniger willkürlich entladbares Reaktionspotential Gv. Eine seiner Funktionen f(Gv) ist die Imagination i einer Entladung K der gehemmten Instinktreaktion zwecks Herstellung eines nicht-irritierenden Naturzustandes Nj. Verzögert sich die Entladung des Reaktionspotentials Gv aus gehemmter Instinktreaktion -K, entsteht aus der Vorstellung i (Imagination) der Reaktionspotentialentladung Gv eine regelrechte Wunschproduktion j = 1,2,…,n für imaginierte Entladungsvarianten i(Kj Nj). Vorstellungen (Imaginationen) führen aber nur dann zu Taten, wenn die konkrete Vorstellungsgröße einen bestimmten Schwellenwert min(i) überschreitet. Erreicht oder überschreitet bei dem Wunsch j=1 die Vorstellung iK1 den Schwellenwert min(i), dann hat das den Entschluß zur Verausgabung des Reaktionspotentials Gv nach j=1 und damit die tatsächliche Verausgabung
Gv (K1 N1) zur Folge.

(7) f(Gv) = i(Gv) i(K N Entladungswunsch
(8) i(Kj Nj) & (j = 1,2,…,n) Wunschproduktion
(9) min(i) Schwellenwert
(10) (j = 1) & (iK1 min(i))
Gv (K1 N
Entschluß
Verausgabung

Ist die Entladung des durch Instinkthemmung entstandenen Reaktionspotentials Gv nach dem produzierten Wunsch j=1 zum wiederholten Male gelungen, so kann der realisierte Wunsch, der Naturzustand N1, wenn er in der ersten Natur spontan eintritt, zum Auslöser einer ebenso qualifizierten sekundären Instinktreaktion K1 und also eines bedingten oder erlernten Reflexes werden, der irritabel ist und zur bestimmt-sekundären Instinkthemmung und daher zur Reflexhemmung -K1 führt und das qualifizierte Reaktionspotential Gv.1 aufbaut. Dieser Kreislauf ist beliebig wiederholbar, bis eine Welt von Wunschproduktionen j = 1,2,…,n zu einer Welt von Qualifikationen und damit willentlichen Entladungsarten des Reaktionspotentials geführt hat. Das Resultat ist die Arbeitskraft Gv.j oder Gv.1,2,…,n.

(11) N1 K erlernter Reflex
(12) N1 -K Reflexhemmung
(13) (Nj -Kj) G Arbeitskraftschöpfung (Qualifikation)
(14) (Nj Dingen j)(Nj Gj Gütern j)

Sind aus den Naturzuständen N bestimmte Dinge j und damit gegenständliche Güter Gj isoliert, hat sich auch die verschobene (primäre und sekundäre) Instinktreaktion K in konkrete Arbeit Kj verwandelt und ist der Arbeitsprozeß
(K G)j entstanden.

(15) (j = 1) & (i(K1 G1) min(i))
Gv.1 (K G)
Arbeitsentschluß
Arbeitsausführung
(16) (K G) Arbeitsprozeß 1

Ist die Arbeit aus Natur und die Arbeitskraft aus Naturkraft entstanden und der erkenntnistheoretische Naturalismus vollzogen, kann abschließend noch die Einbettung von Arbeit in Natur betrachtet werden.

Der Naturprozeß schlechthin, N N‘, ist zerlegbar in die arbeitsernötigenden Naturprozesse N N und in die arbeitsvermindernden Naturprozesse N N Weil beide Arten von Naturprozessen an allen menschlichen Arbeitsvorgängen beteiligt, sind sie überhaupt nur Herstellungs- oder Produktionsprozesse. Alle Arbeitsprozesse sind in Naturprozesse eingebettet, die die Arbeit ernötigen, unterstützen oder unberührt lassen.

Alle Arbeitsprozesse werden den Naturvorgängen abgerungen. Das hört auch für den ausgebildeten homo faber nicht auf. In seinem Arbeitsleben, besonders wenn es ein schöpferisches ist, wiederholen sich Instinkt- und Reflexhemmungen auf der Stufe der Arbeitshemmungen -Kj, die neue Arbeitsarten zeugen.

(17) -(K G)j G Arbeitshemmung schöpft Arbeitskraft
(18) (j = 1) & Gv.1 (K G) Bestimmung und Verausgabung einer
Qualifikation
(19) (j = 1) & (i(K G)1 min(i))
Gv.1 …Gv.1 (K G)
Bestimmung und Vorstellung der
Arbeitskraftverausgabung (Arbeitsprozeß)

Fortsetzung: II. Erkenntnistheorie

2. Aktionismus
Die Herausbildung der Arbeit aus Natur ist die erkennntnistheoretische Stufe des Naturalismus, worin mit dem Primat der Vorstellung vor der Ausführung der logische Idealismus und der epistemologische Aktionismus entsteht, der die lebendige Arbeit des Menschen zum bestimmenden Moment hat. Der Arbeitsprozeß teilt sich in die Momente der Arbeit K, des Arbeitsmittels Gc.fix, des Arbeitsgegenstandes Gc.zir und des Arbeitsprodukts G. Wenn das Produkt vollendet, ist in ihm der Prozeß zur Gänze erloschen.

Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstände machen zusammen die Herstellungs- oder Produktionsgüter Gc aus. Die Arbeitsgegenstände kann man weiter unterteilen in Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe als Haupt-, Neben- und Nichtbestandteile des Produkts. Die Zusammenarbeit mehrerer oder vieler Arbeiter qK unter einheitlichem Kommando zu einem gemeinsamen Zweck ist Kooperation qK1.1,2,…,n. Sie ist die Voraussetzung für betriebliche Arbeitsteilung, die sich technisch unterteilt in Teilprozeßzüge (organische Arbeitsteilung) und Teilprozeßbündel (heterogene Arbeitsteilung). Nur die technische Unterscheidung der betrieblichen Arbeitsteilung gehört in die Erkenntnistheorie, die soziologische Unterscheidung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung von der betrieblichen gehört nicht mehr dazu (sondern in die Sozialwissenschaften) und fällt auch aus dem Begriff der Kooperation heraus. Die Gesellschaft kooperiert nicht und agiert nicht; die Gesellschaft selber ist immer handlungsunfähig. Aber in der Gesellschaft wird transagiert von jenen Subjekten, die die Gesellschaft ausmachen. Die Gesellschaft ist Raum und Zeit der Transaktion und damit erscheinende Transzendenz.

Der Arbeitsteilung entgegengesetzt ist die Produktteilung, die zwei Arten kennt: den Kuppelprozeß mit seinem Kuppelprodukt G1.a&b aus Hauptprodukt und Nebenprodukt, die in einem festen Verhältnis stehen, und den Alternativprozeß, worin Haupt- und Nebenprodukt innerhalb der Alternativprodukte G1.a+b frei wählbar sind und worin das eine Produkt nur auf Kosten des anderen vermehrt werden kann, und umgekehrt. Beim Kuppelprozeß liegt also fest, was das Haupt- und was das Nebenprodukt ist, beim Alternativprozeß nicht, wobei in beiden Arten der Produktteilung mehr als zwei Produkte möglich sind. Über Haupt- wie Nebenprodukte können betriebliche Arbeitsteilungen beider Arten laufen.

(20) K G einfacher Arbeitsprozeß
(21) (qK1 G1) & (q = 1,2,…,n) einfache Kooperation
(22) () Arbeitsteilung mit Teilprozessen
(23) Teilprozeßzug (organische Arbeitsteilung)
(24) Teilprozeßbündel (heterogene Arbeitsteilung)
(25) Arbeitsprozeß mit Produktionsgut
(26) Arbeitsprozeß mit Arbeitsmitteln und
-gegenständen
(27) Kuppelprozeß
(28) Alternativprozeß

Die historische Entwicklung der Arbeitsteilung in der europäischen Manufaktur hat zur Vervielfachung und Vereinfachung der Arbeitsmittel (Werkzeuge) geführt, die eine Vorbedingung für die Erfindung der Werkzeugmaschine war. Sie bildet den historisch-systematischen Übergang zur Etappe des Mechanismus, worin die wesentlichen Anstöße zur Fortbildung der menschlichen Erkenntnisprozesse nicht mehr von der lebendigen Arbeit, sondern von ihrem Mittel ausgehen.

Die höchste Form aktionistischer Arbeit ist Arbeitsersatzarbeit KK, die unter Gebrauch von Werkzeugen Gc.fix und Verbrauch von Werkstücken Gc.zir das Arbeitsersatzgut GK erzeugt. KKGK und KGGG sind die beiden Grundvorgänge der Rationalisierung als Arbeitsersatz- und Güterersatzprozesse, so daß Rationalisierungsarbeiten KK und KG (Güterersatzarbeit) von Rationalisierungsgütern GK und GG (Güterersatzgut) zu unterscheiden sind.

Die Werkzeugmaschine wird dann noch durch Bewegungs- und Übertragungsmaschinen mechanisch fundiert. Bestand die Manufaktur in der Erkenntnisphase des Aktionismus aus zerlegten und zusammengesetzten Arbeitsprozessen, so die Fabrik seit der Stufe des Mechanismus aus Maschinenprozessen und somit aus analysierten und neu synthetisierten, also angeeigneten Naturprozessen. Auf den Maschinenprozeß sind alle Formen der Kooperation und der betrieblichen Arbeitsteilung anwendbar. Die Maschine entwickelt sich zum Automaten GK.c.fixzir und die Fabrik zur Automaten-Fabrik, wenn der Arbeitsgegenstand nicht mehr bloß fixiert und von je einer Werkzeugmaschine bearbeitet, sondern wenn er von Bewegungsmaschinen auf einer Taktstraße von einer Werkzeugmaschine zur nächsten geführt und nacheinandergeschalteten maschinellen Prozessen unterworfen wird. Dieser klassisch-mechanische Automat ist die Verbindung einer Werkstückmaschine (Taktstraße) GK.c.zir mit herkömmlichen Werkzeugmaschinen GK.c.fix. Die mechanische Beweglichkeit des Arbeitsgegenstandes ist die Vorstufe zur Eigenbeweglichkeit verschiedener und zu verbindender Arbeitsgegenstände und führt zum chemischen Prozeß.

(30) K GK.c.fixzir G Automatenprozeß

Das epistemologische Prinzip des Mechanismus perfektioniert aber nicht nur die Arbeitsersatzgüter GK, sondern kann sich auch die Arbeiter qG direkt durch Roboter q.KG als Arbeiterersatz(güter) nacherfinden, die wiederum eine Entwicklung zum Zwerg- und Mikroroboter durchmachen und damit letzten Endes kleine und autarke Wirtschaftseinheiten begünstigen.

Einen Übergang vom Mechanismus zum Chemismus bilden auch die adaptiven Güter G sowohl als adaptive Konsumgüter G.j wie auch als adaptive Werkstoffe G.c.zir, wobei letztere bereits an sich intrinsische Produktions-Automaten sind.

Fortsetzung: II. Erkenntnistheorie

4. Chemismus
Auf der Stufe des Chemismus im materiellen Arbeitsprozeß ist der Arbeitsgegenstand das bestimmende Moment. Im chemischen Reaktionsprozeß reagieren Rohstoffe unter definierten Bedingungen, deren Herstellung den Inhalt der Arbeit des Chemiewerkers ausmacht, miteinander und sind daher immer ein Automat. Hat der Automat in der mechanischen Fabrik den Arbeitsgegenstand von Werkzeugmaschine zu Werkzeugmaschine zu bringen oder umgekehrt ein mechanisiertes Werkzeug nach dem anderen an den Gegenstand heranzuführen zwecks Vollzug der Teilprozesse, so ist im Reaktionsautomaten der chemischen Fabrik allein der in verschiedene Reagentien sich zerlegende und neu zusammensetzende Arbeitsgegenstand das bestimmende Moment aller Produktionsprozesse und ihrer Entwicklung. Das Moment des Arbeitsmittels hat sich innerhalb der chemischen Reaktion zum Katalysator, dem nicht oder kaum involvierten Stoff, zurückentwickelt und ist als unbewegter Beschleuniger des chemischen Prozesses erhalten und aufgehoben. Die chemischen Arbeiten und die chemischen Gefäße sind Stoffumwelten, die so zusammenzustellen sind, daß gewünschte stoffliche Vorgänge in Gang kommen und optimiert werden. Der Mechanismus hat es mit Körpern und der Chemismus mit Stoffen zu tun. Körper ist die Äußerlichkeit, Stoff die Innerlichkeit der Materie. Im Mechanismus wird der Gegenstand äußerlich, im Chemismus innerlich bearbeitet. Die Wissenschaft (das Kennungsgebiet) der Äußerlichkeit ist die Physik, die den Mechanismus vom idealen Körper der klassischen Mechanik über die Thermodynamik, die Optik, die Akustik und den Elektromagnetismus bis hin zur Kernteilchen- und Lichtquantenmechanik führt. Das Atom innerlich aufgefaßt ist Kernchemismus, das Molekül äußerlich genommen ist Mechanismus des Materials, seine physikalischen Eigenschaften. Alles Material der materiellen Produktion kann äußerlich aufgefaßt und zum Körper, ebenso aber innerlich genommen und zum Stoff eines Prozesses gemacht werden. Prozeßkörper sind sich wechselseitig veräußerlichende Äußerlichkeiten, Prozeßstoffe sich ebenso verinnerlichende Innerlichkeiten der produktiven Materie. Ein chemischer Prozeß kann unter bestimmten Bedingungen zwischen seinen verschiedenen Zuständen pulsieren und dissipative Strukturen ausbilden, die eine Vorform des Lebensprozesses sind, der immer ein Kreislauf seiner Gestaltungen.

(31) K Gc.zirzir G Reaktionsprozeß (chemischer Automat)

Fortsetzung: II. Erkenntnistheorie

5. Biologismus
Der materielle Produktionsprozeß nimmt in der Form des Biologismus Kreisgestalt an: das Leben ist Selbstzweck, der in den Grund seines Anfanges zurücklaufende Pfeil der Gerichtetheit. Im biologistischen Arbeitsprozeß ist der Prozeß als ganzer das Bestimmende, der Produktionsprozeß ist selber Lebensprozeß, und die ihn begleitende Arbeit ist Bestellung des Lebensprozesses und Ernte aus ihm.

(32) Lebensprozeß (Kreislauf)
(33) Bestellung (des Lebensprozesses)
(34) Ernte (aus dem Lebensprozeß)

Biologistische Produktion ist kybernetisch, sie steuert Kreisläufe. Da alles Leben überhaupt Selbstzweck ist und jedes konkete Leben ein in ökologische Kreisläufe eingeordneter Artkreislauf, ist das Ganze ein Kreis aus Kreisen. Wieviele Bestellungen und Ernten des Menschen in die Kreisläufe des Lebens diesem zuträglich und unsrer Selbsterhaltung letztlich dienlich sind, ist Kardinalfrage aller biologistischen Produktion. Welche Produktionen sind noch gut und welche schon böse?

Fortsetzung: II. Erkenntnistheorie

6. Finalismus
Auf der höchsten Stufe des materiellen Arbeitsprozesses wird nach dem Gut und damit nach Ende und Zweck aller Arbeiten gefragt. Die Arbeit ist getan und hat sich in ihrem Produkt vergegenständlicht. Was ist dieses Gut? Wozu nützt es? Was ist das höchste Gut? Wie ist die Rangordung der Güter? Welcher Nutzen welchen Gutes ist der höchste und letztendliche?

Der Finalismus ist die philosophische Schlußetappe der materiellen Produktion und fragt nach der Metaphysik jener Dinge, die wir gefertigt haben und die uns Güter G sind. Finalismus ist der transzendente Prozeß, der sich an den im Gut erstorbenen Arbeitsprozeß anschließt: Wozu und zu welchem Ende haben wir gearbeitet?

(35) G ?

Das Brauchen eines Gutes ist seine Transzendenz. Das materielle Gut wird dem Brauch zugeführt, je nach seiner dinglichen Beschaffenheit entweder dem Gebrauch oder dem Verbrauch. Bei materiellen Gütern endet jeder Gebrauch letztlich im Verbrauch, dieser ist also die Finalität aller materiellen Bräuche.

Ge- und Verbrauch eines Gutes ist seine Nutzung G, also ein neuer Arbeitsprozeß, der jetzt aber transzendenter Beurteilung unterliegt. Besteht er z.B. im Verzehr von Nahrungsgütern, so ist der Nutzen NG dieser Nutzung etwa eine Löschung des Durstes oder eine Stillung des Hungers, gleichsam ein durch Produktion und Verbrauch eines Dinges der zweiten Natur modifizierter Zustand der Natur. Der Nutzen vom Standpunkt des Subjekts ist also die Erfüllung bestimmter Werte menschlichen Lebens, also etwa nicht hungern und dürsten zu müssen. Der Nutzen der Nutzung von Gütern lag also in ihren Gebrauchswerten, die man vollständig erhielt, nachdem man ihre dingliche Gestalt und somit sie als Güter produktiv oder konsumtiv vernichtet hatte. Die vollendete Nutzung und damit der Nutzen oder Gesamtgebrauchswert des Gutes insgesamt muß noch nicht selber ein neues und anderes Gut sein, sondern kann lediglich seinem Besitzer und Nutzer einen Dienst erwiesen haben.

Der Finalismus erzwingt mit der Frage nach dem höchsten oder letztendlichen Nutzen, der die Realisierung aller Gebrauchswerte der Güter zur Grundlage hat, die Betrachtung des Gesamtnutzens aller Güter. Alle Güter zusammen sind das Gesamtgut des Gemeinwesens. Das Gesamtgut Gc+j+v zerfällt in Produktionsgüter, Konsumgüter und Arbeitskräfte. Der Nutzen aller Produktionsgüter Gc sind alle Konsumgüter Gj; der Nutzen aller Konsumgüter sind alle Arbeitskräfte Gv; der Nutzen der Gesamtarbeitskraft ist das Gesamtgut des Gemeinwesens. Es zerfällt, wie gesagt, in Produktions- und Konsumgüter und in Arbeitskräfte, für deren Hervorbringung je eine Teilgesamtarbeitkraft Gv.c und Gv.j und Gv.v aufgebracht werden muß. Also ist die Arbeitskraft das höchste Gut GmaxGv und bringt das Gesamtgut Gc+j+v hervor. Und der für Arbeitskrafterzeugung (pädagogische Produktion) unter Nutzung aller Konsumgüter verausgabte Teil der Arbeitskraft hat, weil er das höchste Gut erzeugt, den höchsten Nutzen N

(36) GGN GutNutzungNutzen
(37) Gc+j+v = Gc + Gj +G Gesamtgut = Produktions- + Konsumgut + Arbeitskraft
(38) Gv G Arbeitskraft = höchstes Gut
(39) N(Gv.v) = N pädagogischer Arbeitskraftnutzen = Maximalnutzen
(40) (N(Gv.c)=Gc) &
(N(Gv.j+Gc)=Gj) &
(N(Gv.v+Gj)=G
Gesamtnutzen

Die Arbeitskraft des Gemeinwesens ist sein höchstes Gut, aber die einzelne Arbeitskraft ist nicht unsterblich und ewig, sondern muß sich ständig fortpflanzen und verjüngen, sie ist daher nur potentiell unsterblich und verewigbar, denn der Mensch ist auch ein materiell-biologisches Wesen. Wäre er ein Gott und nur immateriell-theoretischer Natur, so wäre er selber ein ewiges Gut. Er hat an dieser geistigen Naturalform Gottes aber nur Anteil, ist zur Denkarbeit fähig und kann Geistesprodukte hervorbringen. – An dieser Stelle, bei der Geistesproduktion, beginnt in der Regel erst die herkömmliche Erkenntnistheorie, also viel zu spät. Denn die begrifflichen Bestimmungen des materiellen Arbeitsprozesses sind die einfachen Bestimmungen aller Arbeitsprozesse, auch der geistigen und pädagogischen. Ohne die Kategorien der materiellen Produktion sind rein theoretische Erkenntnisvorgänge schon im Ansatz garnicht faßbar. Der materielle Arbeitsprozeß vom Aktionismus bis zum Finalismus war also die ganz besondere Form des Arbeitsprozesses, die die einfachen Bestimmungen aller Arbeitsprozesse (und damit auch aller Erkenntnisprozesse) hinreichend beschreiben.

Fortsetzung: II. Erkenntnistheorie

7. Infinitismus
Geistige Arbeitsprozesse sind infinit. Das Denken K ist die geistige Arbeit, ihrer Natur nach eine allgemeine, unendliche und ewige Arbeit. Die Hervorbringungen geistiger Arbeit sind ewige Güter, die unverbrauchlich gebrauchbar sind. Das Denken erzeugt den GedankenG. Alle geistigen Arbeitsprodukte sind ewige Güter und daher Gedanken, die sich aber sehr verschieden als subjektiver, als objektiver oder als absoluter Geist manifestieren können. In Kunst, Religion und Philosophie als Erscheinungen des absoluten Geistes nehmen die Gedanken die Gestalten des Schönen, des Guten und des Wahren an und bedienen sich der anschauenden, der vorstellenden und der spekulativen Geisteskräfte des Menschen als Darstellungsmedien. Im Denkprozeß (KG) kann sich der Denker im Gebrauch seiner Denkkraft Gv. auch der BegriffeGc.fix als mittelbarer Gedanken, also Denkwerkzeugen oder Denkmitteln, bedienen, um die ProblemeGc.zir als Denkmaterien oder -gegenstände zu lösen und in Gedanken, also in Denkprodukte, zu verwandeln, die ihrerseits neue Probleme, neue Begriffe oder neue Ideen sein können. Gedanken zum Bedenken sind Denkgegenstände, Gedanken zur Denkhabung sind Begriffe oder Denkgedanken und Gedanken zum unmittelbaren praktischen Tun sind Tatgedanken oder IdeenGj. Darüberhinaus kann das lebendige Denken K der Menschen auch an Gedankensystemen arbeiten, die als DenkersatzgedankenGK in der Funktion von Denkmaschinen oder Theorien GK.c – als DenkersatzmittelGK.c.fix wie als DenkersatzgegenständeGK.c.zir oder DenkautomatenGK.c.fixzir – die Denkfaulheit fördern.

Weil ein ewiges GutG im Denkprozeß nur ge- und nicht verbraucht werden kann, ist seine Auffassung als Problem problematisch. Daher sind an einer Gedankenmaterie nur ihre gedankenlosen Bestandteile auflösbar, nicht ihre gedanklichen. Etwas zum Problem herabsetzen und als Denkmaterie behandeln heißt, im Feuer des reinen Denkens alles Materielle an ihm zu verbrennen, um den reinen Gedanken, der in ihm ist, herauszuschmelzen. Alles Problematische ist nur, weil an ihm ein Materielles, ein Ungedankliches, und dies bleibt dem Denker zu tragen peinlich, es ist nicht reinlich. Diese Schwierigkeit kommt aber nur durch die (unzureichende) Analogie des infiniten mit dem aktiv-materiellen Arbeitsprozeß zu Stande. In Wahrheit führt jeder Brauch eines Gedankens in einem Denkprozeß nur zur Herstellung einer lebendigen Vorstellung des ewigen Gutes, einer Gedankenvorstellung i(G). Aber der Denkprozeß als infiniter Arbeitsprozeß durchdringt nicht nur die aktionistische und mechanistische Stufe der materiellen Erkennntnisprozesse, sondern noch leichter den Chemismus, Biologismus und Finalismus. Verstand als Mitteldenken und Vernunft als Zieldenken bewegen sich in den Sonderformen des materiellen Arbeitsprozesses mit besonderer Leichtigkeit. Sie werden relativiert durch die Urteilskraft, die allein den Verstand bewahren und die Vernunft beurlauben kann, denn das Mittel ist Hegel zufolge immer ehrwürdiger als die endlichen Zwecke, zu denen es gebraucht wird. Die Urteilskraft, die allein die Exzesse der Vernunft zu unterdrücken vermag und deren Mangel Kant mit der Dummheit gleichsetzte, ist erst das Ergebnis der höchsten, der pädagogischen Form des Arbeitsprozesses.

(41) (KG) Denkprozeß (geistiger Arbeitsprozeß)
(42) Gebrauch eines Begriffs im Denkprozeß
(43) KGK.cG Bedienung einer Theorie zur Erzeugung eines
Gedankens

Fortsetzung: II. Erkenntnistheorie

8. Pädagogismus
Die Produktion der Arbeitskraft ist Bildung, Erziehung der darin beteiligte natürliche Vorgang, also das menschliche Leben selber und seine Organisation. Der pädagogische Arbeitsprozeß ist dadurch auffällig, daß in ihm der Arbeitsgegenstand nicht nur konkret bearbeitet wird, sondern sich selber zur Arbeit entschließt oder dazu angehalten wird, damit seine Arbeitskraft gebildet und verstärkt werde. Das Produkt, die Arbeitskraft des Menschen, ist als noch zu bildende Arbeitskraft schon vor dem Bildungsprozeß vorhanden, sie ist von den Eltern erzeugt und erzogen und den pädagogischen Spezialkräften als Roharbeitskraft des Schülers zur Weiterbearbeitung bereitgestellt worden. Bildung durch pädagogische Fachkräfte erfolgt daher mittels geistiger und materieller Prozesse, in welchen die Schülerarbeitskraft Gv.zir zwecks Kraftmehrung verausgabt wird. Bildung ist also Qualifikation, Erwerb von Verausgabungsarten der Arbeitskraft, geistiger wie materieller.

Die pädagogische Arbeit Kv unterscheidet sich in externe und interne, also in Lehrerarbeit Kv.L, die sich weiter in Unterrichten und Lehren unterteilt, und in Schülerarbeit Kv.zir, die aus Lernen und Studieren besteht. Das Unterrichten ist also im wesentlichen ein Verhältnis von Befehl und Gehorsam zwischen Lehrerarbeit Kv.L und Schülerarbeit Kv.zir und also ein Herrschaftsverhältnis, Lehren eine Bedienung von Theorien und eine Denkhabung von Begriffen (oder eine Bedienung von Maschinen und eine Handhabung von Werkzeugen) zwecks Erweckung einer lebendigen Vorstellung oder Tätigkeit, die als geistige in der Wiedergabe und Handhabung der Begriffe und Theorien besteht. Lernen ist Gebrauch eines Begriffes oder Bedienung einer Theorie durch Schülerarbeit Kv.zir dergestalt, daß eine modifizierte Schülerarbeitskraft ‚Gv.zir entsteht. Studieren endlich ist die Einwirkung einer Vorstellung des Studenten von seiner modifizierten Arbeitskraft i(‚Gv.zir) auf dieselbe so, daß sie sich selbst verausgabt, also durch Lernarbeit Kv.zir Theorien bedient (oder Begriffe gedenkhabt), sie in eine lebendige Vorstellung verwandelt und von dieser letzlich ihre Arbeitskraft real modifizieren ‚Gv.zir läßt.

(44) Kv.L K Unterrichten
(45) Kv.LG i(G) Lehren
(46) Kv.zir i(G) ‚G Lernen
(47) i(‚Gv.zir) Gv.zir (Kv.zir G i(G) ‚G Studieren
(48)

Methodik ist Betrachtung von Arten der externen pädagogischen Arbeit Kv.L und unterscheidet Unterrichtsmethoden und Lehrmethoden. Unterrichtsmethoden sind vom Stil des Lehrers wie von der Disziplin des Schülers angeregt, Lehrmethoden sind außer vom subjektiven Lehrstil einerseits didaktisch, also vom Lehrstoff, andrerseits lernpsychologisch, also von der Vorstellbarkeit des Lernstoffs durch den Lernenden, motiviert. Didaktik hingegen ist Untersuchung der Lehrinhalte auf ihre Dar- und Vorstellbarkeit. Didaktische Differenzen bestehen zwischen Lehrinhalten verschiedener Fächer und zwischen den Lehrinhalten desselben Faches in verschiedenen Etappen seiner Geschichte. Eine Wissenschaft als Fach z.B. durchläuft grundsätzlich drei Hauptformationen:

  1. die Forschungsweise, in der es Forschungsmethoden und -ergebnisse, aber noch kein zusammenhängendes System des Wissens dieses Faches gibt,

  2. die Darstellungsweise, in der es die Disziplin zum System ihres Wissens gebracht und letzteres in zusammenhängenden Begriffen, Theorien und Resultaten dargestellt hat, und

  3. die Lehrweise, in der aus dem Fach ein vollkommen formalisiertes Theoriensystem und also eine automatische Denkfabrik geworden ist.

In ihrer Formation der Lehrweise ist eine Wissenschaft der Lehre und des Unterrichts in besonderem Maße fähig, aber auch bedürftig. Als formalisiertes Theoriensystem und damit als Lehrweise oder vollautomatische Denkfabrik kann jede Wissenschaft Allgemeinbildungsgut aller Arbeitskräfte des Gemeinwesens werden.

Die Analyse des Begriffs der Arbeitskraft ergibt, daß sie eine lebendige Substanz S mit der Möglichkeit ö zweckgerichteter Bewegungen B ist. Folglich gilt:

(49) Gv := (S,öB).

Wird die mögliche Bewegung in reale verwandelt, verausgabt sich die Arbeitskraft und leistet Arbeit:

(50) K := (S,B).

Die Kraft und damit den Umfang möglicher Bewegungen bezieht die Arbeitskraft aus den Strukturen #, mit denen die lebendige Substanz S durch Vorgänge der ersten oder der zweiten Natur (N oder K) belegt ist, so daß die Arbeitskraftzusammensetzung jetzt als (S#,öB) notiert werden kann. Die Bewegungsmöglichkeiten öB und damit die Arbeitskraft vermehren sich, wenn die Substanz mit gegebener Struktur wächst oder die Struktur bei gegebener Substanz sich differenziert, d.h.auch zunimmt, oder die Struktur stärker unterscheidet als die Substanz abnimmt:

(51) (S<#=,öB<) Kindererziehung,
(52) (S=#<,öB<) Erwachsenenbildung,
(53) (S>#<<,öB<) Altenbildung.

Medizin als Hilfsdisziplin der Pädagogik repariert Beschädigungen der Substanz und ihrer Struktur entweder durch direkte oder durch indirekte (bewegungstherapeutische) Eingriffe in die strukturierte Substanz. Die Logik ihrer Strukturierung ist mit jener der ersten Menschennatur und der Epistemologie oder Generaltechnik gegeben und findet im Menschen ihre biologische Repräsentanz. Darüberhinaus muß die Substanz die ganze Kultur, also die erworbene Natur menschlicher Bedürfnisse, aufnehmen und sie durch gesellschaftliche und geschichtliche Kompetenzen, die der von der epistemischen Herstellungslogik zu unterscheidenden Reflexionslogik folgen, vervollständigen.

III. Zeichenphilosophie

Zeichen zeigen auf ein Gegebenes, auf ein Gemeintes, auf ein Gewolltes. Dies Zeigen der Zeichen geschieht in den drei Formen des Wahrnehmens, des Anwahrnehmens und des Sinnwahrnehmens. Zeichen sind daher Wahrzeichen oder Anzeichen oder Sinnzeichen. Ein Wahrzeichen (Symbol) ist eine wesentliche Teilgegebenheit, die zum Zeichen der Gesamtgegebenheit geworden oder erklärt ist. Ein Anzeichen (Symptom) tritt mit dem Gewollten, Gemeinten oder Gegebenen auf, ist aber kein wesentlicher Teil, kein Kern oder Begriff des Bezeichneten. Ein Sinnzeichen (Signum) ist keine Teilgegebenheit und überhaupt keine Vorgegebenheit, sondern ein gemachtes Zeichen. Danach fällt es unter die Angegebenheit und wird Datum. Daten sind stets Angegebenheiten und nur Zeichen in dem metaphysischen Sinne, daß alles Vorhandene und alles Nachhandene, also die Welt, ein Gleichnis oder Zeichnis des einen Geistes – der Naturalform Gottes – sei. Sinnzeichen für Gegebenheiten und andere Zeigbarkeiten sind angegeben worden und daher nachrangige Gegebenheiten (Angaben), also Daten.

Angaben (Daten) sind Informationen (Einbildungen), wenn sie sich nicht wiederholen. Zieht man in einer Datenmenge die Informationen von den Angaben ab, bleibt deren Redundanz (Zeichenwiederholung). Informationen sind somit die Einbildungen, die der Zeichengeber im Zeichennehmer erzeugt, und Redundanz die Sicherung oder Verstärkung einer bereits gegebenen Einbildung. Einbildungen werden im Gedächtnis (Speicher) aufbewahrt und durch Ausbildung vermindert. Ausbildung formiert Informationen zu einer Gestalt, die den größten Teil der Informationsmenge überflüssig macht, also Redundanz nicht aus Angaben (Daten), sondern aus Einbildungen (Informationen) erzeugt. Ausbildung nichtet Einbildung zu Bildung. Ein implosionsartiger Informationsverfall („Lernen“ bei Shannon) ist die Eingebung des Zeichennehmers, welche durch Bildungssprünge die plötzliche Abschiebung vieler überflüssig gewordener Zeichen in den Informationsmüll gestattet, wo sie als Deformationen (Sekundärredundanz) abgeschrieben werden und das Gedächtnis entlasten.

Das Zeichen drückt einen Inhalt aus, dem die Beschaffenheit des Zeichens völlig gleichgültig ist. In der Erscheinung als Zeichen wird das auszudrückende Innere sichtbares Unsichtbares, aber ohne an diese Erscheinung geknüpft zu sein. Der gleiche Inhalt kann sich eines anderen Sinnzeichens als seiner Erscheinung bedienen, und ein anderer Inhalt kann gleichzeitig das selbe Zeichen benutzen. Das Zeichen an sich ist das Reflektiertsein, das immer als etwas anderes genommen werden kann, als es ist. Das Zeichen als Reflexion von allem auf jedes ist als solches grundverschieden von allen Tathandlungen, Tatsachen oder den Arbeiten und ihren Werken, welche der Inhalt oder die Sache selber sind. Weil also das Zeichen gleichgültig gegen das Bezeichnete ist, seinen Inhalt, so bezeichnet es in Wahrheit nichts. Ein Nichts war aber das Einzige, wovon wir (in der Metaphysik als der Logik der reinen Negationen) ausgingen. Das Zeichen, mit dem wir anfingen, bezeichnete nichts und war als Nichts bezeichnet. Mit diesem Zeichen hat die Metaphysik die Schöpfung der Welt aus dem Nichts nachgeahmt, ohne auch nur wissen zu können, ob es das Gegebene des Zeichens geben kann. Die Metaphysik hat aber die absolute Gewißheit von der Berechtigung ihrer Zeichen als Erscheinungen eines Gemeinten, denn sie ist dieses Gemeinte selber. Die Gegenmeinung nun, daß jenes, was man nicht beweisen kann, auch nicht zu einem Gemeinten werden solle und ein Zeichensystem darüber (das Nicht-zu-Meinende) nicht aufgestellt werden dürfe, ist die Metaphysik des Metaphysikverbots, die folgerichtig für den verbotenen Inhalt kein Sinnzeichen aufstellt, also einer Semiotik der Leerstelle frönt und damit für das reine Nichts ein noch schlagenderes Zeichen findet als das Minuszeichen.

Weil in der Metaphysik Bezeichnung des Gemeinten und Bemeinung des Gezeichneten in eins fallen, haben wir es immer mit einer Gegebenheit und damit bei allen Metaphysiken mit Bruchstücken des Gedächtnisses der Weltwerdung zu tun. Daß die produktive Intelligenz des Menschen überhaupt mit bloßen Sinnzeichen, die sämtlich den gegebenen oder gemeinten Inhalt souverän tilgen und mit einer beliebigen Anschauung füllen, hantiert und sie im Gedächtnis oder auf gleichgültiger Materie als Speichermedium ablegt, ist ein Rückverweis auf das Jenseits und die Hantierungen des absoluten Geistes, der durch bloße Bezeichnung die Welt und ihre Kreaturen schöpft. Die Zeichen sind die Wunder, durch die wir Religion haben, also Rückbindung an das Jenseits.

Die Zeichen selber nun sind durchaus keine platonischen Ideen, sondern sinnliche Anschauungen im Außereinander von Raum und Zeit. Sie sind z.B. das Nacheinander von Tönen oder das Nebeneinander von Bildern. Die virtuelle Welt ist nicht weniger materiell als die wirkliche. Die Zeichenwelt ist die operative Tilgung von Inhalten durch die produktive Intelligenz. Die herrschende Lehre vom Zeichen, die Semiotik, bürokratisiert sich in vier Abteilungen: die Semantik, worin die Bedeutung der Zeichen, die Syntaktik, worin die Zeichen-Zeichen-Beziehungen, die Pragmatik, in der die Verhältnisse von Zeichen und Zeichenbenutzern und endlich die Sigmatik, in der die Zeichentechniken thematisiert werden.

Indem die produktive Intelligenz für einen gemeinten Inhalt ein hör- oder sichtbares Zeichen setzt, tilgt sie diesen Inhalt und gibt ihm zugleich einen Namen. Was dieser Name impliziert, kann der zeichensetzende Mensch nur durch andere Zeichen explizieren, die selber bloß Namens-Zeichen oder deren explizierende Zeichen-Sätze sind, die alle auf ihre Implikations-Zeichen und also die nicht weiter reduzierbaren Namenszeichen zurückgeführt werden können. Dieses sinnlich-anschaubare Hantieren mit Zeichen ist das Denken. Diese geistige oder denkende Art der menschlichen Arbeit ist vorführbar, beobachtbar und nachahmbar wie jede andere Arbeit, wie jede materiell-gegenständliche Hantierung auch. Das für diese Arbeitsart spezifische Geistige oder Immaterielle vollzieht sich im Akt der Zeichengebung, also der Stigmatisierung des Inhalts, die ihn zum Verschwinden bringt, indem sie ihn benamt. Der Name ist die gedankliche Äußerung des Inhalts. Der Gedanke ist immateriell oder geistig und deshalb das Verschwundensein selber. Der Gedanke hat die Freiheit, beliebige Namen zu ersinnen und sich gleichgültiger Materien zur Darstellung seiner Namensgebung – der Einprägung oder Ausprägung des Zeichens – zu bedienen. Diese Freiheit haben alle Gedanken, und das gegenseitige Anerkennen dieser Freiheit der Gedanken ist der absolute Geist.

Der aufrechte Gang des Menschen ist ein Zeichen, das auf der Erde steht und in den Himmel ragt. Die Erde als Raumpunkt im All ist Zeichen der Endlichkeit und Diesseitigkeit, der Himmel über den Häuptern der Menschen ist Zeichen der Unendlichkeit und des Jenseits. Man könnte auch sagen, die Spannung zwischen Himmel und Erde richte den Menschen aus der horizontalen Negativität in die Senkrechte auf, zu einem Ich, das sich dem bloßen Nichts als Reflexion querstellt. Dann ist das Waagerechte die Negativität und die auf der Erde kriechenden Tiere sind die Sinnbilder dieser Negativität, wobei der Wurm die erbärmliche Variante darstellt und die Schlange die gefährliche.

Alle Arten der Zeichengebung und der Zeichennahme sind selber Zeichen und damit eines der Wunder der menschlichen Nachahmung Gottes. So z.B. ist das Lesen von links nach rechts, der Rücksprung nach links und die erneuerte rechte Richtung der Zeichenaufnahme ein Zeichen für den Gang der Völker in der Zeit, also in ihrer Geschichte. Die Schriftebene ist ein Diesseitszeichen, die Raumdimension hinter der Schriftebene ein Jenseitszeichen. Ein Punkt ist Zeichen der Dimensionslosigkeit auf der Schriftebene, aber Minuszeichen in der unsichtbaren Raumdimension. Also ist das Sinnzeichen nicht nur in Bezug auf das von ihm angezeigte Gemeinte, sondern schon als solches die Einheit von Sichtbarem und Unsichtbarem. Das sichtbare Minuszeichen ist ein unsichtbares Flächenzeichen und das sichtbare Kreuz ein unsichtbares Hakenkreuz. Der Zeichengebrauch schärft den mythischen Blick, der im Sichtbaren das Unsichtbare sieht, im Zeitlichen das Ewige spürt und in der Anschauung den Begriff erfaßt. Der Weg der Zeichen ist das Geschehen von Wundern und führt zur Wiederverzauberung der Welt und zur Rückkehr der Götter.

IV. Geschichtsphilosophie

Die Philosophie der allgemeinen Geschichte ist jener der Kunstgeschichte verwandt. Ästhetik und Historik sind analog, oder genauer: die Kunstgeschichte folgt einer Unterlogik der Allgemeingeschichte. Die Geschichte ist die Bewußtwerdung der Freiheit, und die Kunstgeschichte ist das zunehmende Selbstbewußtsein der künstlerischen Freiheit. Daher diene uns ein Abriß der Hegelschen Ästhetik als Einführung in die Geschichtsphilosophie.

Die Essenz aller Künste ist die ihnen erreichbare Vollkommenheit, also der Geist. Die nützlichen Künste haben ihre Wahrheit im objektiven Geist ihrer Werke: den Gütern oder nützlichen Dingen, den Erzeugnissen und Erkenntnissen, deren philosophische Summe die Erkenntnistheorie zieht (siehe oben). Das Wesen der schönen Künste ist die sinnliche Erscheinung des absoluten Geistes. Das Kunstschöne ist die den ästhetischen Machwerken des Menschen erreichbare Vollkommenheit, das Naturschöne hingegen die Vollendung eines Naturvorganges. Schönheit ist Scheinen der Wahrheit durch das Material des Werkes. Weil die Schönheit als Erscheinung der Wahrheit nur im Reich der Sinne sich offenbart, beginnt die Philosophie des Kunstschönen (Ästhetik) mit einer Kritik der Sinne.

Von den fünf Sinnen (Geschmack, Geruch, Gefühl, Gehör, Gesicht) und ihren Sinnesorganen (Zunge, Nase, Haut, Ohr, Auge) sind die praktischen Sinne, die ihre Gegenstände entweder wie der Geschmack aktiv zersetzen, ihre Selbstzersetzung wie der Geruch passiv wahrnehmen oder aber doch wie das Gefühl nicht unberührt lassen, nicht kunstfähig. Kunstfähig sind allein die theoretischen Sinne Gehör und Gesicht. Nötig ist ferner die Annahme eines sechsten, inneres Sinnes, nämlich des Vorstellungsvermögens als dem Sinnorgan. Das Kunstschöne entsteht somit im Reich des inneren Sinnes und der beiden theoretischen Sinne, deren Wahrnehmungsweisen den Gegenstand unverändert lassen.

Die Kunst setzt das Hören und Sehen in Vorstellungen um und macht aus kunstfähigen Sinneswahrnehmungen inneren Sinn. Die so erzeugte geistige Vorstellung ist der Inhalt, der tätige Quell, der sich unter Verbrauch seines spezifischen Rohmaterials – der Sinneswahrnehmungen und Eindrücke – seine Form schafft. Die Form, die sich der Inhalt schafft, ist das Material seines Ausdrucks. Inhalt und Form zusammen, also die geistige Vorstellung und ihr Ausdrucksmaterial, bilden den Gehalt des Kunstwerkes. Der Inhalt ist das Ideelle, die Form das Materielle am Kunstwerk.

Die Kunstformen oder Stile entsprechen den großen Geschichtsformen der asiatischen, antiken und germanischen Welt. Die asiatische Welt bringt den strengen Stil, die Symbolik, hervor, die antike Welt den idealen Stil, die Klassik, und die germanische Welt den gefälligen Stil, die Romantik. Weil jedes Kunstwerk den Inhalt zur Form und somit die Idee zur sinnlich-materiellen Darstellung bringen muß, kann man die Kunststile, die zugleich historische Stile sind, auch nach dem Grade der Übereinstimmung von Form und Inhalt, also nach dem Erreichen oder Verfehlen des Kunstideals unterscheiden, so daß die Symbolik sich als angestrebtes Ideal, die Klassik als erreichtes Ideal und die Romantik als überschrittenes Ideal erscheint.

Die fünf Künste unterscheiden sich nach den drei bildenden Künsten (Architektur, Skulptur, Malerei), der tönenden Kunst (Musik) und der redenden Kunst (Poesie). Die fünf Künste – Baukunst, Bildhauerkunst, Malkunst, Tonsetzkunst und Dichtkunst – sind auch nach ihrer Stilprägekraft zu unterscheiden: die Architektur ist die symbolische Kunst, weil für den strengen Stil der asiatischen Welt prägend, die Skulptur ist die klassische Kunst der antiken Welt und Malerei, Musik und Poesie sind die stilprägenden romantischen Künste der germanischen Welt.

    Die fünf schönen Künste sind Stufen der fortlaufenden Abstraktion von der sinnlich gegebenen Natur, wodurch ihre besonderen Dimensionen entstehen, worein die geistige Vorstellung oder der Inhalt sich einformt. Der Anfang der Kunst, die Architektur, ist die Negation der Natur, die einen abstrakten Raum der Bauwerke zum Resultat hat (architektonische Dimension). Die Skulptur ist die Negation des abstrakten Raumes durch den Verzicht auf Symbolisch-Kolossales und realisiert den natürlichen Raum (plastische Dimension) mit dem Menschen als Maß der Dinge. Malerei negiert den natürlichen Raum mit dem Verzicht auf die dritte Dimension und bewegt sich erstmals in einem rein imaginären Raum (malerische Dimension). Die Musik schließlich negiert den Raum auch als imaginären gänzlich durch den Punkt, der nur in der Zeit ausdehnbar ist. Ihr Material ist die abstrakte Zeit (musikalische Dimension), die wiederum von der Poesie negiert wird. Anstelle der bloßen Töne erfüllt die Poesie die Zeit mit inhaltsvoller schöner Rede, gestaltet eine natürliche Zeit als Redezeit. Resultat jeder ästhetischen Rede ist eine imaginierte Raumzeit, die poetische Dimension. Die Vollendung der Kunst ist die Dichtung, ihr sinnliches Material wird vom Sinnorgan, d.h. dem Vorstellungsvermögen oder der Phantasie, dem inneren Sinn bereitgestellt. – Aller Kunstgenuß bedarf dreier Rezeptionsorgane in zwei Rezeptionsstufen. Auf der ersten Rezeptionsstufe erfassen die theoretischen Sinne das Kunstwerk, um es auf der zweiten Rezeptionsstufe, dem inneren Sinn, im Vorstellungsvermögen als Phantasieprodukt sich bereitzustellen, es also wahrzunehmen. Auf der ersten Rezeptionsstufe erfaßt das Auge die drei bildenden Künste, das Ohr die tönende Kunst und beide theoretischen Sinnesorgane zusammen die redende Kunst. Ohne das Sinnorgan der zweiten Rezeptionsstufe bleibt aber der Blick blind und der Ton stumm.

Fortsetzung: Geschichtsphilosophie

Geschichte ist die Bewußtwerdung der Freiheit. Subjekte der Freiheit können Individuen und Gemeinschaften von Menschen sein. Das Ganze ist vor den Teilen, die Gemeinschaft vor den Vereinzelten. Die Logik der Geschichte, die von der Geschichtsphilosophie erzählt wird, beginnt also mit der Freiheit des Ganzen, die sich in der Freiheit jedes Einzelmenschen, jener Unteilbaren oder Individuen, aus denen das Ganze besteht, vollendet. Was eine Vollendung und damit ein Ende kennt, hat auch einen Anfang und einen Zustand, der ihm vorhergeht.

Vorgeschichte ist die Naturgeschichte der Menschheit, die mit der Geschichte nicht aufhört, insoweit sie eine Naturalformengeschichte (beschleunigte Naturgeschichte), eine Entwicklung der Technik wie der Naturalformen des Menschen selber, einschließt. Die anhaltende Vorgeschichte ist die ständig erneuerte Begegnung mit Sach- und Daseinszwängen, also Innewerdung der fortdauernden Unfreiheit und des Lebens unter den Nöten der Natur. Die Geschichte beginnt mit dem Übergang der Menschen von der Horde der Jäger und Sammler zu der Gemeinschaft der Ackerbauern, die als Volk, Stamm, Sippe oder Familie auftritt. Dieser Übergang, den man die neolithische Revolution nennt, ist die Umkehrung des Verhältnisses der Menschen zur Erde als ihrem Lebensraum. Den Jägern und Sammlern ist die Erde ein Arbeitsgegenstand, dem sie ihr Arbeitsprodukt entreißen, den Bauern ist die Erde ein Arbeitsmittel und sogar eine vorgefundene Maschine, die sie bedienen, pflegen und warten, so daß mit der Geschichte auch die Kultur beginnt und sich von der Natur abhebt. Der Unterschied von Geschichte zu Vorgeschichte ist der von Anbau zu Abbau.

Adam und Eva waren von Gott gemacht und damit Naturkinder. Kain aber, der Bauer, war der erste erkannte, von Menschen gezeugte und geborene Mensch überhaupt. Er hatte das Wissen vom Baume der Erkenntnis und mit ihm die Arbeit geerbt. Kain konnte von Anfang an Gut und Böse, Recht und Unrecht unterscheiden. Er war wie Gott: moralische Person und Rechtssubjekt, und er konnte selbst gegen einen ihm fremd und nomadisch gewordenen Gott und gegen seinen eigenen Bruder sein Recht schützen. Mit Kain beginnt irdisches Recht und weltliche Gerichtsbarkeit, weil das Land des Bauern nicht nur in Besitz genommen und behalten werden muß, sondern auch als Eigentum und damit als rechtlicher Besitz anzuerkennen ist. Mit Kain beginnt also die Geschichte und mit Abel beginnt die Gegengeschichte als Angriff der Nomaden auf die Bauern.,

Die Geschichtsformen unterscheiden sich nach Gemeinwesenarten, die an ihren Sozialmolekülen, den Gemeinden, erkennbar sind. Jede Gemeinde (und daher auch jedes Gemeinwesen) ist ein Verhältnis zwischen der Gemeinschaft p, ihren Individuen q und deren Gütern r. Hauptbestandteile der Güter r sind Grund und Boden g, Herstellungsmittel c und Konsumgüter j: r

In der asiatischen Gemeinde herrscht die Zuordnung:
GemeinschaftIndividuenGüterGemeinschaft pqrp =
in der antiken Gemeinde gelten beide Zuordnungen:
GemeinschaftIndividuenGüterGemeinschaft pqrp =
und in der germanischen Gemeinde die Zuordnung:
GemeinschaftIndividuenGüterGemeinschaft pqrp =

In der Geschichte verwirklicht sich die weltliche Form (oder das Bewußtsein) der Freiheit. Die geschichtlich verwirklichbare Freiheit ist aber nur dieses, Subjekt der Geschichte zu werden. Subjektiviert werden können alle Naturalformen X, die in der Geschichte eine Rolle spielen und in Verkehr mit anderen Naturalformen treten wollen: Gemeinschaften, Einzelne und ihre Güter. Diese Naturalformen X müssen sich also wechselseitig Verkehrsform Y zusprechen und also eine Freiheit oder ein Geschichtssubjekt (X,Y) werden. Die Freiheiten sind alles, was Subjektform annehmen kann: Freiheit ist das Recht und die Person, die Meinung und das Bewußtsein, aber auch die Pflicht und der Verpflichtete, der Gläubiger und der Schuldner so wie sie handelnd und leidend in Raum und Zeit auftreten.

Die Formel der Geschichte beschreibt das Subjekt der Geschichte (X,Y) in der Abhängigkeit von Raum und Zeit (g,t), modifiziert durch die sozialwissenschaftlichen Systemschalter S, M und R und die geschichtlichen Ordnungsschalter, und:


Formel der Geschichte

Die Naturalform X verwandelt sich in das Wirtschaftsgut G und die Verkehrsform Y in dessen Wertgröße W und somit entsteht die Ware (G,W), wenn der Schalter Reichtum betätigt wird; durch den Schalter Macht wird X zum Besitz B und Y zum Eigentum E und somit entsteht das Recht (B,E); und durch das Einschalten von Seele wird X zum Bedürfnis N und Y zur Bedeutung U und somit entsteht die Meinung (N,U). Der S-Schalter betätigt also eine psychologisch-idealistische, der M-Schalter eine politisch-rechtliche und der R-Schalter eine ökonomisch-materialistische Betrachtung der Geschichtsformel. Die Gesamtaktivität des SMR-Schalters stellt eine undifferenziert-soziologische (ganzheitliche) Geschichtsbetrachtung dar, die gemeinsame Einzelaktivität als (S,M,R)-Schalter eine differenziert-ganzheitliche Geschichtssoziologie, um die herum mittels eines Rahmens noch ein undifferenziert-residualer Soziologismus ein- und ausgeschaltet werden kann. Eine weitere Verwendungsweise ist die rechtsdrehende Verknüpfung zwischen den Subsystemen SMRS als Schaltung des historischen Verhältnisses und die linksdrehende Verknüpfung SMRS als Schaltung des prähistorischen Verhältnisses der Subsysteme.

* * *
  • Zur weiteren Lektüre wird empfohlen: Kap. „Geschichtslogik des Gemeinwesens“, aus: Reinhold Oberlercher, Lehre vom Gemeinwesen, Berlin 1994; ders., „Das Subjekt der Weltgeschichte. Ein Konstruktionsversuch“, in: Hegel-Jahrbuch 1981/82; Kap. „Formen, die der kapitalistischen Produktion vorhergehn“, aus: Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1953, S. 375 ff.